Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Beate Walz

 

Die letzten zwei Wochen waren so voll wilder Geschäftigkeit, dass ich mich nun glücklich den Recherchen für den nächsten Roman widmen kann. (Was zugleich bedeutet, dass ich die Kurzgeschichten einstweilen beiseite gelegt habe; und nein, eine siebente Story hat sich mir nicht enthüllt, sodass wir uns mit den sechs bereits beendeten Storys begnügen müssen, die zwischen der Fertigstellung von Talk Talk und den unausgegorenen Ideen für das nächste Projekt entstanden sind: Frage 62, Die unglückliche Mutter von Aquiles Maldonado, Hände, La Conchita, Balto und Admiral). Die starken Neujahrsregenfälle waren mächtig willkommen, in den Sierras erschwerten sie jedoch manches. Zwar war ich am Neujahrstag noch daheim, ging aber schon am Dienstag, den 3. Januar, zurück auf den Berg. Ich gedachte, ein paar Tage grübelnd im verschneiten Massiv zu verbringen. Es gab lediglich das Problem, dass der Sturm einen Stromausfall verursacht hatte (und aus diesem Grund eine wesentliche Annehmlichkeit in der eingeschneiten Blockhütte fehlte: Wärme). Also bestückte ich den Kamin, ging früh zu Bett, weil ich bei dem schwachen Licht der Laterne nicht lesen konnte, stand früh um Fünf auf, um festzustellen, dass die heldenhaften Jungs des Stromversorgungsunternehmen weit von der Erledigung ihrer Aufgaben entfernt waren, und entschied daraufhin, zu packen und den Sequoias Lebewohl zu sagen. (Wörtliches Zitat vom Cowboy-Hut tragenden E-Werk-Burschen, dessen weißer Truck meine wandernde Gestalt zuerst erreichte auf dieser weniger als eine Fahrspur schmalen und von Schneewällen gesäumten Straße: »Hüte dich besser vor dem Alten im Pickup; er sieht nicht mehr gut und du bist ganz in Schwarz gekleidet.«) Letzte Woche war ich im Tonstudio, um eine neue, ungekürzte Fassung von América für Blackstone Audio aufzunehmen, ein befremdliches und zugleich erheiterndes Projekt. Befremdlich, weil ich das Buch seit elf Jahren nicht mehr gelesen hatte und seine vielfältigen Drehungen und Wendungen mich zu überraschen drohten – ich las weiter, pro Nacht hundert Seiten, um zu den Studio-Sitzungen vorbereitet zu sein. Erheiternd war es, weil die Story mich wieder zu packen begann.
     Kommen wir zu den literarischen Neuigkeiten: Gerade erhielt ich die ARCs (Advance reading copies, unkorrigierte Proofs in kleiner Auflage) für Talk Talk zurück, weit vor dem Erscheinen des Romans in den USA am 6. Juli. Der Viking Verlag ist sich ziemlich sicher, dieses Datum einhalten zu können und hofft, frühzeitig Begeisterung für das neue Werk zu wecken. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird der Verlag 5.000 Exemplare vorab drucken lassen. In England hat der Bloomsbury Verlag soeben Zähne und Klauen veröffentlicht. Eine der ersten Rezensionen, erschienen in der Times, klang schwärmerisch. (Natürlich lese ich nur die positiven Kritiken). In den Niederlanden hat Anthos gerade seinen Frühjahrskatalog herausgebracht, in dem die die ersten vier Seiten Talk Talk gewidmet sind. Veröffentlicht werden soll der Roman hier bereits im Mai 2006, also noch vor der amerikanischen Originalausgabe. Auf zwei weiteren Seiten des Anthos-Kataloges werden – vereint in einer Ausgabe América und World’s End (De Tortillagrens und Duyvels End) vorgestellt. Der Doppelband wird für weniger als 15 Euro zu haben sein. Frisch bei mir eingetroffen sind die Litauer Verträge für Dr. Sex, Verleger ist Alma Littera in Vilnius. Ebenfalls zurück sind die Korrekturen für Frage 62 von Harper’s. Ich werde versuchen, Euch zu benachrichtigen, wenn diese Arbeiten – und die vielen anderen Übersetzungen – erscheinen.
     Film-Neuigkeiten: Ich hörte, dass die Verfilmung meiner Kurzgeschichte Achates McNeil bei Hart-Sharp Entertainment weitergeht, und dass das Interesse am Projekt América wieder aufflammt. Wie ich schon im Forum erwähnte, hat sich Universal Pictures die Filmrechte an Talk Talk gesichert, obwohl das bisher noch nicht offiziell bestätigt wurde, verbindlich ist jedoch Gary Fleder als Regisseur. Debra Winger hat vertraglich zugesagt, Drop City als Spielfilm zu produzieren. Ich werde mehr von diesen Projekten berichten, wenn deren Entwicklung voranschreitet, und ich hoffe, die Filmdaten auf meiner Website aktualisieren zu können, wenn ich den gerade weitgehend versprengten Technischen Stab für ein paar Tage zu fassen bekomme.
     Darüber hinaus erwarte ich, in Kürze Genaueres über die amerikanischen Tourdaten für Talk Talk im Juli sagen zu können – ich bat dieses Mal um eine kürzere Route, weil ich ganz einfach erschöpft bin von den vielen Reisen und Buchvorstellungen der letzten zehn und mehr Jahre. Deshalb lautet mein Wunsch, das Ganze auf eine 7-Städte-Tour zu begrenzen. Zur Zeit weiß ich noch nicht, welche Städte das sein werden und ob die Zahl der Auftrittsorte noch aufgestockt wird, was ich aber nicht hoffe. Ich weiß sehr wohl, dass Ihr alle wollt, ich möge auf Bühnen in Eurer Nähe auftreten, doch dieses Mal, dieses eine Mal, möchte ich mir ein wenig Zeit für mich selber nehmen, nicht nur, um für den neuen Roman zu recherchieren und mit dem Schreiben zu beginnen, sondern auch, um der Recherche wegen – wieder einmal – den glorreichen mittleren Westen zu bereisen.
     So. Genug geplappert. Seid versichert, dass meine Unterwäsche sauber ist und auch meine Socken, und dass die Sonne nur fahl und frostig scheint und der Himmel mit Wolken bedeckt ist, jetzt, da ich Euch ein herzliches Lebewohl sage und zurück an meinen Schreibtisch kehre, an meine Lektüre und die sorgfältig abgefassten handschriftlichen Notizen, die ich wegen meiner Sauklaue selber kaum entziffern kann.

P.S. Beim oben abgebildeten Foto handelt es sich um das Cover der Anthos-Ausgabe von Talk Talk.


Im Original erschien der Text am 17. Januar 2006 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Beate Walz.