Bartholemew P. Mason legte sich am 6. Oktober 1867 sturzbetrunken in Russisch-Amerika zu Bett und erwachte am 18. Oktober desselben Jahres gegen Mittag in Alaska, ohne sich von der Stelle bewegt zu haben. Die Umstellung vom julianischen auf den gregorianischen Kalender war ihm gleichgültig, dass aber auf einen Freitag wieder ein Freitag folgen sollte, das gefiel ihm gar nicht. Genauso wenig wie der Umstand, sich ein schmales Zimmer mit zwei norwegischen Matrosen teilen zu müssen, die den Raum über Nacht mit dem brennbaren Geruch von Schweißfüßen und ungewaschenen Achselhöhlen gefüllt hatten. Ein noch stärkerer, sengender Gestank stieg vom Nachttopf in der Ecke auf und peinigte seine Nase. Mason trat ans Fenster, knöpfte seine Unterwäsche auf und pinkelte hinaus, während er den Vulkan betrachtete und zwei russische Mädchen kichernd das Wäscheaufhängen unterbrachen. Er zwinkerte ihnen zu, streifte eilig seine eisig klamme, nach Rauch und Tierfett stinkende Kleidung über und rieb sich auf dem Weg in die Küche warm.
BP Mason, ein bärtiger Glückritter und Schürzenjäger aus Bristol, Connecticut, war vor einer Woche mit zwei klapprigen Pferden und wenig Gepäck, durchnässt und verfroren in Sitka angekommen. Die Pferde hatte er verkauft, so wie man mit großer Geste eine Rückfahrkarte zerreißt, um Entschlossenheit zu demonstrieren. Doch die Stadt war noch unzureichend auf Fremdenverkehr vorbereitet. Seine Zimmerwirtin, eine alte Indianerin ohne jeglichen Reiz, hatte einen unverschämten Preis für das ungemachte und muffige Lager verlangt. Während sie feilschten, spuckte ein Mann die Wirtin im Vorübergehen an. Nicht aus Wut, mehr aus Gewohnheit oder einer inneren Verpflichtung folgend. Sie hatte den Schleimklumpen mit einer beiläufigen Geste von ihrer Schulter gewischt, ohne die Preisverhandlung zu unterbrechen. Mason hatte solches Verhalten oft genug gegenüber Negern und Chinesen erlebt. Warum sollte es hier anders sein?
Während er bitteren Kaffee aus einem Blechnapf schlürfte, las er eine Zeitung, die die Norweger in einem amerikanischen Hafen als Einwickelpapier erhalten hatten. Es war ein schundiges Sensationsblatt, das mit grausigen Geschichten um Leser buhlte: In England war der berüchtigte Straßenräuber Basil Robtherich gehängt worden, auf Kreta hatte man das Labor von Ebenazar Maddoc gestürmt, der abartige Experimente an seinem Dienstmädchen vollführte (Fortsetzung und Zeichnungen auf Seite 2) und in Paris fasste man den paranoiden chinesischen Geheimagenten Pin Chen mit beiden Händen im Tresor der amerikanischen Botschaft. Gerne hätte sich Mason zu der Lektüre ein Pfeifchen gestopft, aber er hatte dem Tabakgenuss abgeschworen, um sein Leben zu verlängern und hoffte, im hohen Alter nicht feststellen zu müssen, dass sich die Quacksalber in Bezug auf die Gefahren des Rauchens geirrt hatten. Wahrscheinlich war es ohnehin unbedeutend, wenn man gleichzeitig soff wie ein Loch. Kaum war der Kaffeebecher geleert, betrachtete die Wirtin ihre gastlichen Pflichten als erfüllt und wies zur Tür. Mason folgte bereitwillig, da es sich hoffentlich um seine letzte Nacht in dieser Behausung gehandelt hatte.
Er trat in den Morast der Straße, wobei sein Fuß bis zum Knöchel verschwand und hörte augenblicklich das laute Schimpfen des Gnoms. Die wenig schmeichelhafte Bezeichnung galt Wladimir Willow Oblomow aus Minsk, der im nächsten Moment um die Ecke bog. Ein gewaltiger Zylinder ließ seine Körpergröße an ein Mittelmaß heranreichen. Obwohl Oblomow zahlreiche unangenehme Charaktereigenschaften besaß, war er der einzige im Ort, mit dem sich Mason unterhalten konnte, ohne auf seine Extremitäten zurückgreifen zu müssen.
»Der Regierungsbeauftragte der Amerikaner ist eingetroffen«, sagte Oblomow grinsend, sofern das mit so wenigen Zähnen möglich war, und zog einen Hut hinter seinem Rücken hervor. »Ein Gentleman sollte nie ohne Kopfbedeckung aus dem Haus gehen. Besonders, wenn er sich in meiner Begleitung befindet.« Mason überlegte, welcher Zirkus diese lächerliche Kopfbedeckung wohl gerade vermisste.
Oblomow war aus dem gleichen Grund wie Mason in Sitka: Er wollte Geld machen. Der Russe ging dem ältesten Gewerbe der Welt nach. Sein Etablissement hieß Archangel nach dem ursprünglichen Namen des Ortes und lag am aufsteigenden Rand von Sitka, so dass es für jedermann, ob gewollt oder nicht, gut sichtbar war. Keine billige Spelunke, sondern nicht weniger als das beste Hurenhaus der Stadt. Momentan bereiteten sich dort seine fünf Damen auf die Ankunft der Armee vor. Seit zehn Tagen lag der Dampfer »John L. Stevens« im Hafen. An Bord warteten 250 sexuell ausgehungerte Soldaten, die Alaska in Zukunft verwalten sollten, sehnsüchtig auf die Ankunft des amerikanischen Regierungsbeauftragten. Denn solange es noch russisches Gebiet war, ließ der russische Kommandant keine ausländischen Truppen das Land betreten. Die Stimmung unter den Soldaten war dementsprechend gereizt.
Bereits vor einem halben Jahr hatte Baron von Stoeckl, der russische Botschafter von Zar Alexander II, den Verkaufsvertrag in Washington unterschrieben. 7,2 Millionen Dollar hatten die USA bezahlt und Außenminister William H. Seward hatte sich seitdem eine Menge Spott anhören müssen. Das neuerworbene Gebiet wurde im Allgemeinen nur Sewards Kühltruhe genannt. Heute endlich sollte die offizielle Übergabe stattfinden. Mason teilte die Gefühle seiner Landsleute.
»Die meisten von uns wollen Alaska nicht mal geschenkt haben. Wir haben genug Probleme nach unserem eigenen Krieg, da müssen wir euch nicht helfen, die Kosten für die Krimkriege wieder reinzuholen. Meinetwegen geben wir euch sogar das Geld, aber behaltet diesen gefrorenen Acker. Was sollen wir denn damit? Man kann das Gebiet nicht besiedeln, die Pelztiere sind fast ausgerottet und ständig muss man sich mit aufständischen Indianern rumschlagen. Außerdem ist dieses b****ene Stück Land viel zu weit vom Rest Amerikas entfernt.«
Oblomow störte es, dass er von ihm als Russen sprach. Er würde Amerikaner werden. Sie alle hatten die Wahl, entweder die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen oder auf Kosten der Regierung in die Heimat zurückzureisen.
»Was genau war noch einmal der Grund, weshalb ich Sie zu diesem albernen Schauspiel begleiten soll, anstatt angemessen meinen Kater zu pflegen?«
»Kontakte, mein lieber Mason. Kontakte. Sie sind ein großer Kerl und ziemlich kräftig. Ich biete Ihnen den Job eines Rausschmeißers. Allein schon, damit das ewige Gemecker ein Ende hat. Aber wie ertragreich diese Tätigkeit wird, hängt einzig und allein vom Erfolg des heutigen Tages ab.«
Endlich. Mason wahrte sein geschultes Pokerface, obwohl ihm innerlich mehr nach einem Flickflack war. Hätte er über das nötige Kleingeld verfügt, wäre er längst bei Oblomow eingezogen. So musste er bisher den gutwilligen Gesellschafter spielen, in der Hoffnung, dass der geizige Zwerg einen Gratisbesuch springen ließ. Von nun an erhielt er freie Kost und Logis, dazu ein kleines Taschengeld und eine begrenzte Zahl an Zuwendungen von den Damen. Mason wusste natürlich, weshalb ihn sein neuer Chef tatsächlich brauchte. Oblomow sprach zwar ein gutes und gewandtes Englisch, aber sein harter russischer Akzent ließ selbst die sanftesten Worte klingen wie ein Blechtopf, der durch einen Steinbruch kullerte. Seine zukünftige amerikanische Kundschaft würde einem Landsmann mehr Vertrauen schenken als einem gebürtigen Russen.
Der frostige Wind fraß sich durch die Kleidung und Oblomow klammerte sich an den Rand seines Zylinders. Vor ihnen marschierten amerikanische Truppen vom Hafen kommend die Hauptstraße entlang. Russische Kinder sprangen um sie herum und sangen Spottverse, die die Soldaten glücklicherweise nicht verstanden. Es sollte ein würdiger Staatsakt werden, auch wenn es im Vorfeld einige Verwirrung bei den Terminabsprachen gegeben hatte, weil sich die Russen beharrlich an ihren eigenen Kalender hielten und sich zudem nach Moskauer Zeit richteten, die einen Tag voraus war. Zur Zeremonie erklommen die Vertreter beider Länder die achtzig hölzernen Stufen zu Schloss Baranow, dem Gouverneurssitz, wo an einer 30 Meter hohen Stange die russische Fahne wehte. Gelangweilt ließ Mason seinen Blick über die anwesenden Frauen schweifen. Durchweg üppige, mondgesichtige Matronen in grellfarbenen Ballonkleidern. Die wegen des Windes eng gezurrten Hauben ließen dankenswerter Weise nur wenig erahnen. Er dachte schmachtend an die reizenden Gestalten im Archangel, vor allem an Violet.
Hundert russische Soldaten standen mit ausgebesserten Uniformen und geputzten Stiefeln bereit. Egal, was die Obrigkeit sagte, für sie war es kein Geschäftsabschluss, der hier begangen wurde, sondern eine Niederlage und Demütigung. Trotzdem waren sie froh, bald wieder in die Zivilisation zurückkehren zu können.
Gegen halb vier feuerten die Kanonen Salutschüsse und man begann, die russische Fahne einzuholen. Lange war der Vorgang geübt worden. Doch als ein Soldat an der Fallleine zog, klatschte ein heftiger Windstoß die Fahne an den Mast und wickelte sie fest darum. Mehrere Männer versuchten vergeblich am Mast hinaufzuklettern, bis ausgerechnet ein amerikanischer Matrose den Tipp gab, jemanden in einer Schlinge hinaufzuziehen. Der Auserwählte, ein ausgesprochen zittriger Jüngling, ob der Höhe oder der Verantwortung wegen, fingerte zuerst zögerlich, dann immer energischer an der Fahne herum. Von der einen Seite versuchte sein Vorgesetzter möglichst unauffällig Ratschläge, Ermunterungen und Drohungen nach oben zu brüllen. Auf der anderen Seite bemühten sich seine Kameraden um Haltung, um nicht so schamlos die Hälse zu verdrehen wie die Zivilisten, aber deren ständige »Aahhhs« und »Ooohhs« spornten ihre Neugier an. Ein deutliches Reißen war zu hören und ein Raunen ging durch die russische Hälfte der Zuschauer. Endlich löste sich die Fahne vom Mast, aber der Riss im Stoff hatte den Doppeladler beinahe entzweit. Der Jüngling ließ sie den ausgestreckten Händen entgegenfallen, aber für den Gott des Windes schien der Spaß noch nicht vorbei zu sein. Keiner der Russen schaffte es, sie zu fangen. Als sich die glorreiche Fahne zielsicher in den aufgepflanzten Bajonetten der Soldaten verfing, keuchten die russischen Zuschauer hörbar und die Frau von Prinz Maksutov, dem Gouverneur, fiel in Ohnmacht. Der Prinz selbst stand bebend stramm und blickte starr geradeaus, während BP Mason in schallendes Gelächter ausbrach. Oblomow sah sich peinlich berührt nach allen Seiten um und stieß ihm heftig in die Seite. Es folgten weitere Salutschüsse, nachdem die amerikanische Fahne gehisst war, und Oblomow schob Mason durch die Zuschauer hindurch. Er suchte die Bekanntschaft von General Jefferson C. Davis, um ihm die Dienste seines Hauses anzubieten und er hoffte nur, dass es sich nicht um einen verknöcherten Sittenwächter handelte, der nicht wusste, wie wichtig es für junge Soldaten fern der Heimat war, auch mal Dampf ablassen zu können.
»General Davis, Sir, ich hätte ein wichtiges Anliegen. Ein Geschäft, das beiden Seiten von größtem Nutzen sein könnte.«
Davis schien nicht gewillt, sich soweit herabzubeugen, um Augenkontakt mit Oblomow aufnehmen zu können.
»Wenden Sie sich an den Major.«
»Aber Sir….«
»Ich muss mich um dringendere Angelegenheiten kümmern.«
Oblomow unterließ es, auf seinen kurzen Beinen mit dem General Schritt halten zu wollen, ohne sich völlig der Lächerlichkeit preiszugeben.
»Borniertes Yankeeschwein«, zischte er und atmete tief durch.
Als sie ins Archangel mit all seinem rotem Samt und rosa Plüsch zurückkehrten, erwarteten die Damen, zuvorderst Violet, sie gespannt. Oblomow ging direkt hinter die Theke, schenkte sich einen Wodka ein, verschloss die Flasche behutsam und schmiss sie an die Wand. Dabei ahnte er noch nicht, dass eine der Tätigkeiten, die General Davis so in Anspruch nahmen, die Beschaffung von Unterkünften für seine Leute war. Davis war den Russen gegenüber sehr argwöhnisch eingestellt. Vielleicht weil die grauen Uniformen der russischen Offiziere – von den Pelzmützen einmal abgesehen – so sehr denen der Konföderierten ähnelten, mit denen er sich als Unionsgeneral bis vor zwei Jahren herumschlagen musste. Ein Bürgerkrieg ist nie ein Vergnügen. Besonders dann nicht, wenn man den gleichen Namen trug, wie der Oberbefehlshaber der gegnerischen Truppen. Kaum war die Zeremonie beendet, gab er den Befehl, dass alle Russen vor Sonnenuntergang Schloss Baranow zu räumen hatten. Die Soldaten wurden angewiesen, das Gebäude zu besetzen. Bald erreichten diese Neuigkeiten auch das Archangel. Viele Bewohner hatten zugesehen, wie Diener den Besitz der Maksutovs den Berg hinuntertrugen. Während Oblomow noch das ganze Ausmaß dieser Nachricht abzuschätzen versuchte, meldete Mason von der Tür aus: »Wir haben Besuch.«
Draußen stand ein Lieutenant mit drei Soldaten.
»Sie befinden sich von nun an im Militärischen Distrikt Alaska. Dieses Haus ist bis Sonnenuntergang zu räumen.«
Oblomow starrte ihn fassungslos an.
»Aber ich bin jetzt Amerikaner.«
Der Lieutenant machte ihm in drastischen Worten deutlich, dass Oblomow für ihn eindeutig ein Russe war und deshalb dem Befehl zu folgen hatte.
»Die Frauen dürfen natürlich in ihren Zimmern wohnen bleiben«, fügte der Offizier mit einem anzüglichen Grinsen hinzu. Oblomow verschwand im Haus, um kurz darauf mit einer Schrotflinte zurückzukehren. Der Lieutenant zog drohend seinen Säbel zur Hälfte aus der Scheide, die Soldaten hoben ihre Gewehre und visierten Oblomow an. Die Situation drohte zu eskalieren, bis Mason, Violet und der Barkeeper ihre Waffen aus den Fenstern streckten und eine Pattsituation schufen. Minutenlang schwangen die Mündungen von einem Ziel zum anderen. Dann wichen die Soldaten auf Befehl des Lieutenants, der sich die Chancen seines Säbels bei einer Schießerei nicht allzu rosig ausmalte, rückwärtsgehend in Deckung. Die Belagerung des Archangel hatte begonnen.
Die Verteidigung nahm schnell konkrete Formen an. Möbel wurden umgestoßen, Barrikaden errichtet und Drinks geordert. Den Billardtisch schoben sie in den hinteren Teil des Raumes, um ihn zu schützen und falls nötig die Belagerungszeit zu verkürzen. Der Pianist hatte sich in die Ecke neben der Bar zurückgezogen, wo er sich vor umherschwirrenden Kugeln einigermaßen sicher wähnte. Zwei schwarze Kellner in schicken Uniformen mit Messingknöpfen und weißen Handschuhen standen untätig herum, was Oblomow veranlasste, über die Sklavenbefreiung zu jammern, die ihn zwang, seine Leute zu bezahlen. Violet schickte ihre Mädchen durch die Hintertür aus dem Haus. Einige Stammkunden hatten sich spontan der Verteidigung angeschlossen. Die Theke starrte vor Waffen. Mason hielt es für eine weniger gute Idee, sich mit der US-Army anzulegen, die spätestens am nächsten Morgen über schweres Gerät verfügen würde. Er prüfte das Arsenal und nahm eine Armbrust in die Hände. »Das wäre eine gute Gelegenheit, um unsere Geschäftsbeziehung neu zu verhandeln«, knurrte er, als er am Fenster Posten bezog. »Auf Alamo«, prostete Oblomow seinen Angestellten zu.
Der Lieutenant hatte ein Dutzend Soldaten dazu abgestellt, das Bordell zu bewachen. Die Männer, von mitfühlenden Kameraden mit Schnaps versorgt, fingen – aus bloßem Übermut und einer gehörigen Portion Sadismus – einen streunenden Hund, bestrichen sein Rückenfell mit Pech und zündeten es unter lautem Gejohle an. Der brennende Hund stürzte, rasend vor Schmerz und Angst, geradewegs auf das Archangel zu. Mason feuerte kurzentschlossen die Armbrust ab. Der Hund überschlug sich und blieb reglos am Fuß der Treppe liegen. Der Geruch von brennendem Fell und Fleisch drang zu ihnen herein. Violet presste ihre blasse Hand auf das noch blassere Gesicht und wandte sich ab. Mason sah entlang der Reihe der Verteidiger, die angewidert das Gesicht verzogen oder traurig den Kopf schüttelten. Er fand es beruhigend, wenn Menschen auf sinnlose Grausamkeit noch mit Betroffenheit reagierten. Aber er selbst verspürte nur Wut, als er vor die Tür trat. Hoch erhoben blieb er am oberen Ende der Treppe stehen und musterte die Belagerer, die in der Dunkelheit kaum zu erkennen waren. Dann schritt er nach unten, packte den brennenden Kadaver an Vorder- und Hinterläufen, schwang ihn einmal kräftig herum und ließ ihn in Richtung der Soldaten fliegen. Er schaffte kaum die Hälfte der Strecke, aber das war ohne Bedeutung. Mason warf ihnen einen letzten verächtlichen Blick zu, dann ging er wieder hinein. Niemand wusste, ob die Soldaten von der Scham ernüchtert wurden oder ein Offizier sie zur Ordnung gerufen hatte, doch in der Nacht kam es zu keinen weiteren Vorkommnissen.
Am nächten Morgen verließen Oblomow und BP Mason das Haus, gingen zu den übermüdeten Soldaten und verlangten zu General Davis gebracht zu werden. Zuvor hatte Oblomow die Anweisung gegeben, das Archangel bestmöglichst herauszuputzen, falls jemand es besichtigen wolle. Der triefäugige Major mit Schmerbauch und Walrossbart, an den sie verwiesen wurden, zeigte sich über einen voreiligen Bestechungsversuch Oblomows verärgert:
»Ein Offizier der Streitkräfte der Vereinigten Staaten hat kein Interesse an Schmiergeld. Vor allem nicht aus den Händen eines russischen Bordellbesitzers.«
Aber der Mann war Pragmatiker und stellte die Moral der Truppe über seinen eigenen Sittenkodex. Man wurde sich schnell einig und der Offizier zugänglicher.
»Bleiben Sie doch noch einen Moment, meine Herren, wir haben einen Ehrensalut für Alaska als amerikanischen Besitz beschlossen. Einer meiner begabtesten Leute hat eine Position gefunden, bei der wir das Echo der Berge optimal ausnutzen können.«
Der Morgensalut war ihnen herzlich gleichgültig, aber sie blieben, um die gutmütige Stimmung des Majors nicht zu verderben. Der Knall wurde um ein Vielfaches zurückgeworfen und erweckte den Eindruck einer ganzen Salve. Die Welt erzitterte. Vögelschwärme stiegen auf und entschwanden für immer am Horizont. Halbbekleidete Menschen taumelten schlaftrunken aus ihren Häusern in Erwartung eines Vulkanausbruches. Kein hörendes Lebewesen in der Umgebung würde noch schlafen. Der Major schien sehr zufrieden mit dem Effekt: »Der General hat vorgeschlagen, einen Salut für jeden Dollar des Kaufpreises zu feuern«, sagte der Major und prustete los, als er Oblomow erbleichen sah.
Unter gegenseitigem Schulterklopfen stiegen Oblomow und Mason die Treppen vom Schloss hinab, mit dem festen Entschluss die eine oder andere Flasche auf ihr bald blühendes Geschäft zu leeren. Oblomow redete unentwegt und machte bereits weitere Pläne. Mason dagegen beschränkte sich auf ein strahlendes Grinsen und innere Profitschätzungen. Auf dem Weg zurück zum Archangel strömten aufgeregt rufende Bewohner an ihnen vorbei. Mason beschlich ein ungutes Gefühl. Obwohl er nicht verstand, was die Leute sagten, meinte er doch den Namen ihres Hauses mehrmals erkannt zu haben. Und dann tauchte Violet in der Menge auf. Ihr Haar war in Unordnung und ihr Gesicht von Rauchspuren geschwärzt. Mason packte Oblomow und stemmte den zappelnden Zwerg über den Kopf, damit er die Menschenmenge überblicken und sehen konnte, was der Salut von ihrer gemeinsamen Zukunft übriggelassen hatte. |