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»Ich bin Schriftsteller, ich geh' raus auf die Bühne und besorg's den Leuten.« (T.C. Boyle)
 
T.C. Boyle Lesereise 2009
Im März 2009 war T.C. Boyle zu Gast in Deutschland, um seinen Roman Die Frauen vorzustellen. Hier alle Informationen zur Tour, die wir sammeln konnten.
 
 
T.C. Boyle Lesereise 2009
 
Freitag, 13. März 2009, 21.00 Uhr
LEIPZIG - BAUMWOLLSPINNEREI
Veranstalter: »Leipzig liest«, Hanser Verlag und ZEIT FORUM KULTUR
Ort: Baumwollspinnerei, Halle 14, Spinnereistr., 04179 Leipzig
Moderation: Philipp Schwenke (ZEIT)
Lesung deutscher Text: Peter Wilczynski
Zusätzliche Veranstaltungen: Am 13. und 14. März hatte T.C. Boyle tagsüber mehrere Auftritte auf der Leipziger Buchmesse. Z. B. im 3sat-Forum, auf dem »Blauen Sofa«, Im GALORE Café und am Stand der Wochenzeitung »DIE ZEIT«.
 
T.C. Boyle auf dem Blauen Sofa
T.C. Boyle zu Gast auf der Leipziger Buchmesse. Hier auf dem »Blauen Sofa« im Gespräch mit Annette Riedel von Deutschlandradio Kultur.
 
T.C. Boyle in Leipzig
Lesung am Abend in der Baumwollspinnerei. (Fotos: tcboyle.de)
 
 
Sonntag, 15. März 2009, 11.00 Uhr
HANNOVER - SCHAUSPIEL
Veranstalter: Lehmanns Buchhandlung, ZEIT FORUM KULTUR
Ort: Schauspiel Hannover, Prinzenstr. 9, 30159 Hannover
Moderation: David Eisermann
Lesung deutscher Text: Bernd Geiling
 
T.C. Boyle in Hannover
T.C. Boyle im Schauspielhaus in Hannover. (Foto: B. Walz, tcboyle.de)
 
Ronald Meyer-Arlt / Hannoversche Allgemeine Zeitung / 16.03.200
Im Gespräch mit dem fast etwas zu freundlichen (aber ausreichend witzigen) Journalisten David Eisermann erläutert T.C. Boyle, dass der Roman als komische Oper beginne, danach werde es düsterer. T. C. Boyle las auch selbst eine längere Passage des ersten Kapitels. Und zwar hervorragend. Mit den Händen malte er Szenen in die Luft, die Füße in den roten Chucks tanzten sacht die Wörter nach. (...) Stürmischer Applaus nach einem vergnüglichen Vormittag im Theater.
 
Anna Berger / Neue Presse / 16.03.2009
Auf der Bühne des Schauspielhauses jedenfalls steht ein hagerer Mann in beinahe ridikülen Aufzug. Gelbes Jackett, rote Turnschuhe, schwarzes Totenkopf-Shirt. Boyles Outfit erinnert mehr an eine Comicfigur als einen weltweit anerkannten Schriftsteller. Der Mann pflegt ganz offensichtlich sein Image als schräger Vogel und hat doch immer die Sympathien des Publikums als »Typ von nebenan« auf seiner Seite. Kaum dass er den Mund auf macht, schmilzt die Distanz zum Publikum zusehends. Wenn Boyle erzählt, dann verlässt kein Satz die Rampe ohne zu einer eigenen Geschichte zu werden. Kein Satz, ohne dass beim Zuschauer ein Bild im Kopf entsteht und kein Satz, bei dem der Zuhörer nicht noch mehr wissen will, egal ob es um es sich um Boyles Frühstück im Hotel dreht, seinen Aufenthalt auf der Buchmesse in Leipzig, seine Art zu arbeiten oder um die Tragödien, in die Boyle seine Romanfiguren schickt. Nach anderthalb Stunden und einem begeisterten Applaus, könnte das Programm eigentlich noch einmal von vorn losgehen.
 
Beate Walz / myheimat / 16.03.2009
Ansage, Auftritt, Vorstellung, Moderation. Der Autor liest, jemand interpretiert die deutsche Übersetzung. Noch ein wenig Unterhaltung und dann wird der Autor zur langen Schlange der Wartenden geführt, die sich ihr Buch noch schnell vom Meister höchstselbst unterschreiben lassen wollen. (...) Nach Stunden disziplinierten Abarbeitens der Warteschlange geht es hurtig zum Bahnhof, wo auf den Gleisen schon der Zug in die nächste Stadt (Berlin) dieser Promotions-Show wartet. Um auch dort Leuten das neue Buch vorzustellen, die es noch nicht kennen. Und wem die Show doch schon bekannt ist, der lässt es sich nicht anmerken. (...) Geschrieben aber wird weiter. Als Nebenprodukt von Boyles letztem Roman Talk Talk wartet schon Wild Child auf Veröffentlichung und am übernächsten, When the Killing’s done, wird auch schon gearbeitet. Alles Routine und doch immer wieder neu und spannend. Auch die Lesereisen – jedenfalls für die Leserschaft.
 
 
 
Montag, 16. März 2009, 20.00 Uhr
BERLIN - BABYLON BERLIN:MITTE
Veranstalter: Thalia Buchhandlungen Berlin
Ort: Babylon Berlin:Mitte, Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin
Moderation: David Eisermann
Lesung deutscher Text: David Eisermann
Zusätzliche Veranstaltungen: Filmpremiere Babylon Berlin:Mitte:
»T.C. Boyle - Die Schönheit der Sucht«, USA/D 2008, R: Peter Pales, Florian Leidenberger, Sonntags, 15. und 22. März 2009, jeweils um 14.00 Uhr (T.C. Boyle ist hier allerdings nicht anwesend.)
 
radioeins
Marion Brasch / Radio EINS Berlin / 16. März 2009
Marion Brasch im Interview mit T.C. Boyle als Ankündigung auf den Auftritt des Schriftstellers in Berlin. (Audio file freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Radio EINS Berlin.)
 
 
Dienstag, 17. März 2009, 20.00 Uhr
STUTTGART - THEATERHAUS
Veranstalter: Buchhandlung Wittwer, ZEIT FORUM KULTUR
Ort: Theaterhaus, T1, Siemensstr. 11, 70469 Stuttgart
Moderation: Philipp Schwenke (ZEIT)
Lesung deutscher Text: Stephan Moos (Theaterhaus)
 
T.C. Boyle, Florian Leidenberger, Peter Pales
T.C. Boyle und die Dokumentarfilmer Florian Leidenberger (li.) und Peter Pales (Die Schönheit der Sucht) nach der Lesung in Stuttgart.
 
Franziska Roth / SWR / 19. März 2009
Wenn Thomas Coraghessan Boyle aus seinem neuen Buch Die Frauen liest, ist es, als wären seine Charaktere neben ihm auf der Bühne. (...) Im Dezember 2008 ist Boyle 60 Jahre alt geworden. Doch sein Alter ist ihm nur ganz aus der Nähe anzusehen, wenn die Falten um seine Augen und sein lichter werdendes Haar sichtbar werden. Vertieft er sich auf der Bühne in die Affären des Architekten Wright, wirkt er viel jünger. Er scherzt, erzählt lachend Anekdoten aus dem Buch und spricht immer wieder direkt das Stuttgarter Publikum an, das ihm zu Füßen liegt. Bei seiner lockerern Art könnte man meinen, er weigere sich, erwachsen zu werden. Doch gleichzeitig strahlt er eine enorme Reife, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit aus.
 
Daniel Hackbarth / Stuttgarter Zeitung / 19. März 2009
Philipp Schwenke hat es am Ende eilig. Es sei wohl besser, jetzt Schluss zu machen, meint der Redakteuer der Wochenzeitung »Die Zeit«, der die Lesung von T.C. Boyle moderiert, nach etwas mehr als einer Stunde. Denn erfahrungsgemäß würden gleich 800 Menschen für ein Autogramm des Amerikaners anstehen. »Nur 800? Und was ist mit den übrigen 200?« entgegnet der Bestsellerautor darauf selbstironisch - und hat zum geschätzten zwanzigsten Mal an diesem kurzweiligen Abend im Theaterhaus die Lacher des Publikums auf seiner Seite. (...) Wer diesen Autor schon länger kennt, konnte das Gespräch im Theaterhaus freilich auch als ermüdend empfinden. Es bot nur wenig Neues. (...) Als Boyle aber aus dem Kapitel »Miriam die Kämpferin« las, bewies er, dass er es bestens versteht, fesselnd vorzutragen: Live entfalteten seine Sprachbilder eine besonders intensive Wirkung - und diese Wirkung erzielte auch Stephan Moos vom Theaterhausensemble, der (...) die deutsche Übersetzung las.
 
Thomas Morawitzky / Stuttgarter Nachrichten / 18. März 2009
T.C. Boyle liest, im Wechsel mit Schauspieler Stephan Moos. Boyle spricht mit einigem Abstand zum Mikrofon, einmal diese knochige Hand beschwörend erhoben, einmal jene, lässt sich frei hineinfallen, in den Rhythmus seiner Erzählung, die mit ihrer Dynamik über die Seiten hinweg springt und die Emotionen ihrer Protagonisten suggestiv vor dem Leser aufbaut. Wenn Stephan Moos übernimmt und die Szene vorträgt, in der Miriam erfährt, das Wright die Scheidung will, zieht Boyle sich in seinen Stuhl zurück, hinter sein Exemplar des Buches, und grinst. (...) T.C. Boyle, 60 Jahre alt, trägt T-Shirt und Sneakers, ein helles Jackett, wirkt leicht ergraut, aber immer noch verwegen. (...) Der Saal T2 im Theaterhaus ist fast ausverkauft, die Zuhörer erleben T.C. Boyle, für den Romane wie Rockkonzerte sind, und der gern Autogramme gibt, nach der Show.
 
Jan-Arne Sohns / Eßlinger Zeitung / 19. März 2009
Mit schwarzrotem Schal, knallbunten Nike-Stiefeln und antiautoritär gepflegter Lockenpracht erweist sich Boyle als Vollprofi der unterhaltsamen Selbstvermarktung. »Ich geh raus auf die Bühne und besorg’s den Leuten«, wird er auf der halboffiziellen Seite tcboyle.de zitiert. Tatsächlich hat er nach nur einer Minute auf der Bühne schon vier Lacher produziert. (...) Nichts im Gespräch mit dem Journalisten Philipp Schwenke wirkt spontan. Doch eben das macht Boyle, der Medienprofi, zum Thema. Er ironisiert seinen Auftritt, setzt ihn sozusagen in Anführungsstriche. Nur konsequent ist es da, dass der Großteil des Abends aus Gespräch besteht, während wenig aus Boyles aktuellem Roman Die Frauen gelesen wird. (...) In der Lesung gibt Boyle dann eine beeindruckende Probe seiner Methode. Er liest im Stehen. Atemlos schichtet er Worte aufeinander, bis die vielgliedrigen Aufzählungen, die Handlungsketten und detailreichen Beschwörungen einer genau beobachteten Objektwelt, bis also die ganze im schwebenden Sprechgesang kunstvoll verdichtete Gleichzeitigkeit in einem lapidaren Überblick implodiert. (...) Was sich in Boyles Lesung eindrucksvoll ereignet, ist die Sprache selbst.
 
 
Mittwoch, 18. März 2009, 20.00 Uhr
ERLANGEN - MARKGRAFENTHEATER
Veranstalter: Thalia Buchhandlung Palm & Enke
Ort: Markgrafentheater, Wasserturmstr. 16, 91054 Erlangen
Moderation: David Eisermann
Lesung deutscher Text: Stefan Rieger
 
bin / Erlanger Nachrichten / 19. März 2009
Unerkannt von den zahlreichen Flaneuren und Kaffeehausgästen, die die ersten Sonnenstrahlen nach vielen trüben Tagen im Freien genossen, schlenderte US-Schriftsteller T.C. Boyle in knallroten Turnschuhen gestern gelassen durch Erlangen. Auch in der Brasserie, wo er untergebracht war, blieb er unbehelligt. Dabei ist der Fast-Zwei-Meter-Mann mit der verwuschelten Frisur kaum zu übersehen. Begleitet wurde der sympathische und jugendlich wirkende Vielschreiber und Vater dreier erwachsener Kinder von seiner Tochter Kerrie. (...) Bevor er am Abend im ausverkauften Markgrafentheater bei einer Lesung seinen aktuellen Roman Die Frauen vorstellte, fand der begnadete und nach tagelanger Lesetour etwas geschlauchte, aber gut gelaunte Geschichtenerzähler noch Zeit für ein Presse-Gespräch im Kunstmuseum (...) und ein Nickerchen im Hotelzimmer.
 
Wolf Ebersberger / Nürnberger Zeitung / 20. März 2009
War das nun wie beim Poetenfest, das übliche literarische Gedrängel? Oder doch eher wie bei einem Popkonzert? Dass ein Autor gleich mit Jubelschreien empfangen wird, das erlebt man jedenfalls eher selten. Aber es war ja auch T. C. Boyle, der nach Erlangen kam und im Markgrafentheater, seit Wochen ausverkauft, sein neues Buch vorstellte. (...) Gelbes Jacket, schwarze Hose, rote Schuhe – dazu ein Schal, den auch ein Club-Fan bedenkenlos tragen könnte: Boyle weiß schon rein optisch zu unterhalten. (...) Ein schräger Vogel, gewiss, aber als Moderator seiner Schreibkunst wunderbar entspannt und wie am Schnürchen einen Gag nach dem andern loslassend.
 
 
Donnerstag, 19. März 2009, 20.00 Uhr
FRANKFURT/M. - JUGEND- UND KULTURKIRCHE ST. PETER
Veranstalter: Frankfurter Rundschau
Ort: Jugend- und Kulturkirche Sankt Peter, Stephanstr. 6,
60313 Frankfurt am Main
Moderation/Übersetzung: Martin Scholz (Frankfurter Rundschau)
Lesung in englischer Sprache
 
Thomas Wolff / Frankfurter Rundschau / 20. März 2009

Damenunterwäsche flog an diesem Abend nicht auf die Bühne. Immerhin: Munteres Kieksen und Jauchzen und herzhaftes Lachen brachte das vornehmlich weibliche Publikum dem Romancier T.C. Boyle bei dessen Lesung gestern Abend in der Frankfurter Peterskirche entgegen. Die FR hatte den Bestsellerautor eingeladen, aus seinem neuen Roman Die Frauen zu lesen, und die Frauen kamen, sehr zur Freude des 60-Jährigen, der diese gleich zu Beginn mit nonchalanter Beiläufigkeit informierte: Am Vorabend in Erlangen hätten die Damen im Saale ihm ihre Wäsche zugeworfen ... eine Sitte, mit der er gar nichts habe anfangen können, weswegen die Liebesgaben nun, vom Autor eigenhändig gebügelt, aber sicher, wieder an die Absenderinnen geschickt worden seien. Es sind Abschweifungen wie diese, mit denen Boyle den Abend in der Kirche strukturiert bzw. bisweilen hübsch durcheinanderbringt. Einiges von seinem flamboyanten Erzählstil hat da offenbar abgefärbt auf seine Alltagssprache. Und das ist natürlich, was seine Fans - die Halle ist ausverkauft, die Nachfrage nach Tickets war noch weit höher - von ihm erwarten: Lesungen sind ja stets kleine Wallfahrten, auf denen man dem jeweiligen Lieblingsheiligen huldigen, im Gegenzug von ihm verstanden werden will. Boyle versteht sein Publikum offenbar intuitiv und spielt sich mit dem Moderator, FR-Magazinchef Martin Scholz, locker die Bälle zu. (...) Mildes Lächeln ins Publikum, verständnisinniges Nicken - hier tritt kein distanzierter Großdenker vor seine Leser, sondern ein Autor, der mit kleinen Gesten signalisiert: Lasst uns ein bisschen Spaß haben heute Abend.

 
Stefan Michalzik / op-online.de / 21. März 2009
Die Stimmung kommt der nahe, die bei einem Comedian herrscht. T. C. Boyle ist ein glänzender Unterhalter. Viel wird gelacht beim Auftritt des US-Autors in der ausverkauften Frankfurter Jugendkirche St. Peter. Der 60-jährige, mit seinem gerade in deutscher Übersetzung erschienenen Roman Die Frauen unterwegs, beherrscht die Technik der Bühne so virtuos wie jene des Schreibens.
 
 
Samstag, 21. März 2009, 14.00 Uhr
KÖLN - THEATER AM TANZBRUNNEN
Veranstalter: lit.COLOGNE
Ort: Theater am Tanzbrunnen, Rheinparkweg 1, 50679 Köln (Deutz)
Lesung in englischer Sprache.

Samstag, 21. März 2009, 19.30 Uhr
KÖLN - THEATER AM TANZBRUNNEN
Veranstalter: lit.COLOGNE
Ort: Theater am Tanzbrunnen, Rheinparkweg 1, 50679 Köln (Deutz)
Moderation: Susanne Weingarten
Lesung deutscher Text: Gerd Köster
 
Boyle am 21.03.09 im Theater am Tanzbrunnen, Köln | Hanser Verlag
 
Brigitte Schmitz-Kunkel / Könische Rundschau / 22. März 2009
Was den Unterhaltungswert seiner Lesungen betrifft, eilt T.C. Boyle ein besonderer Ruf voraus - und den löste der Amerikaner im zwei Mal vollkommen ausverkauften Theater am Tanzbrunnen auch ein. Dabei gelang ihm das Kunststück, gleichzeitig mit seinem Ruhm als Literaturstar zu spielen, die anfangs hypernervöse Moderatorin Susanne Weingarten (»Der Spiegel«) mit Witz und Esprit zu beruhigen und nicht nur nebenbei absolut ernsthafte Auskünfte über das Schreiben und sein Buch zu erteilen. (...) Wie der Architekt sei auch er ein Kontrollfreak: »In meinen Büchern bin ich Gott und sorge dafür, dass meine Figuren ordentlich leiden müssen ...« Den Beleg dafür lieferten Ausschnitte aus einem Kapitel über Wrights zweite Frau Miriam (...). Furios las Boyle zwei Abschnitte im Original, dazwischen brillierte Gerd Köster mit der Übersetzung. Wieso die deutsche Fassung hundert Seiten länger ist als die englische - Boyle vermutet, der Verlag habe ein Kapitel schwedische Pornografie eingefügt ...
 
Lena Sundheimer / Kritische Ausgabe / 25. März 2009
Schon um viertel vor sieben ist das Foyer des Tanzbrunnentheaters auf dem Messegelände Köln zum Bersten voll. Die Kölner High Society, wie etwa Cordula Stratmann oder Lübbe-Chef Klaus Kluge, erscheinen standesgemäß natürlich erst kurz vor Beginn der Veranstaltung, welcher für 19:30 Uhr anberaumt war. Nach einer kurzen und etwas holprig vorgetragenen Ankündigung betreten ein sich stilistisch auf Abwegen befindender Thomas Coraghessan Boyle und eine merklich nervöse Susanne Weingarten unter tosendem Applaus die Bühne. (...) Wie ein roter Faden ziehen sich die Komik, Selbstironie und auch Selbstdarstellung des Autors durch den gesamten Abend. T.C. Boyle gibt sich eben nicht, wie so viele andere Autoren, allen voran J.D. Salinger oder Patrick Süskind, als verkopfter und in sich zurückgezogener Elfenbeinturm-Literat, sondern bewirbt sein Werk ganz unbefangen. Sein Auftritt oder, wie er es selbst so treffend bezeichnet, seine »Show« gleicht einem Feuerwerk an Schlagfertigkeit und wortgewaltigen Parolen. (...) Wie auch bei der Lesung stellt sich allerdings die Frage, ob diese Medienwirksamkeit Boyles Literatur zuträglich ist oder ob sie diese nicht überstrahlt und somit an den Rand drängt. Ich persönlich würde Letzteres vermutlich verneinen, da eine Lesung eben nicht nur der Vorstellung des neuesten Romans gelten sollte, sondern auch Publikumsnähe aufbauen muss. Der sonst unnahbare und introvertierte Autor stellt sich seiner Leserschaft und zeigt durch gelöste Konversation und Anekdoten aus seinem Privatleben, dass auch er nur ein Mensch ist. T.C. Boyle wird somit zu einem Schriftsteller auf Abwegen, zum charmanten Entertainer par excellence.
 
 
Übersicht
 
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