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»Ich hab's satt, mir ständig für andere Leute den Arsch aufzureißen und danach dann so fertig zu sein, dass alles, was ich verdiene, für Alk und Tranquilizer draufgeht.« (Phil Cherniske)
 
Grün ist die Hoffnung
Eine Pastorale
Aus dem Amerikanischen von Werner Richter
 
Rezensionen
 
Marco Durrer / Das Netzmagazin / Frühjahr 2005
zur Taschenbuch-Neuausgabe
Das bereits 21-jährige und inzwischen zum »populären« Kultroman avancierte Werk des berühmt berüchtigten Ex-Junkies T.C. Boyle erscheint in einer Neuauflage bei dtv-galleria. Wie das gelungene Cover bereits erahnen lässt, geht es darin auch um Marihuana - aber eigentlich um viel mehr. Um Durchhaltevermögen trotz schwindender Hoffnung, um das strapazierbare Band der Freundschaft unter Extrembedingungen, um existenzielle Zweifel und zwischenmenschliches Misstrauen, Lüge und Verrat - und gar ein bisschen um Liebe.(...) Mit seiner bildhaften und geradezu fabulierenden Sprache vermag Boyle dem Leser von Beginn weg das Gefühl zu vermitteln, als würde er selbst im Sommerlager mit den drei Jungs [den Protagonisten des Buches] im Dreck stecken, die Hitze und den Regen auf der Haut spüren, den Schweiss, Rauch und Alkohol riechen. Auch dass manche der unzähligen Metaphern als zu konstruiert und die nach einem Quentchen zu viel an Stimmung haschenden Adjektive als zu gesucht erscheinen mögen, tut dem Leseerlebnis keinen Abbruch. Ein Buch, das geradezu (st-)rotzt vor Leben. Gute, unkomplizierte und solide Unterhaltung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
 
GSt / Lübecker Nachrichten / 05. November 1991
T. Coraghessan Boyle ist ein Senkrechtstarter der US-Literaturszene. Schon lange von seinen Lesern bejubelt, erntet er nun auch bei Kritikern Lorbeeren. Boyle sagt: »Romane sind wie Rockkonzerte. Entweder du bringst die Leute zum Tanzen, oder sie feuern dir Bierdosen an den Kopf.« So schnoddrig und direkt wie der Autor sein Literaturverständnis formuliert, liest sich auch sein Roman »Grün ist die Hoffnung«. Die Story ist läppisch: Alt-Hippie pfeift auf Batikhemden, Bärte und Brüderlichkeit und pflanzt Marihuana an. Natürlich geht alles schief. Doch nicht Handlung, sondern sinnenfreudige Sprache macht die (Rock)Musik. Boyles sichere Pointen und feine Selbstironie sind erfrischend.
 
 
Ennelyn Schmidt / Stadtblatt Osnabrück / 01. November 1991
Wer neben all den zweitrangigen, belanglosen Romanen, die wie Pflichtübungen der Autoren daherkommen, auf der Suche nach dem wahren Kunstwerk sein sollte, für den ist »Grün ist die Hoffnung« des amerikanischen Schriftstellers T. Coraghessan Boyle ein absolutes Muss. (...) Er schafft es, den Leser zu faszinieren, ihn vollkommen in den Bann zu ziehen. Man möchte seinen Roman verschlingen und fürchtet doch mit jeder Seite, dem »Finis« näherzukommen. Boyle ist ein einzigartiger Erzähler. Er mischt Elemente der Popkultur mit traditionellen Erzählmustern. Sein Protagonist genießt Bach und zitiert Texte der Doors und kennt sich im Vokabular der Drogenszene genauso gut aus wie im Wortschatz klassischer Musikwissenschaftler. Vor allen Dingen sind Boyles Bilder von unglaublicher Sprachgewalt und Phantasie. Dabei nennt sich der Roman im Untertitel bescheiden »eine Pastorale«. Die Ironie dieses Titels ist geradezu genial, denn obwohl er ländliches Leben thematisiert, ist er alles andere als eine romantische Idylle, auch wenn der Roman »meinen gärtnernden Freunden« gewidmet ist. Die sehr schöne Umschlaggestaltung verrät ebenfalls den botanischen Hintersinn: Es geht um die Anpflanzung von Marihuana. (...) »Grün ist die Hoffnung« ist kein Drogenkrimi a la Miami Vice und auch keine sanfte Kiffergeschichte, sondern Abbild des Lebensgefühls und der Selbstverständlichkeit einer ganzen Generation.
 
 
Richard Kähler / Der Rabe - Magazin für jede Art von Literatur / Nr. 33
Dieses Buch schenkt man meist Leuten, von denen man weiß, dass sie auch schon mal an einem Joint geschnüffelt haben, und daher glaubt, ihnen mit »Grün ist die Hoffnung« einen Riesengefallen getan zu haben. So erging's auch mir. Trotz des erträglich interessanten Themas (...) blättert man seltsam lustlos durch die doch reichhaltige Action, liest quer und ungefesselt diagonal durch einen Haufen gekonnt drastischer Umgangssprache gemischt mit megawissenstiefen Randbemerkungen des Autors, goutiert einen Haufen überzogener Vergleiche, legt das Buch trotzdem weg und nimmt es sich dann, doch beeindruckt durch manch wohlgeschmäcklerische Passage, wieder zur Hand und gibt ihm die Ehre, es ganz durchzulesen. Zeile für Zeile. Ja, wenn's gegen Ende geht und ein schmales Seitenbündel vom nahenden Finale kündet, macht man sogar noch eine Kunstpause, um den Schluss zu genießen - und dann ist man doch enttäuscht. Warum? Weiß nicht. Weil man seine Zeit drangegeben hat für einen angeblichen Plot, den »Raymond Chandler nicht hätte eleganter anlegen können« (New York Times)? Schrott. Oder weil T.C. Boyle als der Dickens des 20. Jahrhunderts (Publishers Weekly) gilt? Quack. Nein, wahrscheinlich: Weil man eben im Gegensatz zu diesen Zeitungsburschen wirklich eine Masse Zeit in diese 360 Seiten investiert hat. Und es demzufolge besser weiß: Schade drum.
 
 
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