Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Wie viele von Euch wissen, bin ich gerade von einem zweiwöchigen Aufenthalt in New York zurückgekehrt, wo ich meine neue Agentin Valerie Borchardt, die Tochter von Georges, getroffen habe, die ich schon kenne, seit sie vierzehn war, und die Veröffentlichung von No Way Home bei Liveright gefeiert habe, sowie auch die englische Ausgabe für den europäíschen Markt, die bei meinem langjährigen Verleger, dem Hanser Verlag, erschienen ist. Der Anlass wurde durch den kürzlichen Tod meines besten Freundes, Alan Arkawy, getrübt, den ich kenne und liebe, seit ich dreieinhalb war, und an dessen Trauerfeier ich teilgenommen habe, sowie durch den Tod meines Agenten, Georges Borchardt, der im Januar verstorben ist. Dennoch gab es reichlich Anlass zur Freude, meistens draußen, in der Natur, ich habe für alle, die es interessiert, Fotos davon auf X und Bluesky gepostet. Der Frühling hielt gerade Einzug, und ich war hingerissen von den Farben der Hartriegel-Blüten und dem immerwährenden Anblick der sich entfaltenden jungen Blätter an den Bäumen des Waldes. Zweimal bin ich zu einem Biberteich im Fahnestock Park gewandert (allein, bis auf die Stimmen, die in meinem Kopf drauf los plapperten), einem Ort, der für mich eine besondere und bleibende Bedeutung hat. Apropos Ansturm von Erinnerungen: Ich fühlte mich wie Bergmans betagter Professor in Wilde Erdbeeren, ganz besonders an dem Tag, als ich zu meinen alten Lieblingsplätzen in Peekskill fuhr, vergessene Namen aussprach und mit Geistern redete, während mir die Tränen über die Wangen rollten. Gelebte Erfahrungen, oh ja, in der Tat. Und das Gute daran ist, dass auf uns alle das Grab wartet.
     Aber vergesst das. Verwerft es einfach. Jetzt bin ich wieder zu Hause und arbeite weiter an meinem neuen Roman (was immer ein wahnsinnig optimistischen Unterfangen ist) und streife mit großen Schritten über die weiten Strände im Morgengrauen. Der Himmel war immer bedeckt, es ist kalt, genau nach meinem Geschmack, und heute, nach der Arbeit (und nach einem Interview mit der Lokalzeitung im Vorfeld meines Auftritts im Santa Barbara Kunstmuseum am 28. Mai), wärme ich meine Knochen am Feuer und heize meine Nervenzellen mit einem guten Buch auf. Und wer weiß – vielleicht ist sogar ein Glas Rotwein dabei, um mein erhitztes Hirn zu beruhigen. Wie auch immer, jetzt erstmal Auf Wiedersehen, und bitte, atmet weiter, Ihr alle – und lest weiterhin die Bücher, die es verdienen, von Euch gelesen zu werden.


Im Original erschien der Text am 12. Mai 2026 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.