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	<title>Boylevard - Das Bücherblog von www.tcboyle.de &#187; JohnDoe</title>
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		<title>Helmut Krausser: Kartongeschichte</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 09:27:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschstunde]]></category>

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		<description><![CDATA[Regen trommelte aufs Dach der Penthousewohnung, als Eris Vater starb. ›Ruuuf den Notar‹, so seine letzten Worte, er richtete sich noch einmal auf, röchelte, presste beide Hände auf sein Herz und verschied. ›Ruuuf den Notar.‹ Mitten in der Nacht. Wozu hatte er einen Notar haben wollen? Als Eri dahinterkam, dass für das ›z‹ und das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/kartongeschichte.jpg" alt="Kartongeschichte" title="Kartongeschichte" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-1063" /><em>Regen trommelte aufs Dach der Penthousewohnung, als Eris Vater starb. ›Ruuuf den Notar‹, so seine letzten Worte, er richtete sich noch einmal auf, röchelte, presste beide Hände auf sein Herz und verschied. ›Ruuuf den Notar.‹ Mitten in der Nacht. Wozu hatte er einen Notar haben wollen? Als Eri dahinterkam, dass für das ›z‹ und das ›t‹ seinen Lippen keine Spannkraft geblieben war, lachte sie laut. Und schämte sich. Preßte beide Ohren in ein Kissen, um dieses hallende, gespenstische Lachen nicht mehr zu hören.</em></p>
<p>Eri heißt eigentlich Augusta, doch mit 13 war sie so dünn, dass ihre wenig sensibeln Mitschüler sie Eritrea tauften. Die erste Silbe der Spottbezeichnung hat sie sich als Namen erhalten. Sie ist inzwischen 22 und bemüht, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Bei ihrer Arbeit als Putzfrau in einem Pornokino verliebt sie sich in den Stricher und zukünftigen Ex-Junkie Angelo. Doch der ist leider ausschließlich homosexuell und möchte ihre Entjungferung nicht übernehmen. </p>
<p>Dann gibt es noch Liz, die mit silbernem Überzug als Statue in der Fußgängerzone auftritt. Die beiden Frauen ziehen zusammen, was dazu führt, dass Eri ein Geheimnis lüften muss: Sie bewahrt die Leiche ihres Vaters seit Jahren in der Wohnung auf, mit einfachen Hausmitteln balsamiert, um weiter seine Rente zu kassieren. Doch nun ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Gemeinsam mit Angelo und dessen Freund Jonas brechen sie auf, um dem Vater ein würdiges Begräbnis zu verschaffen. Verfolgt werden sie von Stan, dem Ex-Freund von Liz, der sie heimlich beobachtet und ein zunehmend psychotisches Verhalten an den Tag legt. </p>
<p>So unglaublich es klingt, aber der Roman ist eine Liebesgeschichte. Nicht einmal eine Liebeskomödie, aber trotzdem unglaublich komisch. Die absurden Bestandteile werden sehr trocken und völlig beiläufig serviert. Ein Höhepunkt in diesem rundum gelungenen Buch ist das »gestrichene Kapitel« bzw. die Rechtfertigung des Autors für dessen Streichung:</p>
<p><em>An dieser Stelle wurde ein Kapitel getilgt, um der Geschichte mehr Drive zu verleihen. (&#8230;) Trotz manch brillanter Schilderung leidet das Kapitel daran, dass es schleppend erzählt ist, sich in psychologischen Exkursen verirrt und im Grunde nur Vorhersehbares enthält. In der Collector&#8217;s Edition wird es unter dem Bonusmaterial erscheinen, für all jene, die meinen, darauf partout nicht verzichten zu können.</em></p>
<p>Krausser schreibt eine Prosa, die man nicht genug loben kann. Die Sätze sind so virtuos und jedes überflüssigen Wortes entledigt, bis nur noch die funkelnden Diamanten übrig bleiben. Prägnante Gebilde, die vor Information, Gefühl und Kraft nur so strotzen und von denen sich auf jeder Buchseite gleich mehrere zitierfähige Exemplare finden. Für mich der Beginn einer Reise durch sein Gesamtwerk.</p>
<p><strong>Helmut Krausser: Kartongeschichte</strong> | Deutsch<br />
btb Verlag 2008 | 144 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3442738474/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Rolf Bauerdick: Wie die Madonna auf den Mond kam</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Aug 2010 11:34:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Bernhard Jaumann]]></category>
		<category><![CDATA[Emir Kusturica]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriel Garcia Marquez]]></category>
		<category><![CDATA[Louis de Bernières]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Bauerdick]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass die Visionen des Ilja Botev nicht der lichten Gabe des prophetischen Sehens entsprangen, sondern dem Wahn des irrlichternden Verstandes, daran zweifelte in Baia Luna niemand. Am wenigsten ich, sein Enkel Pavel. In früher Jugend hatte ich die Einbildungen meines Großvaters noch als närrische Hirngespinste abgetan, eine Folge des Einflusses, den der Zigeuner Dimitru Gabor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/wie_die_madonna.jpg" alt="Wie die Madonna auf den Mond kam" title="Wie die Madonna auf den Mond kam" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-998" /><em>Dass die Visionen des Ilja Botev nicht der lichten Gabe des prophetischen Sehens entsprangen, sondern dem Wahn des irrlichternden Verstandes, daran zweifelte in Baia Luna niemand. Am wenigsten ich, sein Enkel Pavel. In früher Jugend hatte ich die Einbildungen meines Großvaters noch als närrische Hirngespinste abgetan, eine Folge des Einflusses, den der Zigeuner Dimitru Gabor auf ihn ausübte, der sich um die Gesetze von Vernunft und Logik nicht sonderlich scherte.</em></p>
<p>Rumänien im Jahr 1957. Sputnik kreist um die Erde und verbreitet die Kunde vom Sieg des Sozialismus über den Westen. Die Geschichte beginnt ganz gemächlich mit der liebevollen Schilderung eines kleinen Dorfes und seiner meist exzentrischen Bewohner. Erzählt wird alles aus der Sicht des fünfzehnjährigen Pavel, der sich mit den üblichen Nöten eines Heranwachsenden herumschlagen muss. Er lebt mit seinem Großvater, seiner Mutter und seiner Tante über einem Gemischtwarenladen, der abends zur Kneipe umfunktioniert wird und das eigentliche Herz des Ortes darstellt.</p>
<p>Die Dorflehrerin vertraut sich Pavel an und erzählt von einer verlorenen Liebe in der Vergangenheit. Bald darauf ist sie spurlos verschwunden, und da sie eine starke Trinkerin war, vermutet man, im Frühjahr bei der Schneeschmelze ihre Leiche zu finden. Doch dann entdeckt man die Haushälterin des Dorfpfarrers tot in dessen Wohnung und unmittelbar danach den Geistlichen selbst. Nackt, mit durchschnittener Kehle. Neben der Leiche ein handgeschriebener Zettel mit dem Namen der Lehrerin. Bei der Überführung verschwindet die Leiche des Pfarrers, dafür tauchen Sexfotos auf, die unter anderem den neuen Parteifunktionär und die Lehrerin in jungen Jahren zeigen. Mit vielen offenen Fragen beginnt für Baia Luna der Winter und damit die Zeit, in der das Dorf durch den Schnee von der Außenwelt abgeschnitten ist.</p>
<p>Der Erzählbogen spannt sich vom Oktober 1957 bis zur Rumänischen Revolution im Dezember 1989 und dem Ende des Ceausescu-Regimes. Die anfangs folkloristische Dorfposse wird zum Kriminalroman und endet schließlich als zeitgeschichtliche Erzählung. Das erste Drittel erinnerte mich sehr an die Bücher von Gabriel Garcia Marquez und Louis de Bernières oder die Filme von Emir Kusturica, wenn auch nicht ganz so überdreht und farbenprächtig. </p>
<p>Die schlitzohrigen Dorfbewohner, die sich den Plänen von Bezirksverwaltung und Regierung widersetzen, entsprachen genau den Erwartungen, die das sehr gelungene Cover in mir geweckt haben. Die hereinbrechende Gewalt und die zahlreichen Toten kamen überraschend, doch dem Autor gelingt es sehr gut, die Spannung aufzubauen und man folgt ihm bereitwillig und nägelkauend durch diese düsteren Kapitel. </p>
<p>Doch dann folgen einige größere Zeitsprünge bis zur oben erwähnten Revolution und sie sind für mich das einzige Manko an diesem Buch, kommen sie doch sehr holprig daher und passen so gar nicht in das ansonsten sehr geschmeidige Gefüge des Romans. Während der Unruhen im Jahr 1989 laufen alle Handlungsfäden zusammen und alle Geheimnisse werden aufgeklärt. Sogar solche, von denen man bisher nicht wusste. Auch dieser Teil des Buches ist sehr gelungen, mit einigen wirklich bemerkenswerten Szenen.  </p>
<p>Insgesamt ist »Wie die Madonna auf den Mond kam« eine ausgezeichnet geschriebene, kurzweilige und sehr unterhaltsame Lektüre. Vielleicht am besten vergleichbar mit den <a href="http://www.boylevard.tcboyle.de/?p=238">Montesecco-Romanen von Bernhard Jaumann</a>. Also auf jeden Fall eine Empfehlung.</p>
<p><strong>Rolf Bauerdick: Wie die Madonna auf den Mond kam</strong> | Deutsch<br />
Deutsche Verlags-Anstalt 2009 | 528 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3421044465/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Richard K. Breuer: Brouillé</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Jul 2010 08:54:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Agatha Christie]]></category>
		<category><![CDATA[Richard K. Breuer]]></category>

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		<description><![CDATA[»Sehen Sie, Monsieur«, beginnt Triboulet – »es ist ein wenig &#8230; kompliziert. Manchmal scheinen die Dinge sehr einfach, aber dann &#8230; wenn man näher geht und sie neuerlich betrachtet, dann sehen die Dinge völlig anders aus. Nun, Monsieur Winterhalter hat nur seine ihm auferlegten Aufgaben erfüllt. Vielleicht war Monsieur Winterhalter das ein oder andere Mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/brouille.jpg" alt="Brouillé" title="Brouillé" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-993" /><em>»Sehen Sie, Monsieur«, beginnt Triboulet – »es ist ein wenig &#8230; kompliziert. Manchmal scheinen die Dinge sehr einfach, aber dann &#8230; wenn man näher geht und sie neuerlich betrachtet, dann sehen die Dinge völlig anders aus. Nun, Monsieur Winterhalter hat nur seine ihm auferlegten Aufgaben erfüllt. Vielleicht war Monsieur Winterhalter das ein oder andere Mal zu hart &#8230; zu wenig gnädig, wenn es darum ging, die fälligen Abgaben bei den Bauern einzufordern.«</em></p>
<p>Frankreich im März 1789. Der Marquis d&#8217;Angélique erfährt von ungewöhnlichen Vorgängen im Schloss des Vicomte de Moucel. Der Gutsverwalter Winterhalter wurde ermordet, doch niemand hat großes Interesse an der Suche nach dem Mörder. Alle Bauern der Umgebung hassten ihn. Sein Tod scheint mit einer Quelle zu tun zu haben, deren Wasser man heilende Wirkung zuspricht, und die angeblich verkauft werden soll. Gemeinsam mit dem Gelehrten Mickiewicz und dem amerikanischen Draufgänger Duport begibt der Marquis sich zum Schloss. Die Adoptivtochter des Schlossherrn wird entführt und als Lösegeld eine Schenkungsurkunde für das Landstück mit der Quelle gefordert. Aber dies ist nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe folgenschwerer Verwicklungen.</p>
<p>»Brouillé« ist der zweite Band einer vierteiligen Reihe über die Französische Revolution. Er ist aber in sich abgeschlossen und schildert eine Etappe auf der Reise der drei Hauptfiguren nach Paris. Der erste Band ist nicht unbedingt notwendig, um der Handlung zu folgen, die Lektüre empfiehlt sich trotzdem, schon allein, um die drei Hauptfiguren besser kennenzulernen, die im ersten Band ausführlich vorgestellt werden.</p>
<p>Jeder der drei Helden versucht den Mordfall nach seinem Spezialgebiet zu lösen: Mickiewicz von der Bibliothek aus, der Marquis auf diplomatischem Parkett und der tollkühne Duport auf seine zupackende Weise direkt vor Ort. In bester Agatha-Christie-Manier müssen sie den Täter finden. Die klassischen Zutaten sind vorhanden: Ein abgelegenes Schloss, ein gutes Dutzend Verdächtiger und ein erst allmählich erkennbares Motiv für die Tat.</p>
<p>Die Geschichte ist spannend, auch wenn es im Mittelteil einige Längen gibt, weil historische Ereignisse den Kriminalfall zu sehr in den Hintergrund drängen. Doch auch (oder besser gerade) in diesen Szenen kommen die Qualitäten des Romans zu Geltung. Da wäre zum einen der gut recherchierte Hintergrund: Fiktive treffen auf historische Figuren. Letztere bekommen dabei authentische eigene Aussprüche (mit Quellenangabe) in den Mund gelegt. Außerdem die sorgfältig gearbeiteten Dialoge, für die man sich eine Hörbuchfassung wünscht. Und nicht zuletzt der Humor: </p>
<p><em>»Als der Vikar ihrer ansichtig wurde, soll er sich mit den Worten, dass ihn der doppelgesichtige Teufel hole, laut schreiend aus dem Fenster gestürzt haben.«</p>
<p>»In welchem Stock lag das Zimmer des Vikars?«</p>
<p>»Zu ebener Erde.«</p>
<p>Der Marquis kniff ein Auge zusammen. »Dann wird ihm der Sturz schwerlich das Leben gekostet haben, oder?«</p>
<p>»Es war nicht der Sturz, der ihn das Leben kostete, sondern das Pferdegespann, welches gerade Bier und Wein in die königliche Krankenanstalt brachte.«</em></p>
<p>Sehr drollig fand ich auch, dass Mickiewicz zur Tarnung als der Genfer Bankier Brouillé auftreten soll, womit er überhaupt nicht einverstanden ist. Dies führt zu dem Effekt, dass der Titelheld des Romans seinen Namen bei jeder Gelegenheit verleugnet. </p>
<p>Wenn Brouillé &#8230; pardon, Mickiewicz am Ende alle Verdächtigen in der Bibliothek versammelt und den gesamten Fall noch einmal Detail für Detail resümiert, dann fühlt man sich an die großen Detektive der Kriminalliteratur erinnert. Schließlich war Hercule Poirot ja auch Franzose. Nein? War er nicht? Belgier, ach so. Nun, auch hier ist am Ende nicht alles so, wie es anfangs scheint.</p>
<p>Für den dritten Band »Madeleine« hat der Autor eine recht interessante Vermarktungsstrategie gewählt: Er sucht 99 Förderer, die sein Projekt unterstützen, bevor das Buch in den Druck geht. Nähere Informationen dazu findet man unter <a href="http://1668cc.wordpress.com/99-2/">http://1668cc.wordpress.com/99-2/</a>. Ich bin bereits dabei, denn ich will auf jeden Fall wissen, wie die Geschichte weitergeht. </p>
<p><strong>Richard K. Breuer: Brouillé</strong> | Deutsch<br />
Selbstverlag 2010 | 340 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3950249826/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Ned Beauman: Flieg, Hitler, flieg!</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2010 09:58:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Ned Beauman]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie alle Kapitalisten behandle ich den freien Markt wie eine reiche alte Großmutter; ich betone, wie sehr ich die alte Schlampe verehre, bezeichne sie als rüstig, nutze aber ihre Lethargie und Demenz mutwillig aus, um Profit daraus zu schlagen. Im Hauptberuf bin ich auf die Alliierten des Zweiten Weltkriegs spezialisiert, aber ich mach auch den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/flieg_h_flieg.jpg" alt="Flieg, Hitler, flieg!" title="Flieg, Hitler, flieg!" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-983" /><em>Wie alle Kapitalisten behandle ich den freien Markt wie eine reiche alte Großmutter; ich betone, wie sehr ich die alte Schlampe verehre, bezeichne sie als rüstig, nutze aber ihre Lethargie und Demenz mutwillig aus, um Profit daraus zu schlagen. Im Hauptberuf bin ich auf die Alliierten des Zweiten Weltkriegs spezialisiert, aber ich mach auch den Krimkrieg, den Ersten Weltkrieg und Vietnam und das ein oder andere japanische Samurai-Schwert.</em></p>
<p>Kevin Broom sucht im Auftrag eines reichen Sammlers nach Nazi-Devotionalien. Er findet neben der Leiche eines Privatdetektivs einen Brief von Adolf Hitler an den englischen Käferforscher Erskine, in dem er dem Wissenschaftler für ein besonderes Geschenk dankte. Erskine beschäftigte sich 1934 mit Eugenik und hatte eine neue Käferart entdeckt, deren Musterung die Form eines Hakenkreuzes hat und die er <em>Anophthalmus hitleri</em> nannte. </p>
<p>Die Käfer waren besonders robust und Erskine träumte davon, seine Forschungen auf Menschen auszudehnen. Sein begehrtes Forschungsobjekt war der jüdische Boxer Seth »Sinner« Roach, der im Alter von sechzehn Jahren und trotz seiner geringen Körpergröße jeden Gegner besiegt. Um das Rätsel der Käfer zu lösen, macht sich Kevin zusammen mit einem Killer auf die Suche nach dem Grab des Boxers.</p>
<p>Klingt wie ein abgedrehter Pulp-Krimi, in dem die Nazis mal wieder als MacGuffin herhalten müssen. Als solchem würde man dem Roman sicher einiges nachsehen, aber er ist ein ehrgeiziges Stück Literatur und wird sicher auf einige Ablehnung stoßen. »Flieg, Hitler, flieg!« ist nicht immer geschmackssicher und durchgehend respektlos, aber nie billig oder beleidigend. </p>
<p>Im Original heißt das Buch »Boxer, Beetle« und suggeriert keine so übergroße Bedeutung Hitlers, wie der Effekt heischende deutsche Titel samt Cover. Hitler ist nur eine von vielen reißerischen Zutaten. Und der Autor hat sehr viele Zutaten in seinen Roman gepackt, was nicht per se schlecht ist, aber leider gelingt es ihm nicht, sie alle ordentlich und sinnvoll zu verknüpfen. Manche wirken, als sollten sie nur Neugier wecken: Der verwirrte Wissenschaftler, der seine unterdrückte Homosexualität mit dem Boxer auslebt; der Nerd, der unter einem Syndrom leidet, dass seinem Schweiß und Urin einen penetranten Geruch nach faulem Fisch verleiht; der Auftragskiller, der die Tätowierung der geheimen Thule-Gesellschaft trägt; die  mutantenartigen Käfer, die einem Horrorfilm entsprungen sein könnten. </p>
<p>Die Lektüre ließ mich mit sehr ambivalenten Gefühlen zurück. Man könnte eine Menge Schwächen und Ungereimtheiten aufzählen, verpasste Gelegenheiten und ungenutzte Ideen. Und doch bin ich froh, dieses Buch gelesen zu haben. Was vor allem an den Kapiteln mit Kevin Broom liegt. Von den drei Handlungssträngen ist jener der mit Abstand gelungenste, aber leider auch der kürzeste. Daraus hätte eine phantastische Novelle werden können. Mehr als einmal war ich während der Lektüre versucht, die beiden anderen Handlungsstränge zu überblättern, um weiter dieser Figur folgen zu können.</p>
<p>»Flieg, Hitler, flieg!« ist provozierend und unterhaltsam. Es verdient weder die enthusiastischen Lobeshymnen noch die gnadenlosen Verisse in der Presse. Aber auch wenn es noch nicht der große Wurf ist, kommt der Autor auf meinen Merkzettel. </p>
<p><strong>Ned Beauman: Flieg, Hitler, flieg!</strong> | Deutsch von Sophie Kreutzfeldt<br />
Dumont 2010 | 280 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3832195416/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Vikas Swarup: Immer wieder Gandhi</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 10:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Vikas Swarup]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht alle Tode sind gleich, und selbst für Mord gilt das Kastenwesen. Wird ein armer Rikschafahrer abgestochen, ist das nur etwas für die Statistik, eine Meldung, die irgendwo im hinteren Teil der Zeitung verschwindet. Der Mord an einem Prominenten aber macht sofort Schlagzeilen, denn die Reichen und Berühmten werden selten umgebracht. Sie führen ein Fünf-Sterne-Leben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/immer_wieder_gandhi.jpg" alt="Immer wieder Gandhi" title="Immer wieder Gandhi" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-968" /><em>Nicht alle Tode sind gleich, und selbst für Mord gilt das Kastenwesen. Wird ein armer Rikschafahrer abgestochen, ist das nur etwas für die Statistik, eine Meldung, die irgendwo im hinteren Teil der Zeitung verschwindet. Der Mord an einem Prominenten aber macht sofort Schlagzeilen, denn die Reichen und Berühmten werden selten umgebracht. Sie führen ein Fünf-Sterne-Leben und sterben, wenn nicht an einer Überdosis Kokain oder durch irgendeinen verrückten Unfall, meist auch einen Fünf-Sterne-Tod, glücklich ergraut in hohem Alter, allerdings nicht ohne zuvor die eigene Sippe samt dazugehörigen Vermögen kräftig vermehrt zu haben.</em></p>
<p>Der Unternehmer Vicky Rai, der sich bei seinen Machenschaften gerne Gangstermethoden bedient, hatte eine Kellnerin erschossen, weil sie ihm nach Beginn der Sperrstunde einen Drink verweigerte. Sein politischer Einfluss verhalf ihm zum Freispruch. Auf dem rauschenden Fest zu diesem Anlass wird er erschossen. </p>
<p>Man verhaftet sechs bewaffnete Verdächtige: den texanischen Gabelstaplerfahrer Larry, der von Heiratsschwindlern geprellt und nach Indien gelockt wurde; Handy-Dieb Munna, der sich in ein Mädchen aus der Oberschicht verliebt hat; den korrupten Politiker Mohan, der nach einer Fernseh-Seance vom Geist Mahatma Gandhis besessen ist; Eketi, der den heiligen Stein seines Dorfes sucht; die Bollywood-Schauspielerin Shabnam und, nicht zuletzt, Vicky Rais eigener Vater. </p>
<p>Der Enthüllungsjournalist Arun Advani erforscht die Geschichten dieser sechs Verdächtigen und findet heraus, dass jeder von ihnen einen triftigen Grund hatte, Vicky Rai zu töten.</p>
<p>Das Buch erzählt die Vorgeschichte jedes der sechs Verdächtigen und damit einen Querschnitt durch die indische Gesellschaft. Der Autor nutzt sein breitgefächertes Figurenrepertoire, um eine Vielzahl der gesellschaftlichen Probleme anzuschneiden. Das Land wird als Schmelztiegel aus Religion, Korruption, Bollywood, Bräuchen, Armut, Kastenwesen und Verbrechen geschildert. </p>
<p>Die Ausgrenzung von ethnischen Gruppen wird genauso angeprangert, wie die strikte Trennung sozialer Schichten und der Umgang mit Frauen. Trotz vieler bedrückender Themen nutzt das Buch die gesamte Gefühlspalette. Die einzelnen Handlungsstränge sind unterhaltend, kurzweilig, mal heiter, mal spannend und oft anrührend. Der Leser wird immer wieder überrascht, durch welche Verwicklungen und schwindelerregenden Ereignisse die Motive der Figuren entstehen. </p>
<p>Der erste Roman des Autors Vikas Swarup wurde unter dem Titel »Slumdog Millionaire« verfilmt und gewann acht Oscars. Wer von diesem Film begeistert war, wird auch von »Immer wieder Gandhi« bestens unterhalten. Ein Schmöker, dessen Aufbau die Spannung und Faszination bis zum Ende nicht abreißen lässt, und der uns wieder daran erinnert, warum wir das Lesen lieben.</p>
<p><strong>Vikas Swarup: Immer wieder Gandhi</strong> | Deutsch von Bernhard Robben<br />
Kiepenheuer &#038; Witsch 2010 | 622 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3462041657/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Michael Chabon: Schurken der Landstraße</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Jun 2010 12:48:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Kracht]]></category>
		<category><![CDATA[Ethan Coen]]></category>
		<category><![CDATA[Joel Coen]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Chabon]]></category>

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		<description><![CDATA[Beiläufig wie ein fluchender Seemann griff der Afrikaner hinter sich nach seiner Wikingeraxt (deren mit Runen in den Eschenholzstiel geschnitzter Name sich in etwa mit »Schänder deiner Mutter« übersetzen ließ), doch dann waren es drei kleine Worte, die die innige Verbindung zwischen Kopf und Hals des Eindringlings bewahrten, eines drahtigen, mit einem kurzen Schwert bewaffneten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/schurken_landstrasse.jpg" alt="Schurken der Landstraße" title="Schurken der Landstraße" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-945" /><em>Beiläufig wie ein fluchender Seemann griff der Afrikaner hinter sich nach seiner Wikingeraxt (deren mit Runen in den Eschenholzstiel geschnitzter Name sich in etwa mit »Schänder deiner Mutter« übersetzen ließ), doch dann waren es drei kleine Worte, die die innige Verbindung zwischen Kopf und Hals des Eindringlings bewahrten, eines drahtigen, mit einem kurzen Schwert bewaffneten alten Kerls, dem Aussehen nach ein Perser mit neugierig höhnischem Grinsen und einem dicken Narbengeflecht an der Stelle, an der einmal sein rechtes Auge war.</em></p>
<p>Im Kaukasus um das Jahr 950 reisen ein riesenhafter Afrikaner mit seiner Streitaxt und ein jüdischer Schwertkämpfer aus Regensburg umher, auf der Suche nach dem großen Geld. Amram und Zelikman inszenieren in einer Kneipe einen Schaukampf, um über die Wetten an das Geld der Zuschauer zu kommen. Ein Elefantentreiber durchschaut ihre List, doch er will sie nicht bloßstellen, sondern wegen ihres Kampfgeschicks anwerben. Sie sollen als Leibwächter von Prinz Filaq helfen, ihn nach Aserbaidschan zu bringen und seinen Anspruch auf den Thron durchzusetzen. Darüber hinaus trägt der Prinz aber auch noch ein weitaus pikanteres Geheimnis mit sich herum.</p>
<p>Ein erster Anschlag erfolgt bereits, bevor sie einwilligen können, und bei der Jagd auf dem heimtückischen Bogenschützen laufen sie natürlich den geprellten Kneipenbesuchern in die Arme. Mit knapper Not entkommen sie und machen sich auf ihre gefährliche Reise. </p>
<p><em>»Ein Straßenräuber, der diese Bezeichnung verdient, würde ihn zum nächsten Sklavenmarkt schleppen und sehen, welchen Preis er für ihn erzielt.«</p>
<p>»Ich fürchte, das erklärt unseren gemeinhin ausbleibenden Erfolg in diesem Geschäft, Zelikman«, sagte Amram. »Denn das werde ich nicht tun.«</em></p>
<p>Die Grenze zwischen historischem Roman und Fantasy a la »Conan der Barbar« ist hier fließend. Zwar gibt es einen belegbaren geschichtlichen Hintergrund in Form der längst vergessenen Chasaren, die im 10. Jahrhundert mehrheitlich zum Judentum übertraten, aber das Hauptanliegen des Autors für das Schreiben dieses Buches schien zu sein, dass es kaum jüdische Abenteuergeschichten gibt. Im Nachwort bekennt er freimütig, dass der Arbeitstitel des Buches deshalb Juden mit Schwertern lautete. Nach eigener Aussage war Chabon überdrüssig, weiter über die Midlife-Crisis amerikanischer Mittelschichtler zu schreiben, suchte sich neue Betätigungsfelder. Er bewies sehr eindrücklich, dass anspruchsvolle Literatur und Genreliteratur kein Widerspruch sein müssen. Wie auch bei dem letzten Roman von Christian Kracht bereitet es ungeheures Vergnügen, wenn sprachgewaltige Autoren knackige Abenteuergeschichten verfassen.</p>
<p>Michael Chabon hat sich bereits in vielen Genres betätigt. Er wurde mit seinem Debüt, dem coming-of-age-Roman »Die Geheimnisse von Pittsburgh«, zum Shootingstar der amerikanischen Literatur. Die Verfilmung seines zweiten Romans »WonderBoys« mit Michael Douglas wurde zum Kultfilm. Für »Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier &#038; Clay« erhielt er den Pulitzerpreis. Seine Alternativweltgeschichte »Die Vereinigung jiddischer Polizisten« räumte alle namhaften SF-Preise ab und soll von Joel und Ethan Coen verfilmt werden. Darin ist das jüdische Volk nicht nach Israel gezogen, sondern nach Alaska. Außerdem hat Chabon einige Comics verfasst und am Drehbuch von »Spider-Man 2« mitgewirkt. Ein sehr vielseitiger Autor, der sich mit diesem Buch ein weiteres Genre erobert hat.</p>
<p><strong>Michael Chabon: Schurken der Landstraße</strong> | Deutsch von Andrea Fischer<br />
Kiepenheuer &#038; Witsch 2010 | 183 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3462041894/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>James Frey: Strahlend schöner Morgen</title>
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		<pubDate>Sun, 23 May 2010 10:06:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[James Frey]]></category>

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		<description><![CDATA[Maddie und Dylan versuchen zu sparen. Sie wollen an einem sichereren und sauberen Ort wohnen. Der größte Teil ihres Geldes geht für Miete und Essen drauf, doch sie achten auf jeden Cent, die meisten Mahlzeiten kaufen sie im 99-Cent-Laden, neue Kleider sind nicht drin. Nach zwei Monaten haben sie hundertsechzig Dollar gespart, nach vier Monaten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/03/strahlend_schoener_morgen.jpg" alt="Strahlend schöner Morgen" title="Strahlend schöner Morgen" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-928" /><em>Maddie und Dylan versuchen zu sparen. Sie wollen an einem sichereren und sauberen Ort wohnen. Der größte Teil ihres Geldes geht für Miete und Essen drauf, doch sie achten auf jeden Cent, die meisten Mahlzeiten kaufen sie im 99-Cent-Laden, neue Kleider sind nicht drin. Nach zwei Monaten haben sie hundertsechzig Dollar gespart, nach vier Monaten zweihundertvierzig. Maddie zieht sich in einem Fast-Food-Restaurant eine Lebensmittelvergiftung zu, und nachdem sie die Krankenhausrechnung beglichen haben, sind sie wieder pleite.</em></p>
<p>Ein schwuler Filmstar, der zu Alibizwecken eine Frau und drei Kinder hat und sich in einen Assistenten seiner Agentur verliebt. Zwei jugendliche Ausreißer, Maddie und Dylan, die versuchen in der Stadt Fuß zu fassen. Eine Familie illegaler Einwanderer, deren hochbegabte Tochter Esperanza sich von ganz unten hocharbeitet. Ein 38-Jähriger Obdachloser, der aussieht wie 70 und sich selbst Old Man Joe nennt. Und noch viele andere mehr. </p>
<p>Alle haben einen Traum von Erfolg und einem guten Leben und trotz aller Schicksalsschläge gibt es seltene Momente voller Glück, so dass die Figuren nicht verzweifeln. Obwohl sie Grund genug hätten. Esperanza muss sich als Dienstmädchen von ihrer herrischen Chefin demütigen lassen, Dylans Werkstatt ist Drogenumschlagplatz einer Motorradgang, Maddie wird ständig von ihrem Chef belästigt und Old Man Joe findet eine verletzte Ausreißerin hinter den Mülltonnen eines Eiscremeladens und versucht ihr gegen eine Gruppe gefährlicher Obdachloser zu helfen. Die Liebe des Filmstars Amberton wird nicht erwidert und er fühlt sich in seinem (Luxus-) Alltagstrott gefangen.</p>
<p><em>Ihr Yogalehrer kommt, sie gehen ins Studio, machen ihre Yogaübungen ausnahmsweise mit Zehensandalen. Hinterher duschen sie, ziehen sich an und treffen sich in der Küche, wo sie mit ihren Kindern und dem Kindermädchen zu Mittag essen. Danach sind sie bei ihren jeweiligen Therapeuten (sie hat Probleme mit ihrem Vater, er mit seiner Mutter) und wiederum danach bei ihrem gemeinsamen Therapeuten (beide haben Probleme mit Berühmtheit und Lobhudelei). Nach diesen Sitzungen (meist zwei pro Woche, in schlechten Wochen auch drei) ziehen sie sich in ihren Zimmern wieder aus und treffed sich erneut am Pool. Jeder muss einen Stapel Skripts lesen. Weil die Skripts selbst an ihren Maßstäben gemessen, so grauenhaft schlecht sind, schaffen sie selten mehr als die ersten zehn Seiten.</em></p>
<p>Von schwerreichen Filmstars bis zu Gangmitgliedern in den Ghettos bietet der Roman ein Panoptikum der unterschiedlichsten Figuren und einen Querschnitt der Bevölkerung von Los Angeles. Doch die Stadt ist die Hauptfigur, deshalb gibt es keine durchgehende Handlung, sondern nur einzelne Blitzlichter auf den Lebensweg einzelner.</p>
<p>»Strahlend schöner Morgen« ist eine Mischung aus »Short Cuts« und »L.A. Crash«. Frey bildet das pralle Leben ab, wobei das Buch hauptsächlich bei den Gescheiterten verweilt: Diejenigen, die in ihren Kleinstädten mit herausragenden Fähigkeiten und strahlendem Aussehen hervorstachen, in L.A. aber nur einige unter Hunderttausenden sind, die jedes Jahr in die Stadt strömen, und sich mit schlechtbezahlten Jobs über Wasser halten müssen. Diejenigen, die in den Ghettos der Stadt bereits ohne Hoffnung geboren werden, sich als Kinder den unzähligen Straßengangs anschließen und durch Drogen und Gewalt versuchen sich einen Platz in der Hackordnung zu sichern. Diejenigen, die von der Stadt ausgesogen und vergessen wurden, die nach kleinen Erfolgen in die Bedeutungslosigkeit absinken, es aber nicht schaffen, der Stadt den Rücken zu kehren, um es woanders noch einmal zu versuchen.</p>
<p>Diese Schicksale werden mitreißend und fesselnd beschrieben. Dazwischen immer wieder Kapitel im dokumentarischen Stil, in denen Fakten und Statistiken über L.A. aufgelistet werden. Nüchtern, oft erschütternd, immer interessant. Kaum ein Aspekt, der dabei nicht angeschnitten wird. In Zwischenkapiteln wird in knappen Sätzen die Geschichte der Stadt erzählt. Dazu Dutzende von Kurzbiografien. Trotzdem wirkt das Buch an keiner Stelle trocken oder zu sachlich, alles fügt sich zu einem grandiosen Stadtportrait. Und zu einem unglaublich gutem Buch, das man an jeder beliebigen Stelle aufschlagen kann und sich sofort festliest.</p>
<p>James Frey ist in den USA berüchtigt für seinen Millionenbestseller »A million little pieces« (dt.: »Tausend kleine Scherben«), den er als authentische Dokumentation seines Junkiedaseins ausgab. Als der Schwindel schließlich aufflog, waren Millionen begeisterter Fans empört, darunter auch Oprah Winfrey, die ihn in ihrer Sendung öffentlich an den Pranger stellte. Dadurch erklärt sich wohl auch der erste Satz dieses Buches: <em>Vorsicht: Dies ist keine wahre Geschichte.</em></p>
<p><strong>James Frey: Strahlend schöner Morgen</strong> | Deutsch von Henning Ahrens<br />
Ullstein 2009 | 590 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3550087675/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 15:06:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Gordon Dahlquist]]></category>

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		<description><![CDATA[»Was für ein Mumpitz! Erst behaupten Sie, ich sei eine Mörderin, eine Agentin, die sich gegen Sie verschworen hat, und jetzt bin ich bloß ein verirrtes Mädchen mit Liebeskummer? Was von beidem wollen Sie denn nun glauben? Sagen Sie es mir, damit ich Sie umso zielsicherer verspotten kann!«
Im viktorianischen England verfolgt die vermögende Miss Temple [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/12/glasbuecher.jpg" alt="Die Glasbücher der Traumfresser" title="Die Glasbücher der Traumfresser" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-871" /><em>»Was für ein Mumpitz! Erst behaupten Sie, ich sei eine Mörderin, eine Agentin, die sich gegen Sie verschworen hat, und jetzt bin ich bloß ein verirrtes Mädchen mit Liebeskummer? Was von beidem wollen Sie denn nun glauben? Sagen Sie es mir, damit ich Sie umso zielsicherer verspotten kann!«</em></p>
<p>Im viktorianischen England verfolgt die vermögende Miss Temple ihren ehemaligen Verlobten, der kurz zuvor ihre Verbindung gelöst hatte. Sie reist ihm im Zug hinterher und folgt ihm in ein geheimnisvolles Haus, in dem gerade ein Maskenball stattfindet. Dort halten sich auch die beiden anderen Helden dieses Abenteuers auf: Ein mysteriöser Killer namens Chang, den man wegen seines roten Mantels auch den Kardinal nennt, und Dr. Svenson, den Leibarzt eines deutschen Adeligen. </p>
<p>Sie kommen auf die Spur einer großangelegten Verschwörung um eine verhängnisvolle Erfindung. Alles dreht sich um geheimnisvolle Gläser, die Erinnerungen samt den verbundenen Empfindungen speichern können. Zurück bleiben die willenlosen, leicht manipulierbaren Hüllen der Betroffenen. Jeder, der die Gläser ansieht, erlebt das Gespeicherte nach. Die gesamten Erinnerungen eines Menschen werden zu Glasbüchern zusammengefasst.</p>
<p><em>Er stand im Dämmerlicht, füllte mit seiner mächtigen Gestalt den ganzen Türrahmen aus, wirkte irgendwie sogar noch größer durch die dicke Lederschürze über seinem weißen Hemd, die riesigen ledernen Stulpenhandschuhe, die ihm bis zu den Ellenbogen reichten, und den Furcht einflößenden Messinghelm, den er sich unter einen Arm geklemmt hatte und der in Lederriemen gefasst und mit großen Glaslinsen versehen war, wie Insektenaugen, sowie seltsamen Metallkästen, die über Mund und Ohren angeschweißt waren. Sie wich vor ihm zurück ins Zimmer.</p>
<p>»Ich komme persönlich, um Sie abzuholen«, sagte er. »Es ist wirklich Zeit für Ihre Erlösung.«</em></p>
<p>In Form und Inhalt lehnt sich der Roman an viktorianische Groschenromane an. Die deutsche Erstausgabe war besonders liebevoll gestaltet und bestand aus einem Schuber, mit zehn einzelnen Bänden. Die Geschichte klingt nach einem abenteuerlichen Steampunk-Garn mit vielversprechenden Zutaten: Schwarze Messen, verrückte Wissenschaftler, teuflische Experimente, ein entführter Prinz, abtrünnige Militärs, geheimnisvolle Experimente, Schießereien, Luftschiffe, wilde Säbelduelle, Verfolgungsjagden per Droschke, Attentate und sexuelle Ausschweifungen. </p>
<p>Und trotzdem wird es auf Dauer langweilig. Immer wieder dringen die Helden in Gebäude ein und müssen daraus entkommen. Dies ist wohl dem Seriencharakter geschuldet, nachdem sich die Handlung von Folge zu Folge entwickelt. Das Buch hätte einige Straffungen vertragen. Da jeder Band mit einer Verfolgungsjagd, Flucht oder sonstigen Actionszene endet, ermüdet das Konzept recht bald. Im Mittelteil beginnt sich die Handlung im Kreis zu drehen. Einige Episoden hätten ruhigen Gewissens gestrichen werden können.</p>
<p>Wenn am Ende die Intrigen und Verschwörungen entwirrt und alle Zusammenhänge aufgedeckt werden, dann interessiert es leider nicht mehr. Zu langatmig und ermüdend das Hin und Her, zu unübersichtlich das Personal. Ärgerlich ist auch, dass die Idee der Glasbücher nicht ausgeschöpft wird, sondern nur ständig als Aufhänger für weitere Actionszenen herhalten muss. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.</p>
<p>Inzwischen ist mit »Das Dunkelbuch« eine Fortsetzung erschienen, die direkt an die Handlung der »Glasbücher« anknüpft.</p>
<p><strong>Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser</strong> | Deutsch von Bernhard Kempen<br />
Blanvalet 2009 | 928 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3442372747/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Sven Regener: Der kleine Bruder</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 09:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hörbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Ulmen]]></category>
		<category><![CDATA[Detlev Buck]]></category>
		<category><![CDATA[Sven Regener]]></category>

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		<description><![CDATA[Kein besonders ausgefeilter Plan, dachte er gerade, als Wolli aufhörte zu reden und sie gemeinsam schweigend in das sehr dunkle Dunkel der Transitstrecke durch die DDR starrten, hat ein paar Schönheitsfehler, der Plan, dachte er, aber dann fiel ihm auf, dass Wolli nicht mehr redete, und die Stille hatte, zusammen mit der sie umgebenden Finsternis, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/12/der_kleine_bruder.jpg" alt="Der kleine Bruder" title="Der kleine Bruder" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-833" /><em>Kein besonders ausgefeilter Plan, dachte er gerade, als Wolli aufhörte zu reden und sie gemeinsam schweigend in das sehr dunkle Dunkel der Transitstrecke durch die DDR starrten, hat ein paar Schönheitsfehler, der Plan, dachte er, aber dann fiel ihm auf, dass Wolli nicht mehr redete, und die Stille hatte, zusammen mit der sie umgebenden Finsternis, eine beruhigende, einlullende Wirkung, der er sich gerne hingab. Scheiß drauf, ob der Plan Schönheitsfehler hat, dachte er, Hauptsache, es ist mal Ruhe im Schiff, und dann sah er nur noch der Straße dabei zu, wie sie sich in das funzlige Licht seiner Scheinwerfer schob wie ein alter, harter Teppich.</em></p>
<p>Frank Lehmann, nach einem scheinbaren Selbstmordversuch aus der Bundeswehr entlassen, reist nach Berlin-West zu seinem Bruder. Der ist leider nicht zu Hause. Seine Mitbewohner kennen seinen Aufenthaltsort nicht. Der Hauptmieter der Wohnung möchte seine schwangere Freundin einziehen lassen, und so zieht Frank an Stelle seines Bruders mit dessen Habe und dessen Freund Karl in eine neue Wohnung über ihrer Stammkneipe.</p>
<p>Nach »Herr Lehmann« und »Neue Vahr Süd« ist nun mit »Der kleine Bruder« der Mittelteil der Trilogie erschienen. Das Buch beschreibt zwei Tage und zwei Nächte in Franks Leben. Für ihn rückt die Suche nach seinem Bruder Mannie immer weiter in den Hintergrund. Er richtet sich in der Kreuzberger Szene ein, lernt die Bekannten seines Bruders kennen, mit so prägnanten Namen wie P. Immel, trinkt eine Menge Bier und redet und redet und redet. Erst durch die Anrufe seiner Mutter fühlt er sich gedrängt, die Suche nach Mannie wieder aufzunehmen, und kommt der Lösung durch Zufall auf die Spur.</p>
<p>Bei manchen Büchern wünscht man sich, sie würden ewig weitergehen, weil man die Figuren mag, die Handlung ohne Längen zügig voranschreitet und man ständig glänzend unterhalten wird. »Der kleine Bruder« ist so ein Buch. Zu schnurrig ist die Geschichte des Frank Lehmann. Da das Buch hauptsächlich aus Dialogen besteht, empfiehlt sich das Hörbuch, um diesen besonderen Sound zu fühlen. </p>
<p>Die Verfilmung von »Herr Lehmann« hat die Vorstellung von den Hauptfiguren nachhaltig geprägt. Beim Hören hat man Christian Ulmen als Frank und Detlev Buck als Karl ständig vor Augen. Und Autor Sven Regener liest so unglaublich schnell, dass jeder andere Autor für das ungekürzte Hörbuch zwei CDs mehr gebraucht hätte. Bei jeder Sprechpause sinkt man erschöpft zurück, aber sofort geht es weiter, und nach kurzer Zeit hat diese hektische Erzählweise einen Sog entwickelt, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Selten habe ich ein Hörbuch so rasch zu Ende gehört.</p>
<p><strong>Sven Regener: Der kleine Bruder</strong> | Hörbuch | Gesprochen von Sven Regener<br />
Roof Music 2008 | 5 CDs | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3938781793/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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		<title>Denis Johnson: Keine Bewegung!</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Apr 2010 11:28:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JohnDoe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Willeford]]></category>
		<category><![CDATA[Cormac McCarthy]]></category>
		<category><![CDATA[Denis Johnson]]></category>
		<category><![CDATA[Elmore Leonard]]></category>
		<category><![CDATA[Jim Thompson]]></category>
		<category><![CDATA[Sam Peckinpah]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie schlief mit ihm wie eine betrunkene Nonne, und das gefiel ihm, aber die Unterhaltung danach war kein bisschen ziellos und entspannt.
»Im Grunde«, sagte er, »willst du doch Rache.«
»Ja. Ich habe manchmal Rachephantasien. Willst du wissen, wie krank die sind?«
»Nein.«
Harte Jungs und noch viel härtere Damen bevölkern diesen hard-boiled-Krimi. Jimmy Luntz ist Friseur, Chorsänger und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.tcboyle.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/03/keinebewegung.jpg" alt="Keine Bewegung!" title="Keine Bewegung!" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-820" /><em>Sie schlief mit ihm wie eine betrunkene Nonne, und das gefiel ihm, aber die Unterhaltung danach war kein bisschen ziellos und entspannt.</p>
<p>»Im Grunde«, sagte er, »willst du doch Rache.«</p>
<p>»Ja. Ich habe manchmal Rachephantasien. Willst du wissen, wie krank die sind?«</p>
<p>»Nein.«</em></p>
<p>Harte Jungs und noch viel härtere Damen bevölkern diesen hard-boiled-Krimi. Jimmy Luntz ist Friseur, Chorsänger und Spieler. Als sich der Geldeintreiber Gambol seine Kniescheiben vornehmen möchte, wehrt er sich und lässt den Mann angeschossen liegen. In einer Karaoke-Bar trifft er auf die glamouröse Anita, die mehrere Klassen über ihm steht. Doch reichlich Alkohol und eine günstige Laune des Schicksals führen dazu, dass Jimmy Luntz über seinen Verhältnissen verkehren darf. Anita ist nicht nur unglaublich abgebrüht, sondern auch in einen Betrug verwickelt, in dem es um einige Millionen geht.</p>
<p>Gambol wird unterdessen von der ehemaligen Krankenschwester Mary gepflegt und nimmt dann mit ihr zusammen die Verfolgung auf. Dieser Teil der Handlung erinnert sehr an »The Getaway«. Thompson und Peckinpah würden sicher wohlwollend zustimmen.</p>
<p><em>»Das sieht gut aus. Ich meine, die Nähte und so weiter, sehr professionell. Warst du mal im Krieg?«</p>
<p>»Ich war damals auf einem Lazarettschiff vor Panama und später, im ersten Golfkrieg, in einem Militärkrankenhaus in Frankfurt. Und 2003 sechs Monate im Irak.«</p>
<p>»Alle Achtung. Und wo ist die Ausrüstung her?«</p>
<p>»Geklaut. Ich arbeite manchmal als Aushilfe in verschiedenen Arztpraxen. Und im Krankenhaus.«</p>
<p>»Und dann verkaufst du das Zeug von deiner Garage aus, oder was?«</p>
<p>»Nein. Ich klaue es einfach nur gern.«</em></p>
<p>»Keine Bewegung!« erschien zuerst als Fortsetzungsgeschichte im amerikanischen Playboy. Es handelt sich um klassische Pulp Fiction: Gangster und Verlierer, die sich gegenseitig austricksen oder umbringen wollen. Es gibt keine coolen Schießereien oder Posen, sondern nur brutale Gewalt. Luntz&#8217; Gegner erzählen gerne, wie sie gemeinsam die Hoden eines Gegners verspeisten. Dasselbe Schicksal haben sie auch ihm zugedacht.</p>
<p>Johnson spielt mit den Konventionen des Genre und fügt ihm thematisch nichts Neues hinzu. Inhaltlich eine Geschichte, wie man sie hundertfach lesen kann. Doch sprachlich einfach herausragend, mit Beschreibungen, die sich einprägen: Während ein Auto schleudert, wird <em>»die Landschaft über die Windschutzscheibe geschmiert«</em>. </p>
<p>Großartige Bilder, bitterer Humor und Spannung bis zum Ende. Ebenso unerbittlich und kraftvoll wie Cormac McCarthys »No country for old men«. Eine Mischung aus Elmore Leonard und Charles Willeford, mit bestens funktionierenden lakonischen Dialogen, die sich über das Papier erheben und dem Leser ein ums andere Mal ein Lächeln aufs Gesicht zaubern:</p>
<p><em>»Hast du mal jemanden gekannt, der dann umgebracht wurde?« </p>
<p>Sie war weiß und fahl neben ihm. »Die Toten kommen wieder. Der Tod ist nicht das Ende.«</p>
<p>»Seien wir optimistisch“, sagte er, »und nehmen wir an, dass das Schwachsinn ist.«</p>
<p>»Nachts kannst du sie am anderen Ufer stehen sehen.«</p>
<p>»Das klingt wie Delirium tremens.«</em></p>
<p><strong>Denis Johnson: Keine Bewegung!</strong> | Deutsch von Bettina Abarbanell<br />
Rowohlt 2010 | 208 Seiten | <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3498032348/wortmax-21" target="blank"><strong>amazon-info</strong></a></p>
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