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»Hallo, da draußen im KFUN-Land, hier ist Boomer, und jawohl, nach drei Stunden und fünfundvierzig Minuten bin ich noch immer wach ...« (Boomer, Gooner & Boomer-Morgenshow)
 
Zähne und Klauen
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube und Dirk van Gunsteren
 
Rezensionen
 
Jörg von Bilavsky / Berliner Literaturkritik / 26. Juni 2008
Gibt es sie wirklich? Die Antihelden in Boyles exaltierten Romanen und Kurzgeschichten. Kritiker und andere Leser behaupten: Ja. Solche gescheiterten und angeschlagenen Existenzen laufen einem zumindest in Amerika haufenweise über den Weg. Nur wissen wir nicht, was sich in ihren Köpfen und ihrem Alltag abspielt. T.C. Boyle schon. (...) In »Zähne und Klauen« sind es Naturkatastrophen oder einfach nur merkwürdige Mitmenschen, die ihr Leben plötzlich, aber langfristig verändern und sie in an den Rand des Wahnsinns bzw. der Gesellschaft katapultieren. (...) Doch neben allen schicksalsschwangeren Stürmen, Schneewehen und anderen Unfällen dreht sich bei Boyle alles um das uralte Thema Liebe. Besser gesagt um die verzweifelte Suche nach Liebe, Anerkennung und last but not least Sex. Dass seine männliche Protagonisten dabei meistens schlecht weg kommen und die Frauen dabei am Ende gut aussehen, sprich immer noch einen Trumpf in der Hand haben, kennen wir von Boyle schon. Auch dass die meist 20 - 30jährigen Junggesellen sich Mut und Potenz ansaufen oder Zuflucht in Marihuana, LSD oder Heroin suchen, ist nicht wirklich neu. Dennoch weiß Boyle die typischen Ingredienzien seiner Erzählungen immer wieder so zu mischen, dass man sie wie einen neuen Cocktail Zug um Zug runterkippt. Und einem erst danach bewusst wird, wie komplex seine Geschichten trotz der flotten und originellen Sprachmuster gestrickt sind. Boyles Stories machen hirntrunken, aber wenn man gedanklich wieder nüchtern ist, wird einem klar, wie relativ die menschliche Vernunft ist. (...) Insofern sollten wir als Krone der Schöpfung nicht allzu stolz auf uns sein, sondern mit ironischer Demut auch die Schattenseiten unserer Spezies in den Blick nehmen. Und das kann kaum einer besser als T.C. Boyle.
 
 
Hans-Dieter Fronz / Der Bund / 09. Juni 2008
Im Zentrum von T.C. Boyles großartigem Erzählungsband »Zähne und Klauen« lauern Katastrophen. (...) Dem Glücksversprechen des American Way of Life halten die Erzählungen einen Spiegel vor, in dessen rissigen und blinden Stellen sich die Brüchigkeit dieser Lebensform selber reflektiert; so zeichnen sie ein glaubhaftes Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Boyle schildert die Malaisen und Niederlagen seiner Helden – zum guten Teil sind es Loser-Gestalten, Verlierer im Gesellschaftsspiel – mit dezenter Menschlichkeit und ohne Larmoyanz.(...) Die Erzählungen sind voller überraschender Wendungen, innerer wie äußerer; fast genüsslich legt Boyle falsche Fährten und unterläuft die Erwartungen des Lesers. Die Stärken des Bandes sind neben dem geradezu fantastischen Reichtum an Realien Boyles sorgfältig individualisierende Figurenzeichnung und sein Einfühlungsvermögen. (...) Hinzu kommt Boyles stilistische Meisterschaft – seine bildhafte, mit schnoddrigen Hyperbeln durchsetzte Sprache. (...) Es sind nicht zuletzt Boyles erzählerische Meisterschaft und sein lebendiger, (er)lebensnaher Stil, die dem Leser die Düsternis des Erzählten erträglich machen. Zwar kennen die von Annette Grube und Dirk van Gunsteren vorzüglich – man ist versucht zu sagen: kongenial – übersetzten Erzählungen auch Momente des Glücks. Doch die entspringen meist nur dem kurzzeitigen Vergessen des Unglücks. (...) Glück, das ist bei diesem Autor schon: das Ausbleiben der Katastrophe. Für den Leser liegt es ein wenig auch in der Unerschrockenheit und Unbestechlichkeit, mit der T.C. Boyle das Unglück dieser Welt in den Blick nimmt.
 
 
Frank Dietschreit / Märkische Allgemeine / 07. Juni 2008
»Zähne und Klauen«, der neue Band mit Erzählungen von Tom Coraghessan Boyle, ist ein ebenso vertracktes wie großartiges Buch. (...) Während die Romane von T.C. Boyle zum detailverliebten Überschwang neigen, kommen seine Erzählungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und immer wieder neue Tonlagen anschneiden, schnell und gezielt auf den Punkt. Mit wenigen Sätzen hat der Autor den Leser eingefangen, nimmt er ihn mit auf eine Reise durch den Dschungel seiner bizarren und grotesken Fantasie. Immer wieder geht es dabei um das stille Scheitern und das beharrliche Suchen, um kleine Liebesversuche und große Lebenskrisen. Je näher sich die Personen kommen, desto einsamer sind sie. Je wütender die Sehnsucht, desto schmerzhafter die Enttäuschung.
 
 
Heimo Mürzl / Wiener Zeitung / 23. Mai 2008
In seinem neuen Kurzgeschichtenband »Zähne und Klauen« läuft T.C. Boyle zu längst verloren geglaubter erzählerischer Höchstform auf und bestätigt seinen Ruf als einer der phantasivollsten und vielseitigsten amerikanischen Autoren. (...) Im Grunde sind es traurige Geschichten, die der für seinen schwarzen Humor gerühmte Boyle uns hier erzählt. Doch wie er in zwei, drei Sätzen ein Szenario entwirft und den Leser in diese Welten hineinzieht, hat Klasse. (...) Das Aufeinanderprallen von Natur und Mensch bleibt in T.C. Boyles Geschichten nie ohne Folgen.
 
 
Irene Binal / Neue Zürcher Zeitung / 20. Mai 2008
T.C. Boyle begibt sich zurück zu seinen Wurzeln, zurück zu einer Natur, mit der bereits seine Protagonisten in Romanen wie Drop City zu kämpfen hatten. Und wohl nicht ganz umsonst enthält der englische Titel Tooth and Claw den indirekten Verweis auf die Initialen des Schriftstellers. Freilich ist auch Boyle älter geworden, und so erscheinen manche seiner Geschichten beinahe als wehmütiger Abgesang auf seine frühere zappelig-nervöse Auseinandersetzung mit den Randfiguren der Gesellschaft. (...) Aus dem unbekümmerten jungen Skandalautor ist ein etablierter Schriftsteller geworden, dessen Helden nicht mehr mit Drogen und Schallplatten nach Alaska auswandern, sondern als Ehemänner oder Ex-Ehemänner in Reihenhaussiedlungen wohnen und der Natur nur mehr staunendes Unverständnis entgegenbringen: In manchen Geschichten wünscht man sich schmerzlich den alten, enervierenden und doch so originellen Boyle zurück. (...) Am besten wird der Autor immer dann, wenn er sich auf sein ureigenstes Terrain begibt und sich mit jenen befasst, die aus welchen Gründen immer zu Ausgestossenen werden. Seine Sprachgewalt hat Boyle nicht verloren, ebenso wenig sein Erzähltalent und die Faszination für die unberechenbare Seite der Natur. Dieser Faszination hat T.C. Boyle mit seinem Erzählband ein Denkmal gesetzt.
 
 
dieJenny / Der Westen (westropolis) / 07. Mai 2008
14 Erzählungen, 14 Menschen auf der abwegigen Suche nach ein paar glücklichen Momenten. Oft schon im Voraus zum Scheitern verurteilt, in einer Welt, die so ungemein real ist und sich doch gleichzeitig in Auflösung befindet. T.C. Boyle schafft es, in seinem neuen Band »Zähne und Klauen« auf wenigen Seiten ganze Leben zu entwerfen, zu enthüllen und zu zerstören.
 
 
Andrew Uhlemann / triggerfish / 28. April 2008
T.C. Boyle hat einen neuen Kurzgeschichtenband auf den Markt gebracht, (...) und man kann getrost davon sprechen, dass er wieder an alte Klasse angeschlossen hat. (...) Besonders gut ist und war er ja schon immer, wenn es um die dunkle Seite des Menschseins und die Verlierer dieser ach so schönen Welt geht, und so kommen hier auch gleich eine ganze Reihe von Losern zu »Wort«. (...) Boyle entführt uns mit ein paar Sätzen in völlig unbekannte Welten und lässt uns so teilhaben an ganz verschieden Schicksalen. Oftmals stoppt die Story zwar mittendrin und den Fortgang der Handlung muss man sich selbst überlegen, aber Kurzgeschichten von T.C. Boyle sind ein Kurzfilmfestival für den Kopf, und T.C. Boyle ist der geborene Edgar Wallace dieses Genres.
 
 
Hans-Willi Hermans / Kölnische Rundschau / 24. April 2008
Sie sind schon lange keine Cowboys mehr, die Helden in T.C. Boyles Band mit Erzählungen »Zähne und Klauen«, doch sie haben genug Westernfilme gesehen. (...) Als Säufer und Junkies, verlassene Liebhaber und freigesetzte Arbeitskräfte, als Opfer von Wind, Wetter und Ungeziefer müssen sie erfahren, dass es weder Schutz vor infamen Mitmenschen noch vor der eigenen Natur oder der da draußen gibt. Rettung bringt höchstens mal ein glücklicher Zufall. So etwas kommt durchaus vor in den 15 Stories, mit denen Boyle seinen ganzen Einfallsreichtum unter Beweis stellt. (...) Insgesamt wirken die so unterschiedlichen Schauplätze der Geschichten allerdings kulissenhaft, und die Charakterisierungen erreichen in etwa die Tiefe eines ambitionierten Hollywood-Streifens. (...) Auch wenn das Skurrile, Groteske, die Brutalität und das Abseitige oder auch formale Experimente vorhanden sind, wird das publikumsverträgliche Maß dabei nie überschritten. Das böse Wort vom »Kunsthandwerk« drängt sich immer mal auf. Sagen wir so: Nach einem arbeitsreichen Tag kann T.C. Boyle wirklich unterhaltsam sein.
 
 
Sven Appel / Frankfurter Neue Presse / 16. April 2008
Wenn es sich bei T.C. Boyles Protagonisten doch einmal um »Normalos« handelt, dann befinden sie sich meist in einer üblen Situation. Diese – inoffizielle – Regel trifft auch auf Boyles neuen, vierten Erzählband zu. Der Titel lässt es schon vermuten – Tiere spielen eine gewisse Rolle in den insgesamt 14 Geschichten. Doch es sind vor allem Erzählungen über Menschen in Extremsituationen, Geschichten über Grenzerfahrungen, die an der zivilisatorischen Schicht kratzen und das Animalische durchscheinen lassen. (...) Seine Protagonisten werden hin und her gezerrt zwischen Vernunft und Instinkt. Unabhängig davon, auf welche Seite es sie verschlägt, scheitern sie meistens. In der Schilderung solcher Tragödien liegt Boyles Meisterschaft, die er hier erneut beweist.
 
 
Heiko Paulheim / literature.de / 29. April 2008
Verblasst mit T.C. Boyle ein großer Stern am amerikanischen Erzählerhimmel? Zuletzt versuchte sich der Schriftsteller mit Talk Talk müde am Thriller, jetzt legt er mit »Zähne und Klauen« einen neuen Kurzgeschichtenband vor – und bleibt ein weiteres Mal weit hinter den Erwartungen zurück. (...) »Zähne und Klauen« ist ein Buch wie ein Bon-Jovi- oder Rolling-Stones-Album: handwerklich solide, aber wenig überraschend und nicht gerade von Neuerungen und Innovationen strotzend. (...) Zu hohe Erwartungen? Vielleicht. Doch T.C. Boyle selbst hat mit seinen früheren Büchern die Messlatte so hoch gelegt. Hoffen wir, dass er mit seinem nächsten Buch wieder einen eleganten Satz darüber macht.
 
 
Johannes Kaiser / Deutschlandradio / 07. April 2008
T.C. Boyles Protagonisten in »Zähne und Klauen« sind keine Helden, sondern Verlierer, wenn auch sympathisch gescheitert. Er verkneift sich das Moralisieren und kennt auch keine Happy Ends. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann trinken sie noch heute. (...) Seine Storys sind mit einem Augenzwinkern erzählt, streifen gerne das Absurde, verfremden den Alltag, treiben Dinge so auf die Spitze, dass man über sie lachen muss. (...) Geschickt überspielt T.C. Boyle, dass er ein großer Moralist ist. Er warnt, indem er übertreibt. Nicht immer überzeugen seine schrägen Ideen, aber er hat auf alle Fälle viel Fantasie. Und die ist ansteckend.
 
 
Verfasser unbekannt / Frankfurter Allgemeine Zeitung / 22. März 2008
Boyles Protagonisten verfallen nicht der Hybris, sondern scheitern schlicht an der Unfähigkeit, als moderne Menschen mit den Herausforderungen archaischer Kräfte zurechtzukommen. Sie drohen in der Wildnis unterzugehen, sie werden Opfer von Gewalt und Hass, sie kapitulieren als vernunftbegabte Wesen vor den Raubtierinstinkten der Umgebung. Kein anderes Buch hat das schöner in einen Titel gepackt als die gerade erschienene neue Erzählungssammlung, die »Zähne und Klauen« heißt. (...) So schreibt Boyle gemäß seinem unerbittlichen Prinzip Geschichten vom Übergang, die selbst im Übergang sind, weil wir sie offen verlassen müssen. Und danach verlassen dastehen. Von Gott und den Menschen. Das Einzige, was uns erhalten bleibt, ist das harte Naturgesetz.
 
 
Joachim Huber / Der Tagesspiegel / 30. März 2008
Aufgepasst, Freunde des Fressnapfs, selbst [die Kurzgeschichte] »Hundologie« ist keine literarische Streicheleinheit. Boyle interessiert sich für den Durchschnittsamerikaner, wie dieser sich mit seiner Vernunft an den Trieben und Affekten seiner Mitmenschen reibt. Boyle stellt seine Typen in Momentaufnahmen vor, mit viel Sinn für katastrophale Lebensroutine. Es sind kleine Territorien, sehr unterschiedliche Milieus und Zeiten, die Boyle präzise zum Schauplatz grimmiger Desaster macht. (...) In diesem Kosmos sind die Gescheiterten wahrscheinlich nicht unglücklicher als die Glücklichen, nur wissen’s die Gescheiterten eben. Klingt bösartig, desillusionierend, aber das Leben bietet bei Boyle nur zwei Möglichkeiten: die Lebensgefahr oder den Kick zur Wiedergutmachung. Oder weiß einer genau, woher im nächsten Moment der Wind weht? T.C. Boyle weiß es. Deswegen ist die Kurzprosa dieses Springteufels so quecksilbrig. Dieser Autor bietet, verflucht nochmal, Aufregung sondergleichen.
 
 
Wieland Freund / Die Welt / 29. März 2008
Meist ist es die selbstbestimmte Schöpfung, die dem »Ruhm des Weltalls« (Charles Darwin über den Menschen; T.C. Boyle zitiert es mit beißendem Spott) zeigt, was eine Harke ist. Anders gesagt: 14 Mal zieht Boyle in diesen 14 Erzählungen aus, seine Figuren zu demütigen. (...) Boyle trägt all das mit gewohnter Wortgewalt und redlich erworbener Routine vor, von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen jedoch ist »Zähne und Klauen« so aufregend und überraschend wie ein Themenabend.
 
 
Helmut Pusch / Südwest Presse / 26. März 2008
T.C. Boyle hat ein Faible für eigentümliche, eigensinnige Gestalten und Geschichten und immer auch einen makabren Blick für die Komik, die oft in tiefschwarzen Begebenheiten steckt. Irgendwie wird man bei ihm das Gefühl nicht los, dass irgendwo noch ein Gag lauert, dessen Witz man nicht auf Anhieb begriffen hat. (...) Wählt er dann mal einen Normalo zum Protagonisten, steckt der meist mittendrin in der Misere. (...) An diese Regel hält sich Boyle auch in seinem vierten Erzählband »Zähne und Klauen«.
 
 
Magda Wagner / vorwärts / 26. März 2008
Für sich genommen sind es keine ungewöhnlichen Situationen, die T.C. Boyle in seinem neuen Erzählband »Zähne und Klauen« beschreibt: das Auf- und Ab der Liebe, der Verlust nahe stehender Menschen, ein unvorhergesehener Zwischenfall. Und doch verquickt Boyle die einzelnen Schattierungen des Pechs seiner Helden so hinterhältig, dass das Buch als Nachschlagewerk für die unglaublichsten Katastrophen herhalten könnte. (...) Trotz ihrer Kürze sind diese Geschichten nicht als Einschlaflektüre geeignet, da der Kampf der jeweiligen Hauptperson gegen sich selbst, gegen einen schweren Schicksalsschlag oder gegen die Gewalten der Natur schonungslos realistisch dargestellt ist. Dabei ist es erstaunlich, mit welch morbider Phantasie der Autor den Leser mit in das Schlamassel seiner Figuren hineinzieht und dort anschließend nachdenklich zurücklässt. (...) Die Übersetzungen aus dem Amerikanischen von Dirk van Gusteren bzw. Anette Grube sind an einigen wenigen Stellen etwas holprig, meistens jedoch sind sie gut lesbar. »Zähne und Klauen« reiht sich nahtlos in das zynisch-heitere Werk des produktiven amerikanischen Autors ein und enttäuscht eingefleischte Boyle-Fans nicht.
 
 
Alexandra Kedves / Tages-Anzeiger / 13. März 2008
Im neuen, streckenweise brillanten Erzählband des US-Kultautors T.C. Boyle ist die Natur ein Feind, den sich der Mensch selbst geschaffen hat.(...) Stark ist, wenn der knapp 60-Jährige mit kühler Komik die amerikanische Suburbia auf die Schippe nimmt; wenn er eine ganz normale Mittelstands-und-Mittelmass-Ehe in einen knappen Dialog packt, in dem ein ausgewachsener Beziehungsroman steckt. Das reicht heran an Raymond Carver at his best: T.C. Boyle entblösst Menschen in ihrer Unzulänglichkeit, Umstände in ihrer Unabwägbarkeit, Sprache in ihrer Unnahbarkeit. Da tritt der kraftmeiernde Showmaster Boyle, der jede Lesung zum fetzigen Abend umfunktioniert, hinter sich selbst zurück - hinter den leisen Tierbeobachter Boyle, der viel Zeit im Sequoia-Wald in der Sierra Nevada verbringt. Er protokolliert, was mit dem Homo sapiens passiert, wenn ihm die Natur oder das Schicksal zusetzt. (...) Dass er (...) Ökopolitisches auffährt und eine simple Symbolik in seine Geschichten hineinstrickt über den Feind Natur, den wir uns selbst geschaffen haben, ist eine Schwäche. Gerade in den Sci-Fi-Geschichten des Bandes hat er mit solcher Moral nicht hinterm Berg halten können. (...) Aber dort, wo der Verfasser der Öko-Apokalypse Ein Freund der Erde (2000) die barocken Visionen beiseite lässt und stattdessen nah an seine ganz heutigen Figuren heranzoomt, hört man auf einmal sogar die Absichten und ist nicht verstimmt. (...) Hier entdeckt sich der selbst ernannte Entertainer und Comedian mit dem Faible fürs Verrückte neu: Der Tod hat bluttriefende Klauen und Zähne, gegen die keiner was kann. Jedes Sterben ist eine Art Mord, und ins boylesche Gelächter mischt sich Schmerz. Berührend, bestechend. Und streckenweise brillant.
 
 
Christian Seiler / Die Zeit / 13. März 2008

Es gibt natürlich auch Geschichten, die aus dem poetischen Mangel geboren werden, aus der Vertiefung einer einzigen Idee, aus dem Bohren nach einer, nach der einzigen Wahrheit. Tom Coraghessan Boyle ist kein Anhänger dieser Religion. Er predigt den Überfluss. Es macht ihm Spaß, am großen Geschichtenbaum zu rütteln und dabei zuzusehen, wie eine reife Story nach der anderen von den Ästen fällt. (...) Es ist Boyles Passion, Einfälle in Welten zu verwandeln, Häuser zu bauen, Bilder an die Wand zu hängen und merkwürdige Menschen eintreten zu lassen. Manchmal braucht er dafür 500 Seiten. Viel öfter genügt es ihm aber auch, einen kurzen Abstecher auf neues Terrain zu unternehmen, genüsslich im frisch gestrichenen Ambiente herumzuschnüffeln und einen oder zwei Helden etwas besser kennenzulernen. »Zähne und Klauen« ist die neue Sammlung dieser Abstecher, 14 Erzählungen aus dem skurrilen Universum des T.C. Boyle. Die Storys haben, wie Boyles Romane, weder ein Generalthema noch ein gemeinsames Leitmotiv. Auch ihre Tonlagen könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie spielen in verschiedenen Jahrhunderten, fräsen sich durch unvereinbare gesellschaftliche Topografien, und, nein, nicht einmal das tragische Ende ist garantiert. (...) Boyle schreibt, als hätte er ohne neue Figuren Angst vor dem Alleinsein. Seine Prosa ist leicht und glänzend, die Pointen sitzen, und allein aus den leichtfertig dahinskizzierten Szenarien hätten andere Autoren ein Lebenswerk gebastelt. Aber Boyle muss nicht sparen. Er ist lustig, er ist tragisch, er ist wesentlich - und er ist verschwenderisch mit seinen Ideen, weil er weiß, dass sie ihm nie ausgehen werden.

 
 
Ingrid Mylo / Glanz@Elend, Magazin f. Literatur & Zeitkritik / März 2008
Boyle regelt's über die Stimmen. (...) Und wenn - was nicht selten geschieht in diesen Geschichten, in denen immer auch eine Bar in Reichweite ist, an deren Tresen weitere Geschichten erzählt werden und entstehen: von Raubkatzen und Autounfällen und Asteroideneinschlägen -, wenn der Wind weht, richtig weht, ungestüm und voller Wucht, sind all diese schönen Charakterisierungen und Unterschiede dahin. Denn der Wind, wie es in der Erzählung »Windsbraut«, heißt, »riß ihm die Stimme aus dem Mund und trug sie davon, bis es keine Stimme mehr war.«
 
 
Lilo Solcher / Lilo's Reisen / 04. März 2008
Das kann ihm keiner nachmachen: Diese kurzen, knackigen Stories, in denen die Analyse der Action nicht nachsteht. Es sind alltägliche Beobachtungen, die ihn zu solchen Kurzgeschichten inspirieren, sagt T.C. Boyle. Und er schreibt sie immer dann nieder, wenn er einen Roman beendet hat. Glücklicherweise war das wieder einmal der Fall, denn »Zähne und Klauen« ist ein bissiger Lesegenuss, hochintelligent, hintersinnig und nie platt.
 
 
Kristina Maidt-Zinke / Süddeutsche Zeitung / 11. März 2008
In der neuen Kollektion von Kurzgeschichten unter dem Titel »Zähne und Klauen« geht es, wie so oft bei diesem Autor, um den Konflikt zwischen Natur und Zivilisation, um die Grenzen der Vernunft und die Anfälligkeit der Affen-Nachfahren für animalische Impulse. Die Erzählungen spielen mit der Angst nordamerikanischer Wohlstandsbürger vor der Rückkehr der Wildnis in die Wohngebiete, vor unkontrollierbaren Kräften, zügellosen Trieben, meteorotropen Katastrophen und anderen Schicksalsschlägen, die in ihre klimatisierte Komfortwelt einbrechen könnten. Das ist ein vergleichsweise einfaches, psychologisch leicht durchschaubares Schema, aber sobald es einem T.C. Boyle in die Hände fällt, zeigt es eine Vielzahl von Facetten der skurrilen bis makabren Art, so wie ein Raubtier seine blitzenden Zahnreihen entblößt. (...) Im Detail langt Boyle mit seinen Metaphern oft kräftig daneben, aber vermutlich macht es ihm einfach Spaß, dreist zu behaupten: »Der Tag war wie ein Hammer auf einem Amboss«, oder: »Die Nacht roch wie ein alter Spüllappen, der gefroren und wieder aufgetaut war.« Vollends blödsinnig wird es, wenn die Tatsache, dass eine Frau sich zu einem Mann umdreht, so beschrieben wird: »Der glänzende Neumond ihres Gesichts ging über ihrer Schulter auf, um mich anzusehen.« Ein Antlitz in Sichelform? Egal, solange es sich nahtlos in die Story fügt, die von einer obskuren Modellstadt im Urlaubsparadies Florida und deren unaufhaltsamer Inbesitznahme durch Ungeziefer und Reptilien handelt - eine bissige Satire auf amerikanische Träume und Albträume.
 
 
Sven Appel (dpa) / Ruhr Nachrichten / 11. März 2008
Wenn es sich bei T.C. Boyles Protagonisten doch einmal um »Normalos« handelt, dann befinden sie sich meist in einer üblen Situation. Diese - inoffizielle - Regel trifft auch auf Boyles neuen, vierten Erzählband »Zähne und Klauen« zu. Der Titel lässt es schon vermuten - Tiere spielen eine gewisse Rolle in den insgesamt 14 Geschichten. Doch es sind vor allem Erzählungen über Menschen in Extremsituationen, Geschichten über Grenzerfahrungen, die an der zivilisatorischen Schicht kratzen und das Animalische durchscheinen lassen. (...) Seine [Boyles] Protagonisten werden hin und her gezerrt zwischen Vernunft und Instinkt. Unabhängig davon, auf welche Seite es sie verschlägt, scheitern sie meistens. In der Schilderung solcher Tragödien liegt Boyles Meisterschaft, die er mit »Zähne und Klauen« erneut beweist.
 
 
Erich Demmer / Die Presse / 08. März 2008
Die Erzählungen von Tom Coraghessan Boyle (...) sind lesenswert. Sie überzeugen durch literarische Kunstfertigkeit, zudem bilden manche Short Storys Vorstufen späterer Romane. (...) Nun also der Erzählband »Zähne und Klauen«, dessen Titel man automatisch »mit« und »verteidigen« hinzufügen will. (...) Fast jede Hauptfigur ist charakterisiert durch das Anrennen »mit vollem Tempo gegen die scharfen Kanten der Welt.« Die Lage ist katastrophal, das Personal jedoch katastrophil. (...) Boyle pirscht durch Raum und Zeit und erzählt einmal in der ersten, dann wieder in der dritten Person, aber allen Figuren ist gemeinsam, dass sich fast »eine Art Haut zwischen sie und die Welt geschoben« hat. Genügend Material also für einen neuen großen Roman des US-Amerikaners.
 
 
Lukas Hunziker / nahaufnahmen.ch / März 2008
Obwohl Boyles Lieblingsthemen in vielen Stories aufblitzen und er an die Schauplätze anderer seiner Geschichten und Romane (Peterskill, San Roque) zurückkehrt, ist keine Geschichte absehbar, keine Ausgangslage langweilig. Auch die Sprache bleibt nie dieselbe; mal ist es die bekannte bitterböse Gesellschaftssatire, die Boyle-Fans kennen und lieben, mal ist es eine realistisch-nüchtere, unausgeschmückte Beschreibung eines Ereignisses, mal gibt es Happy Ends, mal klingen die Geschichten auf einer pessimistischen Note aus, mal enden sie abrupt im Nichts. Nicht alle Geschichten überzeugen so wie »Windsbraut« oder »Chicxulub«, nicht alle sind so köstlich böse wie »Hundologie«. Doch schlussendlich muss man Boyle hoch anrechnen, dass er nicht auf seiner Erfolgsschiene weiterfährt, sondern experimentiert und neue Dramaturgien und Stile erschliesst. Wenn »Zähne und Klauen« etwas beweist, dann dass T.C. Boyle noch immer viel zu schreiben weiß.
 
 
Denis Scheck / druckfrisch, Das Erste / 02. März 2008
Dies ist der 7. Band mit Kurzgeschichten von T.C. Boyle. Alle 14 Stories sind bereits vorher in US-Zeitschriften veröffentlicht worden, was so eine Art »Qualitätssiegel« für die ungebrochene Attraktivität dieses Schriftstellers ist. (...) Immer wieder zeigt uns T.C. Boyle, dass der Mensch einer Illusion erliegt, wenn er glaubt, die Natur beherrschen zu können. Seine Zivilisation ist eine dünne Basis, ihre Brüchigkeit wird von der Natur in vielen Variationen vorgeführt, die Protagonisten können nicht standhalten und gehen unter. Meistens machen sie dabei keine gute Figur, ob sie nun Blizzards unterschätzen oder ihren Weg auf der soziale Rutsche für einen Normalweg halten. Geschichten mit überbordender Phantasie und latenter Bedrohung, gepaart mit schwarzem Humor und beißendem, kritischen Witz.
 
 
Patrick Wildermann / GALORE / März 2008
Keine Frage, Tom Corgahessan Boyle ist ein Meister des Flirts mit der Katastrophe. Fast immer sind seine Figuren Spielbälle höherer, ziemlich mies gelaunter Mächte, und auch in dieser Kurzgeschichten-Sammlung spielt der Autor sein Desaster-Talent lustvoll aus. (...) Man taucht immer wieder gerne ein in Boyles Kosmos der Spieler, Säufer und Sehnsüchtigen.
 
 
Alex Capus / NZZ am Sonntag, Bücher am Sonntag / 24. Februar 2008
Warum macht es so viel Spass, Tom Coraghessan Boyle zu lesen? Weil er seine Geschichten aus reinem Vergnügen erzählt. Boyle klügelt nicht, er ist gescheit. Er künstelt nicht, er praktiziert sein Handwerk. Er liebt die Objekte seiner Betrachtung – die Menschen. Und er hat keine Mission, ist niemandes Anwalt, sondern kennt nur ein Ziel: dem Leser mit guten, wahrhaftigen Geschichten Vergnügen zu bereiten. (...) Auch sein neuer Erzählband »Zähne und Klauen« ist ein großes Lesevergnügen. (...) In seinen Romanen hat Boyle immer wieder seine unersättliche Neugier und Vorliebe für gründliche Recherche und breites, von profunder Sachkenntnis getragenes Erzählen bewiesen; dieselbe Technik bringt er auch in der Kurzgeschichte, wenngleich in konzentrierter Form, zur Anwendung. Der angeschlagene Ton ist mal schrill und überdreht, mal schwarz und sarkastisch, dann wieder altertümlich beschaulich; die Erzählweise aber ist stets von größtmöglicher, oft geradezu klassischer Klarheit. In fast allen Geschichten kommt er in schnörkelloser, bildhafter Sprache sehr rasch zur Sache, auf die Exposition folgt das Drama und zum Schluss die Auflösung, bei der Boyle auch die Pointe nicht scheut. Seine Figuren tanzen am Abgrund, wehren sich ihrer Haut und schaffen es meist im letzten Moment, dem Teufel nochmal von der Schippe zu springen. (...) Mag sein, dass sich unter den in diesem Band versammelten vierzehn Geschichten (...) auch das eine oder andere entbehrliche, weil allzu routiniert heruntergeschnurrte Stück befindet. (...) Die schlimmste Sünde jedoch, die ein Autor begehen kann – mehr sagen zu wollen, als er wirklich denkt – begeht Boyle nie. Er erzählt immer wahrhaftig und aus intimer Kenntnis von den sonderbaren Dingen, die den Menschen im Leben widerfahren oder widerfahren könnten – und er behält mit grosser
Kunstfertigkeit stets die Balance zwischen Tragödie und Komödie.
 
 
Frank Paulus / neun7 / Februar 2008
T.C. Boyle erweist sich auch hier als grimmiger Meister des schwarzen Humors, der gekonnt ungeheure Kulissen und unglaubliche Absurditäten auffährt. Seine überbordende Fantasie macht aus seinen Geschichten einen kratzigen und modernen Mythenmix. Boyles scharfer Blick und seine Konzentration auf Momentaufnahmen des Lebens wirken lange nach. In bewährter Boyle'scher Manier wird hier Pandoras Büchse mit kleinen Knalleffekten und skurrilen Geschichten geöffnet, um mit herrlichem Sarkasmus Kapitalismus- und Umweltkritik, Medienschelte und menschliche Neurosen darzulegen. (...) T.C. Boyle macht es dem Leser leicht, in die Geschichten einzusteigen - nur wieder herauslassen will er einen nicht so schnell.
 
 
Sebastian Fasthuber / now! / Februar 2008
Gleich mehrere Geschichten drehen sich um den Konflikt zwischen den rationalen Fähigkeiten des homo sapiens sapiens und seinen animalischen Trieben. Boyle beleuchtet auf seine typisch witzig-hintergründige Art, was passieren muss, damit das Tier im Menschen zum Vorschein kommt. Dadurch können schon mal echte wilde Kreaturen auf den Plan gerufen werden. Und spätestens dann ist das totale Desaster nicht mehr weit. (...) Ein rundum empfohlenes Lesevergnügen.
 
 
Sebastian Fasthuber / Falter/ 13. Februar 2008
Im Grunde sind es traurige Geschichten, die der für seinen absurden Humor gerühmte Boyle hier erzählt - Loser- und Alkoholikerschicksale aus US-Kleinstädten. Doch sein grimmiger, mitfühlender Witz verlässt den Autor auch hier nie und sorgt für die Wärme der Empathie. Sprachlich und stilistisch - und hierfür sind auch die Übersetzer zu loben - funkeln die Storys sowieso. Wie Boyle in zwei, drei Sätzen ein Szenario entwirft und den Leser in eine Geschichte reinzieht, ist große Klasse. Und wo seine Romane mitunter überladen und etwas beliebig wirken, bleibt die Short Story, mit der er einst seine Schriftstellerkarriere ja auch begann, die Form, in der er seine Trümpfe am besten ausspielen kann - immer ein Ass im Ärmel.
 
 
Frank Schäfer / taz / 09. Februar 2008
»Zähne und Klauen« heißt Boyles neue Erzählungssammlung, und eigentlich ist wieder alles fast zu klar: Wilde Tiere laufen durch diese Geschichten; ihre Spuren bilden das Raster, das sie untereinander vernetzt. Boyle hat hier eine beinahe klassische Novellensammlung vorgelegt. Er erzählt von »unerhörten Begebenheiten«, deren Realitätsgehalt aber nach allen Regeln der Kunst beglaubigt wird, und wie schon in Boccaccios gattungsbildendem »Decamerone« der berühmte »Falke« sind auch hier oft Tiere die Dingsymbole, die für das ästhetische Unterfutter sorgen. Obwohl »Unterfutter« schon wieder fast zu viel gesagt ist, denn die Leitmotive sind in den meisten Geschichten Boyles ganz organisch in die Handlung integriert - eben als Protagonisten. (...) Die spannungsvolle Dichotomie von Natur und Zivilisation - bzw. von Affekt und Vernunft - ist ein Topos, der Boyles gesamtes Werk strukturiert. (...) Man hat die Struktur dieser Erzählungen manchmal ein bisschen zu schnell durchschaut. Aber die Anschaulichkeit, mit der Boyle die unterschiedlichen Milieus und Soziotope vergegenwärtigt, entschädigt einen voll und ganz. Ob er die Vita eines Fixers in den Sechzigern ins Bild setzt, den gefahrvollen Ritt einer Witwe von Boston nach New York im beginnenden 18. Jahrhundert oder das Scheitern eines kleinstädtischen Kommuneprojekts in der Jetztzeit, in dem einmal mehr das Ideal eines zufriedenstellenden gesellschaftlichen Zusammenlebens von der Realität eingeholt wird, das liest sich nie anmaßend und gewollt. Man kauft ihm das alles gerne ab.
 
 
Rainer Elstner, Kristina Pfoser / Ö1 Morgenjournal / 08. Februar 2008
In seinen neuen Erzählungen kultiviert Boyle einmal mehr mit leichter Hand apokalyptische Visionen. Und hat dabei durchaus auch didaktische Absichten - er wolle auf die Kraft der Naturgewalten und auf die Grenzen der rationalen Fähigkeiten aufmerksam machen, sagt T.C. Boyle. Und das ohne erhobenen Zeigefinger. (...) »Bret Easton Ellis hat einmal gesagt, in meinen Büchern gebe es immer eine kontrollierte Situation, eine kleine Gruppe von Menschen mit einer Mauer um sie herum, und dann kommt plötzlich jemand, dringt ein und tritt ein großes Chaos los. Und ja, Ellis hat recht. Alles auf dieser Welt, vom Leben der Bakterien bis zu dem der Wirbeltiere, ist auf Chaos programmiert. Alles ist Chaos, sowas wie 'Vernunft' gibt es nicht.« Im neuen Erzählband von T.C. Boyle wird eben das eindruckvoll vorgeführt.
 
 
cs / kulturnews.de / Februar 2008
Was Woody Allen fürs Kino ist, macht T.C. Boyle mit Büchern: Auf jede Enttäuschung folgt eine umso großartigere Wiedergutmachung. Nach dem müden und sehr konventionellen Thriller Talk Talk hatte Boyle also einiges abzuliefern. (...) Moskitos, Alligatoren, Hurrikane. 14 Mal lässt T.C. Boyle seine Helden kläglich untergehen - und steht dabei selbst als großer Sieger da. Einem so abgrundtief bösen Boyle verzeiht man sogar schon im Voraus den kommenden Tiefschlag.
 
 
Michael Freund / Der Standard / 01. Februar 2008
Mit seinem jüngsten Erzählband »Zähne und Klauen« bestätigt Boyle seinen Ruf als einer der sprühendsten und vielseitigsten amerikanischen Autoren. Erneut - und ähnlich seinen Roman-Motiven - spinnt er Begebenheiten um Menschen, die mit der Natur nicht zurande kommen, weil sie sie unterschätzen und unter dem Müll der Zivilisation vergessen - nicht erst heute, sondern schon zu Kolonialzeiten. (...) Das Bild, das Boyle zu Beginn seiner Karriere hatte und pflegte, war das eines literarischen Rockers mit Hang zu illegalen Substanzen. Dieser Status - im deutschsprachigen Raum fast ausgeprägter als in den USA - hat ihn nicht daran gehindert, sich penibel und mit großem handwerklichen Können an alle seine Themen zu wagen. (...) Die Form der Short Story kommt ihm dabei zu Hilfe. Sie schränkt ihn weniger ein als die Vorgabe großer Biografien wie die von Kinsey oder Kellog. Mit »Zähne und Klauen« ringen Menschen um ihre Identität als junge Rebellen, gegen den Wind im nördlichsten Schottland, gegen den Schnee auf den kalifornischen Sierras. Man kommt nicht umhin, ihnen atemlos zu folgen. Boyles Fangemeinde wird wohl weiter wachsen.
 
 
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