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	<title>Saul Bellow Archive - www.tcboyle.de</title>
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		<title>Apologia</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Oct 2022 13:29:31 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/apologia/">Apologia</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Ulrich Tepelmann</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2022/10/Apologia.jpg" alt="" width="725" height="380" class="aligncenter size-full wp-image-6845" srcset="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2022/10/Apologia.jpg 725w, https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2022/10/Apologia-480x252.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 725px, 100vw" /></p>
<p>Für mich ist eine Geschichte eine Übung für meine Vorstellungskraft – oder, wie Flannery O’Connor es ausdrückt, ein Akt der Entdeckung. Ich weiß nie, was aus einer Geschichte wird bis sie sich zu entfalten beginnt; das Ganze kommt zu mir beim Schreiben als eine Art Wachtraum, und es kann mit der Erkundung eines Themas oder mit einer Erinnerung beginnen, oder mit etwas Zufälligem, als ich zum Beispiel herausgefunden hatte, dass die wilden Tiere in Feuerland auf Grund des Ozonlochs, das sich dort jedes Jahr auftut, erblinden, oder dass die Shetland-Inseln der windigste Ort der Welt sind. Die Professoren haben immer betont, man solle darüber schreiben, was man kennt; aber ich sage, man solle schreiben, was man nicht kennt, und auf diese Weise etwas herausfinden. Und das funktioniert. Oder kann funktionieren. Schließlich verführt eine Geschichte den Leser, und eine solche Verführung kann ihn oder sie so sehr in den Bann ziehen, dass alles plausibel wird. So auch bei <a href="https://www.tcboyle.de/werke/windsbraut/"><em>Windsbraut</em></a>, wo es um den Wind geht. Ich bin nie auf den Shetland-Inseln gewesen, obwohl ich sehr nahe dran war – auf einem Fischerboot vor Oban, wo ich fast erfroren bin – aber die Geschichte kam zu mir, als wäre ich in einem anderen Leben dort geboren und aufgewachsen. Nachdem sie im <em>New Yorker</em> erschienen war, meldeten sich die Redakteure von <em>The Shetlander</em>, der Insel-Zeitschrift, und wollten wissen, wann und wo ich bei ihnen gelebt hatte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dennoch sind wir alle bis zu einem gewissen Grad Produkte der Geografie, und meine unmittelbare Umgebung – das, was ich aus dem Fenster sehe, an den Straßen, Stränden und Wanderwegen, in Bars, Restaurants und Theatern – hat unweigerlich eine Rolle bei den Themen und Schauplätzen meiner Geschichten gespielt. Beispielsweise sind alle Geschichten im zweiten Band meiner gesammelten Erzählungen nach meinem Umzug von Los Angeles nach Santa Barbara im Jahr 1993 entstanden, und die Geschichten, die nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind – das Fresno in <em>Die unterirdischen Gärten</em>, wo Baldasare Forestiere sein fantastisches Labyrinth unterirdischer Räume errichtete, oder <em>Die unglückliche Mutter von Aquiles Maldonado</em>, was in Caracas spielt, oder <em>Hundologie</em> in Indien – sind ebenfalls nach Norden gezogen. Und nach Westen, wenn man die vielen Geschichten berücksichtigt, die im New York meiner jüngeren Jahre spielen und von denen die meisten im vorigen Band erschienen sind.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Insofern nehme ich an, dass ich über das schreibe, was ich kenne, zumindest was die Erkundung der Geschichte, der Ökologie, der Gefühlslage und der sozioökonomischen Bedingungen der Umgebung angeht, in der ich mich jeweils befinde, und dazu gehören auch die vielen Geschichten, die ich im Sequoia National Monument (früher Sequoia National Forest genannt) angesiedelt habe, ein Ort, an den ich mich immer wieder flüchte, seitdem ich an die Westküste gezogen bin. Die neueste Geschichte <em>Mein Schmerz ist größer als deiner</em> entstand zum Beispiel direkt aus einem Vorfall, von dem ich gerüchteweise gehört hatte, und zwar in einem Mikrokosmos, den ich gerne »Big Timber« nenne, um die tatsächlichen Gegebenheiten im Unklaren zu lassen. Der Vorfall ereignete sich im Anschluss an eine Party, auf der sehr viel getrunken wurde. Ein Mann ging mit seiner Frau nach Hause und schlich sich dann wieder hinaus, ganz in Schwarz gekleidet und mit einer schwarzen Skimaske auf, kletterte an der Hütte einer alleinstehenden Frau hoch und spähte durch das Fenster im ersten Stock. Zu seinem Pech (und zu meinem Glück) wurde er entdeckt und demaskiert, und die Folgen begannen sich abzuzeichnen. Ich kenne die an diesem Vorfall beteiligten Personen nicht und ich will sie auch nicht kennen. Alles, was ich von dieser oder jeder anderen Geschichte will, ist, dem Widerhall eines einzigen Taktes der Wahrheit oder eines Geheimnisses oder eines Was-wäre-wenns zu lauschen, damit ich ihn summen und ein Riff dazu spielen kann.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Los Angeles, Santa Barbara, die Sierra Nevada, die Wüste, das typische Unterholz, die sonnenbeschienene Brandung des Pazifik, die gezackten Blätter der Agaven und windgepeitschte Palmen – bis in meine Zwanziger war ich nie westlich des Hudson River gewesen, und als ich dann doch nach Westen ging, war es zuerst nach Iowa City und zur Schreibwerkstatt dort und dann schließlich nach Los Angeles und Santa Barbara. Es mag überraschen, wenn ich sage, dass das nördliche Westchester County, wo ich geboren und aufgewachsen bin (in Peekskill, dreißig Meilen flussaufwärts von Manhattan) provinziell ist, aber als ich ein Junge war, war es tatsächlich so, zumindest im Umfeld meiner Eltern. Ich wuchs in einem Arbeiterhaushalt auf, wo es weder Bücher noch eine Lesetradition gab, und wir wussten nicht viel von der Außenwelt, nicht einmal von der Großstadt mit all ihren kulturellen Glanzpunkten, die uns unendlich weit entfernt schien. Wir hatten einen Fernseher, und das Fernsehen beherrschte unseren Haushalt. Der graue Bildschirm erwachte zum Leben, wenn wir von der Schule oder von der Arbeit nach Hause kamen, und wurde abgeschaltet, wenn wir zu Bett gingen. Obwohl die Schulen in dem Ort eine solide, alle gleich behandelnde Ausbildung boten, habe ich damals nicht gelesen; ich war ein hyperaktives Kind, das Baseball spielte, durch den Wald streifte und sich vorwiegend aus Ärger heraushielt. Meine Mutter las mir vor, als ich klein war, und sie war es auch, die mir das Lesen beibrachte, da ich zu ungeduldig und zu unreif war, um im Unterricht still zu sitzen; aber die früheste Erinnerung an den Nervenkitzel von erfundenen Geschichten habe ich aus meinem Englischunterricht in der achten Klasse der Lakeland Junior Highschool, als Mr. (Donald) Grant uns freitags vorlas, falls wir brav gewesen waren, und wir waren wirklich sehr brav. Mr. Grant war Amateurschauspieler und er hat uns mit so ollen Kamellen wie <em>To Build a Fire</em> von Jack London und <em>The Most Dangerous Game</em> von Richard Connell mitgerissen. Wir sind zitternd aus dem Unterricht gekommen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Darwin und die Geowissenschaften traten etwa zur gleichen Zeit in mein Bewusstsein, und ich sagte meiner Mutter, ich könne nicht mehr an die römisch-katholische Lehre glauben, die uns, solange ich denken konnte, sonntags in die Kirche getrieben hatte. Es ist ihr hoch anzurechnen, mitfühlend, wie sie war, dass ich das alles dann nicht mehr musste, und ich nehme an, dass ich seitdem nach etwas gesucht habe, das diese Lehre ersetzt. Und was habe ich gefunden? Die Kunst und die Natur, die Zwillingsgottheiten, die Wordsworth und Whitman und all die anderen aufrecht erhalten haben, deren Erfahrungen zu kompliziert wurden, als dass ein Glaube sie hätte fassen können. Mit siebzehn Jahren fand ich mich an der State University of New York in Potsdam wieder, und zwar in der Musik-Abteilung, als begeisterter Schüler von John Coltrane und blitzschneller Techniker am Saxophon und an der Klarinette. Leider hatte ich kein Gefühl für die Art Musik, die wir spielen sollten, und ich fiel beim Vorspielen durch. Aber immerhin war ich an der Uni und geriet direkt in die kalte Umarmung der Existenzialisten einerseits und der erlösenden Gnade von Flannery O’Connor, Saul Bellow und den Dramatikern des absurden Theaters andererseits. Wenn ich einen entscheidenden Moment wählen musste, war es der, als ich zum ersten Mal <em>A Good Man is Hard to find</em> von Flannery O’Connor für einen Englischkurs las: Das war die Sorte von Geschichten, die Erwartungen zunichte macht, die in einer Erzählweise beginnt – Situationskomik, wie man sie aus dem Fernsehen kennt &#8211;  und sehr böse und wunderbar in einer anderen endet. Und ich hatte gedacht, es gäbe Regeln.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich wohnte damals in einer Pension in einer baumbestandenen Straße und ertrug die arktischen Temperaturen in Potsdam, die Stürme, die an den Fenstern rüttelten und den gefrierenden Regen, der alles mit einer glänzenden Schicht überzog, sodass die ganze Welt kristallin und gefährlich wurde. Wenn die Temperatur auf dreißig Grad unter Null fiel, sprang kein Auto mehr an, selbst wenn man großzügig Äther in den stählernen Schlund des Vergasers sprühte. Das war kein Problem. Jedenfalls nicht zuerst, nicht, bis ich die Liebe und die lebenswichtige Bedeutung des Rücksitzes entdeckte. Wir wohnten – mal zu sechst, mal zu siebt oder acht, ausschließlich Männer – in drei Zimmern im Obergeschoss eines Hauses mit Holzrahmen, das einer Witwe gehörte, die 1911 Ballkönigin in Potsdam gewesen war und die von uns als »meinen Jungs« sprach. Die Zimmer waren mit altertümlichen Möbeln vollgestellt, die einen Geruch nach längst vergangenen Zeiten verströmten, aber sie waren dem Zweck angemessen, und hier begann ich mit meinen ersten rudimentären Versuchen in dieser Form – der Form der Kurzgeschichte – die später mein Leben beherrschen sollte. Allerdings muss ich zugeben, dass ich weder ein guter noch ein pflichtbewusster Student war. Dennoch habe ich unheimlich viel gelesen, eher das, was aktuell war als das, was wir lesen sollten und ging mit einer lückenhaften Ausbildung ab (Hauptstudium in zwei Fächern, Geschichte und Englisch, plus ein kurzes Jahr in Krishna Vaids Kurs für kreatives Schreiben), aber ich brannte für die Kunst. Woran erinnere ich mich aus dieser Zeit? An die Angst vor dem Ekel, den mir Sartre in den Schoß warf, und an ein nagendes, unbestimmtes Verlangen, das mich in den geisterhaften Stunden nach Schließung der Bars allein auf den hohen stählernen Dachsparren des halbfertigen Bibliotheksgebäudes herumspuken ließ, um im frostigen Wind bei Temperaturen um minus zwanzig Grad Celsius die Zukunft zu erahnen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich erinnere mich an Tipp-Ex, den Gipfel der technologischen Perfektion, der umso unwiderstehlicher war, als das Gerücht umging, Bob Dylans Mutter habe es erfunden. Ich erinnere mich an Dylan und die Anleitung, die Rock’n’Roll mir an die Hand gab, Jahre bevor ich meine musikalischen Impulse bündelte und selbst eine Band gründete, indem ich meine Wut und meine Verwirrung herausbrüllte, bis mein Körper starr wurde und meine Kehle sich zuschnürte. Ich erinnere mich an die Olivetti Reiseschreibmaschine, auf der ich alles tippte, was ich je geschrieben hatte – Geschichten, Essays, Briefe, Notizen – bis der Computer sie überflüssig machte. Und ich kann immer noch die Genugtuung heraufbeschwören, die es mir bereitete, eine saubere, fertige Fassung von etwas, das einen Wert zu haben schien, einen großen Wert, einen Wert sowohl für mich als auch für die ganze Welt, auf frische, zerknitterte Bögen von Schreibmaschinenpapier zu tippen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dann kam die Zeit der Hippies, und das ist der Punkt, wo sich meine Erinnerungen verfestigen. Ich war schon immer zielstrebig (viel zu zielstrebig, würden viele andere sagen), und ich neige dazu, mich in etwas hineinzustürzen, mit allem, was mir zur Verfügung steht. Ich war der Hippie aller Hippies, voller Glückseligkeit und mit so typischen Hippie-Klamotten, dass die Leute mich auf der Straße angesprochen und gefragt haben, ob sie bei mir LSD kaufen könnten. Was ich nicht konnte. Und auch nicht wollte. Das wäre zu &#8230; habgierig gewesen. Musik durchpulste mein Hirn, die Musik, die damals dem Zeitgeist entsprach. Ich wohnte ich den verschiedensten Häusern zusammen mit den verschiedensten Menschen, aber dann ließ ich mich auf eine Beziehung mit einer anmutigen Frau ein, die mir Mut machte und die den Finger am Puls der Zeit hatte, meine Frau in der ganzen Zeit mit Umzügen und Büchern und Kindern, und ich las hungrig, besessen, auf der Suche nach etwas, das ich nicht genau benennen konnte. Meine tastenden Versuche brachten Geschichten hervor, die damals »experimentell« genannt wurden, spielerische Versuche, herkömmliche Erzählmuster zu vermeiden und sie in ihre Einzelteile zu zerlegen. Damals entdeckte ich auch Robert Coover und seine klaren, lyrischen, supercleveren und auf bösartige Weise komischen Geschichten, und ich merkte, dass sein Werk das, wonach ich blindlings gestrebt hatte, perfekt verkörperte. Dann kamen Barthelme, Borges, Cortázar, Pynchon, Barth, Calvino, García-Márquez, Autoren einer Periode, in der niemand jemals »nie« sagte und in der es kein Format gab, das nicht ausgequetscht, gemolken und ausgeformt werden konnte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich veröffentlichte meine erste Kurzgeschichte – eine der »experimentellen« – in der <em>North American Review</em> im Jahre 1972 unter der Ägide von Robley Wilson Jr., dem ich ewig dankbar sein werde. Aufgrund dessen bewarb ich mich bei der Schreibwerkstatt in Iowa und wurde angenommen, und mein Leben als Schriftsteller fing wirklich an anzufangen. Jetzt hatte es mich erwischt. Jetzt war ich erwachsen. Jetzt wusste ich, was ich vom Leben wollte, und das verfolgte ich mit Hingabe und Zielstrebigkeit. Meine Professoren im Workshop – Vance Bourjaily, John Irving und John Cheever – gaben mir genau das, was ich am meisten brauchte, sie gaben meinem Selbstvertrauen Auftrieb, und meine Professoren in der Englisch-Fakultät, wo ich den Doktortitel in Britischer Literatur des neunzehnten Jahrhunderts erwarb, gaben mir das Fundament, das ich während der Jahre als unzufriedener Student nicht hatte aufbauen können. Der Grund dafür? Ich dachte mir, wenn ich Schriftsteller werden wollte, könnte es tatsächlich hilfreich sein, einiges zu wissen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und ja, ich war mir durchaus bewusst, dass formale Bildung ein Gräuel war, zumindest für die Autoren aus der Generation vor meiner eigenen. Cheever, der stets freundlich und großzügig zu mir war, war regelrecht sauer wegen meiner akademischen Ziele, die seiner Meinung nach keinen Platz in einer künstlerischen Laufbahn hatten, aber ich bestand darauf, weil nichts und niemand mich von etwas abhalten kann, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, sei es im Guten wie im Schlechten. Und so ging ich nach meinem Abschluss nach Los Angeles und gründete das Programm für kreatives Schreiben an der University of Southern California, wo ich ununterbrochen lehrte, bis ich im Herbst 2012 <em>Writer in Residence</em> wurde. Die Universität erwies sich als Segen für mich. Sie gab mir Bodenhaftung, ich kam aus dem Haus und auch aus mir selbst heraus, sie bot mir die kostbare Gelegenheit, die Kunst des Schreibens bei vorwiegend jungen Leuten, die noch formbar und ebenso begeistert wie ich waren, regelmäßig zu bewerten, zu fördern und zu diskutieren.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Cleever war es auch, der mich sanft zurechtwies, weil ich den vernichtenden Ausdruck »experimentell« verwendete, ebenso wie Tom Whitaker, der damals <em>The Iowa Review</em> herausgab, wo ich zunächst als stellvertretender Redakteur für Belletristik arbeitete (unter Robert Coover) und später, während meines letzten Jahres dort, als eigenständiger Lektor für Belletristik. Cheever bestand darauf, dass jede gute Belletristik experimentell sei – und das stimmt natürlich auch – und führte sein eigenes Werk <em>The Death of Justina</em> als Beispiel an. Ich habe seinen Standpunkt verstanden. Und in den 1980ern und bis in die 1990er stand ich unter dem Einfluss seiner Erzählungen und denen von Raymond Carver, der in der Zeit, als ich in Iowa war, ein Freund wurde. Während ich am Anfang mehr an Sprache, Aufbau und Idee als an den Charakteren einer Geschichte interessiert war (und das wird, glaube ich, in Band I deutlich), so wurde ich, als ich als Romanautor wuchs und bewunderte, was Carver und Cheever und viele andere im weniger »experimentellen« als traditionellen Stil leisteten, auch mit dem Aufbau von Geschichten um Charaktere herum immer vertrauter.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Während ich in Iowa war, schickte ich immer wieder Geschichten an große und kleine Zeitschriften, und beharrlich ging ich wieder und wieder am selben Tag, an dem eine Geschichte ungeliebt und nicht erwünscht zurückkam, zur Post und schickte sie an den nächsten aussichtsreichen Kandidaten auf meiner Liste, in der abwechselnd vergeblichen, masochistischen und trotz allem optimistischen Hoffnung, dass Geschichte und Redakteur zusammenpassten. In den fünfeinhalb Jahren, die ich dort verbrachte, wurden etwa dreißig Geschichten angenommen, jedesmal Anlass für eine Party, bei der ich die Geschichte jedem vorlas, der sich nicht wehren konnte, und für einen Ausflug zu irgendeiner dunklen Kneipe, die so exotische Kost wie Pizza und Bier im Tausch gegen bloßes Geld anbot. Aufregende Zeiten. Ich war so auf das Kommen des Postautos fixiert, dass ich das Quietschen der Bremsen, das dieses ankündigte, schon zwei Straßen entfernt erkennen konnte. Natürlich gab es jede Menge Ablehnungen – ich klebte die Ablehnungsschreiben auf Plakatwände und heftete sie an die Wand meines Schlafzimmers, das mir als Büro diente, bis alle vier Wände bedeckt waren, worauf ich auf das praktischere, aber weniger selbstgerechte System zurückgriff, sie in Aktenordnern zu verstecken.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich hatte das Glück, schon früh Geschichten in <em>Esquire</em>, <em>The Paris Review</em>, <em>The Atlantic</em> und <em>Harper’s</em> – und später in <em>The New Yorker</em> und im <em>Playboy</em> – unterbringen zu können und eine enge Arbeitsbeziehung mit Redakteuren wie George Plimpton und Lewis Lapham einzugehen. Es bedeutete die Welt und ganze Universen für mich, dass ich ich nicht einfach blind etwas herausschickte, sondern dass es da draußen Redakteure gab, die sich tatsächlich auf das freuten, was ich als nächstes schreiben würde. George Plimpton nahm in den Siebzigern und Achtzigern so viele meiner Geschichten für <em>The Paris Review</em> an, dass er einmal im Spaß meinte, er denke daran, die Zeitschrift in <em>The Boyle Review</em> umzubenennen; und sein Einfluss und seine Freundschaft waren von unschätzbarem Wert. Er gab mir das Gefühl, gebraucht, um nicht zu sagen wertgeschätzt zu werden. Auf der anderen Seite zeigten mir die Redakteure von <em>The New Yorker</em> in jener Zeit die kalte Schulter, bis sie dann schließlich Anfang der Neunziger einen meiner Texte brachten, aber sobald die Zeitschrift den Besitzer gewechselt hatte und Tina Brown und ihr Redakteur für Belletristik, Bill Buford, in den Vordergrund getreten waren – und jetzt deren Nachfolger David Remnick und Deborah Treisman – erschien der Großteil meiner Erzählungen auf den Seiten dieser Zeitschrift. Ja, ich hatte großes Glück, vor allem mit meinem Lektor Paul Slovak, mit dem ich an meinen letzten vierzehn Büchern gearbeitet habe, und mit meinem Agenten Georges Borchardt, der mich noch während meines Studiums aufgenommen hat, und seitdem mein Anwalt, mein Fürsprecher und Heiler meiner Wunden ist. Wenn es George nicht gäbe, würde ich nicht hier sitzen und diese Verteidigungsschrift pro vita sua schreiben.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beim Lesen der in dem neuen Band versammelten Geschichten wird mir schließlich klar, dass ich auf die Frage nach dem Warum eingehen muss, auf die Frage nach dem, was mich und so viele andere Autoren in meinem Umfeld dazu treibt, Geschichten zu erfinden, selbst angesichts der allgemeinen Gleichgültigkeit der Welt. Als Studenten in Iowa erregte uns die Vorstellung, dass wir Teil von etwas Wichtigem waren, etwas sehr Wichtigem, und wir waren ebenfalls freudig erregt über die Lesungen und öffentlichen Auftritte der Meister dieser Literaturgattung, die zu unserer Unterhaltung in die Stadt kamen – Borges, Updike, Vonnegut, Barthelme, Leonard Michaels, John Gardner, Grace Paley und viele, viele andere. Und ich erinnere mich noch an einen Studenten, der nach einem von Stanley Elkins unglaublichen Auftritten seine Hand hob (uns war bewusst, dass wir nicht in den ersten drei Reihen sitzen durften, wegen der umherfliegenden Speicheltropfen, wenn Stanley sich wie ein Schauspieler in Rage redete) und fragte: »Mr. Elkin, Sie haben eine fantastische Sammlung von Geschichten geschrieben – warum schreiben Sie nicht noch mehr?« Stanleys Antwort: »Kein Geld damit zu verdienen. Nächste Frage.«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Geld hin oder her, ein Schriftsteller schreibt. Das Erschaffen von Kunst – das Erschaffen von Geschichten – ist eine Art Sucht, wie ich in einem früheren Aufsatz dargelegt habe, <a href="https://www.tcboyle.de/this-monkey-my-back/"><em>This Monkey, My Back</em></a>. Man fängt mit nichts an, öffnet sich, schwitzt und ängstigt sich und blutet, und am Ende hat man etwas. Und wenn man das einmal hatte, will man es nochmal haben. Und nochmal. Und nochmal. Eine gute Kurzgeschichte hat eine elementare Kraft, man erwacht, und da ist etwas Neues und Unerwartetes, sei es zwischen den Seiten eines Buches oder auf den Lippen eines Schauspielers in einem verdunkelten Theatersaal, wo die Worte nackt dastehen und dich zurückführen zur allerersten Stimme, die je in deinem Inneren widerhallte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich bin auf meine Art auch zu einem Schauspieler geworden, der regelmäßig seine Geschichten auf der Bühne präsentiert und den beständigen Pulsschlag des Publikums in der Dunkelheit spürt. Anfangs traute ich dieser Beziehung nicht recht und trug nur lustige Geschichten vor, ich war abhängig von der einfachen Befriedigung, die es mir bereitete, wenn das Gelächter des Publikums zu mir brandete. Doch dann fing ich an, dunklere Sachen zu vorzutragen wie <em>Chicxulub</em>, und ich spürte, wie Tragik und Horror von uns Besitz ergriff; ich und das Publikum wurden an einen Ort versetzt, an dem wir nie in unserem wirklichen Leben, außerhalb der Fiktion, zu sein hoffen. Ich werde die Frau in Miami nie vergessen, die eines Abends nach einem Drittel der Geschichte anfing laut zu schluchzen. Ihr schrecklicher Kummer erschütterte und fesselte uns alle. Ich wollte innehalten und ihr sagen, dass sie sich keine Sorgen machen müsse, dass alles nur Schein sei, so etwas wie Voodoo-Zauber, um die Willkür in der Welt in Schach zu halten, aber es gab kein Halten und sie ließ sich nicht trösten: Sie erlebte die Geschichte wirklich und ich nicht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Darin liegt eine beängstigende Kraft und auch eine beängstigende Verantwortung. Jeder von uns nimmt die Welt entsprechend seiner Sichtweise wahr und soweit die Erregungsmuster unserer Sinnesorgane es erlauben, und ich kann nur hoffen, die Welt auf meine ganz persönliche Weise einzufangen, um die Phänomene widerzuspiegeln, die in jedem bewussten Moment auf uns eindringen, während sie erscheinen und wieder verschwinden. Ich will spielerisch und ernsthaft sein, forschend und phantasievoll, neugierig und noch neugieriger, und ich möchte keine Ablenkungen. Ich mache keine Musik mehr, ich schreibe keine Zeitungsartikel oder Drehbücher oder Historisches. Ich treibe keinen Sport und löse keine Kreuzworträtsel und bastle nicht an Motoren herum – das ist alles zu viel. Kunst – die Tätigkeit, die damit verbunden ist – das beansprucht mich und schließt alles andere aus. Ich habe jeden Tag das Privileg, die Welt zu betrachten, wie sie sich mir darbietet, und sie in eine völlig andere Form zu transformieren, in genau die Form, die ich von vornherein geschaffen hätte, wenn ich der Demiurg oder der ursprüngliche Schöpfer gewesen wäre – der Eine, das Wesen, die Macht, ob Geist oder Zufallsprinzip, der dieses ganze wahnsinnige Leben in Gang gesetzt hat.</p>
<hr />
<p><span class="note">Nach dem Vorwort zu <em>T.C. Boyle Stories II: The Collected Stories of T. Coraghessan Boyle, Volume II</em>. Verwendung des Textes bei www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T. Coraghessan Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Verwendung der Darstellung mit freundlicher Genehmigung von T. Coraghessan Boyle.</span></p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
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		<title>What&#8217;s New? 31/07/2013</title>
		<link>https://www.tcboyle.de/whats-new-31-07-2013/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Jul 2013 21:21:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Oben in den Sequoias, als ich das schreibe, bevor ich den Berg hinabsteige, um es zu Euch zu bringen. Ein Tag mit außergewöhnlichem Wetter, wirklich ein Wunder: Wasser ist in seinem natürlichen Zustand erschienen, wenn auch kaum genug davon, um den Staub zu legen, geschweige denn ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Sabine Anders</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2023/07/news_169i1.jpg" alt="" width="225" height="300" class="alignleft size-full wp-image-7186" />Oben in den Sequoias, als ich das schreibe, bevor ich den Berg hinabsteige, um es zu Euch zu bringen. Ein Tag mit außergewöhnlichem Wetter, wirklich ein Wunder: Wasser ist in seinem natürlichen Zustand erschienen, wenn auch kaum genug davon, um den Staub zu legen, geschweige denn die ausgetrockneten Flüsse oder den unschwimmbaren See aufzufüllen, von dem jetzt nicht mehr übrig ist als knapp ein Meter tiefes, trübes Wasser, unglückliches Seegras und ein Fundament aus einem reinen, reichhaltigen, stinkenden Schlamm. Trotzdem muntern die Wolken und die Feuchtigkeit mich auf – wie ich hier schon einmal erwähnte, habe ich so viel Sonnenschein gehabt, dass es mir für sechs Lebensspannen reichen würde. (Ah, Irland, grüne Insel meiner Vorfahren, wie konnte ich deine Nebel, deine Finsternis, deinen duftenden Regen, deinen Whisky für einen Wüstenort wie diesen verlassen!) Jedenfalls ist das alles nur Vorspiel für das Leitthema der Depesche dieses Monats: Grundbesitz.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ja, trotz meiner anderslautenden Proteste, bin ich an diese Berge gebunden, sogar in der trockensten der trockenen Zeiten, und nach so vielen Jahren als Mieter bin ich schließlich eingeknickt und habe ernsthaft darüber nachgedacht, mir selbst eine kleine, schöne Hütte zu kaufen (und danke, meine Leser, dass Ihr mir durch den großzügigen und enthusiastischen Kauf meiner Bücher das Einkommen dafür beschert habt). Wie ihr auf dem Bild anbei sehen könnt, muss man ein bisschen Arbeit hineinstecken (ich denke an Wände, einen Boden und ein Dach, für den Anfang), aber Ihr müsst das Positive sehen: sie ist sicher gut durchlüftet. Und einladend. Und sie ist ein Paradebeispiel für das Mantra der Grundstücksmakler: Standort, Standort, Standort.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich neige hier oben wirklich dazu, länger und härter zu arbeiten, wenn auch vielleicht nur wegen des Langeweilefaktors, und ohne das Gefrett des wirklichen Lebens habe ich mehr Zeit zum Lesen, Nachdenken, die Natur anzustarren und natürlich tägliche Besuche bei der Hütte, um einen gleichgültigen Rotwein auf der Terrasse unter der Schirmherrschaft der großen Kiefern und der Zitterpappeln zu trinken. Jeden Tag nach der Arbeit mache ich mit dem Hund eine Wanderung, die normalerweise an der besagten Hütte endet, die von dort, wo ich jetzt sitze, ungefähr eine halbe Meile die Straße hinauf liegt. Aber ich entscheide mich für den längeren Weg, durch den Wald und dann eine Holzfällerstraße entlang und schließlich den fast immer verlassenen Western Divide Highway hinauf, eine Reise von ungefähr drei Waden massierenden Meilen. Nach der Hütte kehre ich wieder nach Hause zurück, zu dem Topf Marinara, den ich letzten Monat erwähnt habe (immer noch genießbar, oder zum Großteil), mehr Lektüre, ein Film, geliefert in diesem antiken Format (eine DVD, geliehen aus der S.B. Bücherei) und dann ab ins Bett mit diesem ehrenwerten Dampfkessel, Frau Boyle (sie in ihrem Kopftuch und ich mit meiner Mütze, bereit für ein langes Sommerschläfchen).<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wie ich hier bereits erwähnt habe, heißt der Roman <em>The Harder They Come</em> (dt. <a href="https://www.tcboyle.de/werke/hart-auf-hart/"><em>Hart auf hart</em></a>), beschäftigt sich mit amerikanischer Gewalt und spielt in der Gegenwart. Der Epigraf stammt aus D.H. Lawrences <em>Studies in Classic American Literature: The essential American soul is hard, isolate, stoic and a killer. It has not yet melted</em>. (Die essenzielle amerikanische Seele ist hart, abgesondert, stoisch und ein Killer. Sie ist noch nicht geschmolzen.) Das Buch eröffnet in Costa Rica (wo ich vor vier Jahren im Sommer war, und seht Euch bitte den <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-09-08-2009/">Blogeintrag vom 9. August 2009</a> im Archiv an für ein lebhaftes Bild und grausige Details), wechselt dann aber für die meiste Zeit nach Nordkalifornien. Es läuft so gut, dass der Roman, wenn ich den Herbst über hier in den Bergen bleiben könnte, vielleicht früher fertig wäre, aber die Pflicht ruft. Angenehme Pflicht. Denn in der zweiten Augustwoche werde ich im Studio sein und den letzten Teil der <a href="https://www.tcboyle.de/werke/t-c-boyle-stories-ii/"><em>T.C. Boyle Stories II</em></a> für Blackstone aufnehmen und dann, Anfang September, werde ich an Bord des großen Vogels steigen und nach Wien fliegen, weil die Stadt <a href="https://www.tcboyle.de/werke/america/">América</a> feiert, in Werner Richters Übersetzung, wonach ich die deutsche Tour für <a href="https://www.tcboyle.de/werke/san-miguel/"><em>San Miguel</em></a>, in Dirk Van Gunsterens Übersetzung, fortsetzen werde. Im Oktober (Details gibt es bald) wird die US-Tour für <a href="https://www.tcboyle.de/werke/t-c-boyle-stories-ii/"><em>T.C. Boyle Stories II</em></a> beginnen und im November werde ich als Gast der USC leben, atmen und herausgeben. Okay. Schön. Schriftsteller schreiben, aber sie machen auch andere Sachen, gewöhnen wir uns also daran. Abgesehen davon, wenn ich ohne Pause weiter bis zum Ende von <a href="https://www.tcboyle.de/werke/hart-auf-hart/"><em>Hart auf hart</em></a> durcharbeiten würde, was würde ich mit dem Rest meines Lebens anfangen?<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu guter Letzt, meine Freunde, muss ich Euch mitteilen, dass ich gerade, neben anderen, einen wundervollen Roman wiedergelesen habe, <em>Herzog</em>, von Saul Bellow, dem Philosoph-Komödiant, den ich all diese Jahre nicht gelesen habe. Er ist eine Freude. Hier ist meine Lieblingsstelle, die ich paraphrasieren werde: Als er zum ersten Mal jemanden Klavierspielen hört, bemerkte der Wilde, <em>»You fight ‘im, ‘e cry.«</em> (»Du kämpfst mit ihm, er weint.«) Toll. Genau was ich mit meiner eigenen, schweißbefleckten Tastatur mache.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auf Wiedersehen, meine Damen und Herren. Bis zum nächsten Mal.</p>
<hr />
<p><span class="note">Im Original erschien der Text am 31. Juli 2013 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Sabine Anders.</span></p>
<hr/>
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		<title>This Monkey, my Back</title>
		<link>https://www.tcboyle.de/this-monkey-my-back/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Nov 2012 14:02:14 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Ulrich Tepelmann</em></p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2017/10/This-Monkey-My-Back.jpg" alt="" width="725" height="380" class="aligncenter size-full wp-image-1866" srcset="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2017/10/This-Monkey-My-Back.jpg 725w, https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2017/10/This-Monkey-My-Back-480x252.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 725px, 100vw" /></p>
<p>Vor einiger Zeit war ich recht lange ein junger Autor, und dann, fast genauso lange, ein jüngerer Autor (jünger als wer, fragte ich mich damals &#8211; Robert Frost?). Jetzt bin ich nur noch ein Autor. Bestimmt kein alter Schriftsteller, keine graue Eminenz, kein Mitglied der Akademie mit vergilbtem Haar, das mir aus meinen Ohren und Nasenlöchern wächst, aber, so denke ich gerne, ein weiser und reifer Autor, der noch einige schöne Jahre vor sich hat. Trotzdem schockierte es mich, als vor ein paar Monaten ein alter Freund auf seinem Rückweg von Mexiko vorbeikam und mir etwas über das Alter, das wir erreicht hatten oder ziemlich schnell erreichen würden, verriet. Wir saßen am Küchentisch und er hatte gerade einige Fotos vor uns ausgebreitet und erzählte zu jedem die Geschichte: Ich sah den Zócalo, die Strände von Puerto Escondido, weiß wie Seifenpulver, die Katakomben unterhalb von uralten Kirchen. Es entstand eine Pause, und dann sagte er: »Weißt du, ich überlege mir, in ein paar Jahren in den Ruhestand zu gehen.« Ich war verblüfft. Hier saß ein gesunder neunundvierzigjähriger Mann, einer, der sich gern modisch kleidete und gutes Geld in seinem eigenen Unternehmen verdiente.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Ruhestand?«, japste ich und stellte mir Gespenster in Pantoffeln vor, die um elf Uhr vormittags vor dem Fernseher hockten und Zitronenwackelpeter mit Bourbon schlabberten. Alles, was mir einfiel, war, aus den Hochglanzfotos vor mir das mit den Katakomben herauszufischen, eingefallene braune Haut und Zähne ohne Lippen, Klauen, die einmal Finger waren, auf Steinplatten liegende Menschen wie gefällte Bäume. Ich hielt das Foto hoch. »Dies ist mein Ruhestand«, sagte ich zu ihm.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;James Baldwin sagte einmal, dass wir schreiben, um Ordnung und Struktur in eine chaotische Welt zu bringen, und das stimmt sicherlich zum Teil, vielleicht sogar zum größten Teil, aber es ist trotzdem mehr als das. Schreiben ist eine Angewohnheit, eine Sucht, ein Verlangen, das genau so stark und mächtig ist wie eine Flasche an deine Lippen zu führen oder eine Nadel in deine Vene. Man könnte es den Drang nennen, aus nichts etwas zu schaffen, oder auch obsessiv-kompulsatorische Persönlichtskeitsstörung, oder auch Logorrhoe oder Wörterdurchfall. Waren Sie neulich mal in einem Buchladen? Haben Sie gesehen, was diese Schriftsteller erschaffen, was sie so an Papier absondern, so ähnlich wie die sorgfältig beschrifteten Gläser mit Scheiße, Pisse und Fußnägeln, die einer von Vonneguts Figuren seiner Frau vermachte, der ultimative Ausdruck seines innersten Ich? Ruhestand? Das alles aufgeben? Klar, wir begeben uns alle zur letzten Ruhe, wenn sie unser Blut aus dem Körper saugen und die Flüssigkeit zum Einbalsamieren hineinpumpen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ganz anders als die meisten meiner Mitstudenten in der Schreibwerkstatt in Iowa in den Siebzigern, und auch anders als der größte Teil meiner eigenen Studenten heute, habe ich meine Sucht nicht im Mutterleib entwickelt und auch nicht mit der Muttermilch aufgesogen. Ich habe nicht die Berührung eines Engels verspürt, ich trug keine Brille mit Gläsern wie Flaschenböden und keine Zahnspange und kauerte mich auch nicht in dunkle Ecken mit meinen einzigen Freunden, den Büchern, noch habe ich mich wie ein Maulwurf durch die Büchersammlung meines Vaters gewühlt (um das klarzustellen: mein Vater hatte keine Büchersammlung und hat in seinem ganzen Leben kein einziges Buch gelesen, abgesehen davon, was man ihm im Sankt Josephs Heim hineingezwungen hat, dem katholischen Waisenhaus, in dem er bis zur achten Klasse aufgezogen worden ist).<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nein, ich war ein Junge wie alle anderen Jungen. Ich spielte Baseball; streifte durch die spärlichen Reste der Wälder in der Umgebung von Westchester, tötete ein paar Dinge. Ich behauptete mich in der Schule, obwohl es eine Art Strafdienst war. Ich war ein guter Junge, ich wollte es allen recht machen &#8211; so wie fast alle Kinder von Alkoholikern &#8211; und trotzdem, mit fünfzehn oder sechzehn, verwandelte ich mich in einen Schlaumeier. Ein Arschloch. Einen Zyniker. Zum Teil waren Bücher Schuld, aber nicht ganz, noch nicht. Die Leute, mit denen ich zu tun hatte, Jungs, meine ich, waren die Kinder von wohlerzogenen Eltern, von Mittelklasse-Eltern, sogar wohlhabenden Eltern, und sie waren schlau, klug und unzufrieden. Später kamen Drogen dazu, aber zunächst war es nur dieses wahnsinnige Autofahren, diese verzweifelte Suche nach Sex, die üblichen Anfälle von Vandalismus, Saufen &#8211; und, irgendwie, merkwürdigerweise, Bücher. Wir waren Proto-Hippies, aber das wussten wir nicht. Wir wussten nur, dass wir irgendwas zwischen Gangstern und guten Schülern darstellten, und dass wir Aldous Huxley, George Orwell, J. D. Salinger und Jack Kerouac bewunderten. Schreiben? Nie davon gehört.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mit siebzehn fand ich mich in Potsdam, im Staat New York, wieder, auf der SUNY Potsdam, früher eine normale Hochschule, jetzt immer noch stark dozentenorientiert, aber sich entwickelnd in Richtung auf die freien Künste. Und Musik. Ich ging dorthin, weil ich Saxophon spielte und Musiker werden wollte und weil meine akademische Laufbahn zu dem Zeitpunkt sich von mittelmäßig zu hoffnungslos mittelmäßig entwickelte und kein anderes Institut mich aufnehmen wollte. Da war ich nun, am tiefgefrorenen Arsch der Welt, mit meinem Saxophon und meinen Notenblättern und wenig Talent und ohne Disziplin. Ich fiel durch beim Vorspielen und nahm Geschichte als Hauptfach.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Warum ausgerechnet Geschichte? Ich wusste das damals noch nicht, oder konnte es nicht genau benennen, aber es hatte mit Schreiben zu tun. Es war mir noch gar nicht aufgefallen, aber ich konnte schreiben, und in Geschichte &#8211; anders als, sagen wir, in Biologie oder Mathe, muss man Aufsätze schreiben. Dort, in der Abteilung für Geschichte, habe ich meinen ersten Mentor gefunden &#8211; Dr. Vincent Knapp, der sich auch hochgearbeitet hatte, Schritt für Schritt, aus den Tiefen der Arbeiterklasse. Er sah etwas in mir &#8211; in meiner Art zu schreiben und meiner Intelligenz &#8211; und er versuchte es zu fördern und mich zu ermutigen. Er war der zweite von meinen Vätern, und ich verletzte ihn so wie Allan Sillitoes Langstreckenläufer seinen Vater/Mentor. Ich ging nicht in sein Seminar. Ich trieb mich mit den Verlierern herum.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aber ich las. Ich lernte Flannery O&#8216; Connor in meinem zweiten Studienjahr kennen, und ich meinte ihn schon lange gekannt zu haben, und es war wie eine Explosion, und außerhalb der Seminare, in den Kneipen und in Begleitung eines kleinen Kaders von Leuten wie ich, fing ich an, Updike und Bellow und Camus zu lesen, und dann Barth, Beckett, Genet und Gide, genauso wie Ibsen, O&#8216; Neill, Sartre und Waugh. Die Bücherei war neu, und sie roch nach dem Formaldehyd in den Teppichen, und die Bücher waren neu, jedenfalls die, die ich las, und sie rochen so wie Bücher auch heute noch riechen, nach Klebstoff und Druckerschwärze und Papiermühlen, ein Geruch, den ich mit einem Gefühl der Freude verbinden lernte &#8211; und mit Wissen. Schließlich konnte ich, als ein aufstrebender oder sogar schon etablierter Schlaumeier, vielleicht noch schlauer, noch zynischer, noch überheblicher werden, wenn ich nur genug Wissen hätte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es gab natürlich den Rock&#8217;n&#8216; Roll, der meine früheren Jazz-Ambitionen auslöschte und mich in eine Art elektrifizierter Ekstase trieb (was später zum Schlagzeug führte, zu noch mehr Saxophon und schließlich zu einer Art von unmoduliertem Ins-Mikrophon-Schreien, während die anderen dazu koordinierten Lärm produzierten), und dann fing ich an Literatur-Seminare zu belegen, und ich entdeckte meinen nächsten Mentor, Kelsey B. Harder. Kelsey war Vorsitzender der Abteilung für Englisch, und er erkannte in mir dasselbe Talent fürs Schreiben, das auch Dr. Knapp im Fach Geschichte schon ausgemacht hatte. Auch ihn habe ich verletzt, mit den Waffen der Gleichgültigkeit und Ausgrenzung, aber ich schrieb ein paar Aufsätze für ihn, und ich merkte langsam, dass es immerhin eine Sache gab, die ich konnte und auch gut konnte. In meinem vorletzten Jahr auf dem College belegte ich mein erstes Seminar in kreativem Schreiben, unter meinem Tutor Krishna Vaid.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Krishna ist ein hinduistischer Romanautor, der in Harvard studiert hatte, und sehr von James Joyce angetan war, und er hatte eine kultivierte, kontinentale Aura. Das Seminar verwirrte mich. Es waren elf Studenten, und alle waren Poeten, und alle schrieben Gedichte, die für mich mindestens unverständlich waren. (Die Dichtung und ich hatten auf der High School einen desaströsen Zusammenstoß, als ein aufgeblasener Pedant von Lehrer die großartigen Gedichte der englischen und amerikanischen Literatur mit einer dermaßen von Pietät durchdrungenen Stimme vorlas, dass ich sein Haar anzünden, die toten Dichter exhumieren und sie auf einen langsamen Kahn nach Patagonien setzen wollte.)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Damals waren Workshops noch in der Entwicklung, und Krishna leitete sein Seminar recht elementar. Er bat einige Studenten, bis zum nächsten Mal etwas zu schreiben, beim nächsten Mal lasen sie die Ergebnisse dann vor, während wir anderen in tödlichem und nichts verstehendem Schweigen dasaßen und uns darauf vorbereiteten, absolut nichts dazu zu sagen. Dies ging mehrere Wochen lang so, dann wandte sich Krishna an mich und sagte: »Tom, warum schreibst du als nächster nicht mal was?«<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Na klar, warum nicht? Dies war schließlich ein Schreibseminar, und wenn ich dafür ausgesucht worden war, musste ich doch etwas von einem Schriftsteller haben. Das Problem war nur, ich hatte noch nie irgend etwas geschrieben, das heißt, außer den Seminaraufsätzen, und nun stand ich vor dem Problem, mit etwas Kreativem herauszukommen, sei es eine Kurzgeschichte, ein Gedicht oder (warte mal) ein Stück. In einem anderen Seminar hatten wir die absurdesten Dramatiker gelesen, zu einem bin ich sporadisch hingegangen und erbärmlich durchgefallen, aber wir lasen erstaunliches Material: <em>Die kahle Sängerin</em>, <em>Warten auf Godot</em>, <em>Die Nashörner</em>, <em>Der Balkon</em>. Ich fühlte mich zu diesen Stücken hingezogen, besonders weil es mir klar war, dass diese Autoren Schlauberger wie ich waren, gleichwohl sehr gebildete, sehr freche und sehr witzige Schlauberger. Ich schrieb einen Einakter. Zehn oder zwölf Seiten. Er hieß <em>Der Fuß</em>, und er handelte von einem Paar, das wegen des Todes ihres Kindes im Maul eines Alligators trauerte; alles, was von ihm übrig blieb, war sein linker Fuß, bekleidet mit einem Tennisschuh, er stand mitten auf dem Kaffeetisch wie ein Feiertagsgesteck.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich muss hinzufügen, dass Krishna &#8211; Dr. Vaid &#8211; ein Gesicht wie Stein hatte. Er zeigte nie die leiseste Regung von Freude, Entzücken, Hass, Hoffnung, Abscheu, Langeweile oder Seelenpein, wenn meine Mitstudenten ihre erstaunlichen und verwickelten Gedichte vortrugen. Und als er mir zunickte und ich anfing mein Stück vorzulesen, wusste ich &#8211; oder glaubte zu wissen &#8211; was mich erwartete. Was folgte, war eine der größten Überraschungen meines Lebens. Krishna lächelte, dann fing er an zu grinsen und in sich hineinzulachen und schließlich lachte er lauthals. Widerwillig fingen meine Mitstudenten (die, wie ich, alle möglichen Narben trugen, sichtbare und unsichtbare, und die einmütig in ihrer gegenseitigen Verachtung und für die Arbeiten der anderen waren) hier und da mit einem unterdrückten Lachen an. Als ich fertig war, durchdrungen von dem peinlichen Gefühl, zur Erheiterung beigetragen zu haben, so als wenn man den Ball über das Netz geschlagen hat, direkt ins Gesicht des gegnerischen Spielers, begann Krishna zu applaudieren, und meine Mitstudenten auch, obwohl es sie umbrachte. Das war&#8217;s. Das war alles, was nötig war. Ich war am Haken, ich war gefangen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Machen Sie sich klar, welche Dinge eine Rolle in dieser essentiellen Szene, die ich gerade geschildert habe, spielten &#8211; sichtbarer Triumph und öffentliche Schmeichelei, das Übertrumpfen der Mitstreiter, die bescheidene Entgegennahme des Lorbeerkranzes und das Versprechen weiterer schwindelerregender Triumphe. Es war heftig, wirklich heftig, und normalerweise würde ich jetzt sagen, dass ich an mir arbeitete, dass ich emsig mein Talent weiterentwickelte, dass ich wie die sagenhafte Harpyie hoch zum Parnassos flog, aber das wäre nicht wahrheitsgetreu. Ich war am Haken, ich war süchtig geworden, das stimmte, aber die Droge, die ich brauchte, verlangte Hingabe, verlangte Arbeit, und bald fand ich andere Drogen, die nichts verlangten außer einem geöffneten Mund oder eine zitternde blaue Ader, um sie zu empfangen. Oh, ein paar Kurzgeschichten habe ich geschrieben, so wie ich die Wäsche in die Wäscherei tragen oder den Rasen für meinen Vater mähen würde (der in seinem Stuhl saß und seinen Drink wiegte, so als würde der gleich explodieren), aber ich fühlte keinen Drang, keinen Sinn und Zweck.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich war einundzwanzig und ich war gedankenlos und vergiftet durch Rauschgift, wurde mitgerissen im Hippie-Strom wie Amphibienlaich. Ich wusste nichts. Mir war alles egal. Ich stieß auf Leute &#8211; ihre Namen sind auf meinen Lippen wie der Geschmack von Zucker, aber ich nenne sie nicht &#8211; und diese Leute zeigten mir, wie man Heroin kocht und es in die Adern schießt, ein schmächtiger Mann wie ich, ohne Fett am Körper, das die angeschwollenen blauen Leitungsbahnen zu meinem Herzen verbergen könnte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Ganze dauerte zwei Jahre, meist am Wochenende, und dann starb ein Freund an einer Überdosis, und das erschreckte mich so, dass ich mich wieder an die heilige süße Literatur erinnerte. Ich war kein schwachsinniger Junkie, ich war ein Schriftsteller, obwohl ich gerade nichts schrieb, aber ich war nicht süchtig nach der Szene und den Leuten und danach, was wir für drei oder fünf Dollar pro Tüte auf der South Street in Peekskill kauften, wo ganze Straßenzüge abgebrannt und mit Brettern vernagelt waren als Folge der Martin Luther King-Unruhen. Ich brauchte noch mal zwei Jahre &#8211; und der Begriff <em>Quaalude</em> spricht hier zu mir &#8211; um da rauszukommen, aber ich kam raus.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich habe eine Geschichte über diese Zeit geschrieben &#8211; <em>The OD and Hepatitis Railroad or Bust</em> &#8211; und Robley Wilson Jr. veröffentlichte sie in der <em>North American Review</em>. Damit bewarb ich mich in Iowa, und Iowa nahm mich. Ich war noch nie westlich von New Jersey gewesen, und ich konnte Iowa nicht von Ohio unterscheiden, oder von Idaho, was das betrifft. Aber es war dann alles doch nicht so kompliziert, meine Freundin und mein Hund stiegen ins Auto, wir markierten die Route auf der Karte, und los ging&#8217;s auf dem Interstate Highway 80.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es war Spätsommer in Iowa, Hügel und Häuser mit quadratischen Gesichtern und Blätter, so grün wie man es sich nur vorstellen kann. Es gab eine Party für neue Studenten an einem schwülen Septembertag, in einem der großen alten Häuser irgendwo in der Innenstadt, und ich erinnere mich, wie Fred Exley hereinstolzierte mit zwei strahlenden und wunderschönen Studenten im Schlepptau, einer männlich und die andere weiblich, mit einer Literflasche Wodka, aus der er große Schlucke trank, als wäre es ein großes, kaltes, helles Bier. Es sollte noch viele Jahre dauern, als <em>Pages from a Cold Island</em> herauskam, bevor ich verstand, wo er gewesen war und was er an dem Tag wohl gedacht haben mag, aber ich war auf jeden Fall beeindruckt: Hier stand ein Schriftsteller.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es war so: In dem ersten Semester konnte ich zwischen fünf Autoren auswählen, bei welchem ich studieren wollte: Vance Bourjaily, Frederick Exley, Gail Godwin, John Irving oder Jack Leggett. Ich nahm Vance, und das war richtig. Er wurde mein nächster Vater/Mentor, und er war der erste, den ich nicht enttäuschte. Weil ich mich verändert hatte. Ich war wirklich süchtig nach Schreiben, und nichts konnte mich davon abbringen, die Worte herauszulassen &#8211; oder wenigstens wollte ich mich voll und ganz dieser Prüfung stellen, zum ersten Mal im Leben.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Etwas war mit mir passiert, etwas für mich bis heute Unerklärliches: Ich fühlte eine Kraft in mir. Ich will hier nicht mystisch werden, weil die Wissenschaft den Mystizismus in mir zerstört hat, zu meinem ewigen Bedauern, aber ich fühlte mich plötzlich, obwohl ich nichts getan hatte, um es zu verdienen, stark, überlegen, unbesiegbar. Die Leute sagten, ich wäre aggressiv &#8211; das sagen sie immer noch &#8211; aber was ist Überheblichkeit, Arroganz, wie immer man es nennen will, anderes als eine vorbeugende Maßnahme gegen deine eigenen Schwächen? Und ohne eine solche Maßnahme, welche Chance hat man dann, erfolgreich zu sein? Ich fühlte eine Kraft in mir. Ich schrieb. Ich las alles. Ich schrieb mich in das Promotionsseminar ein, zur gleichen Zeit, als ich meinen Magister machte, und hier traf ich den letzten meiner akademischen Mentoren, Frederick P.W. McDowell, der mich Professionalität lehrte und die Liebe zur britischen Literatur des 19. Jahrhunderts. (Ich habe mal eine obskure Bemerkung über einen obskuren Dichter gemacht, als wir vor dem Raum auf seine Vorlesung warteten, und er schwieg einen Moment, sah mich mit einem Blick an, der Holz entrinden könnte, und sagte: »Mr. Boyle, ich zweifle nicht daran, dass Sie zu guter Letzt die Disziplin haben werden, die Anforderungen für den Doktor-Grad zu erfüllen, und lassen Sie mich eines sagen, nicht alle haben das.«)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vance jedoch. Vance war ein Wunder. Er war ein Fels, ruhig und gefasst, und seine Anwesenheit auf der anderen Seite des Raumes, wenn er eine Pause machte, um sich eine Zigarette zu drehen oder eine lakonische Bemerkung zu machen, war überaus tröstlich. Sein Seminar war das erste, zu dem ich ging im Rahmen des Workshops, und es war rein männlich besetzt. Ich nehme an, da waren vielleicht fünfzehn oder sechzehn Studenten versammelt, die meisten älter als ich, und alle außer dreien (mich eingeschlossen) schrieben über ihre Erfahrungen in Vietnam.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Meine Geschichte kam in der ersten Woche dran. Sie war nicht über Vietnam. Sie war darüber, ein Hippie in einem bestimmten Hippiemilieu zu sein, einer, der Rauschgift spritzte, und ich benutzte ein paar sich wiederholende Bilder, um den Effekt zu erzielen. Vance mochte die Geschichte. Meine Mitstudenten, etwas reservierter, mochten sie. Es war nicht unbedingt die Art von Erfahrung, die ich in Krishnas Seminar machte, aber ich war jetzt in einer viel größeren Arena, und die Erfahrung gab mir Aufschwung (genauso wie Vance&#8217;s Fürsprache, etwas später im Semester, meiner Allegorie <em>Blutregen</em>).<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es war so: Die drei Autoren, bei denen ich das Glück hatte, in Iowa zu studieren &#8211; Vance, John Cheever und John Irving, einer von Vance&#8217;s ehemaligen Studenten &#8211; waren alle außergewöhnlich großzügig und unterstützen mich sehr. Und das braucht ein junger Autor, um seine Sucht zu füttern &#8211; diese Art Lob und sanfter Kritik, die zu breiterer Bestätigung führt. Man fängt an zu denken: Ja, ich bin im Grunde doch ein Schriftsteller. Nicht nur in der kleinen Welt, aus der ich komme, sondern auch in der großen Welt.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;John Cheever war wie ein Wind, der aus einer entlegenen Ecke blies. Er zog sich sehr korrekt an, mit Anzug und Fliege, und er sprach mit einem Akzent, der aus einer Zeit zu kommen schien, die keiner von uns je gekannt hatte oder sich überhaupt vorstellen konnte. Wir müssen ihm ebenso geheimnisvoll vorgekommen sein, mit unseren zerstrubbelten Haaren und Bärten und mit Kleidern, die die Wohlfahrt noch nicht einmal genommen hätte. Er schien keine große Ahnung davon zu haben, was man als Lehrer tun muss, und dies wurde noch komplizierter dadurch, dass er meistens betrunken war, und trotzdem las er unsere Geschichten sorgfältig und lobte sie, wenn sie des Lobes wert waren. Ich tönte immerzu herum von wegen »experimentellem Schreiben« und pries Leute wie Coover, Pynchon, Barthelme und John Barth, aber Cheever wollte davon nichts hören. Er konnte nichts mit <em>The Sot Weed Factor</em> anfangen und sah auch nicht ein, wieso er sich die Mühe machen sollte, es zu versuchen. Außerdem bestand er darauf, dass seine Arbeit auch experimentell war, aber ich verstand nicht ganz, was er meinte, bis er fünf Jahre später seine gesammelten Geschichten veröffentlichte und ich Sachen wie <em>The Death of Justina</em> noch einmal las, eine Geschichte, die so dunkel und beunruhigend war wie kaum etwas anderes, das ich gelesen hatte. Jede gute Fiktion ist experimentell, sagte er mir, und lassen Sie sich nicht von Moden verführen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Während der nächsten drei Jahre war ich am meisten mit dem Schreiben für meine Promotion beschäftigt, eine fünfzigseitige Analyse über Tennyson, Keats und Matthew Arnold und ihresgleichen, aber ich hatte zunehmend das Gefühl, ich bräuchte die Jagd nach der Meisterschaft, und dieses Gefühl konnte mir nur das Schreiben von Fiktion geben, und so schrieb ich Geschichten, wann immer ich konnte. <em>Abstammung des Menschen</em>, <em>Der Champion</em>, <em>Wir sind Nordländer</em> und <em>Ein Frauenrestaurant</em> stammen aus dieser Zeit, und diese Geschichten &#8211; verrückt, absurd, übertreibend, aber mein Eigentum, alles meins &#8211; erschienen nicht nur in den kleineren Zeitschriften, sondern auch in <em>Esquire</em>, <em>The Paris Review</em> und <em>The Atlantic Monthly</em>. Ich war ein Autor. Klar war ich einer &#8211; und da war der Beweis. Aber als ich in Iowa 1977 meinen Abschluss machte, wurde mir klar, dass ich noch einen Schritt vor mir hatte.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ray Carver hatte ein paar Jahre vorher in der Stadt gelebt, in den Tagen von Cheever (sie tranken zusammen in <em>The Mill</em>, und ich werde nie verstehen, warum die Gesellschaft für die Geschichte des Ortes nicht kleine Metallplatten auf die Barhocker geschraubt hat, auf denen sie gesessen haben, während der langen, schweren Stunden, in denen sie Gläser leerten und sich Zigaretten anzündeten), und nun war er zurückgekommen, um im Workshop zu unterrichten. <em>Will you please be quiet please</em> war in dem Jahr herausgekommen und bestätigte, was wir Studenten schon lange gewusst hatten: dass Ray der beste Autor von Kurzgeschichten seiner Zeit war. Er erstaunte und inspirierte mich. Wir sprachen darüber, Geschichten an kleine Zeitschriften zu verkaufen &#8211; verkaufen, das heißt, wenn sie erstmal aus dem Nichts erschaffen und in Form gebracht waren &#8211; aber wir sprachen nicht viel über das Handwerk des Schreibens. Tatsächlich war es so, dass ich mich nicht erinnern kann, damals mit überhaupt jemandem über das Handwerk gesprochen zu haben &#8211; es war wie selbstverständlich, wie ein Weg, den man einschlug, weil man ein Schriftsteller war, jemand, der in der Lage war, alle Geschichten, die es gab, zu assimilieren, und etwas völlig Anderes aus ihnen zu machen, aus ihnen und aus dem Unbehagen und den vergänglichen Freuden des eigenen begrenzten Lebens. Jedenfalls, ich vergötterte Ray, weil er das verkörperte, was ich werden wollte &#8211; und einmal sagte ich das zu John Irving &#8211; das heißt, ich sagte: »Ich will keine Romane, nur Geschichten schreiben, wie Ray« &#8211; und John meinte, ich würde vielleicht eines Tages meine Meinung ändern.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er hatte Recht. Ich änderte meine Meinung. Und wie. Ich fing an mit <a href="https://www.tcboyle.de/romane/wassermusik/"><em>Wassermusik</em></a>, während ich meine Prüfungen machte und saß die nächsten drei Jahre daran, alle einhundertundvier Kapitel. Ich fing damals damit an, vormittags zu schreiben, sieben Tage in der Woche, die Sucht hatte mich endlich voll erwischt und war nun im Endstadium, und ich arbeite seitdem nach diesem Fahrplan. Als ich <em>Wassermusik</em> anfing, hatte ich auch nicht mehr Ahnung davon, wie man einen Roman schreibt, als davon, wie man ein Stück schreibt, als Krishna Vaid mich zehn Jahre zuvor aufforderte, etwas für seinen Workshop zu schreiben. Ich lernte es jedenfalls, Minute für Minute, Tag für Tag, und ich blieb hartnäckig trotz der Bedenken sowohl meines Agenten als auch meines Verlegers, die nicht daran glauben mochten, wie die Geschichte von Mungo Park, Afrikaforscher, und die von Ned Rise, Schlingel, jemals zu einem wenigstens einigermaßen befriedigendem Ende kommen sollten. Glaubt an mich, sagte ich ihnen, und arbeitete weiter, obwohl mein Verleger mich warnte, ich sollte es in weniger als fünfhundert Seiten schaffen (Ich schaffte es, in vierhundertsechsundneunzig, aber ich mogelte, indem ich jede Seite bis zum toten weißen Rand ausnutzte.)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dann begannen die anderen Bücher mir zuzuwachsen, und ich fing an, Aufmerksamkeit zu erregen und Interviews zu geben und zu artikulieren, was ich in meiner Fiktion zu tun versuche &#8211; oder eher, was ich versucht hatte. Ich sehe, wie meine Bücher und Geschichten unentwirrbar verknotet sind, wie die Themen und Ideen &#8211; die Suche nach dem Vater, Rassismus, Klasse und Gesellschaft, Vorbestimmheit versus freier Wille, Kulturimperialismus, sexueller Krieg und sexueller Waffenstillstand &#8211; sich immer wiederholen.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich kann dies sehen, aber nur im Rückblick. Das ist das Schöne an dieser Sucht &#8211; man muss weitermachen, kein Ruhestand, blicke voraus, obwohl du nicht sehen kannst, wo du hingehst. Zuerst hast du gar nichts, und dann, erstaunlicherweise, nachdem du dir dein Hirn und dein Herz herausgerissen hast und deine Freunde und Ex-Geliebten betrogen hast und wie ein Zombie geträumt hast wegen einer Seite, bis du weder sehen noch hören noch riechen oder schmecken kannst, dann hast du etwas. Etwas Neues. Etwas Wertvolles. Etwas, was man hochhalten und bewundern kann. Und dann? Nun, du hast Blut geleckt, nicht wahr? Und du fängst wieder von vorn an, mit gar nichts.</p>
<hr />
<p><span class="note">Aus: <em>The Eleventh Draft</em>, herausgegeben von Frank Conroy, HarperCollins, New York 1999. © T. Coraghessan Boyle. Verwendung des Textes bei www.tcboyle.de seit 2012 mit freundlicher Genehmigung von T. Coraghessan Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Foto von Rob Jordan, Garrison NY, 1973. Von links nach rechts: Davey McGahee, Garrett McCarey, T.C. Boyle, John Cutten. Verwendung des Fotos mit freundlicher Genehmigung von T. Coraghessan Boyle.</span></p>
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		<title>What&#8217;s New? 17/04/2005</title>
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		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Apr 2005 21:47:23 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Beate Walz</em></p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2025/04/news_73i1.jpg" alt="" width="214" height="300" class="alignleft size-full wp-image-8169" />Bedauerlicherweise muss ich vermelden, dass die Literaturgemeinde in den letzten Wochen zwei hervorragende Autoren verloren hat: Frank Conroy und Saul Bellow. Und dass ich mit Frank jemanden verlor, mit dem mich eine 20-jährige Freundschaft verband. Ich lernte ihn kennen, als er die National Endowment for the Arts leitete und mich bat, das Literatur-Gremium zu betreuen, zusammen mit Joyce Carol Oates, Tim O&#8216; Brien, John Edgar Wideman und anderen. Und als Jack Leggett als Direktor des Iowa Workshops in den Ruhestand ging, schlug ich Frank für diesen Posten vor, weil ich wusste, wie gut und engagiert er sein würde. Im Herbst 1988, Franks zweitem Jahr als Direktor, hatte ich das Vergnügen, nach Iowa City zurückzukommen und auf sein Geheiß ein Semester zu unterrichten. Wir unternahmen viel gemeinsam und hatten unseren Spaß; zusammen mit Allan Gurganus und John Gillespie (mit denen ich in den Siebzigern zusammen studiert habe), den unnachahmlichen Griff Stevens und Mitchell Burgess (der aus Spaß an der Freude in die Stadt hereingeschneit war), und Beau Elliot und Chuck Aukema, waschechte Einwohner Iowas. Ich traf im höllischen Monat August ein, inmitten einer schreckliche Dürre, schwitzte und fluchte, sah die Tage dem Herbste zu süßer werden, sah die fallenden Blätter, und dann die windgepeitschten bitterkalten Winter, bis ich mich aus der Stadt verdrückte, gerade als der erste Dezemberschneesturm eintraf. Ich arbeitete damals an <a href="https://www.tcboyle.de/werke/der-samurai-von-savannah/"><em>Der Samurai von Savannah</em></a> und schrieb wohl gut die Hälfte dort.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die für diesen Donnerstag vorgesehene Lesung, in der John Irving und ich lesen werden, war als Ehrung für Frank anlässlich seines Ruhestandes angedacht gewesen, doch nun wird es eine Gedenkveranstaltung für Frank, und etliche Leute werden Nachrufe auf Frank halten, etwa Tom Grimes und Marilynne Robinson. Es wird eine große Menschenmenge erwartet, und die Leute vom Workshop versuchen, es als größtes Event auf die Beine zu stellen, das es je auf dem Campus gab (sie sind aber noch nicht fertig). Falls jemand plant hierher zu kommen, sollte er sich darüber im Klaren sein, dass er früh eintreffen muss, wenn er einen Sitzplatz für sich beansprucht.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nun zu den erfreulicheren Nachrichten: <a href="https://www.tcboyle.de/werke/talk-talk/"><em>Talk Talk</em></a> ist nun fertiggestellt und abgeliefert, und ich werde Euch über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten, über die Fortschritte von der Korrektur bis zur Veröffentlichung (was im Herbst nächsten Jahres sein wird oder &#8211; abhängig von der Tücke des Objekts &#8211; im darauffolgenden Frühjahr). In diesem Herbst werde ich, wie bereits in einem früheren <em>What&#8217;s New?</em> angekündigt, drei Titel veröffentlichen, um Euch bei Laune zu halten, bis der neue Roman erscheint: die neue Kollektion <a href="https://www.tcboyle.de/werke/zaehne-und-klauen/"><em>Zähne und Klauen</em></a>, eine neue Zusammenstellung veröffentlichter Storys zum Jugendbuch-Sammelband <a href="https://www.tcboyle.de/werke/der-fliegenmensch/"><em>Der Fliegenmensch</em></a> und die Taschenbuchausgabe von <a href="https://www.tcboyle.de/werke/dr-sex/"><em>Dr. Sex</em></a>, wobei Penguin angesichts des großen Erfolges der Hardcover-Ausgabe im vergangenen Herbst enorme Hoffnungen hegt, erneut eine breite Käuferschicht zu erreichen. Das Foto hier &#8211; und wer sagt, ich würde nie lächeln? &#8211; wird die gesamte Rückseite von <a href="https://www.tcboyle.de/werke/zaehne-und-klauen/"><em>Zähne und Klauen</em></a> zieren.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Was ich zur Zeit mache? Oh, einfach nur faulenzen, in der Sonne liegen, am Strand rumhängen, mit der Köter-ähnlichen Kreatur am angeschwollenen Santa Ynez entlang wandern, einen heben oder auch zwei, solche Dinge eben. Sobald die Daten der demnächst stattfindenden Tour feststehen (Montag abend in Santa Barbara im Lobero, <em>Speaking of Stories</em>: Ich werde <em>Chicxulub</em> vortragen, Jay Thomas meine politische Satire <em>Die Neumond-Partei</em>, und Susan Keller und Julie Pearl werden Kurzgeschichten von den lokalen Autoren Fran Davis und Linda Stewart-Oaten lesen. Dann ist da noch das zuvor erwähnte Iowa-City-Reading am Donnerstag und danach mein Auftritt am Sonntag bei der L.A.Times Buchmesse, in der Schoenberg Hall, 13:00 Uhr. Und, natürlich, die Deutschland/Frankreich/Schweiz-Tour, jeweilige Daten und Orte sind auf tcboyle.de nachzulesen), hoffe ich, mich zu ein paar neuen Storys aufzuraffen. Bis dahin aber &#8211; gähn &#8211; gedenke ich nur die alte Hängematte im Garten hinter dem Haus aufzuhängen und ein Nickerchen zu machen. Ciao.</p>
<hr />
<p><span class="note">Im Original erschien der Text am 17. April 2005 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Beate Walz.</span></p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-17-04-2005/">What&#8217;s New? 17/04/2005</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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		<title>What&#8217;s New? 25/04/2001</title>
		<link>https://www.tcboyle.de/whats-new-25-04-2001/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[T.C. Boyle]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Apr 2001 20:47:10 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-25-04-2001/">What&#8217;s New? 25/04/2001</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Von T. Coraghessan Boyle</h5>
<p style="text-align: center;"><em>Deutsch von Ulrich Tepelmann</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2021/04/news_24i1.jpg" alt="" width="199" height="300" class="alignleft size-full wp-image-5882" />Warum Ihr so lange nichts von mir gehört habt? Ganz einfach: Arbeitsüberlastung. Ich hatte so viel zu tun, ich kam noch nicht mal dazu im Garten Gräben auszuheben, oder (allzuviele) Felssteine aus den Bergen herunterzuschleppen, wirklich ein miserabler Zustand. Und warum hebe ich Gräben aus? Damit ich sie wieder auffüllen kann. Und warum schleppe ich Felsen? Damit ich sie mit einem großen Hammer in ganz kleine Stücke zertrümmern kann. Aber genug davon. Ich sitze hier heute abend in einem Zustand der fortgeschrittenen Entspannung, während das Semester dem Ende entgegengeht, und ich fühle mich sehr wohl mit der Aussicht, fast drei ganze Wochen nirgendwohin reisen zu müssen. Am Ende dieser Phase werde ich, wie Ihr wohl wisst, in die große heulende Todesfalle aus Stahl steigen und von dannen fliegen, nach New York. Wie Sandye die Messagistas schon informiert hat, werde ich dieses Jahr wieder in Manhattan wegen des <em>New Yorker</em>-Festivals weilen und zusammen mit Donald Antrim am Freitag, den 18. Mai um 19 Uhr lesen, in Joe’s Pub im Public Theatre in der Lafayette Street 425. Die Ausgabe vom 9. April dieser Zeitschrift führt folgende Nummer für weitere Informationen an: 1-877-847-TNYF, außerdem die Website <a href="https://www.newyorker.com/" rel="noopener" target="_blank">www.newyorker.com</a>. Ich weiß über all das nichts Genaues, bis ich hinter den Kulissen stehen werde und jemand mir einen Stoß versetzt. Aber vielleicht lese ich ja auch <em>Nicht zimperlich</em>, eine Geschichte, die von einem herz-zerreißenden Gefecht in dem andauerndem Kampf zwischen Männern und Frauen erzählt. Ich habe sie noch nie vorgelesen, das macht bestimmt Spaß. Das ist doch mal was Neues, oder? Wie ich schon mal erzählt habe, werde ich Ende Mai, Anfang Juni nach Deutschland, in die Schweiz, nach Österreich und Frankreich reisen aus Anlass der Veröffentlichung von <a href="https://www.tcboyle.de/werke/ein-freund-der-erde/" rel="noopener"><em>Ein Freund der Erde</em></a> in diesen Ländern, und ich poste Genaueres über die Termine, sobald ich diese habe (der Post vom 15. Februar gibt Euch eine ungefähre Vorstellung vom Zeitplan, und soweit ich weiß, ist der immer noch aktuell. Der Auftritt in Köln ist jedoch ausverkauft, wie ich gehört habe.) Mein deutscher Verleger, der <a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/" rel="noopener" target="_blank">Hanser Verlag</a>, hat mir mitgeteilt, dass <a href="https://www.tcboyle.de/werke/ein-freund-der-erde/" rel="noopener"><em>Ein Freund der Erde</em></a> sehr gut gestartet ist und ein paar starke Rezensionen bekommen hat.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.tcboyle.de/wp-content/uploads/2021/04/news_24i2.jpg" alt="" width="187" height="300" class="alignright size-full wp-image-5883" />&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wir haben uns für ein Titelbild für <em>After the Plague</em> (<a href="https://www.tcboyle.de/werke/schluss-mit-cool/" rel="noopener"><em>Schluss mit cool</em></a>) entschieden, das ich Euch hier vorstelle, ebenso das Foto für den Innenumschlag, das letzte Woche von meinem Freund Pablo Campos geschossen wurde. Für den sehr anregenden Hintergrund sorgt eines von Pablos neuesten Gemälden.<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und während die Nacht voranschreitet und die Grillen langsam lauter und lauter werden, kehre ich nun zu dem zurück, was ich die vergangene Stunde schon gemacht habe: Die Los Angeles Dodgers ohne Ton gucken und dabei mit großer Freude James Atlas‘ Biographie über Saul Bellow lesen, auf die mich eine tolle Besprechung im Harper’s Bazaar vom (letzten?) Monat aufmerkam gemacht hat. Übrigens, was ich am meisten an literarischen Biographien schätze, ist die Schilderung der frühen Jahre künstlerischen Bemühens, Jahre, in denen man die Armut erträgt, in denen man seine Frau schlägt, seinen Hund quält und von Kritikern beschimpft wird, denn ich weiß, schlussendlich wird der Künstler triumphieren, wenn auch nur für einen sehr kurzen, aber unendlich süßen Atemzug der Zeit. Ihr Messagistas, wo Ihr auch sein mögt, <em>guten Abend</em>.</p>
<hr />
<p><span class="note">Im Original erschien der Text am 25. April 2001 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.</span></p>
<hr>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new-25-04-2001/">What&#8217;s New? 25/04/2001</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.tcboyle.de">www.tcboyle.de</a>.</p>
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