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| Bei einer Kiste Quetzalcoatl
Lite |
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| verfasst von Holger Reichard im
August 2004 |
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Das erste Jahr www.tcboyle.de ist
vorüber. Nimmt man die Vorbereitungszeit hinzu, sind es eigentlich
schon fast zwei Jahre. Oder anders gesagt: Weit über 1.500 Stunden
Webseiten basteln, eMails schreiben, Telefonate führen, im Internet
recherchieren, Bücher und Zeitschriften lesen, mühsam englischsprachige
Texte übersetzen, Texte aus Zeitschriften und Bücher abtippen,
Ideen schmieden und ausarbeiten, für die Ideen werben, Diskussionen
führen, sich interviewen lassen, mit dem Zug durch Deutschland
fahren, eine Buchmesse in Frankfurt und eine Lesung in Hannover
besuchen. Und das alles in Sachen www.tcboyle.de. Die Frage,
die mir im Laufe des letzten Jahres am häufigsten gestellt wurde,
lautet: Warum machst du das alles, wenn du kein Geld dafür bekommst?
Ich gebe darauf stets die selben Antworten: Erstens, weil es
verdammt viel Spaß macht, sich mit den Werken von T.C. Boyle zu
befassen, insbesondere auf diese intensive Art und Weise. Zweitens,
weil man dadurch viele interessante Menschen kennenlernt, die
einem sonst nie über den Weg laufen oder mit einem reden würden.
Und drittens, weil so eine Website und die Arbeit daran einem
neue Möglichkeiten eröffnen, sich selbst und seine Ideen zu
verwirklichen.
Jetzt nach einem bzw. zwei Jahren www.tcboyle.de möchte ich
noch einen vierten Grund hinzufügen: Weil die Arbeit an so einer
Website mit vielen wunderschönen Momenten verbunden ist. Viele
von Euch werden sich jetzt vielleicht an unser Treffen mit T.C.
Boyle in Hannover erinnern und sagen: »Hey, das war so ein Moment.«
Stimmt - das war zweifellos ein herausragendes Ereignis. Aber
es gab noch andere Augenblicke, die mir im Nachhinein viel wertvoller
sind.
Zum Beispiel, als ich mich im Frühjahr 2003 zwei Stunden früher
als üblich wecken ließ, um die vielen Kurzgeschichten von T.C.
Boyle zu lesen. (Da hatte ich noch einen Nachholbedarf.) Ich
habe erst in dieser Zeit seine Short Storys so richtig kennengelernt
und werde nie vergessen, wie ich Geschichten wie »Der Nebelmann«
oder »Bienenkönig« las, morgens um halb sechs, ein großer
Pott Kaffee und das noch schnarchende kleine Töchterchen neben
mir. Für einen chronischen Nachtarbeiter wie mich ein echtes
Lese-Erlebnis! Es hat es sich bei mir inzwischen zu einem unregelmäßigen,
aber unverzichtbaren Ritual entwickelt, ein, zwei Stunden früher
als sonst aufzuwachen und den Tag mit dem Lesen eines schönen
Buches zu beginnen.
Ein anderes Beispiel: Auf einem meiner täglichen Streifzüge
durch das Message Board von tcboyle.com stieß ich auf eine CD-Empfehlung
von Forum-Mitglied Rob Kunkel: Wicked Grin von John Hammond.
Ein Mörderalbum, wie Rob meinte. Und in der Tat: Ich bestellte
mir die CD noch am selben Tag. Seitdem hat sie mir - als stark
musikinspirierten Menschen - hervorragende Stimmungen in der
täglichen Arbeit bereitet. Ein Wunder, dass die Scheibe überhaupt
noch Töne von sich gibt, wenn ich bedenke, wie oft der Laser
des CD-Players sie schon abgetastet hat.
Und dann war da noch dieser ominöse 1. August 2003, als Doc
und Kathrin vorbeikamen, wir eine gewöhnliche Kiste Bier zu
Quetzalcoatl Lite stilisierten und über die Zukunft von www.tcboyle.de
mutmaßten. Herrlich! Hätte uns an diesem Abend jemand erzählt,
dass wir ein Jahr später bereits über 1.000 page views pro Tag
sowie eine beschauliche Community von 50 Forummitgliedern und
85 Newsletter-Empfängern präsentieren können, ich denke, wir
wären zufrieden gewesen.
Ich hatte damals zu prophezeien versucht, dass wir nach gut
einem Jahr wüssten, wohin die Reise geht. Nun ist das Jahr um
und tatsächlich ist vieles klarer geworden. Einige Bereiche
unserer Website wie das Message Board oder die InfoMail haben
Konturen bekommen. Ideen wie unser Kurzgeschichtenwettbewerb
»Being Boyle« scheinen sich interessant weiterzuentwickeln.
Unsere ToDo-Liste ist dadurch aber nicht gerade kleiner geworden.
Die meisten unserer Ideen haben wir noch gar nicht in Angriff
nehmen können, weil es einfach so viel zu tun gibt und die Zeit
an allen Ecken und Enden fehlt. Doch es ist sicher nicht verkehrt,
wenn unsere Website und die damit verbundenen Vorhaben langsam
wachsen und gedeihen - die wohl wesentlichste Erkenntnis nach
einem Jahr www.tcboyle.de.
Wohin die Reise geht, lässt sich immer noch nicht genau sagen.
Um hier ebenfalls ein Beispiel zu nennen: Ich hatte im Interview
mit der Braunschweiger Zeitung im Oktober 2003 die Hoffnung
geäußert, dass unsere Seiten irgendwann auch als Informationsquelle
und Kommunikationsbasis von Journalisten genutzt werden. Teilweise
scheint dieser Anspruch schon in Erfüllung gegangen zu sein.
Denn es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Tageszeitung,
ein Magazin oder eine Rundfunkanstalt bei uns zu Gast ist. Zum
Lesen wohlgemerkt.
Ein Feedback von journalistischer Seite gibt es bisher kaum
und wird wohl auch erst zu erwarten sein, wenn die deutschsprachige
Ausgabe von The Inner Circle erscheint und T.C. Boyle hierzulande
wieder in den Fokus der Medien rückt.
Zur Veröffentlichung von Drop City waren unsere Seiten
weitgehend unbekannt. Das dürfte sich inzwischen geändert haben,
wie eine Vorstellung von World's End auf den Internetseiten
des ZDF belegt. Dort nämlich wird www.tcboyle.de als erste
Anlaufstelle für Fans im deutschen Sprachraum genannt. Unscheinbar
und gut versteckt zwar, aber immerhin:
Ob wir in Zukunft noch mehr Links dieser Kategorie und damit
eine größere Aufmerksamkeit bekommen, lässt sich schwer vorhersagen,
weshalb unser Startmotto noch immer aktuell ist: In einem Jahr
sind wir schlauer.
Läuft zumindest wie geplant, könnte man sagen. Doch es gibt
auch einige Dinge, die sich noch nicht wie erhofft entwickelt
haben. Zum Beispiel die Zuarbeit. Hier bin ich davon ausgegangen,
dass es mit dem größer werdenden Bekanntheitsgrad unserer Website
leichter wird, an Informationsmaterial und Besprechungsexemplare
zu kommen. Ideal wäre es, wenn Medien, Verlage, Institutionen
und Künstler automatisch zuerst an uns denken würden, sobald
es etwas Neues in Sachen Boyle zu berichten gibt. Dies ist leider
nicht der Fall. Oft frage ich vier- bis fünfmal nach und bekomme
nicht eine einzige Antwort.
Wenn eine Information aus urheberrechtlichen oder anderen Gründen
nicht freigegeben werden kann, habe ich dafür volles Verständnis.
»Nein, geht leider nicht!«, akzeptiere ich ohne Einwände. Offensichtlich
bedeutet aber schon eine so kurze Antwort für viele viel zu
viel Arbeit. Selbstverständlich richtet sich diese Kritik nicht
an alle Redaktionen und Presseabteilungen, denn es gibt auch
zahlreiche positive Beispiele. Insgesamt jedoch ist eine Zusammenarbeit
auf dieser Ebene stark verbesserungswürdig.
Was mir hier fehlt, ist vor allem die Weitsicht. »Die Website
ist so gut wie ihre Besucher«, steht in unserem Epilog. Soll
heißen, die Qualität und Wirksamkeit unserer Site hängt entscheidend
davon ab, wie gut alle, die sich angesprochen fühlen, daran
mitarbeiten. Vielleicht ist dem einen oder anderen unsere Bühne
noch nicht groß genug oder zu speziell. Hier möchte ich jedoch
entgegenhalten, dass es meist die kleinen Dinge sind, die Großes
in Bewegung bringen. Und dann gibt es da ja auch noch das Sprichwort
vom steten Tropfen, der es schafft, Steine zu formen.
Wäre ein schönes Schlusswort für diese kleine Zwischenbilanz,
klingt jedoch ein bißchen zerknirscht, als sei ich unzufrieden
mit der bisherigen Entwicklung unserer Website, aber das ist
ganz sicher nicht der Fall. Die Motivation, an www.tcboyle.de
zu arbeiten, die Website weiter zu entwickeln und Projekte zu
realisieren, die über die Arbeit an den Internetseiten hinausgehen,
ist ungebrochen. Nur eines hat sich dabei geändert. Am Anfang,
also vor gut einem Jahr, war die Zustimmung von T.C. Boyle, Werner
Richter und dem Hanser Verlag Triebfeder dieses Schaffens. Jetzt
ist es das Interesse der Boyle-Leser an unseren Seiten.
- »Ich lese eure Mails gerne, weil sie gut geschrieben sind
und weil ihr offenbar eure Kontakte zur T.C.-Boyle-Welt gut pflegt«,
heißt es in einem Leserbrief aus Stuttgart.
- »Beeindruckend professionell gemachte Website zum in jeder
WG allerliebsten Freak/Wirrkopf-Autor« - mit dieser Beschreibung
verweist www.literaturwelt.de auf unsere Website.
- Armin Abmeier, Herausgeber von mehreren illustrierten Boyle-Büchern
schreibt: »Ein großes Lob für die Website und die vielen Links.«
- »Tolle Site«, »klasse Seite, die das regelmäßige Suchen nach
Boyle-Infos erspart«, »superinteressante Seite für Liebhaber«,
»übersichtlich und extrem informativ«, »coole Sache« - Komplimente,
die in unser Gästebuch geschrieben wurden.
- Und in unserem Message Board meinte George Gleg, ein Mitglied
der internationalen Boyle-Fangemeinde (aus Griechenland), vor kurzem, www.tcboyle.de
sei ein guter Grund, die deutsche Sprache zu erlernen.
Worte wie diese gehen natürlich runter wie Öl und sind für mich
persönlich Antrieb genug, fleißig an www.tcboyle.de weiter zu
arbeiten und den aufgezählten Lobeshymnen auch tatsächlich gerecht
zu werden. Dabei kann ich hoffentlich weiterhin auf meine emsigen
Helfer bauen, auf Mauzi, Doc. Ko Wananga, Kathrin, auf die Mitglieder
unserer Forumgemeinschaft und auf alle, die www.tcboyle.de bisher
unterstützt haben. Ohne sie wäre diese Website nicht das, was
sie heute ist.
Daher 1000 Dank bis hierhin und auf ein weiteres erfolgreiches
Jahr im Netz. |
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