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»Ich lade dich ins Pasta-Paradies ein, Selbstbedienung, soviel du essen kannst - und ich schwöre dir, ich bring dich vor elf wieder nach Hause. Und kein Sex, ich weiß - will dir ja keine Energie heraussaugen oder so.« (Jason Barre)
 
Schluss mit cool
Aus dem Amerikanischen von Werner Richter
 
Rezensionen
 
Walter van Rossum / Die Zeit / 15. August 2002
Er erzählt zwar von Katastrophen, aber nicht im Katastrophenstil. Eine fast träge Dramaturgie lässt die Situationen einfach implodieren. Was gerade noch stimmig schien, wird gleich irre; was sich mitten im Leben wähnte, stirbt bald; aus ganz gewöhnlicher Bitterkeit wird Mord; das Plätschern der Rechtschaffenheit verwandelt sich in Heulen und Zähneklappern. In 16 Varianten zeichnet Boyle eine ähnliche Verfallskurve. (...) Man könnte fast denken, mit jeder Geschichte geht es ihm darum, der Menschheit eine Ausrede weniger zu erlauben. Man erinnere sich an das gespielte Entsetzen des Amoklaufs von Erfurt und die Attitüde der gesellschaftlichen Seelsorger: Wie kann es in unserem Idyll bloß zum Ausbruch von solch rohem Hass kommen? T.C. Boyle tüftelt an einer ganz anderen Frage: Wieso gibt es nicht viel mehr Gewalt in dieser Zivilisation?
 
 
wfr / Berliner Morgenpost / 24. Juni 2002
Da kommt er wieder, auf den leisen Sohlen seiner Chucks, und verkündet den Weltuntergang: T.C. Boyle, das kalifornische Gewissen Amerikas, der Hippie unter den Literaten, der, wie alle Philanthropen, in einem gewissen Alter die Misanthropie aushalten muss wie Hitzewallungen. 16 Geschichten versammelt der neue Band »Schluss mit cool«, jede einzelne gewissermaßen ins Papier geätzt und stets nach dem gleichen Prinzip gebaut, dem festen Glauben Boyles folgend, dass das dicke Ende noch kommt. (...) Boyle bleibt Boyle, auch in diesem Buch; 16 Predigten für die Gemeinde, gute Unterhaltung für den Rest der Welt.
 
 
Stephan Wackwitz / Frankfurter Allgemeine Zeitung / 31. Mai 2002
Komik wie Tragik scheinen sich in der amerikanischen Kultur aus dem doppelten, zugleich befreienden und einengenden Versprechen der protestantischen Sekten herleiten zu lassen, die jedem versprochen hatten, er sei seines Glückes Schmied und könne eine exklusive, persönliche (und möglicherweise auch sehr seltsame) Beziehung zum Absoluten erfinden und unterhalten. Dieses Versprechen hat die turbulent-komischen wie die tragischen Konflikte und Kompromisse zwischen Rechtschaffenheit und Ausgeflipptheit, Triebverzicht und Glückssuche, protestantischen Spießer und protestantischen Bohemien ins Werk gesetzt, die von Arthur Millers »Tod eines Handlungsreisenden« bis zum Film »The Big Lebowski« der Brüder Coen jene inner-protestantischen Fraktionierungskämpfe zu einem längst universal gewordenen Element der Weltkultur gemacht haben, ein kultureller Archetypus, den man versuchsweise als »Lebowskisches Schema« bezeichnen könnte. (...) Es gehört zu den Regeln jenes »Lebowskischen Schemas«, dass sich der Erzähler mit seinen Sympathien auf keine der beiden Seiten des protestantischen Dilemmas stellt. Und so findet sich in [Boyles] Geschichten eigentlich keine wirklich sympathische Figur. Sie sind bevölkert von Menschen, die man mit einem unübersetzbaren angelsächsischen Ausdruck am treffendsten bezeichnet als people you love to hate. Und doch schreibt eine sadistische und ebenfalls sehr protestantische Grundhaltung vor, dass der Loser in jenen Geschichten dann eigentlich doch jedesmal siegt, auf wie dreckige und hinterhältige Weise auch immer. T.C. Boyle, ein populistischer und technisch versierter Erzählprofi, spinnt seine Leser meist schon in den ersten Zeilen in eine komplizenhafte Parteigängerschaft mit dieser sadistisch-protestantischen Schadenfreude ein.
 
 
Stephan Maus / Süddeutsche Zeitung / 17. April 2002
In jeder einzelnen dieser Kurzgeschichten spürt man Boyles unmittelbare Nachbarschaft zu Hollywood. Ohne großen kompositorischen Aufwand ließen sich alle Texte in ein Drehbuch umschreiben. Boyle packt das zappelnde Leben in einem besonders dramatischen, exemplarischen oder allegorischen Moment am ängstlich gesträubten Nackenfell und sperrt es zwischen sein Zeilengitter, wo er mit seinem Opfer lustige Experimente veranstaltet. Bleibt die Frage, ob das Leben im echten Leben überhaupt so viel zappelt. Boyles Sammlung wirkt eher wie ein narrativ aufbereitetes Best-of aus einer Dekade von Meldungen aus dem Zeitungsressort für Vermischtes.
 
 
Michael Freund / Der Standard / 30. März 2002
Menschen treiben auf Katastrophen zu. Gute Vorsätze knicken in grausames Verhalten um. Soziale Geflechte werden zum Drahtverhau, dem man sich nur tief verletzt entwinden kann. Was Tom Coraghessan Boyle bereits in mehreren Romanen thematisiert hat, variiert er nun in 16 neuen Kurzgeschichten. Ihr Grundtenor ist ein vergnügter bis bitterer, wissender, aber nicht besserwisserischer Pessimismus, ihre Kraft gewinnen sie aus Boyles unerschöpflicher erzählerischer Energie.
 
 
Meike Schnitzler / Welt am Sonntag / 17. März 2002
Die zynischen Titel der Erzählungen verraten, dass Boyle es nicht hundertprozentig ernst meint mit seinen Schilderungen der Gemeinheit des Lebens. Aber was als Satire gemeint ist, wirkt so überzeugend real, dass dem Leser das Lachen im Halse stecken bleibt. Es wimmelt von Greisen, die hilflos in ihren eigenen vier Wänden verscheiden, jungen Menschen, die ihre Kinder in Schuhkartons am Straßenrand stehen lassen und enttäuschten Angestellten, die ihre Arbeitgeber per Kopfschuss hinrichten. Dass Boyle diese Art von Begebenheiten in einer lakonischen Sprache beschreibt, macht die Lektüre des Buches zu einem Vergnügen, bei dem man sich, ähnlich wie bei dem Genuss von leberzersetzenden Alkoholika, köstlich amüsiert, und hinterher irgendwie schuldig fühlt.
 
 
Erich Demmer / Die Presse / 16. März 2002
Der kräftige Fausthieb der Einleitungssätze, der meist offene, aber in die Richtung der Katastrophe weisende Schluss, die Zwanghaftigkeit des Scheiterns, die Leerstelle, wo die sozial legitimierte Macht der Politik auftreten sollte (in Zeiten, in denen immer mehr Regierungen in Gesindel-Verdacht kommen), der kunstvoll verborgene Drehpunkt, an dem sich Hoffnung in Scheitern wandelt - fast könnte man sagen: Mit T.C. Boyle ist Franz Kafka in Amerika angekommen, nur realitätssatter und besser konsumierbar. (...) Boyle hätte für seine Erzählungen als Motto auch den Schluss von Kafkas »Landarzt« wählen können: »Einmal dem Fehlläuten der Nachtglocke gefolgt - es ist niemals gutzumachen.«
 
 
Basil Wegener / Rhein-Zeitung / 08. März 2002
In 16 Kurzgeschichten lebt T.C. Boyle in »Schluss mit cool« seinen literarischen Spieltrieb aus und zügelt ihn zugleich. Virtuos entwirft der Autor (...) Charaktere aus verschiedenen US- Regionen, aus verschiedenen Generationen und sogar Epochen. ...wenngleich ihm am meisten jene Typen am Herz liegen, die hartnäckig an eigentlich mickrigen Lebenslügen festhalten und Alkohol betäubt durch den Wohlstandsalltag gehen, ohne zu merken, wie nah sie am Abgrund sind. Gleichzeitig gelingt es Boyle meist - anders als mitunter in seinen manchmal ein wenig ausschweifenden Romanen - mit ein paar Sätzen eine Szenerie zu entwerfen, in der alles passieren kann. Und meist schwingen sich die in auktorialer Nonchalance erzählten Geschichten auch konzentriert und eindringlich zu unerhörten Wendungen auf. (...) Boyle ist zu raffiniert, um das Unerhörte nicht ganz unscheinbar heranschleichen zu lassen. Wie eine langsam wirkende Droge sickern die beunruhigenden Fantasien in die Welt der bekannten Motive, Wünsche und Freuden der Mittelstandsfiguren, bis der Leser immer wieder aufs Neue merkt, dass Boyle brisante Top-Themen um gesellschaftlichen Zerfall und extreme Entwicklungen behandelt.
 
 
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