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Wassermusik
NDR-Hörspielproduktion |
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| Matthias Penzel / Rolling Stone /
Juli 2006 |
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| »Wassermusik« ist einer der
ganz großen Romane T.C. Boyles. Die zunächst parallel nebeneinander
laufenden Handlungsfäden - von Abenteurern, Nutten, Betrügern
und halbseidenden Gestalten in den Halbwelten von Schottland,
London und Afrika - bewegen sich schließlich auf dem Niger der
Quelle des Stroms entgegen. Es ist eine Geschichte von Wahnsinn,
Ehrgeiz und Gier, aber auch voller Witz, faktenreich und mit
Cliffhängern, deren Ausgang wirklich so unklar ist wie der Verlauf
des Stroms. Von Leonhard Koppelmann toll adaptiert, mit knarzenden
Ambiente-Sounds wie von vor 200 Jahren, dezenten Atmo-Tönen
und einer Besetzung aus drei dutzend Sprechern. Dem Roman also
durchaus angemessen. (Bewertung: vier Sterne) |
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| Lukas Hunziker / Das Netzmagazin /
April 2006 |
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| T.C. Boyle, vielleicht der vielseitigste
und interessanteste amerikanische Autor der Gegenwart, hat eine
Phantasie, die man zahlreichen deutschen Schriftstellern nur
wünschen kann. Die fiktionalisierte Geschichte des englischen
Forschers Mungo Park ist vollgestopft mit absurden Ereignissen,
schrägen Figuren und satirischen Kommentaren, die nicht selten
gehörig die Lachmuskeln strapazieren. In seinen besten Momenten
kann Boyle es durchaus mit Dickens aufnehmen, wobei er niemals
pessimistisch wird und immer grinst, auch wenn gerade jemand
von einem Krokodil unter Wasser gezerrt wird. Dieses Grinsen,
die schrägen Charaktere und die Ereignisdichte in einer Hörinszenierung
überzeugend umzusetzen, ist keine einfache Aufgabe. Trotzdem
hat sich Leonhard Koppelmann, ein erfahrener und preisgekrönter
Hörspielregisseur, ihrer angenommen und alle Erwartungen übertroffen.
Die Dialoge, die Szenenwechsel und das schnelle Hin und Her
zwischen Erzählerstimme und Figurenstimme sind genial, die Musik
abwechslungsreich und in jedem Augenblick passend, die zahlreichen
Sprechrollen hervorragend besetzt. Thomas Fritsch, bekannter
Schauspieler und Synchronsprecher, glänzt als einer der Erzähler
mit Charme und subtilem Sprachwitz, und Anna Thalbach spricht
die geduldige Ailie, die in Schottland auf ihren Nigerodysseus
wartet. »Wassermusik« ist ein Glanzstück von einem Hörspiel,
an dem nichts, einfach nichts auszusetzen ist. Was immer man
an T.C. Boyle liebt, sei es seinen Witz, seine außergewöhnlichen
Figuren oder seine literarischen Anspielungen und Parodien,
alles findet sich im Hörspiel. Fünf Stunden ergötzliche Unterhaltung! |
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| Manfred Schiefer / Der Schallplattenmann / 27. Februar 2006 |
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| Mit über fünf Stunden Dauer ist das Hörspiel trotz der notwendigen Auslassungen so opulent wie die Romanvorlage. Geschickt werden die Dialoge der Protagonisten mit dem Text des Erzählers verwoben, beständig werden die Szenen im Hintergrund mit Geräuschen oder Musik unterstützt. Das ist tatsächlich ein Genuss, auch weil das gelungene Drehbuch von hervorragenden Sprechern wie Thomas Fritsch, Udo Schenk, Traugott Buhre oder Anna Thalbach umgesetzt wird. Dass Andreas Pietschmann den Hauptdarsteller Mungo Park etwas zu unreif gibt, sieht man ihm daher ebenso nach wie die auf Dauer doch ermüdende Lust des Regisseurs, auch noch die letzte Atempause mit Musik oder Geräuschen auszufüllen. |
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| Torsten Körner / Funkkorrespondenz
/ 23. Dezember 2005 |
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| Früher, als die Welt noch in Ordnung
und man selbst ein Kind war, als man noch nicht sterben konnte
und Raimund Harmstorf noch lebte, schenkte uns das ZDF zur Vorweihnachtszeit
seine großen Abenteuer-Vierteiler, in denen sich David Balfour
unsterblich verliebte, Lederstrumpf seine kesse Fransenjacke
durch den Wald schleppte, Michael Strogoff als Kurier des Zaren
unterwegs war oder der Seewolf rohe Kartoffeln mit der bloßen
Schraubstockhand zerquetschte. Das waren Bilder, Abenteuer,
Zeiten. Vorbei, vorbei. Zum Glück hat sich die Hörspielabteilung
des Norddeutschen Rundfunks (NDR) auf diese gute Tradition besonnen
und schenkt uns einen wunderbaren Abenteuer-Fünfteiler zum Hören.
Leonhard Koppelmann hat es unternommen, »Wassermusik«,
den weltweit gefeierten ersten Roman des amerikanischen Schriftstellers
T.C. Boyle, als Hörspiel zu adaptieren, und er mag sich in diesem
Wildwuchs von Perspektiven und Erzählebenen, in diesen metaphorischen
Stromschnellen und syntaktischen Springfluten vorgekommen sein
wie der Entdeckungsreisende Mungo Park, der Protagonist des
Buches. T.C. Boyle stützte sich in seinem Roman auf die historischen
Reiseberichte des Schotten Mungo Park, etwa Travels in the
Interior of Africa (1803), doch nichts lag ihm ferner als
eine Rekonstruktion oder Modernisierung des ethnologischen Genres:
In »Wassermusik« verschränkt Boyle die Reiseberichte aus
dem »Herzen der Finsternis«" mit dem Schicksal der Frau des Entdeckungsreisenden,
die in Schottland immerzu wartet und wartet. Ein dritter Erzählstrang
ist dem Londoner Taugenichts, Trickbetrüger und Lebenskünstler
Ned Rise gewidmet, dessen Überlebenskampf in der Metropole mindestens
ebenso hart ist wie die Expeditionen Mungo Parks. Boyle springt
zwischen diesen Ebenen hin und her, von London nach Afrika,
von dort nach Schottland und wieder zurück, und zuletzt führt
er alle Figuren zusammen. Er springt in jedem Satz vom entlegensten
Detail zu den grundsätzlichsten und letzten Dingen, und wenn
eine Szene beginnt, weiß man nie, wo man an ihrem Ende landet,
in einem Elefantenarsch oder in einer spirituellen Wolke. Diese
erzählerische Offenheit und Beweglichkeit prädestiniert das
Buch für eine Funkbearbeitung, auch wenn der gewaltige Umfang
des Romans zunächst dagegen zu sprechen scheint. Doch Leonhard
Koppelmann (Bearbeitung und Regie) hat sich der Aufgabe bravourös
entledigt, auch wenn mancher T.C.-Boyle-Fan die gewaltigen Kürzungen
kaum verschmerzen wird. Doch das Meer von Bildern, Vergleichen
und narrativen Schnörkeln, das »Wassermusik« bietet, ist
einfach nicht auszutrocknen. Die Erzähllust dieses Textes ist
so abenteuerlich, so kindlich-ungestüm, so gargantuesk, so aberwitzig,
die Essenz davon findet sich in jedem Satz, in jeder Minute
dieses Hörspiels. Die gewaltige Opulenz des Textes braucht keine
musikalische Stütze, sondern einen ebenso selbstbewusst symphonisch
auftretenden Widerpart, und den hat Henrik Albrechts geschrieben.
Seine Komposition, eingespielt von der NDR-Radiophilharmonie
und der NDR Big Band (was, so was gibt's noch?), beschwört alle
Afrika-Filme, -Klischees und -Assoziationen vom Himmel herab
und pulst so warm und stürmisch, so triumphal und lebenssatt,
so raumöffnend und architektonisch gelungen durch den Hörfilm,
als habe Boyle die Musik selbst gefunden. Ebenso glücklich ist
man mit den Sprechern, mit Andreas Pietschmann als Mungo Park
(dessen ungestüme Naivität), mit Matthias Köberlin als Ned Rise
(sein schurkischer Charme) und Anna Thalbach als Ailie (zwischen
Melancholie und Aufbegehren). Große Klasse auch die Erzähler
wie Thomas Fritsch, Traugott Buhre und Doris Kunstmann. An diesem
Hörspiel, in diesen viereinhalb Stunden stimmt einfach alles,
es ist ein teuflisch gutes Stück! Man möchte es immer wieder
hören, man hätte sich zehn Teile gewünscht, man möchte gleich
zur nächsten Buchhandlung rennen und alle Bücher von T.C. Boyle
kaufen, gleich nach Afrika reisen, mit Ned Rise dem Henker die
Kapuze vom Kopf reißen und doch gehängt werden, man möchte in
den Niger springen und alle Fieberdelirien dieser Welt ertragen,
man möchte alle küssen, die uns dieses Hörspiel geschenkt haben,
und man wünschte, Raimund Harmstorf, der Seewolf, hätte das
noch erleben dürfen. |
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