Romane | Kurzgeschichten | Illustrierte Ausgaben | Hörbücher | Schule & Studium | Anthologien | Sonstiges
 
»Asche zu Asche, Staub zu Staub, Eis zu Eis.« (John Pennington Frank, Dr. med, U.S. Navy)
 
Der Polarforscher
Aus dem Amerikanischen von Werner Richter
 
Originaltitel der Erzählung: The Arctic Explorer
© 1976, 1995 T. Coraghessan Boyle
Für diese Ausgabe: © 1995 Maro Verlag, Augsburg
Herausgeber: Armin Abmeier
Illustrationen: Henning Wagenbreth
Broschüre, 78 Seiten, ISBN 3-87512-656-4
 
 
Kurzinfo
 
»Der Polarforscher« erschien als Band Nr. 6 in der Reihe »Die tollen Bücher« des bekannten Augsburger Maro Verlages. Bei der Erzählung handelt es sich um eine der frühesten von T.C. Boyle. Zum ersten Mal veröffentlicht wurde sie im Jahre 1976: unter dem Titel The Arctic Explorer in der US-amerikanischen Zeitschrift »fiction international«. Die erste und - soweit bekannt - bislang einzige Auflage dieses illustrierten Buches beträgt 3.500 Exemplare, von denen 100 nummeriert und von Autor und Künstler signiert worden sind. Erhältlich ist eine dieser liebevoll gestalteten Ausgaben mittlerweile nur noch gebraucht, wenn überhaupt. Wer kein Glück mehr hat, die Geschichte aber dennoch näher kennenlernen möchte: Die Illustrationen von Henning Wagenbreth sind auf der offiziellen Homepage von T.C. Boyle zu finden (siehe Weblinks), die Erzählung »Der Polarforscher« in dem 2001 erstmals veröffentlichten Sammelband Der Fliegenmensch. Dort verrät Boyle auch in einem Nachwort, wie er auf diese makabre Story kam. Sie erzählt von einer Begegnung zwischen dahinsiechenden Polarforschern und Eskimos, die ganz ihrer Natur ergeben sind.

Illustrator Henning Wagenbreth schreibt über »Der Polarforscher« auf seiner Website: »Wenn einem mit ›Der Polarforscher‹ von T.C. Boyle eine Geschichte zur Illustration angeboten wird, in der ein amerikanischer Navyoffizier sich anschickt, mit einem kleinen Boot, einer Handvoll Männer und einer Büchse Pemmikan, die Nord-West-Passage zu durchfahren, so nebenbei den unterentwickelten Eskimo die Kultur zu bringen und dann auch noch in die Weltgeschichte einzugehen, so kann man ihm als Illustrator nur noch eine Gummiwärmflasche, sein Piano und einen guten Kühlschrank mitgeben, damit die Drinks nicht warm werden, und ihm eine gute Reise wünschen.« Den ganzen Text von Henning Wagenbreth findet man hier.
 
 
Rezensionen
 
Brigitte Endler / www.tcboyle.de / Dezember 2003
»Gequirlte Quallenscheisse«, sagt Kresuk, der Eskimo über den geflügelten Walfisch. Riesengroß wäre er, farbig, wie ein Sommerfuchs und seine Flügel schwirren, wie die einer Lumme (ein Seevogel), erzählen ihm seine Freunde bei einer ihrer sehr ausgiebigen und für unser Empfinden ekligen Völlerei. Gemeint ist das große Segelschiff, in dem sich der Polarforscher, der gleichzeitig auch der Kapitän ist, aufmacht, um die Gegend um den Nordpol auszumessen. Hier gerate ich bereits gedanklich ins Schleudern. In welchen Jahrhundert soll das denn gewesen sein? Ein Segelschiff. Die Leute, die dem Schiff beim Auslaufen zuwinken, tragen altmodische Kleidung. Ist da nicht eine Diskrepanz zu den Bildern, auf denen man Hubschrauber, Funkgerät, Radio, Kühlschrank oder gar eine Panzerfaust erkennen kann? Egal, es ist ja nicht die erste abstruse Geschichte von T.C. Boyle, die ich lese, warum sollten die Bilder logisch sein? Die Polarforscher sind ausgestattet mit dem üblichen Proviant der damaligen Zeit: Zwieback, Kohl in Fässern, Pemmikan. Aber was ist Pemmikan? Aha, eine Art Überlebensnahrung aus getrocknetem Fleisch, Wurzeln und Beeren. Damit begibt sich das Schiff auf Fahrt. Und sogar Partyhütchen werden mit auf die Reise genommen, um die eventuell murrende Mannschaft bei Laune zu halten, und später werden dann noch äußerst gefräßige Schlittenhunde, die überhaupt nicht ihrem Namen verdient haben, eingeladen. Man erfährt nun, wie Eskimos mit ihren ungeliebten Kindern verfahren (sie nennen es natürliche Auswahl), man wird Zeuge einer Eskimo-Orgie im von Robbentranlampen überheizten Iglu, im Tauschhandel mit den Eingeborenen wechseln bunte Glasperlenketten gegen Frischfleisch ihre Besitzer, und über die später leider amputierten Körperteile der Mannschaft und deren Verbleib mag ich mir angesichts der schwindenden Nahrungsvorräte gar keine weiteren Gedanken machen. Ein makabres Bilderbuch für erwachsene Kinder und ein absolutes Muss für Boyle-Fans.
 
 
Weblinks
 
Der Polarforscher in Bildern
Die Illustrationen aus »Der Polarforscher« sind komplett auf der offiziellen Homepage von T.C. Boyle zu finden.
Die Tollen Hefte
Armin Abmeier, Herausgeber von »Der Polarforscher«, stellt alle Ausgaben seiner Reihe »Die Tollen Hefte« und »Die Tollen Bücher« auf einer eigenen Website vor.
Der Polarforscher als Hörspiel
Vorstellung des Hörspiels »Der Polarforscher«. Erscheinungsdatum: Oktober 2009. Sprecher Thomas Holtzmann u.a.
Henning Wagenbreth
Sehenswerte Website des Illustrators Henning Wagenbreth, seit 1994 Professor für Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste in Berlin.
Interview mit T.C. Boyle und Armin Abmeier
Interview mit dem amerikanischen Schriftsteller und dem deutschen Verleger von Jürgen Sander auf den Webseiten der Büchergilde Gutenberg.
Mit Donald die Welt entdecken
T.C. Boyle über Comics, illustrierte Bücher und seine Beziehung zu dem deutschen Verleger Armin Abmeier.
 
 
Gebraucht?
 
Rezensionen
Weblinks
Übersicht