Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Beate Walz

 

Heute fühle ich mich ein wenig abgespannt und stümperhaft als Folge des Stupor Bowl (ein kleiner Kreis im Boyle-Heim, sehr gesellig, das Spiel nicht wirklich der Rede wert, aber dennoch …), und nun genieße ich die Recherche für meinen nächsten Roman, ohne einen Zeitpunkt in Sichtweite, an dem das eigentliche Schreiben beginnen wird. Ich lese jeden Tag und mache Notizen, meine Handschrift wird von Jahr zu Jahr unleserlicher, so krakelig, dass ich vermutlich Schwierigkeiten haben werde, die Notizen zu entziffern, wenn ich sie brauche. (Mir wurde gesagt, dass eine schlechte Handschrift im Alter oft die Folge von Ungeduld sei – um nicht zu sagen, das Nachlassen der motorischen Fähigkeiten, Gehirnfäule und die Erosion der äußeren Extremitäten – und ich bin geneigt, dem zuzustimmen, da ich wohl der ungeduldigste Menschenaffe des Universums bin.) Wenigstens ist die relative Ruhe der letzten Monate eine Wohltat für mich. Tatsächlich finde ich sogar Zeit, am Kamin zu sitzen und zu lesen – und ich fühle mich (relativ) entspannt, gerade diese Art Entspanntheit, die Kreativität gären lässt. Das hoffe ich inbrünstig.
     Es gibt nicht viel von der Verlagsfront zu berichten, abgesehen von der erfreulichen Nachricht, dass Dr. Sex ins Kroatische übersetzt werden wird, das erste meiner Bücher, dem diese Ehre zuteil wird. Und nun, da die ganze Welt den Atem anhält in Vorfreude auf Talk Talk, halte ich es für eine gute Idee, hier zu wiederholen, was ich bereits diesen Morgen Mimi im Message Board erwiderte, als sie von einem vorzeitigen Blog-Eintrag über das Buch schrieb. Mimi zitierte aus dem Book Page Buzz Blog über den Eindruck meines Verlegers, Paul Slovak, der behauptet, ich hätte mit Talk Talk annähernd einen Thriller (»ein absolut fesselndes Buch«) geschrieben.
     Meine verlegene Antwort darauf: »Na, sowas, alle meine Bücher sind spannend …«, dennoch, die Leute bei Viking – nicht nur Paul, sondern auch alle anderen, vom Verkaufspersonal bis zum obersten Boss – sehen hohe kommerzielle Möglichkeiten, obschon ich denke, Ihr wisst, dass ich nicht in diesem Sinne kalkuliere. Klar, Termination Dust (dt.: Torschlusspuder) ist ziemlich fesselnd, Killing Babies [dt.: Babymörder], On for the Long Haul, und hey, Drop City. Aber in Talk Talk geht es um eine Querfeldeinjagd, den ganzen Weg vom netten kleinen San Roque bis zur Frisco-Bay und dann über das Purpur-Gebirge und durch die goldenen Prärien bis nach Peterskill, New York.

P.S. Und Talk Talk ist mein erstes durchgehend fesselndes Buch seit América (die futuristische Kulisse von Ein Freund der Erde mal nicht mit gerechnet). Über das Buchcover gibt’s zu vermelden: Die Abteilung für künstlerische Gestaltung arbeitet daran, sich etwas Ansprechenderes auszudenken als das Design, das sie für die ARCs gewählt hatten. Bis es soweit ist, präsentiere ich Euch hier das Design Bloomsburys für Talk Talk in U.K.


Im Original erschien der Text am 06. Februar 2006 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Beate Walz.