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Miriams Traum
von Lynn Barry,
Siegerstory www.tcboyle.com Contest Nr.7 |
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Sie konnte nicht anders als ihren Frank zu verherrlichen, sogar im Schlaf. Er war der Inbegriff eines Genies. Sie träumte davon, mit einem vollkommenen, geschmeidigen, feuchten Klumpen Lehm zu arbeiten (dieses Mal kein Marmor), zurück zur ursprünglichen Gestaltung sozusagen, so wie Frank es liebte (als lebte sie auf dem gottverlassenen, mistverseuchten Taliesin und würde alles auf die natürliche althergebrachte Weise erledigen). Endlich machte sie etwas, was sie mehr liebte als ihren Frank selber (und damit die selbstauferlegte Beschäftigung, eine lebende Legende zu lieben), sie lebte ihre Bildhauer-Magie, und obwohl sie nur eine Frau war (und nicht ein Mann, der großartig genug ist, etwas, irgendetwas, einen Gegenstand zu kreieren), erschuf sie (vergnügt im Schlaf zuckend) die Büste ihres geliebten Frank. Dieser Traum ließ es Realität werden.
Mit ihren Daumen formte sie Franks Augen in den Lehmklumpen, Augen, die ihr so vertraut waren wie das tägliche fünf- bis sechsmalige Putzen ihrer nikotinverfärbten Zähne (Frank hasste das Rauchen) oder das Setzen einer Pravaz-Spritze in das Fleisch ihres Beines; sie kannte Franks Augenhöhlen.
In ihrem traumähnlichen Zustand arbeitete sie seine Lehmaugen heraus wie ein Blinder ein unbekanntes Gesicht liest, mit dem nötigen Streicheln des Gesichts, um vor dem geistigen Auge ein Bild dieser neuen Person entstehen zu lassen. Franks Gesicht war eingeprägt in ihr Gedächtnis wie ihr eigener Name »Miriam« oder der Geburtstag ihrer Freundin Leora oder ihre favorisierte Tabakmarke. Er war ihre bevorzugte Droge, noch vor den drogengefüllten Pravaz-Spritzen oder ihren Zigaretten. Ihre Liebe zu Frank war wie das Einsengen eines Brandzeichens in die Flanken des Viehs, das so für ein Leben lang gekennzeichnet wurde.
Die Arbeit mit dem Lehm schickte angenehme, elektrischen Strömen gleiche Stöße durch ihre Hände (ganz anders als die Empfindungen, die sie verspürte, wenn sie mit dem Meißel an einem Block Marmor arbeitete) über die Arme zu ihren schwitzenden Achselhöhlen und zu den Schultern, den sehnigen Rücken entlang, das Rückgrat herunter zum Po bis in ihren intimsten Bereich, wo sie Frank willkommen hieß, wann immer er sie wollte, und er wollte sie so sehr wie geile Karnickel die Artgenossinnen aufsuchen.
Sie formte seine edel aussehende, markante Lehmnase, schließlich seine Lehmlippen, Lippen, die sie so häufig gekostet hatte, dass sie beinahe den Geschmack schmecken konnte, während sie arbeitete. Und als sie sich daran erinnerte, fiel ihr seine starke Ablehnung gegen die Erstellung seiner Büste ein; diese unangenehme, schwer zu verdauende Erinnerung rief eine Wut hervor, eine Wut, die du spürst, wenn du realisierst, dass du nie das erreichen wirst, was dir vorbestimmt war. Und das lässt dich auf die Lippen beißen, so sehr, dass unerwartet Blut fließt, und das lässt dich so sehr die Fäuste ballen, dass, ehe du dich versiehst, von diesem Etwas aus Lehm, dem du Form gabst, nichts weiter bleibt als ein verdammter Klumpen klebriges Zeug, und es lässt dich wach werden mit einem »ich liebe dich, Frank« auf deinen Lippen (Vieh brüllt immer, wenn ihm das Brandzeichen in die Flanken gedrückt wird). |
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| Der zweite Traum ist ebenso geistreich. Miriams künstlerisches Streben wird uns mit dem wundervollen Bild zum Ausdruck gebracht, dass sie Franks Lehmbüste einschließlich seiner Augen erstellt; eine Büste, die sogar Kritik übt, als sie kräftig geknetet wird. Und das abschließende Bild des Einbrennens ist einfach überwältigend. TCB |
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| Die Siegerstory des www.tcboyle.com Contest Nr. 7 von Lynn Barry wurde ins Deutsche übersetzt von Monika Rauch. Mehr Informationen über die Autorin findet Ihr unter www.lynnbarry.blogspot.com |
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