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Ein Freund der Erde
Aus dem Amerikanischen von Werner Richter |
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| Leserkritik |
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| Beate aus Raum Hannover - 07/2004 |
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| Hat mich total angesprochen. Sowohl
vom Schreibstil, den vielen eleganten verschachtelten Rückblicken
des alten Mannes Ty Tierwater (Tom sagte einmal in einem Interview,
er könne sogar aus der Sichtweise eines Hundes schreiben, nun
– in diesem Buch ist die Figur des Jungalten Ty absolut glaubhaft
geschildert), als auch vom Thema selber, der gedankenlosen unaufhaltsamen
Zerstörung unserer Umwelt. Tyrone O’Shaughnessy Tierwater, der
Don Quichotte, der vergeblich gegen die Windmühlen des Klima-Kollapses
kämpft. Natürlich ebenso effektiv, wie man das Ergebnis Mann
gegen Windmühlen erwartet. Ty Tierwater, der Vater, der vergeblich
versucht, seine Tochter zu beschützen, der Ehemann, der hilflos
zusehen muss, wie seine erste Frau stirbt. Ty Tierwater, der
Öko-Terrorist, der mit allen Mitteln versucht, die Erde zu retten
– natürlich vergeblich, wie der Leser gleich am Anfang des Buches
erfährt, wenn der Handlungsbogen in einem apokalyptischen Kalifornien
des Jahres 2025 beginnt. Immer wieder beeindruckend ist Boyles
sprachlicher Erfindungsreichtum, wenn es um die Beschreibung
von Wetterzuständen geht. Ich kenne niemanden, der derart blumig
und vielfältig über Regen schreiben kann. Als geübter Leser
seiner Bücher glaubt man, alle seine Finessen bezüglich dieses
Themas zu kennen und wird doch immer wieder von einer neuen
Variante überrascht. Toms Gabe ist, den Leser das Geschehen
hautnah fühlen zu lassen, nicht nur Bilder zu erzeugen. Aber
Boyle hat auch Schwächen. Nicht immer sind die Handlungen logisch
nachvollziehbar. So lässt er den Löwen Dandelion den Küchen-Schacht
emporklettern und ‚Beute’ machen. Nein, Herr Boyle, das ist
für meinen Geschmack zu billig umgesetzt. Bei Löwen sind es
immer die weiblichen Tiere, die auf Jagd gehen. Und hatten die
Tiere nicht genug zu fressen? Abgesehen davon wäre ein schweres
männliches Tier gar nicht fähig zu einer solchen Kletteraktion.
Ich kann ja durchaus verstehen, dass hier ein gewisser Thrill
erzeugt werden sollte.. man stelle sich vor: plötzlich ist ein
angreifender riesiger brüllender LÖWE - im Essraum, aber diese
Art Spannung und Begründung für den letztendlichen Auszug aus
dem Paradies, der Ranch Melisma House, auf Kosten von falsch
beschriebenem Verhalten herhalten zu lassen, mag ich persönlich
nicht. Deshalb konnte ich auch das Ende der Geschichte nicht
ganz nachvollziehen – da werden die gefangenen, hässlichen Tiere
einen ganzen Roman lang als wilde gefährliche Kreaturen dargestellt,
die nur darauf brennen, auszubrechen und sich auf ihren Pfleger
und andere Menschen zu stürzen (als hätte nicht ein Pfleger
den Status Beute/Feind im Laufe der Dienstzeit verloren), und
dann läuft Petunia im letzten Kapitel brav an der Leine wie
ein 0815-Pudel? Und tiefgefrorene Lebensmittel, die 20 Jahre
lagern? Nun ja. Obwohl – die Art, wie die Szene im Essraum beschrieben
wird, hat ja schon wieder etwas pervers Komisches, der typisch
Boyleske Schwarze Humor offenbart sich in der liebevoll geschilderten
Aktion des Löwen, wenn er sich den fettesten Happen der Gesellschaft
aussucht, den fleischigeren der beiden Als. Fazit: Vielen Dank
Herr Boyle für diesen Roman. Wieder mal ein Buch, das zum Nachdenken
anregt und lange nicht aus dem Kopf geht. Das wirklich Beklemmende
an A Friend Of The Earth ist die Tatsache, dass die Handlung
die Realität wiedergibt, ein wenig überspitzt, aber nicht zu
weit davon entfernt. Wir sind schon mittendrin. Das Klima verändert
sich. Für alle sichtbar. Und wenige tun etwas dagegen. Es muss
ja kein EF!-Terrorismus sein, es wäre schon ein Anfang, wenn
ein jeder seinen persönlichen Umgang mit den begrenzten Ressourcen
unseres Planeten überdenken und danach handeln würde. Ein wahrer
Freund der Erde werden würde. |
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| Mauzi aus Sangerhausen - 01/2004 |
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| Es beginnt im Jahr 2025. Auf der
Erde macht sich der Treibhauseffekt erschreckend bemerkbar.
Klimakatastrophen mit Trockenheit wechseln mit ununterbrochenen
Regenfällen und drohender Überschwemmung ab. Ein begüterter,
ehemaliger Rockstar baut sich eine kleine Menagerie auf, um
die vom Aussterben bedrohten Tierarten, so gut es geht, zu erhalten.
Dabei geht es ihm nicht um die kuscheligen Tiere, sondern die,
die so hässlich sind, dass nur eine Mutter sie lieben kann.
Nebenbei schummeln sich noch jede Menge Ratten mit durch, im
Überlebenskampf. Aber um die braucht sich keiner Sorgen zu machen,
denn die gedeihen gut und vermehren sich vergnügt, als gäbe
es keine zerstörte Umwelt. Selten ist der Rockstar auf seinem
Anwesen zu finden, der ehemalige Umweltschützer Ty Tierwater
betreut mit einigen Helfern die Tiere. Die Vertreibung aus dem
Paradies, so hätte eigentlich der Titel auch lauten können.
Dieser Vergleich drängte sich mir auf, als ich das Buchcover
(der englischen oder französischen Ausgabe?) sah. So wie Adam
und Eva, beide nackt, verbrachten Ty Tierwater und seine Frau
Andrea dreißig Tage im Wald, um medienwirksam gegen die Umweltzerstörung
zu protestieren. In Zeitsprüngen von der Gegenwart (Zukunft?)
ab dem Jahr 2025 zu Rückblenden in die Vergangenheit ab dem
Jahr 1989 erfährt man, was Ty Tierwater und Freunde unternehmen,
um die Erde zu retten. Dass es dabei nicht ohne Konflikte und
haarsträubende Situationen abgeht, ist wohl keine Frage, wenn
man Bücher von T.C. Boyle kennt. Dass auf einmal Unstimmigkeiten
in den Zeitsprüngen auftreten, bemerke ich im ersten Moment
erst gar nicht. Das ist man ja gewohnt, vom Meister, dass er
uns mit einem sprunghaften Szenenwechsel verwirrt. Später dann
stelle ich fest, es wurden einfach Seiten in meinem Buch vertauscht
bzw. ganz weggelassen, aber das tut meinem Lesevergnügen nicht
den geringsten Abbruch. Ich lese mich zurecht, und wie immer
bereitet mir das Lesen Freude, aber regt auch zum Nachdenken
an. In der Rückblende erlebt man Tierwater als eklatanten Retter
der Umwelt. Seine geplanten oder manchmal spontanen Aktionen
bringen leider nicht den gewünschten Erfolg und die aggressive
Vorgehensweise lassen einen doch arg an dem Sinn dieser Aktionen
zweifeln. Öko-Terrorist - dieser Ausdruck ist hier sehr passend,
denn anstatt die Natur zu schützen, schadet er ihr nur noch
mehr und seiner Familie mit. Trotzdem kommt wieder mal der schwarze
Humor nicht zu kurz. Ty und Andrea kämpfen ums nackte Überleben
in ihrem selbstgewählten Martyrium im Wald. Von unbändigem Hunger
gequält, stellen sie einem Murmeltier nach, das fröhlich pfeifend
in seinem Bau entschwindet. Sie graben beide, wie die Irren
mit bloßen Händen und brüchigen Kiefernästen, immer das Bild
von einem leckeren Spießbraten vor den Augen, die Erde auf.
Zitat: »...bis ihnen allmählich ein Geräusch in ihrem Rücken
bewusst wurde, ein hoher keckernder Pfiff. Sie fuhren beide
herum und sahen das Murmeltier, das sie aus der Öffnung eines
Baus etliche Meter weiter weg beobachtete und tadelnd mit dem
Kopf wackelte.« Ich habe die Szene richtig vor mir gesehen,
dieses verwundert mit dem Kopf wackelnde Murmeltier, vorwurfsvoll
auf die beiden Menschenkinder herabsehend, und ich habe mal
wieder laut auflachen müssen. Eindrucksvoll auch die Schilderung
um die Baumbesetzung durch Ty's Tochter Sierra, aber auch beklemmend
und tragisch zugleich. Diese Baumbesetzung beruht ja auf einer
wahren Begebenheit, die nicht so tragisch endete, die aber T.C.
Boyle zu diesen Gedanken inspiriert hatte. Klimakatastrophe,
schamlose Ausbeutung der Natur und ihrer Geschöpfe. Wird die
gebeutelte Erde den Menschen einfach mal ausspucken wie einen
ekligen Brocken, um einen Neuanfang zu wagen, wird das die Vertreibung
aus dem Paradies sein? Ich hoffe für uns und unsere Kinder,
es kommt nicht so schlimm. Das Ende der Geschichte in der Gegenwart/Zukunft
2006 stimmt etwas versöhnlich, mit dem kleinen Wüstenfuchs Petunia,
der am Fußende des Bettes von Ty und Andrea, zusammengerollt
auf einen Läufer schläft - wie ein braves Hündchen. |
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