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»Ich bin Entertainer und blas' die Leute weg mit meinen Geschichten.« (T.C. Boyle)
 
T.C. Boyle - BRIGITTE-Lesetour 2005
Im Mai 2005 gastierte T.C. Boyle in Deutschland und in der Schweiz, um seinen Roman Dr. Sex vorzustellen. Hier die von der Zeitschrift BRIGITTE präsentierte Tour im Rückblick:
 
 
T.C. Boyle - Brigitte-Tour 2005
 
Dienstag, 17. Mai 2005, 20:00 Uhr
HAMBURG - FABRIK
Deutscher Text: Jan Josef Liefers
Moderation: Andreas Lebert
Veranstalter: Literaturhaus Hamburg in Kooperation mit BRIGITTE, Carl Hanser Verlag, der hörverlag, dtv und dem Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika
Veranstaltungsort: FABRIK, Barnerstr. 36
 
Hamburger Morgenpost
Er habe sie verrückt gemacht, erzählt die Dame vom Literaturhaus. Weil das Telefon nicht still stand, weil viele verzweifelt versuchten, eine Karte für die Lesung von T.C. Boyle zu ergattern. 700 hatten Glück, saßen und standen in der prall gefüllten Fabrik und lauschten Boyle. (...) Er liest zügig, aber betont. Bei Liefers-Passagen bleibt Boyle stehen, wankt ins Buch vertieft hin und her und grinst immerzu. Dieser Autor mag seinen Text - und kann das trefflich vermitteln.
 
Die Welt
(...) An diesem Abend lesen sie [den Roman Dr. Sex] beide [Boyle und Liefers], immer einer ein kleines Stück und dann der andere das nächste Stück. Boyle englisch, Liefers deutsch.Vorher hatten die zwei, und zwar beide auf englisch, kurz und amüsant die Story ihres ersten Treffens auf Boyles kalifornischem Wohnsitz beschrieben.
 
 
Mittwoch, 18. Mai 2005, 19:30 Uhr
KÖLN - E-WERK
Deutscher Text: Jan Josef Liefers
Moderation: David Eisermann
Veranstalter: lit. COLOGNE GmbH in Kooperation mit BRIGITTE, Carl Hanser Verlag, der hörverlag, dtv und dem Amerika Haus Köln
Veranstaltungsort: E-Werk, Schanzenstr. 37, Köln-Mühlheim
Um 15.30 Uhr: Signierstunde in der Mayerschen Buchhandlung
 
Kölner Stadtanzeiger
(...) Ins ausverkaufte Kölner E-Werk ist der Mann mit dem flamboyanten Erscheinungsbild [Boyle] gekommen, um seinen Roman Dr. Sex vorzustellen. (...) Besonders genüsslich trägt der Starautor aus Santa Barbara jene Passagen vor, die der Imaginationskraft des Lesers wenig Spielraum bieten. Und selbst wenn der Schauspieler Jan Josef Liefers für den deutschsprachigen Part die Stimme erhebt, kann Boyle sich ein schelmisches Lachen kaum verkneifen. (...) Moralischen Hardlinern, berichtet Boyle mehr oder weniger belustigt, ist das plötzliche Interesse an dem Sexualforscher suspekt.
 
koeln.de
Das E-Werk ausverkauft, das kennt man sonst nur von Top-Konzerten oder der Stunksitzung. (...) Mit ihm [Boyle] auf der Bühne: Jan Josef Liefers, deutscher Schauspieler, der Boyles neuestes Werk als Hörbuch aufgenommen hat. Fast hätte Liefers den Auftritt verpasst, er war auf der Promi-Toilette im E-Werk eingeschlossen worden, wie er erzählt, und habe minutenlang gegen die Tür gehämmert, bis man ihn endlich befreite. Liefers berichtet, wie er vor den Aufnahmen Boyle in seinem wunderbaren Haus besucht habe, was das für ein toller Aufenthalt gewesen sei, bis T.C. ihm ins Wort fällt: »Wieso erinnerst du dich an das alles? Wir waren doch drei Tage nur betrunken!« Das Volk lacht, da war er, der böse Boyle, den seine Fans so lieben. (...) Boyle las den Beginn des Romans auf englisch vor, Liefers setzte fort mit einem deutschen Kapitel, dann wieder Boyle, Liefers und noch einmal Boyle. Gut anderthalb Stunden wurde das Publikum bestens unterhalten. (...) Im Saal waren die Frauen klar in der Mehrheit, nicht wirklich verwunderlich, wenn man weiß, dass die Zeitschrift BRIGITTE Mitorganisator der Lese-Tournee ist.
 
satt.org
(...) T.C. Boyle versichert den rund 500 Besuchern im Kölner E-Werk, dass die Kölner das beste Publikum seien, das er bei seinen vielen Deutschlandauftritten kennengelernt habe, woraufhin Eisermann darauf verweist, dass »Düsseldorf-bashing« in Köln Tradition habe, und morgen dort, in Düsseldorf, die nächste Lesung anstehe. Es wird auf Englisch weitergeplaudert; Liefers fragt, ob es okay sei, wenn nicht übersetzt wird, ein Zuschauer klatscht, es ist also okay. (...) Boyle leitet in die Lesung ein, steht dazu auf. Steht ohne Tisch oder Pult vor einem Mikro. (...) Boyle hält das Buch in der einen Hand, gestikuliert ab und zu mit der anderen. So bekommt sein Vortrag den Charakter einer Theaterprobe. Boyle wirkt - in seinen schwarzen Hosen, dem schwarzen, offenen Hemd, das er über einem schwarz-weißen T-Shirt mit einem Tiger-Motiv (?) trägt, dazu schwarz-weiß karierte Turnschuhe, rötliches Haar mit einer blonden Strähne - wie ein Punk-Hamlet. (...) Boyles Art, den Text zu lesen, lässt Milk als schüchternen, unsicheren, über die Welt verwunderten Menschen erscheinen. Boyle erhöht das Lesetempo immer dann, wenn von Dingen die Rede ist, deren Milk sich sicher ist, die konventionell sind. Sobald von etwas Prekärem, Sexuellen die Rede ist, liest er stockend, um Milks Unsicherheit auszudrücken. Wenn er darstellen will, daß Milk dem Leser etwas gesteht, senkt Boyle die Stimme. Er hebt sie immer dann, wenn er eine Frauenstimme imitieren will. Liefers liest dagegen ironisch, versucht in allen Sätzen Pointen zu betonen, Witziges herauszuheben. Nach knapp 30 Minuten ist die Lesung vorbei, die, so David Eisermann, wonderful war. Boyle schlägt vor, noch lange weiterzulesen, das ganze Buch, zumindest alle schmutzigen Stellen. Liefers ist einverstanden, zumal sich Boyle angeblich alle guten Stellen im Text zum Vorlesen vorbehalten hat. (...) Letzte Frage: Worum geht es in dem neuen Buch? Boyle: Um Identitätsdiebstahl - eine zur Zeit große Sache in den USA. Hauptfigur ist eine taube Frau. Wie alle tauben Menschen erschließt sie sich die Welt nicht mittels der Sprache, sondern mittels anderer Sinne, die sie besonders entwickelt hat. Diese Frau schreibt ein Buch über ein Findelkind, das Anfang des 18. Jahrhunderts zwölfjährig im Wald gefunden wurde und nie in der Lage war, die menschliche Sprache zu lernen. Seine Lieblingsfigur sei jedoch der Identitätsdieb. Ein wunderbarer Mensch, der seine russische Freundin liebt, gut kocht, zu jeder Art von Schandtat aufgelegt ist. Das Buch ist sehr spannend, man kann sich schon darauf freuen. David Eisermann dankt Liefers und Boyle. Und erinnert daran, dass es zum Signieren durch die linke Tür hinausgeht.
 
 
 
Donnerstag, 19. Mai 2005, 19:30 Uhr
DÜSSELDORF - SCHAUSPIELHAUS
Deutscher Text: Jan Josef Liefers
Moderation: David Eisermann
Veranstalter: Literatur bei Rudolf Müller in Kooperation mit BRIGITTE, Carl Hanser Verlag, der hörverlag und dtv
Veranstaltungsort: Düsseldorfer Schauspielhaus,
Gustaf-Gründgens-Platz 1
 
Rheinische Post
Es ist schon irgendwie ein seltsames Paar. Der Schauspieler Jan Josef Liefers, prominent und bekannt aus zahlreichen TV- und Kinofilmen und nicht zuletzt durch seine Rolle als Rechtsmediziner im Tatort beliebt. Auf der anderen Seite der amerikanische Autor T.C. Boyle, den auf den Straße vermutlich nur die wenigsten erkennen würden, den aber am Donnerstagabend im Kleinen Haus des Schauspielhauses jeder kannte und an dessen Lippen die Zuschauer bei der Lesung zu seinem neuesten Buch Dr. Sex förmlich hingen. (...) Gemeinsam sind sie zur Zeit auf Lesereise, Boyle auf englisch, Liefers liest die deutschen Passagen. Bevor es zur eigentlichen Lesung aus dem Buch kam, lieferten sich die beiden einen kleinen Schlagabtausch über Frauen, das Leben, den Sex und natürlich über den legendären Amerikaner Dr. Alfred C. Kinsey, der mit seinen Büchern über das sexuelle Verhalten von Männern und Frauen in den prüden 50er Jahren Furore machte. (...) Was Boyle und Liefers dann aus dem Buch vortrugen war herrlich süffisant, blumig und ziemlich sexy. Jan Josef Liefers Stimme und Art der Interpretation passte von der ersten Minute. Er las nicht nur, er schauspielerte die Geschichte, stotterte bei peinlichen Begebenheiten, war verlegen, wenn er alias John Milk eine Studentin nach einem äußerst anregenden Vortrag von Kinsey nach Hause bringen soll und setzte gekonnt Charme und Ironie ein. Boyle, dunkel gekleidet, mit roten Turnschuhen, erntete für seinen Part teilweise Szenenapplaus. Ironisch und lässig stand er vor dem Mikrophon und porträtierte die prüde und heuchlerische Gesellschaft des Amerika der vierziger und fünfziger Jahre. (...)
 
 
Freitag, 20. Mai 2005, 20:00 Uhr
BERLIN - KULTURBRAUEREI
Deutscher Text: Jan Josef Liefers
Moderation: Marion Brasch
Veranstalter: KulturBrauerei in Kooperation mit BRIGITTE, Carl Hanser Verlag, der hörverlag, dtv und der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Veranstaltungsort: Kulturbrauerei, Kesselhaus, Knaackstr. 97
Außerdem am 21. Mai, 15.00 Uhr: Signierstunde im KulturKaufhaus Dussmann, Friedrichstraße 90
 
us-botschaft.de
Der »Popstar« der Literatur, T.C. Boyle, las aus seinem neuesten Roman Dr. Sex (engl. Originaltitel The Inner Circle) in der Kulturbrauerei Berlin vor ca. 500 meist jüngeren Zuhörern. Die Botschaftsrätin für öffentliche Angelegenheiten Anne Chermak eröffnete den Abend. Die Moderation von Marion Brasch schaffte eine entspannte Atmosphäre für den lebendigen Auftritt von Boyle und seiner deutschen Stimme Jan Josef Liefers. Am folgenden Tag gab Anne Chermak ein Abendessen zu Ehren von T.C. Boyle in der Residenz des Botschafters.
 
Berliner Morgenpost
Der Mann sieht aus wie ein in die Jahre gekommener Hippie, in seinen schlabberigen Jeans, den Turnschuhen, der schwarzen Lederjacke, mit Totenkopfring und hochtoupierten Haaren. Doch für die Wartenden im Kulturkaufhaus Dussmann ist er der Kultautor schlechthin, manche schwärmen sogar, er sei ein Meister. Gemeint ist T.C. Boyle (...) Für 15 Uhr hatte der Buchladen Dussmann zur Boyle'schen Signierstunde geladen. Längst vor dem US-Autor war Jacqueline Masuck da. Seit 14 Uhr harrte die 42jährige Buchhändlerin an ihrem freien Sonnabend im Kulturkaufhaus aus, um von ihrem literarischen »Genie« eine Unterschrift zu ergattern. Nach mehr als einer Stunde Wartezeit steht sie ihrem Schriftsteller-Idol gegenüber. Mit zittrigen Händen schiebt sie ihm die Bücher rüber. »Ich bin sehr beeindruckt, Sie kennenzulernen«, haucht sie. Dann versagt ihre Stimme. Höflich bedankt sich Boyle für das Kompliment und gibt es an sie zurück. Wie sie denn heiße, erkundigt er sich. Jacqueline Masuck nennt ihren Namen. »Französische Schreibweise?«, fragt Boyle. Sie nickt nur. Was wollte sie diesen Mann alles fragen: Welches seiner Werke ihm am besten gefällt, zum Beispiel. Doch jetzt ist sie viel zu nervös. Als ein Kamerateam sie dann auch noch interviewt, vergisst sie sogar kurzfristig den Titel ihres Lieblingsbuches. Dafür verrät ihr der Reporter, dass dem US-Autor selbst am besten die Wassermusik gefalle. (...) Dr. Sex hat Jacqueline Masuck natürlich schon verschlungen. Von der Sprache und den Romanfiguren ist sie fasziniert. »Manchmal«, verrät sie, da würden die Personen lebendig. »Ich treffe sie dann im Café oder auf der Straße«. Kurios. Mister Boyle würde das sicher gefallen. Er muss ohnehin gemerkt haben, dass die 42jährige ein großer Anhänger seiner Schreibkunst ist, denn in ihr Buch hat er unter das geschwungene »Jacqueline« noch ein »amitié« - Zuneigung - gesetzt.
 
 
Montag, 23. Mai 2005, 20:00 Uhr
FRANKFURT - SCHAUSPIEL FRANKFURT, GROSSES HAUS
Deutscher Text: Jan Josef Liefers
Moderation: Verena Lueken
Veranstalter: Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit BRIGITTE, Carl Hanser Verlag, der hörverlag, dtv, und dem Amerika Haus Frankfurt
Veranstaltungsort: Schauspiel Frankfurt, Großes Haus,
Neue Mainzer Str. 17
 
Frankfurter Neue Presse
Schon nachmittags beim lockeren Empfang im Frankfurter Amerika-Haus ist Thomas Coraghessan Boyle gut drauf. »Hi Folks – Hallo Leute«, begrüßt der Ex-Hippie mit Woodstock-Erfahrung die Journalisten und Verlagsvertreter hinter seiner verspiegelten Sonnenbrille. In mancher Hinsicht mag der hoch gewachsene amerikanische Schriftsteller irischer Abkunft schüchtern sein – schweigsam ist er nicht. Dank deutscher Schwiegermutter hat er gar ein paar Brocken in der Sprache seines Gastlandes parat. Er lobt »the Spargel« und »the Biergarten«, den er tags zuvor besucht hat, doch bevorzugt er weiterhin Broccolino und lädt die Umstehenden scherzhaft zum Testen des Gemüses nach Hause in die USA ein. (...) Abends, im Schauspielhaus, ist T.C. Boyle immer noch gut drauf, nun in Begleitung des Schauspielers Jan Josef Liefers (schwer zu sagen, wer das buntere Hemd trägt). Letzterer muss sich stimmungsmäßig noch aufwärmen und gratuliert dem jungen Publikum zunächst zum Sieg der Eintracht. Die gemeinsame Lesereise haben die zwei Kompagnons in Kalifornien vorbereitet (im Teehaus mit den Eukalyptus-Bäumen), und so können sie nun, in schwarzen Ledersesseln, auf Einladung des Hanser-Verlags und des Frankfurter Literaturhauses vertraut über Dr. Sex reden. (...) Nach dem einleitenden Talk lesen Boyle und Liefers abwechselnd aus den ersten Seiten – Boyle auf Englisch und mit der Autorität des Autors, Liefers auf Deutsch und mit der Professionalität des Stimmenkünstlers, der die literarischen Personen individuell belebt, wie auf seiner Hörbuch-CD.
 
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Als er die Bühne betritt, brechen Jubel und Applaus los. Lässig hebt er den Arm, lächelt hinauf zu den Zuschauern, probiert einige Sätze in Deutsch, kichert über seine eigenen Versuche: T.C. Boyle genießt seinen Auftritt vor großem Publikum, sichtlich stolz, als Schriftsteller regelmäßig ganze Hallen zu füllen. Während seiner Deutschlandtournee liest er bisweilen vor mehr als tausend Zuhörern. Und auch ins Frankfurter Schauspiel sind mehr als 700 Menschen ins ausverkaufte Haus gekommen. (...) ...auch wenn er [Boyle] bei der Lesung von Dr. Sex neben seiner deutschen Hörbuch-Stimme Jan Josef Liefers öfter ernst wirkte. »Ich liebe die Show«, hat Boyle früher schon gesagt, »ich bin Entertainer und blas' die Leute weg mit meinen Geschichten.« Und deshalb hat auch diese Lesung etwas von einer One-Man-Show, zieht Boyle - locker vor dem Mikrophon stehend, mit dem Buch in der erhobenen Hand - das erheiterte Publikum in Bann. Sein Vortrag betont den satirischen Charakter des Romans, hebt Witz und Ironie des Texts hervor. In Liefers hat er dabei einen adäquaten Partner gefunden, der mit Gespür für Zwischentöne das Zuhören zum Genuss macht. Aber Boyle ist ein Star, sein Auftritt eine perfekte Inszenierung und die Zeit knapp bemessen. Moderatorin und F.A.Z.-Redakteurin Verena Lueken stellt ihm Fragen, denen er schön formulierte Statements folgen lässt. (...) Dann erzählt er noch von einer 16 Jahre alten Leserin, die ihm sagte, wie sehr er und Britney Spears ihr geholfen hätten. Und über die Studenten aus seinem Schreibkurs, deren tiefste Geheimnisse er erfahre. Nicht zur Sprache kommt hingegen Boyles eigene Vergangenheit als Drogenkonsument und Punk, wenig wird über seine früheren Romane geredet. Aber seinen Anhängern sind diese Geschichten ohnehin hinlänglich bekannt. Viele Junge sind unter ihnen, richtige Fans, die mit Büchern unter dem Arm ins Schauspiel gekommen sind. Und ihre Wünsche erfüllt der Autor nach der Lesung: Er signiert noch alle Bücher, höflich, geduldig, eineinhalb Stunden lang.
 
Frankfurter Rundschau
(...) Boyle ist ein Superstar, darum bedarf es diverser kultureller und nichtkultureller Institutionen, um eine Lesereise möglich zu machen: das Amerika-Haus, das Literaturhaus, die Zeitschrift Brigitte und andere. Dafür sah der Autor dann sehr adrett aus, in neuen »Vans« und Tommy-Hilfiger-Hosen, während der Schauspieler Jan Josef Liefers, der die deutschen Passagen las, gar nicht adrett ausschaute, sondern bestenfalls sehr müde. Nicht müde, aber ein wenig hilflos dagegen wirkte eine zusehends übellaunige Moderatorin Verena Lueken angesichts all dieser männlichen Sexualität rechts und links von ihr auf den beiden Sesseln. Die Männer spielten sich gut gelaunt anekdotische Bälle zu und plauderten über deutsche Skurrilitäten, die Frau in der Mitte wollte aber über Literatur reden. Immerhin erfuhr man, dass Liefers' Eltern ein für den Sohn im Alter von zehn Jahren verstörendes Buch besaßen, in dem Sex-Stellungen abgebildet und mit Untertiteln wie »Schonend für den Mann« versehen waren. Auch T.C. Boyle lieferte dezidierte und schonungslose Aufklärung: »Our parents did actually have sexual relationships.« Schließlich erzählte er, wie auf einer Lesung kurz vor Beginn des Irak-Krieges ein Mädchen zu ihm kam und gestand, es gebe zwei Lichtblicke in dieser dunklen Zeit: Ihn, Boyle, und Britney Spears.
 
 
Dienstag, 24. Mai 2005
STUTTGART - THEATERHAUS
Deutscher Text: Jan Josef Liefers
Moderation: Manfred Heinfeldner
Veranstalter: Buchhandlung Wittwer in Kooperation mit BRIGITTE, Carl Hanser Verlag, der hörverlag, dtv und dem Deutsch-Amerikanischen Zentrum / James-F.-Byrnes-Institut e.V.
Veranstaltungsort: Theaterhaus Stuttgart, Siemensstr. 11
 
TCB in Stuttgart 1  
TCB in Stuttgart 2
T.C. Boyle signiert seinen Roman The Inner Circle, Theaterhaus Stuttgart, Mai 2005. Fotos von H. und M. Kröller, Ulm.
 
Stuttgarter Nachrichten
(...) Mit diesem Andrang hatten noch nicht einmal die Veranstalter gerechnet: War schon der bisherige Veranstaltungsort, das Alte Schützenhaus regelmäßig ausverkauft gewesen, musste man nun auch im ungleich größeren Theaterhaus noch umdisponieren und verlegte T.C. Boyle kurzerhand vom kleinen in den großen Saal, der dann immer noch bis zum Bersten gefüllt war. Keine Frage: Der Mann ist längst ein Popstar. Wobei die neue Location im Übrigen nicht die einzige Änderung zu früheren Besuchen darstellte. Hatte man als deutschen Konterpart für den Autor bisher immer eher unbekannte Schauspieler verpflichtet, konnte die diesjährige Auflage mit einem echten Schwergewicht aufwarten: Jan Josef Liefers, der den Gedanken und Figuren T.C. Boyles auch auf den deutschsprachigen Hörbüchern seine Stimme gibt. Eine viel versprechende Paarung also (nein: nicht im Kinseyschen Sinne!), wie auch schon die als Mitveranstalter auftretende (vom Moderator als »Sex- und Literaturzeitschrift« apostrophierte) die BRIGITTE in einem Feature über die Begegnung von Boyle und Liefers bemerkt hatte. Wobei in dem Gespräch zum Auftakt gleich einige Dinge bezüglich dieses Treffens richtig gestellt wurden: So habe Boyle seinen Gast nicht mit den Worten »Wie siehst du denn aus?«, sondern mit einem »You look like shit!« begrüßt -, und aus dem Tee, den sie angeblich getrunken hätten, wurden in der mündlichen Überlieferung »A few gallons of wine«. Überhaupt die Sprachregelung an diesem Abend: Schon nach wenigen Sätzen erklärte Liefers, dass sie das immer so machten, dass sie »alle Englisch sprechen beziehungsweise radebrechen« - was zwar nur von einem kleinen Teil des Publikums beklatscht, aber doch von allen ohne vernehmliches Murren akzeptiert wurde. Und so entspann sich ein recht munteres Gespräch auf der Bühne, in dem T.C. Boyle etwas über seinen Ansatz bei der Aufarbeitung des Kinsey-Stoffs (die Suche nach Absurditäten) berichten und Jan Josef Liefers über seine Betonungsprobleme mit dem Wort »Klitoris« fabulieren durfte - was ja eigentlich deutlich macht, dass die sexuelle Aufklärung so weit fortgeschritten dann doch noch nicht ist. Die eigentliche Lesung, in der T.C. und J.J. dann abwechselnd aufeinander folgende Textpassagen auf Englisch und Deutsch vorlasen, machte dann auch richtig Spaß, wobei Liefers insbesondere bei den Dialogpassagen seine darstellerische Virtuosität zur Geltung bringen konnte. So nickte Boyle dann auch bei zahlreichen von Liefers gelesenen Passagen lächelnd vor sich hin, unterstrich mit reduziertem Fingerschnippen den Rhythmus des Vortrags. Auch im abschließenden Gespräch sorgte Liefers für einen Höhepunkt, als er berichtete, wie sehr ihn die Lektüre von Boyles Dr. Sex an eine Episode aus seiner Kindheit erinnert hatte: So habe er im Bücherregal seiner Eltern, hinter anderen Büchern versteckt, einen Bildband gefunden, der sexuelle Positionen erläuterte - teils versehen mit einem handschriftlichen »Schonend für den Mann«. (...)
 
Esslinger Zeitung
(...) Im Stuttgarter Theaterhaus las der Autor jetzt gemeinsam mit Schauspieler Jan Josef Liefers, dem Sprecher der deutschen Hörbuchfassung, aus seinem neuesten Werk. »You give me fever« raunt es vor Beginn verheißungsvoll aus den Lautsprechern, und fiebrig scheint die Stimmung im restlos ausverkauften größten Saal des Theaterhauses tatsächlich. Frenetischer Applaus brandet T.C. Boyle entgegen, als er in karierten Sneakers und blassgelbem Sakko zusammen mit Liefers das Podium betritt. Zu Recht, wie sich im Laufe des Abends herausstellen wird. Denn Boyle vermag sein Publikum nicht nur vom Schreibtisch aus zu fesseln. (...) Boyle beschließt die Lesung mit einer seiner liebsten Anekdoten aus Kinseys Leben. Während einer Studie filmte das Team des Sexualforschers nacheinander 1000 masturbierende Männer. Fünf Minuten hatten die Wissenschaftler pro Proband eingeplant, aber häufig wurden es mehr, und der rigide Zeitplan drohte aus dem Ruder zu laufen. Einen Herrn, der sich so gar nicht kurz fassen wollte, musste Alfred Kinsey deshalb freundlich aber mit Nachdruck bitten: »Wenn sie dann mal bitte so langsam zum Ende kommen könnten.« »Man hätte es nicht besser erfinden können!«, schmunzelt T.C. Boyle.
 
 
Mittwoch, 25. Mai 2005, 20:00 Uhr
MÜNCHEN - REITHALLE
Deutscher Text: Jan Josef Liefers
Moderation: Manfred Heinfeldner
Veranstalter: Dichtung & Wahrheit in Kooperation mit BRIGITTE, Carl Hanser Verlag, der hörverlag und dtv
Veranstaltungsort: Reithalle, Heßstraße 132
Außerdem am Nachmittag: Signierstunde bei Beck am Rathauseck,
4. Etage, Musikabteilung
 
 
 
Donnerstag, 26. Mai 2005, 20:00 Uhr
ZÜRICH - KAUFLEUTEN
Verleihung des Bolero-Shortstory-Preises 2005
Deutscher Text: Alexander Seibt
Moderation: Monika Schärer
Veranstalter: Schweizer Lifestylemagazin Bolero (im Rahmen der Bolero-Shortstory-Preis-Verleihung)
Veranstaltungsort: Kaufleuten, Pelikanstraße 18, 8001 Zürich
Außerdem ab 15:30 Uhr: Signierstunde in der Buchhandlung
Orell Füssli / Bellevue
 
 
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