Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Beate Walz

 

Sonntagmorgen im sonnigen Santa Barbara, für heute Abend wird Regen erwartet. Überall Vögel, die kleine Zweiglein aus den Bäumen sammeln, anpirschende Katzen. Die Erde dreht sich weiter – ich kann es fühlen, durch meine Socken und die Sohlen meiner Schuhe, den Boden, das Fundament, den Staub der Jahrhunderte, die Kontinentalplatten, den Erdmantel bis hinunter zum geschmolzenen Kern. Und ich? Mache mir Notizen, lese, hoffe auf Eingebung bezüglich Struktur, während ich auf Nachricht über die Anordnung der letzten neuen Story warte.
     Bald gehe ich wieder auf Reisen. Über die Frühjahrsferien werde ich einen Recherchetrip in den kühlen mittleren Westen einlegen, und im April werde ich am Harpers College in Chicago lesen und an der Universität von Minneapolis (jeweils am 10. und 11.), und ich habe mein jährliches Erscheinen beim L.A. Times Book Festival für einen Solo-Auftritt (mit einer Einleitung von der unvergleichlichen Sandra Tsing Loh) am Sonntag, den 30. April, um 2.30 Uhr nachmittags. Und ja, ich bin froh, dass es nicht 2.30 Uhr am Morgen ist. Natürlich erinnert mich die Erwähnung der unerwähnbaren Stunde an die Zwanzig-Stunden-Lesung für die Förderung des Iowa Review, circa ’74 oder ’75, in einer Buchhandlung in Iowa City. Halb Drei Uhr morgens war die begehrteste Zeit, soweit ich mich erinnere, weil die Bars dann schlossen und wir einen speziellen Anreiz für all die Literatur-Liebhaber da draußen anboten: Zwei Biere vom Fass. Die düsteren Stunden des Morgengrauens wurden von Joe Haldeman und seinen SciFi Kreuzfahrern ausgefüllt, und wenn der Workshop-Direktor (Jack Legget) hereinkam, um bis elf oder so zu lesen, dann lagen haufenweise Körper herum, verstreut wie übergekochte Pasta. Mindestens einer redete im Schlaf.
     Aber ich schweife ab. (Absichtlich. Um Euch zu unterhalten.) Für den Rest meines Wanderjahres kann ich meine erneute Anwesenheit beim New York Festival bestätigen (am 6. Oktober) und – was eine große Freude sein wird, da ich zu alten und geschätzten Lieblingsplätzen zurückkehren kann – die Tomales Bay Workshops Ende Oktober. Die Lese-Tour zu Talk Talk ist nun zusammengebraut, und wie gesagt, ich versuche sie kürzer zu gestalten als die vergangenen Touren, hauptsächlich weil ich diesen Sommer und Herbst mehr Zeit für mich haben möchte, um mit dem neuen Roman voranzukommen. Sobald mir ein Tourplan vorliegt, werde ich ihn hier bekanntgeben, aber ich weiß bereits, dass die Tour Mitte Juli in New York beginnen wird.
     So. Das war’s fürs Erste. Falls Ihr derweil eine Literaturdröhnung braucht: Frage 62 ist in der aktuellen Ausgabe des Harper’s, und neue Arbeiten sollten in Kürze in McSweeney’s und Playboy erscheinen.

P.S. Das beigefügte Foto stammt vom Freitags-Shooting in meinem Büro bei der USC. Milo stand hinter der Digitalkamera. What fun, eh?


Im Original erschien der Text am 05. März 2006 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Beate Walz.