 |
Tod durch Ertrinken
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube |
| |
| Leserkritik |
| |
| Mauzi aus Sangerhausen - 08/2003 |
 |
| »Ich hab's satt zu riechen wie
ein Kupon aus der Waschmittelschachtel. Das ist unnatürlich.
Ungesund.« (Jane, die Primatenforscherin) Früher habe ich
Sience Fiction Literatur geradezu verschlungen. Aber nur die
Kurzgeschichten. Ich mochte es, wenn die Spannung konzentriert
war und die Erzählungen nicht unendlich in die Länge gezogen
wurden bis zur gähnenden Langeweile. Also dachte ich, Kurzgeschichten
für eine lange, aber kurzweilige Bahnfahrt und holte mir das
Buch »Tod durch Ertrinken« von T.C. Boyle. Geschichten, die
das Leben schrieb, hatte ich vorher in irgendeiner Rezension
gelesen. Aber so was kann das Leben nicht schreiben, und um
diese Erzählungen zu mögen, muss man schon selber ziemlich abgedreht
sein. Die sind total verrückt, abstrus, irrsinnig, es verschlägt
einem geradezu manchmal den Atem, und man muss sie zweimal lesen,
um alles verarbeiten zu können, und spätestens bei diesem zweiten
Mal ist man, ehe man sich versieht, ein Fan des Buches. Sehr
sensibel darf man da wohl auch nicht sein. Die Affengeschichte
geht mir noch heute im Kopf herum. Mit Schaudern denke ich an
dieses merkwürdige Restaurant im Urwaldsstil und eine auserwählte
Speise, die wie Vanille-Kirsch-Joghurt aussah. Mir sträuben
sich immer noch die Nackenhaare, wenn ich mir vergegenwärtige,
wem wohl die winzige Hand unterm Tisch gehörte, die sich in
das Hosenbein vom Mann der Primatenforscherin Jane, gekrallt
hatte. Trotzdem steckt in allen Geschichten genügend Komik,
schwarzer Humor, das man entweder laut auflachen muss oder vergnügt
in sich hineingrinsen. Logik darf man hier überhaupt nicht erwarten,
die einzige Geschichte, die einen Sinn meiner Meinung nach macht,
ist die von der Werkstatt. Ein Autofahrer mit Autopanne wird
solange mit Ausreden und Schikanen hingehalten, bis er einen
teuren Entschluss fasst. Ich will aber hier nicht zu viel verraten,
da war noch die Dada Geschichte oder die Wahrheit über Lassie
... waff ... waff , oder Mao schwimmt wieder. Gut, genug erzählt
jetzt, lest es halt selber und vergesst nicht, die linke Gehirnhälfte
auszuschalten, die steuert nämlich unter anderem das rationale
Denken und die Logik, aber die braucht man hier wohl nicht unbedingt,
denn für die Phantasie ist genug Raum bei Boyles Erzählungen. |
| |
| |
| Sven aus Wunstorf - 08/2003 |
 |
| Ich bin immer versucht, in den Short
Story Büchern von T.C. Boyle einen Faden zu finden, der die Geschichten
miteinander verbindet. Doch schon nach den ersten zwei Geschichten
in der Sammlung »Tod durch Ertrinken« will man aufgeben.
Der junge Mann, der nicht glauben will, dass er seine Freundin
an einen intellektuellen Nebenbuhler verliert, nur weil dieser
im wahrsten Sinne des Wortes ein Primat ist. Die unglaublich
unappetitliche Geschichte über den Kampf zweier wortwörtlicher
Titanen, die sich den Weltmeistertitel durch das Verschlingen
von Unmassen an Essen erobern. Kein ersichtlicher Zusammenhang.
Dann ein Bruch. Nach dem »leichten Einlesen« und Schmunzeln
kommt eine Geschichte, die einem zuerst darauf bringt, dass
die Namen der Protagonisten ziemlich lustig sind. Auf den zweiten
Blick kommt einem der Gedanke, dass die letzten Absätze doch
eine tiefgründige Aussage haben könnten, vielleicht sogar eine
versteckte Botschaft oder auch nur eine persönliche Meinung
des Autors. Vielleicht, wahrscheinlich eher nicht. Oder doch.
Trotzdem, spätestens jetzt fängt man unweigerlich an, die Geschichten
auch zu »lesen«. Nach dem Umschlagen der letzten Seite, dem
melancholischen Zuklappen des Buches, hat man erst rausgefunden,
dass es keine Zugabe geben wird. Und erst dann hat man den gemeinsamen
Nenner: Alle Geschichten schüren das Verlangen, sofort das nächste
Buch in die Hand zu nehmen und sich wieder überraschen zu lassen.
Welch Verblüffung! |
| |
| |
|
|