Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Das war ein Monat, der es irgendwie geschafft hat, sich so vorbeizuschleichen, dass ich es kaum mitgekriegt habe. Wie diejenigen, die mir auf Twitter folgen, wissen, habe ich etwas für mich sehr Ungewöhnliches gemacht – eine kleine Erholungsreise. Frau B. und ich haben uns, zusammen mit dem Hund, ein paar Tage an der Küste in Zentralkalifornien vergnügt, wir wohnten in einer Unterkunft direkt am kalten, kalten Ozeanstrand, wo es mir gelang, ein paar Lebewesen zu beobachten, die nicht zu meiner eigenen Spezies gehören, was mir immer Freude bereitet, aber ich habe noch nicht einmal den Versuch unternommen, mich auf einem Schaumbrett in die Wellen zu stürzen. Viel zu kalt. In Cambria machte ich, während Frau B. ihrer Leidenschaft frönte, Schätze in Trödelläden auszugraben, einen schönen Spaziergang den Berg hoch zum Cambria-Friedhof (zwei Meilen hin und zurück), wo ich las und mich sonnte und mir ziemlich sicher war, noch nicht zu den Toten zu gehören. Und dann besuchte ich letzte Woche auf Wunsch von aus Florida angereisten Freunden zum ersten Mal den Death Valley National Park (das war tatsächlich mein erster Besuch in einem Nationalpark, mea culpa). Ich bin kein Wüstenliebhaber und wusste nicht, was mich erwartete. Die Fahrt lohnte sich jedoch, ein Canyon nach dem anderen öffnete sich, Salzebenen, Borax-Lagerstätten und Ähnliches, und ich habe glücklich den Tiefpunkt meines Lebens erreicht, etwa 65 Meter unter dem Meeresspiegel. Vielleicht nichts Besonderes für Cousteau, aber für mich eine Riesensache. (Siehe das beigefügte Foto dieses dramatischen Augenblicks.)
     Jetzt zu den Neuigkeiten. Ich habe meinem Lektor bei Ecco die Korrekturfahnen von Die Terranauten zurückgeschickt, und wir haben uns vorläufig auf einen Veröffentlichungstermin im Herbst geeinigt (Wahl? Welche Wahl?). Der Hanser Verlag wird am ersten Februar eine gebundene Ausgabe meines zweiten Romans Grün ist die Hoffnung in Dirk van Gunsterens neuer Übersetzung herausbringen und plant für Januar 2017 die Veröffentlichung von Die Terranauten, während Grasset im März Bernard Turles Übersetzung von Hart auf hart (Les vrais durs) herausbringen wird. Zu diesem Zeitpunkt werde ich nach Paris schwimmen, mit dem Kajak paddeln und mit dem Fahrrad fahren, um Interviews zu geben. Ich weiß noch nicht, ob öffentliche Veranstaltungen geplant sind, aber ich werde es Euch wissen lassen.
     An der Film-Front (übrigens, für diejenigen, die mit diesem Begriff nicht vertraut sind, Filme sind diese Dinge, die so farbenfroh projiziert werden und für die man früher in Lichtspieltheatern bezahlt hat, bevor Urheberrechtsverletzungen dies überflüssig machten), treibt Robert Marciniak sein gewaltiges Projekt voran, Wassermusik zu verfilmen (ein Halleluja der Green-Screen-Technologie), hat Condé-Nast bei der Geschichte Wiedererleben noch mal für einen Spielfilm nachgelegt, hat Amazon die Option für eine Serie nach Grün ist die Hoffnung; und Die Terranauten macht derzeit die Runde, um zu sehen, ob jemand klug genug ist, es zu verfilmen. Auch andere Projekte schreiten voran, und ich werde versuchen, Euch darüber auf dem Laufenden zu halten, während wir uns auf dem Weg in dieses neue Jahr befinden, das sich in Bezug auf Umweltzerstörung und zwischenmenschliche Konflikte nicht wesentlich vom alten unterscheidet, aber darauf möchte ich heute Vormittag wirklich nicht eingehen – ich hebe mir meine Ängste für die neuen Kurzgeschichten auf.
     Von denen ist eine fertig und eine in Arbeit. Die fertige Geschichte heißt Ein Tod weniger und ist eine Art Fortsetzung von Der Marlbane Manchester Musser Preis, da sie ein neues Abenteuer des mürrischen Protagonisten der früheren Geschichte darstellt. Das ist Neuland für mich. Davor war die einzige Fortsetzung Die Affenfrau im Ruhestand, die einige Jahre im Leben von Konrad vorwärts springt, dem Schimpansen mit beeindruckender Intelligenz (und sexueller Potenz) aus Abstammung des Menschen. Ich hoffe, die nächsten Monate mit dem Schreiben von Geschichten verbringen zu können, um die Sammlung mit dem Titel The Relive Box and Other Stories zu vervollständigen, die bisher die fünf Geschichten enthält, die ich geschrieben hatte, bevor ich mich in Die Terranauten vertiefte: Wiedererleben, Diebstahl und andere Sachen, Der Fünf-Pfund-Burrito, Was Wasser wert ist, weißt du (erst, wenn du keins mehr hast) und Die argentinische Ameise (Anmerkung des Übersetzers 2026: alle inzwischen auf Deutsch erschienen in Sind wir nicht Menschen). Die zuletzt genannte Erzählung ist noch nicht im Druck erhältlich, ist aber für die nächste Ausgabe von McSweeney’s geplant. Ich schreibe also neue Geschichten und hoffe, dass genug zusammenkommen um die Sammlung zu vervollständigen, bis ich mit dem nächsten Roman anfange, dessen Bild gerade erst beginnt, in der Ferne vor meinem geistigen Auge aufzuscheinen, wie eine Fata Morgana, die über dem toten, verbrannten Wüstenboden des Death Valley schwebt.
     Zwischendurch werde ich, wenn Ihr verzeiht, versuchen das zu tun, was mir in diesem Leben am schwersten zu fallen scheint: mich zu entspannen.


Im Original erschien der Text am 30. Januar 2016 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.