Wenn der Fluss voll Whisky wär

Mir gefällt der Ton nicht, den Sie dem Iman gegenüber anschlagen. Das ist nicht John Travolta, mit dem Sie es hier zu tun haben, mein ahnungsloser Freund.

Ob Boyle Psychopathen, donquichoteske Figuren, bloße Exzentriker oder ganz normale Menschen beschreibt, immer schildert er einen mählichen oder jähen Umschwung im Leben dieser Personen. Da ist der leidenschaftliche Koch, der eine mäkelnde Gastronomiekritikerin zum Genuss verführt; die clevere Verkäuferin von Alarmanlagen, die plötzlich selbst eine braucht; die alte Frau, die nach dem Tod ihres Mannes einem sanften Wahnsinn anheimfällt; der Fliegenmensch, der sich an Lastwagen und Flugzeuge anschnallen lässt, bloß um berühmt zu werden. Da ist die entsetzliche Geschichte von dem scheinbar ganz harmlosen Adoptivkind, das mörderische Phantasien auslebt. Es tauchen auf: der Teufel persönlich (als Gentleman); die Heilige Jungfrau, die, um einen irischen Saufbold zu bekehren, ein veritables Wunder veranstaltet; und nicht zu vergessen Konrad der Schimpanse, der nach einem entfremdeten Leben in der Zivilisation zu seinen Wurzeln zurückkehren soll. Wenn sich in manchen Geschichten Boyles bissiger Witz fürs Absurde und sein satirisches Talent austoben, so zieht er in anderen ungeahnt zarte Register: wunderbar traurig ist die Titelerzählung, in der ein trunksüchtiger Vater und sein kleiner Sohn beim gemeinsamen Angeln verzweifelt versuchen, zueinander Verbindung aufzunehmen. Und wider alle Erwartungen und kulturellen Unterschiede triumphiert die Liebe, als ein junger Durchschnittsamerikaner durch den zeremoniellen Sprung ins eiskalte Wasser des Hudson seine Zuneigung zu einer tief in ihren Traditionen verwurzelten Russin offenbart.

Boyle zeichnet das Bild eines Amerika, in dem die schlimmsten Befürchtungen oft auf schreckliche Weise wahr werden, einer Mittelschicht, deren trügerisch ordentliche Oberfläche aufgerührt wird durch falsch gelenkte gute Absichten, Habgier und Zynismus. Doch er zeigt auch, wie diese Welt gerettet werden könnte, wenngleich er mit Calvino – von dem das Motto des Bandes stammt – überzeugt ist, »dass man bestenfalls hoffen kann, das Schlimmste zu vermeiden.«

Inhalt:

  1. Erbärmlicher Fugu
  2. Moderne Liebe
  3. Schwieriger Kunde
  4. Seelenfrieden
  5. Das sinkende Haus
  6. Der Fliegenmensch
  7. Die Mütze
  8. Bienenkönig
  9. Tauwetter
  10. Der Teufel und Irv Cherniske
  11. Das Wunder von Ballinspittle
  12. Zapatos
  13. Die Affenfrau im Ruhestand
  14. Wenn der Fluss voll Whisky wär

 

wenn_der_fluss_voll_whisky_waerErscheinungstermin: Februar 1991
Deutsch von Werner Richter
Hanser | 264 Seiten | ISBN 978-3446158412
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wenn_der_fluss_voll_whisky_waer-tbErscheinungstermin: August 1994
Deutsch von Werner Richter
dtv | 264 Seiten | ISBN 978-3423119030
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wenn_der_fluss_voll_whisky_waer-hbErscheinungstermin: Juni 2007
Erzähler: Jan Josef Liefers
Der Hörverlag | Spieldauer: 2 Std. und 38 Min. (5 Storys)
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wenn_der_fluss_voll_whisky_waer-orTitel der Originalausgabe: If the River Was Whiskey
Erscheinungstermin: April 1989
Viking | ISBN 978-0670826902
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