Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Ich war gerade zwei Wochen in den Bergen und freue mich schon darauf, wieder dort zu sein, immer wieder rauf und runter, die ganze zweite Septemberhälfte hindurch. Was ich da oben mache? Den Trubel der Gesellschaft und seiner Maschinerie hinter mir lassen, um in die Natur einzutauchen (und sie Euch auf Twitter zu präsentieren), einschließlich eines wunderschönen Fotos von Bärenexkrementen, das ich geschossen habe, als ich staunend durch den tiefen, dunklen Wald gewandert bin, und sie waren durchsetzt mit einem zerkleinerten Müllsack aus schwarzem Plastik. Das alles kann man eine Pause nennen, oder auch eine Möglichkeit, schon mal den nächsten Roman vorzubereiten, was in der Anfangsphase unter anderem bedeutet, intensiv bestimmte Texte zu lesen und jede Menge Notizen anzufertigen. Wenn ich Glück habe, wird mich diese Vorgehensweise zu Thema und Handlungsfaden der Geschichte führen, die ich Euch dann schließlich erzählen werde.
     Ich habe die neue Sammlung The Relive Box and Other Stories bei meinem Lektor im Ecco Verlag abgeliefert und einen Tag später meine Sachen ins Auto geschmissen, um die vier Stunden hoch auf den Berg zu fahren, wo ich sehr erfreut war, den See, der letztes Jahr zu einem Drecksloch eingetrocknet war, einigermaßen voll zu sehen. Jedenfalls voll genug, um darin zu schwimmen. Trotz der Tatsache, dass in Bakersfield vielleicht 43 Grad Celsius herrschten, war es auf dem Berg doch so kalt, dass ich an manchem Morgen ein Kaminfeuer anmachen musste, und der erwähnte See war, als die langen, kräftig schlagenden Arme des Schwimmers die Oberfläche einmal aufgewühlt hatten, so kalt wie der Atlantik in der Höhepunkt-Szene des Films Titanic. Genau so soll es sein. Ich kann nur beten, dass der See nicht wieder austrocknet, bevor die Regenzeit ihn wieder auffüllt.
     Nach etwa einer Woche, nachdem ich bei allen meinen Lieblingsplätzen gewesen war (siehe die Fotos auf Twitter) fuhren Frau B. und ich den Berg hinunter in die Metropole Kernville, wo wir einige Neuheiten genießen durften: Einrichtungen, die Lebensmittel und Benzin im Austausch gegen schnöden Mammon vorhielten, und diesen lebensnotwendigen Service, der für die Gesellschaft, in der wir jetzt leben, so nötig wie Sauerstoff geworden ist: WLAN. Als ich die 6413 E-Mails überflog, die sich während meiner Abwesenheit angesammelt hatten, freute ich mich sehr über eine Nachricht von meinem Verlag, die mich darüber in Kenntnis setzte, dass Hart auf hart mit dem Preis »Mark Twain Voice in American Literature« ausgezeichnet worden war. Wie ich schon früher erwähnt habe, erfüllt mich solch eine Anerkennung mit größter Genugtuung – ganz zu schweigen von der Resonanz, die meine Arbeit hier und bei den Lesern weltweit erfährt. Ich danke Euch allen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist mir das Datum der Preisverleihung übrigens noch nicht bekannt, aber vorläufig ist der 26. September in New York geplant. Ich werde Euch ganz sicher die Details mitteilen, sobald sie feststehen.
     Das Gleiche gilt für die Tournee für Die Terranauten, die einen Monat später beginnen wird. Ich werde den endgültigen Zeitplan mit Auftrittsorten und Zeiten posten, wenn die Tour näher rückt, und werde auf dieser Seite einen Auszug aus dem Buch hochladen (das erste Kapitel, mit dem Titel Dawn Chapman, wird in der Zwischenzeit in Narrative erscheinen). Die nächste Neuigkeit, jetzt im Moment, ist, dass der Deal für die Kabel-Fernsehserie von Die Terranauten abgeschlossen worden ist – ich kann noch keine Details nennen, aber achtet auf die Presseverlautbarungen, wenn die Verträge dann unterzeichnet und zugestellt worden sind. Ich kann sagen, dass ich die beteiligten Darsteller sehr schätze und respektiere und große Hoffnungen auf die Serie setze. Was die neuen Kurzgeschichten angeht, so sind sie jetzt im Umlauf, und ich werde Euch informieren, wo und wann sie erscheinen, während die Zeit fortschreitet und die große wässrige und verkrustete Erdkugel sich immer weiter dreht.
     Soweit erstmal. Bleibt bitte dran für weitere Aktualisierungen.

P.S. Anstatt mich mit dem oben erwähnten Foto von Bärenkot zu verabschieden, zeige ich Euch lieber ein beeindruckenderes Bild (oder weniger beeindruckendes, abhängig von Eurer Sichtweise) des Flusses Kern bei Sonnenuntergang, aufgenommen von der Terrasse der Ewings an einem Abend in der letzten Woche.


Im Original erschien der Text am 21. August 2016 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.