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	<title>Raymond Carver Archive - www.tcboyle.de</title>
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	<description>Die deutschsprachige Website über T.C. Boyle</description>
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	<title>Raymond Carver Archive - www.tcboyle.de</title>
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		<title>What&#8217;s New? 02/05/2024</title>
		<link>https://www.tcboyle.de/whats-new-02-05-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2024 21:53:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[What's New?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Zitat aus meiner Erzählung <em>Der Fünf-Pfund-Burrito</em>: »Wir durchleben unsere Zeit auf Erden in einer Anhäufung von Millisekunden, Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen und Jahren, und das Leben ist ein Weg, dem wir alle, ausnahmslos, bis zum Ende folgen müssen.« </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-02-05-2024/">What&#8217;s New? 02/05/2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Ulrich Tepelmann</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2024/05/news_294i1.jpg" alt="" width="725" height="380" class="aligncenter size-full wp-image-7770" srcset="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2024/05/news_294i1.jpg 725w, https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2024/05/news_294i1-480x252.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 725px, 100vw" /></p>
<p>Ein Zitat aus meiner Erzählung <em>Der Fünf-Pfund-Burrito</em>: »Wir durchleben unsere Zeit auf Erden in einer Anhäufung von Millisekunden, Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen und Jahren, und das Leben ist ein Weg, dem wir alle, ausnahmslos, bis zum Ende folgen müssen. Gibt es Veränderung – oder auch nur eine Hoffnung darauf? Ja, aber Veränderungen sind strapaziös, schlecht für die Nerven und fast immer eine Wendung zum Schlechteren.« (Übersetzung von Dirk van Gunsteren.) So war es auch für Salvador, Protagonist der Geschichte und Erschaffer des titelgebenden Burrito, aber was ist mit uns anderen? In einem von Woody Allens Filmen sagt die Ehefrau: »„Du hast Angst vor Veränderungen«, und der Mann erwidert: »Veränderungen bedeuten den Tod.«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich für meinen Teil mag einen netten, sanften Verlauf, ohne Überraschungen, und Neues will ich lediglich in meiner Arbeit. Und so verlief der vergangene Monat in einem vertrauten, entspannten und mir Sicherheit gebenden Rhythmus. Ich unternahm zwei Reisen – zum Tucson Book Festival und nach Port Angeles im Staat Washington zum Raymond Carver Fest – aber die waren bemerkenswert stressfrei und eine kleine Freude für sich. In Tucson hielt ich eine Solo-Lesung und nahm an einer Podiumsdiskussion mit zwei Autoren teil, die ich kenne und schätze – Lisa See und Viet Thanh Nguyen – und in Port Angeles unterhielt ich das Publikum, indem ich <em>Chicxulub</em> und die Burrito-Geschichte brachte, wegen des Gegensatzes. Den Rest des Monats jedoch widerstand ich jeglicher Abwechslung, obwohl natürlich jedes Gerät in meiner unmittelbaren Umgebung ständig kaputt war, aber das ist eine Art von Kontinuum, die dem Gefäßsystem des Lebens selbst innewohnt: Veränderung ist gleich Abnutzung, wie uns Coetzee in <em>Schande</em> mit dem Motiv des Abgenutzten/Auf-gebrauchten in Erinnerung ruft.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In letzter Zeit habe ich meine Tage so zugebracht, wie es mir am besten gefällt – ich habe geschrieben, gelesen und mich so oft wie möglich in der freien Natur aufgehalten, und ja, ich habe in meinem eigenen Bett geschlafen, mit weit geöffnetem Fenster, um die Kühle der nebelverhangenen Nacht hereinzulassen. Auch meine Abenteuer in der Natur waren harmonisch, obwohl ich am Ende das Leben von ein paar hundert meiner Mitgeschöpfe auf verhängnisvolle Weise verändert habe – Mückenlarven, von denen meine Regentonne nur so wimmelte. Sie werden sich nie verpuppen oder sich auch nur das kleinste Molekül Säugetierblut schmecken lassen – das ist eine echte Tragödie im Buch der Überträger von Krankheiten. Andererseits hatte ich ein magisches Erlebnis mit einem Rotluchs, der mir aus einer Entfernung von vielleicht zehn Metern in die Augen starrte und zwar volle fünf Minuten lang, bis ein Auto auf der Straße hinter mir vorbeifuhr und er wie lebendiger Rauch verschwand.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heute werde ich an meinem neuen Roman arbeiten, feiere aber auch die Herausgabe der dicken spanischen Übersetzung meiner ausgewählten Erzählungen und die bevorstehende Veröffentlichung der letzten Kollektion <a href="https://www.tcboyle.de/werke/i-walk-between-the-raindrops/"><em>I Walk Between the Raindrops</em></a> in der deutschen Übersetzung. Wenn ich für heute fertig bin, kann ich hoffentlich ins Waldesgestrüpp gehen und mit allen möglichen Kreaturen kommunizieren, wobei neugierige Luchse und auffliegende Habichte ganz oben auf meiner Liste stehen und weit unten Mücken, zusammen mit ihren Gliederfüßler-Genossen, den Zecken. Ich habe vor, mein ganzes Blut da zu behalten, wo es hingehört, aber man weiß ja nie &#8230;<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ciao.</p>
<hr />
<p><span class="note">Im Original erschien der Text am 02. Mai 2024 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.</span></p>
<hr>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-02-05-2024/">What&#8217;s New? 02/05/2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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		<title>Apologia</title>
		<link>https://www.tcboyle.de/apologia/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Oct 2022 13:29:31 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/apologia/">Apologia</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Ulrich Tepelmann</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2022/10/Apologia.jpg" alt="" width="725" height="380" class="aligncenter size-full wp-image-6845" srcset="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2022/10/Apologia.jpg 725w, https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2022/10/Apologia-480x252.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 725px, 100vw" /></p>
<p>Für mich ist eine Geschichte eine Übung für meine Vorstellungskraft – oder, wie Flannery O’Connor es ausdrückt, ein Akt der Entdeckung. Ich weiß nie, was aus einer Geschichte wird bis sie sich zu entfalten beginnt; das Ganze kommt zu mir beim Schreiben als eine Art Wachtraum, und es kann mit der Erkundung eines Themas oder mit einer Erinnerung beginnen, oder mit etwas Zufälligem, als ich zum Beispiel herausgefunden hatte, dass die wilden Tiere in Feuerland auf Grund des Ozonlochs, das sich dort jedes Jahr auftut, erblinden, oder dass die Shetland-Inseln der windigste Ort der Welt sind. Die Professoren haben immer betont, man solle darüber schreiben, was man kennt; aber ich sage, man solle schreiben, was man nicht kennt, und auf diese Weise etwas herausfinden. Und das funktioniert. Oder kann funktionieren. Schließlich verführt eine Geschichte den Leser, und eine solche Verführung kann ihn oder sie so sehr in den Bann ziehen, dass alles plausibel wird. So auch bei <a href="https://www.tcboyle.de/werke/windsbraut/"><em>Windsbraut</em></a>, wo es um den Wind geht. Ich bin nie auf den Shetland-Inseln gewesen, obwohl ich sehr nahe dran war – auf einem Fischerboot vor Oban, wo ich fast erfroren bin – aber die Geschichte kam zu mir, als wäre ich in einem anderen Leben dort geboren und aufgewachsen. Nachdem sie im <em>New Yorker</em> erschienen war, meldeten sich die Redakteure von <em>The Shetlander</em>, der Insel-Zeitschrift, und wollten wissen, wann und wo ich bei ihnen gelebt hatte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dennoch sind wir alle bis zu einem gewissen Grad Produkte der Geografie, und meine unmittelbare Umgebung – das, was ich aus dem Fenster sehe, an den Straßen, Stränden und Wanderwegen, in Bars, Restaurants und Theatern – hat unweigerlich eine Rolle bei den Themen und Schauplätzen meiner Geschichten gespielt. Beispielsweise sind alle Geschichten im zweiten Band meiner gesammelten Erzählungen nach meinem Umzug von Los Angeles nach Santa Barbara im Jahr 1993 entstanden, und die Geschichten, die nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind – das Fresno in <em>Die unterirdischen Gärten</em>, wo Baldasare Forestiere sein fantastisches Labyrinth unterirdischer Räume errichtete, oder <em>Die unglückliche Mutter von Aquiles Maldonado</em>, was in Caracas spielt, oder <em>Hundologie</em> in Indien – sind ebenfalls nach Norden gezogen. Und nach Westen, wenn man die vielen Geschichten berücksichtigt, die im New York meiner jüngeren Jahre spielen und von denen die meisten im vorigen Band erschienen sind.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Insofern nehme ich an, dass ich über das schreibe, was ich kenne, zumindest was die Erkundung der Geschichte, der Ökologie, der Gefühlslage und der sozioökonomischen Bedingungen der Umgebung angeht, in der ich mich jeweils befinde, und dazu gehören auch die vielen Geschichten, die ich im Sequoia National Monument (früher Sequoia National Forest genannt) angesiedelt habe, ein Ort, an den ich mich immer wieder flüchte, seitdem ich an die Westküste gezogen bin. Die neueste Geschichte <em>Mein Schmerz ist größer als deiner</em> entstand zum Beispiel direkt aus einem Vorfall, von dem ich gerüchteweise gehört hatte, und zwar in einem Mikrokosmos, den ich gerne »Big Timber« nenne, um die tatsächlichen Gegebenheiten im Unklaren zu lassen. Der Vorfall ereignete sich im Anschluss an eine Party, auf der sehr viel getrunken wurde. Ein Mann ging mit seiner Frau nach Hause und schlich sich dann wieder hinaus, ganz in Schwarz gekleidet und mit einer schwarzen Skimaske auf, kletterte an der Hütte einer alleinstehenden Frau hoch und spähte durch das Fenster im ersten Stock. Zu seinem Pech (und zu meinem Glück) wurde er entdeckt und demaskiert, und die Folgen begannen sich abzuzeichnen. Ich kenne die an diesem Vorfall beteiligten Personen nicht und ich will sie auch nicht kennen. Alles, was ich von dieser oder jeder anderen Geschichte will, ist, dem Widerhall eines einzigen Taktes der Wahrheit oder eines Geheimnisses oder eines Was-wäre-wenns zu lauschen, damit ich ihn summen und ein Riff dazu spielen kann.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Los Angeles, Santa Barbara, die Sierra Nevada, die Wüste, das typische Unterholz, die sonnenbeschienene Brandung des Pazifik, die gezackten Blätter der Agaven und windgepeitschte Palmen – bis in meine Zwanziger war ich nie westlich des Hudson River gewesen, und als ich dann doch nach Westen ging, war es zuerst nach Iowa City und zur Schreibwerkstatt dort und dann schließlich nach Los Angeles und Santa Barbara. Es mag überraschen, wenn ich sage, dass das nördliche Westchester County, wo ich geboren und aufgewachsen bin (in Peekskill, dreißig Meilen flussaufwärts von Manhattan) provinziell ist, aber als ich ein Junge war, war es tatsächlich so, zumindest im Umfeld meiner Eltern. Ich wuchs in einem Arbeiterhaushalt auf, wo es weder Bücher noch eine Lesetradition gab, und wir wussten nicht viel von der Außenwelt, nicht einmal von der Großstadt mit all ihren kulturellen Glanzpunkten, die uns unendlich weit entfernt schien. Wir hatten einen Fernseher, und das Fernsehen beherrschte unseren Haushalt. Der graue Bildschirm erwachte zum Leben, wenn wir von der Schule oder von der Arbeit nach Hause kamen, und wurde abgeschaltet, wenn wir zu Bett gingen. Obwohl die Schulen in dem Ort eine solide, alle gleich behandelnde Ausbildung boten, habe ich damals nicht gelesen; ich war ein hyperaktives Kind, das Baseball spielte, durch den Wald streifte und sich vorwiegend aus Ärger heraushielt. Meine Mutter las mir vor, als ich klein war, und sie war es auch, die mir das Lesen beibrachte, da ich zu ungeduldig und zu unreif war, um im Unterricht still zu sitzen; aber die früheste Erinnerung an den Nervenkitzel von erfundenen Geschichten habe ich aus meinem Englischunterricht in der achten Klasse der Lakeland Junior Highschool, als Mr. (Donald) Grant uns freitags vorlas, falls wir brav gewesen waren, und wir waren wirklich sehr brav. Mr. Grant war Amateurschauspieler und er hat uns mit so ollen Kamellen wie <em>To Build a Fire</em> von Jack London und <em>The Most Dangerous Game</em> von Richard Connell mitgerissen. Wir sind zitternd aus dem Unterricht gekommen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Darwin und die Geowissenschaften traten etwa zur gleichen Zeit in mein Bewusstsein, und ich sagte meiner Mutter, ich könne nicht mehr an die römisch-katholische Lehre glauben, die uns, solange ich denken konnte, sonntags in die Kirche getrieben hatte. Es ist ihr hoch anzurechnen, mitfühlend, wie sie war, dass ich das alles dann nicht mehr musste, und ich nehme an, dass ich seitdem nach etwas gesucht habe, das diese Lehre ersetzt. Und was habe ich gefunden? Die Kunst und die Natur, die Zwillingsgottheiten, die Wordsworth und Whitman und all die anderen aufrecht erhalten haben, deren Erfahrungen zu kompliziert wurden, als dass ein Glaube sie hätte fassen können. Mit siebzehn Jahren fand ich mich an der State University of New York in Potsdam wieder, und zwar in der Musik-Abteilung, als begeisterter Schüler von John Coltrane und blitzschneller Techniker am Saxophon und an der Klarinette. Leider hatte ich kein Gefühl für die Art Musik, die wir spielen sollten, und ich fiel beim Vorspielen durch. Aber immerhin war ich an der Uni und geriet direkt in die kalte Umarmung der Existenzialisten einerseits und der erlösenden Gnade von Flannery O’Connor, Saul Bellow und den Dramatikern des absurden Theaters andererseits. Wenn ich einen entscheidenden Moment wählen musste, war es der, als ich zum ersten Mal <em>A Good Man is Hard to find</em> von Flannery O’Connor für einen Englischkurs las: Das war die Sorte von Geschichten, die Erwartungen zunichte macht, die in einer Erzählweise beginnt – Situationskomik, wie man sie aus dem Fernsehen kennt &#8211;  und sehr böse und wunderbar in einer anderen endet. Und ich hatte gedacht, es gäbe Regeln.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich wohnte damals in einer Pension in einer baumbestandenen Straße und ertrug die arktischen Temperaturen in Potsdam, die Stürme, die an den Fenstern rüttelten und den gefrierenden Regen, der alles mit einer glänzenden Schicht überzog, sodass die ganze Welt kristallin und gefährlich wurde. Wenn die Temperatur auf dreißig Grad unter Null fiel, sprang kein Auto mehr an, selbst wenn man großzügig Äther in den stählernen Schlund des Vergasers sprühte. Das war kein Problem. Jedenfalls nicht zuerst, nicht, bis ich die Liebe und die lebenswichtige Bedeutung des Rücksitzes entdeckte. Wir wohnten – mal zu sechst, mal zu siebt oder acht, ausschließlich Männer – in drei Zimmern im Obergeschoss eines Hauses mit Holzrahmen, das einer Witwe gehörte, die 1911 Ballkönigin in Potsdam gewesen war und die von uns als »meinen Jungs« sprach. Die Zimmer waren mit altertümlichen Möbeln vollgestellt, die einen Geruch nach längst vergangenen Zeiten verströmten, aber sie waren dem Zweck angemessen, und hier begann ich mit meinen ersten rudimentären Versuchen in dieser Form – der Form der Kurzgeschichte – die später mein Leben beherrschen sollte. Allerdings muss ich zugeben, dass ich weder ein guter noch ein pflichtbewusster Student war. Dennoch habe ich unheimlich viel gelesen, eher das, was aktuell war als das, was wir lesen sollten und ging mit einer lückenhaften Ausbildung ab (Hauptstudium in zwei Fächern, Geschichte und Englisch, plus ein kurzes Jahr in Krishna Vaids Kurs für kreatives Schreiben), aber ich brannte für die Kunst. Woran erinnere ich mich aus dieser Zeit? An die Angst vor dem Ekel, den mir Sartre in den Schoß warf, und an ein nagendes, unbestimmtes Verlangen, das mich in den geisterhaften Stunden nach Schließung der Bars allein auf den hohen stählernen Dachsparren des halbfertigen Bibliotheksgebäudes herumspuken ließ, um im frostigen Wind bei Temperaturen um minus zwanzig Grad Celsius die Zukunft zu erahnen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich erinnere mich an Tipp-Ex, den Gipfel der technologischen Perfektion, der umso unwiderstehlicher war, als das Gerücht umging, Bob Dylans Mutter habe es erfunden. Ich erinnere mich an Dylan und die Anleitung, die Rock’n’Roll mir an die Hand gab, Jahre bevor ich meine musikalischen Impulse bündelte und selbst eine Band gründete, indem ich meine Wut und meine Verwirrung herausbrüllte, bis mein Körper starr wurde und meine Kehle sich zuschnürte. Ich erinnere mich an die Olivetti Reiseschreibmaschine, auf der ich alles tippte, was ich je geschrieben hatte – Geschichten, Essays, Briefe, Notizen – bis der Computer sie überflüssig machte. Und ich kann immer noch die Genugtuung heraufbeschwören, die es mir bereitete, eine saubere, fertige Fassung von etwas, das einen Wert zu haben schien, einen großen Wert, einen Wert sowohl für mich als auch für die ganze Welt, auf frische, zerknitterte Bögen von Schreibmaschinenpapier zu tippen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dann kam die Zeit der Hippies, und das ist der Punkt, wo sich meine Erinnerungen verfestigen. Ich war schon immer zielstrebig (viel zu zielstrebig, würden viele andere sagen), und ich neige dazu, mich in etwas hineinzustürzen, mit allem, was mir zur Verfügung steht. Ich war der Hippie aller Hippies, voller Glückseligkeit und mit so typischen Hippie-Klamotten, dass die Leute mich auf der Straße angesprochen und gefragt haben, ob sie bei mir LSD kaufen könnten. Was ich nicht konnte. Und auch nicht wollte. Das wäre zu &#8230; habgierig gewesen. Musik durchpulste mein Hirn, die Musik, die damals dem Zeitgeist entsprach. Ich wohnte ich den verschiedensten Häusern zusammen mit den verschiedensten Menschen, aber dann ließ ich mich auf eine Beziehung mit einer anmutigen Frau ein, die mir Mut machte und die den Finger am Puls der Zeit hatte, meine Frau in der ganzen Zeit mit Umzügen und Büchern und Kindern, und ich las hungrig, besessen, auf der Suche nach etwas, das ich nicht genau benennen konnte. Meine tastenden Versuche brachten Geschichten hervor, die damals »experimentell« genannt wurden, spielerische Versuche, herkömmliche Erzählmuster zu vermeiden und sie in ihre Einzelteile zu zerlegen. Damals entdeckte ich auch Robert Coover und seine klaren, lyrischen, supercleveren und auf bösartige Weise komischen Geschichten, und ich merkte, dass sein Werk das, wonach ich blindlings gestrebt hatte, perfekt verkörperte. Dann kamen Barthelme, Borges, Cortázar, Pynchon, Barth, Calvino, García-Márquez, Autoren einer Periode, in der niemand jemals »nie« sagte und in der es kein Format gab, das nicht ausgequetscht, gemolken und ausgeformt werden konnte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich veröffentlichte meine erste Kurzgeschichte – eine der »experimentellen« – in der <em>North American Review</em> im Jahre 1972 unter der Ägide von Robley Wilson Jr., dem ich ewig dankbar sein werde. Aufgrund dessen bewarb ich mich bei der Schreibwerkstatt in Iowa und wurde angenommen, und mein Leben als Schriftsteller fing wirklich an anzufangen. Jetzt hatte es mich erwischt. Jetzt war ich erwachsen. Jetzt wusste ich, was ich vom Leben wollte, und das verfolgte ich mit Hingabe und Zielstrebigkeit. Meine Professoren im Workshop – Vance Bourjaily, John Irving und John Cheever – gaben mir genau das, was ich am meisten brauchte, sie gaben meinem Selbstvertrauen Auftrieb, und meine Professoren in der Englisch-Fakultät, wo ich den Doktortitel in Britischer Literatur des neunzehnten Jahrhunderts erwarb, gaben mir das Fundament, das ich während der Jahre als unzufriedener Student nicht hatte aufbauen können. Der Grund dafür? Ich dachte mir, wenn ich Schriftsteller werden wollte, könnte es tatsächlich hilfreich sein, einiges zu wissen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und ja, ich war mir durchaus bewusst, dass formale Bildung ein Gräuel war, zumindest für die Autoren aus der Generation vor meiner eigenen. Cheever, der stets freundlich und großzügig zu mir war, war regelrecht sauer wegen meiner akademischen Ziele, die seiner Meinung nach keinen Platz in einer künstlerischen Laufbahn hatten, aber ich bestand darauf, weil nichts und niemand mich von etwas abhalten kann, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, sei es im Guten wie im Schlechten. Und so ging ich nach meinem Abschluss nach Los Angeles und gründete das Programm für kreatives Schreiben an der University of Southern California, wo ich ununterbrochen lehrte, bis ich im Herbst 2012 <em>Writer in Residence</em> wurde. Die Universität erwies sich als Segen für mich. Sie gab mir Bodenhaftung, ich kam aus dem Haus und auch aus mir selbst heraus, sie bot mir die kostbare Gelegenheit, die Kunst des Schreibens bei vorwiegend jungen Leuten, die noch formbar und ebenso begeistert wie ich waren, regelmäßig zu bewerten, zu fördern und zu diskutieren.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Cleever war es auch, der mich sanft zurechtwies, weil ich den vernichtenden Ausdruck »experimentell« verwendete, ebenso wie Tom Whitaker, der damals <em>The Iowa Review</em> herausgab, wo ich zunächst als stellvertretender Redakteur für Belletristik arbeitete (unter Robert Coover) und später, während meines letzten Jahres dort, als eigenständiger Lektor für Belletristik. Cheever bestand darauf, dass jede gute Belletristik experimentell sei – und das stimmt natürlich auch – und führte sein eigenes Werk <em>The Death of Justina</em> als Beispiel an. Ich habe seinen Standpunkt verstanden. Und in den 1980ern und bis in die 1990er stand ich unter dem Einfluss seiner Erzählungen und denen von Raymond Carver, der in der Zeit, als ich in Iowa war, ein Freund wurde. Während ich am Anfang mehr an Sprache, Aufbau und Idee als an den Charakteren einer Geschichte interessiert war (und das wird, glaube ich, in Band I deutlich), so wurde ich, als ich als Romanautor wuchs und bewunderte, was Carver und Cheever und viele andere im weniger »experimentellen« als traditionellen Stil leisteten, auch mit dem Aufbau von Geschichten um Charaktere herum immer vertrauter.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Während ich in Iowa war, schickte ich immer wieder Geschichten an große und kleine Zeitschriften, und beharrlich ging ich wieder und wieder am selben Tag, an dem eine Geschichte ungeliebt und nicht erwünscht zurückkam, zur Post und schickte sie an den nächsten aussichtsreichen Kandidaten auf meiner Liste, in der abwechselnd vergeblichen, masochistischen und trotz allem optimistischen Hoffnung, dass Geschichte und Redakteur zusammenpassten. In den fünfeinhalb Jahren, die ich dort verbrachte, wurden etwa dreißig Geschichten angenommen, jedesmal Anlass für eine Party, bei der ich die Geschichte jedem vorlas, der sich nicht wehren konnte, und für einen Ausflug zu irgendeiner dunklen Kneipe, die so exotische Kost wie Pizza und Bier im Tausch gegen bloßes Geld anbot. Aufregende Zeiten. Ich war so auf das Kommen des Postautos fixiert, dass ich das Quietschen der Bremsen, das dieses ankündigte, schon zwei Straßen entfernt erkennen konnte. Natürlich gab es jede Menge Ablehnungen – ich klebte die Ablehnungsschreiben auf Plakatwände und heftete sie an die Wand meines Schlafzimmers, das mir als Büro diente, bis alle vier Wände bedeckt waren, worauf ich auf das praktischere, aber weniger selbstgerechte System zurückgriff, sie in Aktenordnern zu verstecken.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich hatte das Glück, schon früh Geschichten in <em>Esquire</em>, <em>The Paris Review</em>, <em>The Atlantic</em> und <em>Harper’s</em> – und später in <em>The New Yorker</em> und im <em>Playboy</em> – unterbringen zu können und eine enge Arbeitsbeziehung mit Redakteuren wie George Plimpton und Lewis Lapham einzugehen. Es bedeutete die Welt und ganze Universen für mich, dass ich ich nicht einfach blind etwas herausschickte, sondern dass es da draußen Redakteure gab, die sich tatsächlich auf das freuten, was ich als nächstes schreiben würde. George Plimpton nahm in den Siebzigern und Achtzigern so viele meiner Geschichten für <em>The Paris Review</em> an, dass er einmal im Spaß meinte, er denke daran, die Zeitschrift in <em>The Boyle Review</em> umzubenennen; und sein Einfluss und seine Freundschaft waren von unschätzbarem Wert. Er gab mir das Gefühl, gebraucht, um nicht zu sagen wertgeschätzt zu werden. Auf der anderen Seite zeigten mir die Redakteure von <em>The New Yorker</em> in jener Zeit die kalte Schulter, bis sie dann schließlich Anfang der Neunziger einen meiner Texte brachten, aber sobald die Zeitschrift den Besitzer gewechselt hatte und Tina Brown und ihr Redakteur für Belletristik, Bill Buford, in den Vordergrund getreten waren – und jetzt deren Nachfolger David Remnick und Deborah Treisman – erschien der Großteil meiner Erzählungen auf den Seiten dieser Zeitschrift. Ja, ich hatte großes Glück, vor allem mit meinem Lektor Paul Slovak, mit dem ich an meinen letzten vierzehn Büchern gearbeitet habe, und mit meinem Agenten Georges Borchardt, der mich noch während meines Studiums aufgenommen hat, und seitdem mein Anwalt, mein Fürsprecher und Heiler meiner Wunden ist. Wenn es George nicht gäbe, würde ich nicht hier sitzen und diese Verteidigungsschrift pro vita sua schreiben.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beim Lesen der in dem neuen Band versammelten Geschichten wird mir schließlich klar, dass ich auf die Frage nach dem Warum eingehen muss, auf die Frage nach dem, was mich und so viele andere Autoren in meinem Umfeld dazu treibt, Geschichten zu erfinden, selbst angesichts der allgemeinen Gleichgültigkeit der Welt. Als Studenten in Iowa erregte uns die Vorstellung, dass wir Teil von etwas Wichtigem waren, etwas sehr Wichtigem, und wir waren ebenfalls freudig erregt über die Lesungen und öffentlichen Auftritte der Meister dieser Literaturgattung, die zu unserer Unterhaltung in die Stadt kamen – Borges, Updike, Vonnegut, Barthelme, Leonard Michaels, John Gardner, Grace Paley und viele, viele andere. Und ich erinnere mich noch an einen Studenten, der nach einem von Stanley Elkins unglaublichen Auftritten seine Hand hob (uns war bewusst, dass wir nicht in den ersten drei Reihen sitzen durften, wegen der umherfliegenden Speicheltropfen, wenn Stanley sich wie ein Schauspieler in Rage redete) und fragte: »Mr. Elkin, Sie haben eine fantastische Sammlung von Geschichten geschrieben – warum schreiben Sie nicht noch mehr?« Stanleys Antwort: »Kein Geld damit zu verdienen. Nächste Frage.«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Geld hin oder her, ein Schriftsteller schreibt. Das Erschaffen von Kunst – das Erschaffen von Geschichten – ist eine Art Sucht, wie ich in einem früheren Aufsatz dargelegt habe, <a href="https://www.tcboyle.de/this-monkey-my-back/"><em>This Monkey, My Back</em></a>. Man fängt mit nichts an, öffnet sich, schwitzt und ängstigt sich und blutet, und am Ende hat man etwas. Und wenn man das einmal hatte, will man es nochmal haben. Und nochmal. Und nochmal. Eine gute Kurzgeschichte hat eine elementare Kraft, man erwacht, und da ist etwas Neues und Unerwartetes, sei es zwischen den Seiten eines Buches oder auf den Lippen eines Schauspielers in einem verdunkelten Theatersaal, wo die Worte nackt dastehen und dich zurückführen zur allerersten Stimme, die je in deinem Inneren widerhallte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich bin auf meine Art auch zu einem Schauspieler geworden, der regelmäßig seine Geschichten auf der Bühne präsentiert und den beständigen Pulsschlag des Publikums in der Dunkelheit spürt. Anfangs traute ich dieser Beziehung nicht recht und trug nur lustige Geschichten vor, ich war abhängig von der einfachen Befriedigung, die es mir bereitete, wenn das Gelächter des Publikums zu mir brandete. Doch dann fing ich an, dunklere Sachen zu vorzutragen wie <em>Chicxulub</em>, und ich spürte, wie Tragik und Horror von uns Besitz ergriff; ich und das Publikum wurden an einen Ort versetzt, an dem wir nie in unserem wirklichen Leben, außerhalb der Fiktion, zu sein hoffen. Ich werde die Frau in Miami nie vergessen, die eines Abends nach einem Drittel der Geschichte anfing laut zu schluchzen. Ihr schrecklicher Kummer erschütterte und fesselte uns alle. Ich wollte innehalten und ihr sagen, dass sie sich keine Sorgen machen müsse, dass alles nur Schein sei, so etwas wie Voodoo-Zauber, um die Willkür in der Welt in Schach zu halten, aber es gab kein Halten und sie ließ sich nicht trösten: Sie erlebte die Geschichte wirklich und ich nicht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Darin liegt eine beängstigende Kraft und auch eine beängstigende Verantwortung. Jeder von uns nimmt die Welt entsprechend seiner Sichtweise wahr und soweit die Erregungsmuster unserer Sinnesorgane es erlauben, und ich kann nur hoffen, die Welt auf meine ganz persönliche Weise einzufangen, um die Phänomene widerzuspiegeln, die in jedem bewussten Moment auf uns eindringen, während sie erscheinen und wieder verschwinden. Ich will spielerisch und ernsthaft sein, forschend und phantasievoll, neugierig und noch neugieriger, und ich möchte keine Ablenkungen. Ich mache keine Musik mehr, ich schreibe keine Zeitungsartikel oder Drehbücher oder Historisches. Ich treibe keinen Sport und löse keine Kreuzworträtsel und bastle nicht an Motoren herum – das ist alles zu viel. Kunst – die Tätigkeit, die damit verbunden ist – das beansprucht mich und schließt alles andere aus. Ich habe jeden Tag das Privileg, die Welt zu betrachten, wie sie sich mir darbietet, und sie in eine völlig andere Form zu transformieren, in genau die Form, die ich von vornherein geschaffen hätte, wenn ich der Demiurg oder der ursprüngliche Schöpfer gewesen wäre – der Eine, das Wesen, die Macht, ob Geist oder Zufallsprinzip, der dieses ganze wahnsinnige Leben in Gang gesetzt hat.</p>
<hr />
<p><span class="note">Nach dem Vorwort zu <em>T.C. Boyle Stories II: The Collected Stories of T. Coraghessan Boyle, Volume II</em>. Verwendung des Textes bei www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T. Coraghessan Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Verwendung der Darstellung mit freundlicher Genehmigung von T. Coraghessan Boyle.</span></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/apologia/">Apologia</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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		<title>What&#8217;s New? 14/12/2009</title>
		<link>https://www.tcboyle.de/whats-new-14-12-2009/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 18:34:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[What's New?]]></category>
		<category><![CDATA[Alkoholismus]]></category>
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		<category><![CDATA[US-Tour 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Wenn das Schlachten vorbei ist]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Letzte Woche habe ich an meinem Kaminfeuer verbracht, und während ich mich über die lang ersehnte Rückkehr der Regenfälle freute, habe ich die neue Raymond Carver Biographie von Carol Sklenicka gelesen und zwischendurch wieder einmal in ein paar von Rays Geschichten geblättert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-14-12-2009/">What&#8217;s New? 14/12/2009</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Sabine Anders</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2019/12/news_127i1.jpg" alt="" width="300" height="300" class="alignleft size-full wp-image-3014" srcset="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2019/12/news_127i1.jpg 300w, https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2019/12/news_127i1-150x150.jpg 150w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Letzte Woche habe ich an meinem Kaminfeuer verbracht, und während ich mich über die lang ersehnte Rückkehr der Regenfälle freute, habe ich die neue Raymond Carver Biographie von Carol Sklenicka gelesen und zwischendurch wieder einmal in ein paar von Rays Geschichten geblättert. Es war mir nicht klar, wie viele seiner Geschichten so detailgetreu Ereignisse aus seinem Leben wiederspiegeln, und es war eine Freude, manche davon wieder zu lesen und in einem neuen Licht zu sehen. Wie bei Blake Baileys Biographie von John Cheever, die Anfang des Jahres erschienen ist, fasziniert mich die Dynamik des Künstlerlebens, geprägt von dem Bemühen, etwas Bedeutsames zu schaffen und gleichzeitig im Leben zu stehen. Wir alle versuchen, unseren Frieden mit diesem Zwiespalt zu schließen, und versuchen, eine vollkommene Hingabe an unsere Kunst mit dem Wunsch in Einklang zu bringen, ein möglichst wenig zerstörerisches Leben zu führen, während wir gleichzeitig mit den Ansprüchen fertig werden müssen, die Erfolg und Berühmtheit an uns stellen, ganz zu schweigen von denen, die Arbeit und Alltag mit sich bringen. Ich habe einmal einen Tag mit John Gardner verbracht, Rays Lehrer und Mentor, und er hat mir erzählt, dass er jeden Tag den ganzen Tag arbeitet, sieben Tage die Woche, von sieben Uhr morgens bis elf Uhr nachts. Ich hoffe, er hat das nicht ernst gemeint. Denn, wie ich zu ihm gesagt habe, wo bleibt bei so einem Tagesablauf die Zeit, sich auf dem Planeten Erde des Lebens zu freuen? Man denke noch dazu an das Elend, wenn einem die Arbeit jeden Augenblick dieser langen, Spreu vom Weizen trennenden Tage im Nacken sitzt.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sowohl Ray als auch John Cheever waren vom Alkoholismus zerfressen, was ihrer Karriere erheblichen Schaden zugefügt hat, und doch ist es beiden gelungen, zeitlose Kunst zu schaffen. Natürlich kann ich nicht anders, als zwischen ihrer und meiner Karriere Vergleiche anzustellen und darüber nachzudenken, was Kunst und Liebe und familiäre Beziehungen bringen, was man aufgibt, um ein Künstler zu sein, und was man dafür bekommt. Von Anfang an habe ich versucht, mich auf die Arbeit an sich als das ultimative Ziel zu konzentrieren, ohne Ablenkungen irgendwelcher Art (und das hat mir geholfen, meine eigenen Dämonen in Schach zu halten, bis jetzt wenigstens), und doch dabei nicht zu verkennen, wie wichtig es ist, einfach ein Mensch zu sein und mich mit den Menschen in meiner Umgebung zu befassen. Obwohl ich auch jeden Tag arbeite, sieben Tage die Woche, hat bei mir jeder Tag einen Feierabend, etwa um zwei oder drei Uhr Nachmittags, und in dieser Zeit denke ich bewusst nicht an das Projekt, an dem ich gerade arbeite, bis ich am nächsten Morgen den Computer anschalte und es von vorne losgeht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das also sind meine Neuigkeiten. Ich lese, denke nach, sehe zu, wie der Regen aus den offenen Dachrinnen im zweiten Stockwerk sabbert, arbeite an der vierten Geschichte der neuen Serie, seit ich <a href="https://www.tcboyle.de/romane/wenn-das-schlachten-vorbei-ist/"><em>Wenn das Schlachten vorbei ist</em></a> Ende Juli abgegeben habe. Die erste davon, <em>My Pain Is Worse Than Your Pain</em>, erscheint in der Januar-Ausgabe von Harper’s. Gestern habe ich ein Exemplar bekommen und ich muss sagen, dieser Titel quer über der Titelseite des Magazins macht ziemlich was her. Die zweite Geschichte, ein komisch-tragisches Stück namens <em>The Silence</em>, erscheint in der Belletristik-Ausgabe vom Atlantic, aber leider erst nächsten Sommer, also nach dem Sommer, der gerade dabei ist, sich auf den matschigen Pfoten der Wintersonnenwende seinen Weg zum Horizont entlang zu hangeln. Die dritte und neueste der neuen Geschichten, die auf meinen Erinnerungen an die 70er und 80er Jahre beruht und <em>A Death in Kitchawank</em> heißt, wurde gerade vom New Yorker angenommen, und ich werde Euch wissen lassen, wann sie erscheint. (Ja, Kitchawank, ein Hinweis auf das Setting von <a href="https://www.tcboyle.de/romane/worlds-end/"><em>World’s End</em></a>, und vielleicht hatte ich die Inspiration zu dieser Geschichte deswegen, weil ich den Roman vor kurzem mal wieder gelesen habe, jetzt werdet Ihr auch eine Verbindung zwischen der Geschichte und den beiden feststellen können, die sich um die Figur Les, Mexico und <em>All the Wrecks I’ve Crawled Out Of</em> drehen.)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu guter Letzt, obwohl es ein klein wenig zu früh ist, allen unter Euch <em>merry messagistas</em> und <em>luminous lurkers</em> das Beste für die Weihnachts- und Hanukkahzeit zu wünschen, werde ich einen Frühstart hinlegen und es Euch jetzt schon wünschen: Merry, merry, happy, happy. Und obwohl ich nicht zu Euch komme und Euch das Geschenk bringe, das ich Euch letztes Jahr geschenkt habe – meine Weihnachtsgeschichte <em>Three Quarters of the Way to Hell</em> – könnt ihr ja einfach in den <a href="http://www.tcboyle.com/page2.html?1" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Archived News</a> auf Dezember 2007 klicken und das Geschenk nochmal in Empfang nehmen. Und hiermit, im besten und selbstlosesten Sinne der Weihnachtszeit, schließe ich, indem ich Euch, die ihr in ausgewählten Städten wohnt, das Geschenk der Vorfreude mache, das heißt, Euch den aktuellen Stand der Tour-Daten mitteile:</p>
<ul style="padding-left: 30px;">
<li>25. Januar 2010, 7:30 P.M.<br />
Santa Barbara, Victoria Hall</li>
<li>26. Januar 2010, 7:00 P.M.<br />
L.A., Los Angeles Public Library, 650 W 5th St.</li>
<li>28. Januar 2010, 7:30 P.M.<br />
N.Y., Barnes and Noble, 1972 Broadway at 66th St.</li>
<li>29. Januar 2010, 7:00 P.M.<br />
Brooklyn, The Powerhouse Arena, 37 Main Street</li>
<li>30. Januar 2010<br />
Hartford/New Haven, RJ Julia, 768 Boston Post Rd, Madison CT</li>
<li>01. Februar 2010<br />
Chicago, Chicago Public Library, 400 S. State St.</li>
<li>02. Februar 2010, 7:00 P.M.<br />
Atlanta, Margaret Mitchell House, 990 Peachtree Street NE</li>
<li>03. Februar 2010, 7:00 P.M.<br />
Saint Louis, St. Louis Public Library, 1301 Olive St.</li>
<li>08. Februar 2010, 12:00 P.M.<br />
Dallas/Ft. Worth, SMU University Library, SMU Campus</li>
<li>09. Februar 2010, 7:30 P.M.<br />
Denver/Boulder, Boulder Book Store, 1107 Pearl St.</li>
<li>20. Februar 2010<br />
San Francisco/Bay Area, The Dance Palace, 503B Street, Point Reyes Station</li>
<li>21. Februar 2010<br />
L.A., Word Theater/Diesel Books, Broad Center Stage Theater</li>
</ul>
<p>Fürs Erste war’s das, aber je näher die Termine rücken, umso mehr könnten es werden.</p>
<hr />
<p><span class="note">Im Original erschien der Text am 14. Dezember 2009 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Sabine Anders.</span></p>
<hr/>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-14-12-2009/">What&#8217;s New? 14/12/2009</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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		<item>
		<title>What&#8217;s New? 04/08/2005</title>
		<link>https://www.tcboyle.de/whats-new-04-08-2005/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Aug 2005 21:33:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[What's New?]]></category>
		<category><![CDATA[Annie Dillard]]></category>
		<category><![CDATA[Australien]]></category>
		<category><![CDATA[Carlos Baker]]></category>
		<category><![CDATA[Ein Freund der Erde]]></category>
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		<category><![CDATA[Jahrestag]]></category>
		<category><![CDATA[John Cheever]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Ellis]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Planeten]]></category>
		<category><![CDATA[Raymond Carver]]></category>
		<category><![CDATA[Rick Bass]]></category>
		<category><![CDATA[San Francisco]]></category>
		<category><![CDATA[Schluss mit cool]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieses Mal habe ich, guter und pflichtbewusster Liebhaber, der ich bin, unseren Jahrestag nicht vergessen. Sechs Jahre am heutigen Tage. Unglaublich. Wunderbar. Mächtig gewaltig. Und ich danke Euch allen, die Ihr diese Seite zu einer solchen Wonne für mich macht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-04-08-2005/">What&#8217;s New? 04/08/2005</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Beate Walz</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2025/08/news_77i1-vb.jpg" alt="" width="725" height="380" class="aligncenter size-full wp-image-8294" srcset="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2025/08/news_77i1-vb.jpg 725w, https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2025/08/news_77i1-vb-480x252.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 725px, 100vw" /></p>
<p>Dieses Mal habe ich, guter und pflichtbewusster Liebhaber, der ich bin, unseren Jahrestag nicht vergessen. Sechs Jahre am heutigen Tage. Unglaublich. Wunderbar. Mächtig gewaltig. Und ich danke Euch allen, die Ihr diese Seite zu einer solchen Wonne für mich macht. Natürlich habe ich auch in das Archiv geklickt, um einen Blick auf <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-04-08-1999/">die allererste What&#8217;s-New-Kolumne</a> zu werfen und zu sehen, was ich damals so von mir gab, und ich fand es überwiegend proklamierend. Ich hatte einen Abriss über <a href="https://www.tcboyle.de/werke/ein-freund-der-erde/"><em>Ein Freund der Erde</em></a> (2000) geschrieben und eine Vorschau auf <a href="https://www.tcboyle.de/werke/schluss-mit-cool/"><em>Schluss mit cool</em></a> (2001). Ich fand auch eine Ankündigung zu meiner ersten Australien-Tournee, die im Mai 2000 stattfinden sollte. Leider warte ich bis heute auf dieses Ereignis (ganz und gar mein Fehler: Ich möchte sehr gerne diesen Kontinent erkunden und dessen sonderbare Kreaturen &#8211; die außerhalb der Kneipen, meine ich &#8211; aber ich konnte mich damals nicht aufraffen. Ich hoffe, ich werde irgendwann in der Zukunft dorthin reisen). Aber wir haben es mit vereinten Kräften bewerkstelligt, bis hierher zu gelangen, im Forum durch all diejenigen, die posten/schreiben und kritteln und sich gegenseitig ergötzen, und durch meine verschiedentlichen Ankündigungen von Tourneen und Veröffentlichungen und die angeborenen und körperlichen Freuden und Gebrechen, die mich anspornen. (A propos Gebrechen, werft mal einen Blick auf das obenstehende Foto &#8211; nein, das sind keine Schnappschüsse von entfernten Planeten von einer unserer Weltraumsonden, aber es ist erstaunlich, wie die Symmetrie von dort draußen der in unserem Inneren gleicht.)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich würde Euch gerne einen kleinen Vorgeschmack auf die neue Kollektion geben, wie ich es bei <a href="https://www.tcboyle.de/werke/schluss-mit-cool/"><em>Schluss mit cool</em></a> tat, aber das kann warten, genauer, bis zum nächsten Monatseintrag, bei dem ich auch die Tourdaten bekanntgebe. Also an Neuigkeiten gibt es nicht viel. Ich habe mich erholt, verschnauft, gelesen (Carlos Bakers Hemmingway-Biografie, zum dritten Mal in dreißig Jahren, was mich zum Nochmallesen von <em>A moveable Feast</em> brachte, ein netter kleiner Sammelband von Carver-, Cheever- und O&#8217;Connor-Storys; Annie Prouxls <em>Bad Dirt</em>; die Josef-Ellis-Bio von George Washington &#8211; wow, hätteste nich jedacht, wah &#8211; und der Mann trieb mir doch tatsächlich das Wasser in die Augen, speziell wenn man bedenkt, welche Bande wir jetzt im Weißen Haus haben &#8211; Annie Dillards <em>For the Time Being</em> und Rick Bass&#8216; Lamento über das Yaak-Tal, <em>The Book of Yaak</em>. Und ja, ab und an schmökere ich im Message Board von tcboyle.com, um zu sehen, was viele von Euch so lesen, erfreue mich am perfekten Strandwetter, schreibe meinen Bericht als Geschworener, hoffe auf einen Kurztrip zu meiner Lieblingsstadt in den USA, San Francisco, einzuschieben. Ich war in der Lage, eine dritte Kurzgeschichte zu schreiben, ein sehr kurzes Stück, mit einem für mich überraschend eingeschlichenem Ende, da ich etwas komplett anderes vorhatte zu schreiben, aber dann gewahr wurde, dass in einer vorherigen Szene bereits alles gesagt worden war. Hoffe ich. Oder denke ich. Wir werden sehen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nun, ich weiß, es wurden schon zuvor im Message Board Gratulationen arrangiert, und ich nehme an, wir werden heute einen Online-Toast aussprechen, auf Euch alle und die geschäftige und unterstützende und energisch-kreative und geistreiche Gemeinschaft, die wir hier gegründet haben, und auf diese klebrig-süße Fliegenfalle der Literatur, die uns alle anlockt und nicht mehr loslässt. </p>
<hr />
<p><span class="note">Im Original erschien der Text am 04. August 2005 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Beate Walz.</p>
<hr/>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-04-08-2005/">What&#8217;s New? 04/08/2005</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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