Von T. Coraghessan Boyle
Deutsch von Ulrich Tepelmann

Findet Ihr es nicht auch supergeil, in einer Diktatur statt in einer Demokratie zu leben? Das Beste ist, wir brauchen uns nicht darum zu kümmern, wie wir alles vermasseln – das macht ein engagiertes Team für uns, unermüdlich, 24/7. Mussolini sorgte dafür, dass die Züge pünktlich fuhren, und dann richtete er das Land zugrunde; unser gegenwärtiges Regime ist unverzüglich direkt zur Sache gekommen, indem er sich nicht um Probleme der Infrastruktur kümmerte zugunsten reiner, hell strahlender, ungezügelter Zerstörung. Könnt Ihr euch noch an die ulkigen, ach so naiven Zeiten erinnern, als die Abgeordneten, die Exekutive und der Oberste Gerichtshof einen Eid darauf schworen, die Verfassung und den Rechtsstaat zu achten? Als die Regierung nicht um ihrer selbst willen da war, sondern für die Bürger, die sie eingesetzt hatte? Wieviel besser ist es doch jetzt, wo der Präsident nach Gutdünken regiert und er und seine Partei, alle Zeit und Energie dazu verwenden, die nächste Wahl zu untergraben. Unser Präsident steht nicht einfach über dem Gesetz, er IST das Gesetz, und das macht alles für uns alle so viel leichter. Also wirklich, ich meine, warum sich zanken wegen solch unbedeutender Dinge wie gleiche Rechte für alle, Wahlentscheidungen und Briefwahlunterlagen?
Ich warte. Wir alle warten. Und unterdessen mache ich das, was ich immer gemacht habe, ich schreibe Geschichten (zwei von ihnen handeln von der gegenwärtigen politischen Situation) und den nächsten Roman, der jetzt ungefähr zur Hälfte fertig ist. Die neue Geschichtenband heißt, wie ich hier bereits angekündigt habe, Das Ende ist nur ein Anfang, nach der Geschichte aus The New Yorker, und wird hier im März 2027 bei Liveright/Norton herauskommen. Bis zu dem Zeitpunkt des Erscheinens, das hoffe ich inbrünstig, wird mein satirischer Blick auf das gegenwärtige Regime (2036) durch die Wahlen im November hinfällig geworden sein. Auf alle Enden und Anfänge!
Ciao.
Im Original erschien der Text am 31. August 2026 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.
