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»Vanille-Cola, darauf steh ich total, Mann, ich sterbe für Vanille-Cola, besonders wenn
ich auf Acid bin ...« (Norm Sender)

 
Drop City Nord
Theateraufführung - frei nach dem Roman »Drop City« von T.C. Boyle
 
Rezensionen
 
Philip Köster / www.tcboyle.de / 26. August 2004
Licht aus im gut besuchten Lichthof. Was folgt, ist nicht die Aufführung, sondern die Auskunft, Hartmut Fiegen sei leider erkrankt und werde deshalb kurzfristig durch den Regisseur Karl-Heinz Ahlers ersetzt. Der dann allerdings, bewehrt mit einer roten Herz-Sonnenbrille, den triebhaften Ronnie alias Pan bravourös spielen wird.

Das Bühnenbild könnte spartanischer kaum sein: etwa fünf mal fünf Meter Auslegeware, darauf ein gutes Dutzend Matratzen, am hinteren Ende eine mannshohe Bretterwand, nichts sonst. Ach, ein Amp noch, und zwei Gitarren. Auf der Bretterwand blubbern projizierte psychedelische Blasenmuster, und schon tänzeln die ersten vier Darsteller zu lieblichen Klängen der Reihe nach auf die Matratzen. Schließlich stellt sich Marco (Oliver Dressel) mit ausgestrecktem Daumen vor die Bühne, da fährt ganz zufällig der vollbärtige Norm Sender (Thomas Esser) vorbei, und die Dinge können ihren Verlauf nehmen …

Die anfängliche Skepsis weicht schnell einer gewissen Dankbarkeit dafür, dass offensichtlich kein üppiger Etat zur Verfügung stand, denn so tritt Einfallsreichtum an die Stelle aufwändiger Bühnenbauten. Das ist schon toll, was die da mit den Matratzen machen: Wo eine fehlt, entsteht der Swimming-Pool von Drop City Süd. Zwei Matratzen übereinander ergeben Marcos Baumhaus, zwei schräg aneinander gelehnte das Dach von Sess' Hütte, ein anderer Stapel wird zur Rückbank des Busses, der die durchgeknallte Horde nach Alaska trägt. So einfach ist das, und nie hat man das Gefühl, dass etwas fehlt.

Ganz wie im Buch werden zwei Handlungsstränge miteinander verwoben. Da ist zum einen die Bande von Drop City mit Norm, Marco, Star (entzückend: Sarah Bühlmann), Lydia (Vivien Bullert) und Ronnie. Dabei fällt die Bühnen-Lydia entschieden hübscher aus als die im Buch beschriebene, aber wer wollte sich darüber schon beklagen. Reba und Alfredo fehlen ganz; die Störenfriede Lester und Franklin werden zwar häufig erwähnt, jedoch nicht dargestellt. Zum anderen wäre da noch die Alaska-Crew: Dazu schlüpft Norm in die Rolle von Sess, Lydia übernimmt die Pam, und der sympathische Marco mutiert auf verblüffende Weise zum martialisch auftretenden Widerling Joe Bosky.

Der Boylesche Sprachwitz kommt nicht zu kurz, Lacher sind garantiert - für Leser wie Nichtleser. Absolut zum Schießen ist beispielsweise die Umsetzung der Autofahrt zum Mittsommerfest, als Norm und Marco sich hoffnungsfroh auf den Weg zum Supermarkt machen, bis dann die Drogen einsetzen und - der weitere Ausgang dieser Fahrt dürfte bekannt sein. Überdies hantiert Norm fortwährend gekonnt an der Gitarre, und dass die Truppe auch noch singen kann, beweist sie, wenn sie ihre Hymne von Crosby, Stills, Nash & Young anstimmt: You who are on the road / Must have a code that you can live by / And so become yourself / Because the past is just a good-bye / And teach you children well / Their father's hell did slowly go by. Die dezenten Videoprojektionen von Steffen Dost tragen zu einer gelungenen Atmosphäre bei, und wenn man das alles in einem Wort zusammenfassen wollte, dann vielleicht so: geschmackvoll.

Der Sternenhimmel Alaskas mit seinen Polarlichtern gibt die Kulisse für das Ende des Stücks, es gibt jede Menge Applaus und curtain calls, allerdings keinen Vorhang, also muss die Bretterwand herhalten. Schließlich ist das hier der Lichthof und nicht das Schauspielhaus.
 
 
Lutz Wendler / Hamburger Abendblatt / 26. August 2004
(...) Gar nicht so einfach, dieses bitter-komische Scheitern über mehr als 500 Buchseiten in eine eindreiviertelstündige Bühnenfassung zu bringen. Gelingen kann das nur, wenn mans voll drauf hat, so wie die freie Gruppe Theater Plan B aus Hildesheim, die mit ihrer Adaption »Drop City Nord« zurzeit im Lichthof zu Gast ist. Ganze fünf Schauspieler erschaffen gleich zwei Welten, aus der Spielfläche eines Matratzenlagers erstehen Baumhaus, Kanu und der ausgediente Schulbus, der die Hippies nach Alaska bringt. Die schlichte Holzwand dahinter wird zur Projektionsfläche für hinreißende Videoprojektionen von Steffen Dost; psychedelische Muster, stilisierte Landschaften und vertraute Sounds sorgen für Atmosphäre. Nichts zum Abschlaffen fürs Publikum, sondern eine Inszenierung, die das Bewusstsein erweitert.
 
 
Dagmar Fischer / Hamburger Morgenpost / 25. August 2004
Frei nach dem Roman Drop City von T.C. Boyle hat sich das Theater Plan B verdammt gekonnt das Lebensgefühl der 70er-Jahre-Aussteiger vorgenommen. Im Wechsel von gespielten Szenen, erzählter Geschichte und Live-Songs von damals gelingt den fünf Darstellern ein drastischer Bilderbogen gescheiterter Ideale. Doch mit zeitlichem Abstand und bühnenreif aufbereitet wird vieles urkomisch: Nach einer Weile freier Liebe kratzen sich alle - Filzläuse sind jedoch eher eins der kleineren Übel. Das gab viel Applaus.
 
 
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