Von T. Coraghessan Boyle
Deutsch von Ulrich Tepelmann
Nachdem ich die Interviews und die Reisen zur Promotion von No Way Home hinter mir habe, freue ich mich auf die Veröffentlichung der neuen Sammlung, The End Is Only A Beginning, die im März 2027 erscheinen wird (auf deutsch im Juli 2026), und bin mit der Entwicklung des nächsten Romans beschäftigt, was mir jeden Morgen eine ganz neue, geheimnisvolle Bühne eröffnet. Ich schreibe, um der Welt Struktur zu verleihen und herauszufinden, wohin mich eine bestimmte Geschichte führen wird und was sie mir sagen will. An diesem Punkt kann ich nichts weiter über das laufende Projekt sagen, als dass es in der Gegenwart spielt und mit einer Mahnwache vor einem Schlachthof beginnt. Warum kann ich das nicht? Weil es sich durchaus um falsche Informationen handeln könnte und ich erst noch die richtigen Informationen finden muss. Und so starre ich aus dem Fenster, wippe mit dem Fuß im Takt der Musik, die aus dem einzelnen Lautsprecher dröhnt, der mir nach den Verwüstungen durch das Gebiss des neuen Hundewelpen noch geblieben ist, tippe auf der Tastatur herum und hoffe auf die Sorte Visionen, die Heilige in der Wüste erleben. Was heißen soll, ich bin die meiste Zeit verzweifelt.
Politik? Wer hat denn von Politik gesprochen? Ja, vielen Dank auch. Ist es nicht eine große Wohltat, unter einem Regime zu leben, das unermüdlich danach strebt, unser Leben zu verbessern und die Umwelt zu schützen und sich gleichzeitig im Recht fühlt, weltweit Tausende namenloser Unschuldiger zu verstümmeln und zu ermorden? Wenn ich hier mal für einen Moment die Ironie beiseite lassen darf: Ich glaube fest daran, dass wir alle mehr als genug haben von der Brutalität, Dummheit und der Korruption, die Amerika in den vergangenen anderthalb Jahren zu einer Paria-Nation gemacht haben, und dass im November das Blatt beginnen wird, sich zu wenden. (Und reden wir gar nicht erst über den bitteren Witz, dass das derzeitige Regime die Feierlichkeiten zum zweihundertfünfzigsten Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung leitet. Ha! Ich will Freiheit oder, oder was? Rum. Ich will Rum, und zwar reichlich.)
Was das oben angesprochene Hundegebiss angeht, so kann ich Euch sagen, dass wir versucht haben, die Lücke zu füllen, die der Tod des alten Hundes hinterlassen hat – der Welpe schläft gerade zu meinen Füßen, während ich diese Mitteilung an Euch schreibe. Es ist ein Puli, genau wie sein Vorgänger, und wir haben einen Ausflug mit der ganzen Familie zu einer Farm in Atascadero unternommen, um ihn abzuholen. Er hat ein kräftiges Gebiss und die Energie, die aus unbändiger Freude kommt, und es kümmert ihn kein bisschen, was in Washington, D.C., passiert. Wenn er es auf irgendeine Weise wüsste, würde er wohl einfach sein Bein heben und auf das Ganze pissen.
Im Original erschien der Text am 06. Juni 2026 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.
