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»Ich will berühmt werden.« (Zoltan Mindszenty, La Mosca Humana)
 
Der Fliegenmensch
und andere Stories
 
Rezensionen
 
Heiko Paulheim / literature.de / 28. August 2006
Wenn man Boyles Erzählungssammlungen kennt, dann wirkt diese Auswahl leider eher schwach. Insbesondere die frühen Erzählungen, als erste Versuche in Boyles Studienzeit entstanden, verblassen gegenüber manchen späteren Perlen, und Höhepunkte wie »Jägerinnen und Sammler« und »Blutregen« vermisst man in dieser Auswahl. Auch in der Erzählweise etwas ungewöhnlichere Texte wie »Tod durch Ertrinken« hätten hier ihren Platz verdient, fehlen aber leider. Der Sammelband richtet sich in erster Linie an ein jugendliches Publikum und wird vermutlich auch in etlichen Schulstunden zum Einsatz kommen. Besonders köstlich liest sich vor diesem Hintergrund Boyles Nachwort, in dem er darüber plaudert, wo und wie ihm die Einfälle zu seinen Geschichten gekommen sind. Vor allem aber weist er darauf hin, dass seine Erzählungen vor allem eines erreichen sollen - dass der Leser sich amüsiert. Dass man hingegen Schüler und Studenten Hausarbeiten und Erörterungen über seine Texte schreiben ließe, sei nicht seine Absicht gewesen, entschuldigt er sich bei seinen jungen Lesern. Dieses Nachwort, der heimliche Höhepunkt des Buches, sollte Pflichtlektüre für alle Deutsch- und Englischlehrer werden!
 
 
Bernd Christmann / Literaturkritik.de / 12. Dezember 2001
T.C. Boyle offenbart im Nachwort der Geschichtensammlung Der Fliegenmensch und andere Stories den hohen Anspruch, den er an seine Leser stellt. Ganz nebenbei lässt er auch ein nicht geringes Maß an Begeisterung für die eigene Literatur durchblicken. Künstlerische Selbsteinschätzung ... Nun zählt Boyle nicht zu den eher unbekannten Schreibern, sondern hat sich mit Werken wie Wassermusik oder Willkommen in Wellville eine beachtliche Fangemeinde erobert. In Zeiten der »Pop-Literatur« könnte man Boyles Werk als Rock'n'Roll bezeichnen, was nichts daran ändert, dass die Stories aus »Der Fliegenmensch« insgesamt alle eher mau sind. Oder um es mit einem Wort zu sagen: sie sind nett. Die Titelstory erzählt die tragische Geschichte eines Stuntmans, der mit tollkühnen Aktionen zu Weltruhm gelangen will, aber grandios scheitert. In der Story »Ende der Nahrungskette« versucht Boyle, eine plumpe Öko-Moral als Groteske zu verpacken. Auch »Der Polarforscher« und »Ein Herz und eine Seele« lassen den rechten Biss vermissen. Dagegen klingt in »Greasy Lake« endlich etwas von der subtilen Abgründigkeit und Bösartigkeit an, für die der Name Boyle immer ein Garant war. Eine Gruppe Halbstarker, eifrig ihr »bad boy«-Image pflegend, gerät plötzlich in eine Situation, in der sie unverhofft mit ihrer wahren Schlechtigkeit konfrontiert wird. Da werden Drogen konsumiert, es wird geprügelt und beinahe vergewaltigt, aber immer mit der herrlich komischen Boyle'schen Süffisanz und Leichtigkeit und dem Spaß an der Eskalation. Denn eben diese Freude an Grenzüberschreitungen und Tabubrüchen zieht sich durch sein gesamtes Werk. In die gleiche Richtung geht auch die finale Story »Großwildjagd«, deren Ende noch ein wenig fieser ist als das von »Greasy Lake«. Diese beiden Geschichten schaffen es, die Sammlung doch noch ins obere Mittelfeld zu hieven. Bleibt jedoch ärgerlich, dass die meisten Geschichten aus anderen Boyle-Readern kompiliert worden sind und echte Fans hier nichts Neues finden. Wie sinnvoll diese Ausgabe überhaupt ist, soll dahingestellt bleiben. Die Illustrationen von Rotraud Susanne Berner werden da wohl auch nicht ausschlaggebend sein.
 
 
Rolf Brockschmidt / Der Tagesspiegel / 30. Dezember 2000
»Erzählungen - Literatur, Geschichten eben - sollten Freude und Spaß bereiten, geheime Zugänge in die wahre, fantastische Welt eröffnen, genauso wie die neueste CD oder ein Wahnsinnsfilm aus Hollywood« schreibt T.C. Boyle im Nachwort zu seinem Band Der Fliegenmensch. Dieser Satz könnte das Motto für die Erzählerbibliothek abgeben, die in der Reihe Hanser beim Deutschen Taschenbuch Verlag München von Januar an startet. »Große Literatur für junge Leute« ist das Ziel, jeweils mit einem Nachwort versehen und aufwendig illustriert. Zu Boyle hat Rotraut Susanne Berner ihre Zeichnungen beigesteuert und zeigt, dass sie auch für 15-jährige illustrieren kann.
 
 
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