Von T. Coraghessan Boyle
Deutsch von Ulrich Tepelmann
Es fällt mir schwer, hier in den von der Sonne durchtränkten Tagen eines trockenen Januar optimistisch zu sein, wenn mein Land von den Rüpeln des Präsidenten verwüstet wird und mein Halt und mein Beschützer für mehr als fünfzig Jahre gestorben ist. Georges Borchardt war seit dem College mein Agent und hat dreiunddreißig meiner Bücher im In- und Ausland bis zum Druck geführt. Mehr noch: Da er kurz nach dem Tod meines Vaters in mein Leben trat, war er ein Vater für mich. Georges war einer der brillantesten, großzügigsten und geistreichsten Menschen, denen ich je begegnet bin, und er war immer auf meiner Seite – normalerweise gehe ich nicht ans Telefon, aber wenn Georges anrief, nahm ich immer ab, da er mir ausnahmslos gute Nachrichten überbrachte. Vor zwölf Jahren, bei der Hochzeit meines Sohnes in New York, sagte ich Georges, er sei auf dieser Welt jemand, der einem Vater am nächsten komme, er widersprach mir und dankte mir dafür, dass ich so empfand. Aber weil er ein schlauer Kerl war, schickte er ein paar Minuten später seine Frau Anne zu mir, ich stand gerade bei einer anderen Gruppe von Gästen, und sie tippte mir auf die Schulter und sagte: „Georges hat nochmal darüber nachgedacht: Er möchte lieber dein großer Bruder sein.“ Ich bin in vielerlei Hinsicht gesegnet und dass ich Georges traf, vergleiche ich mit meiner Begegnung mit Frau Boyle (damals Fräulein K.), als ich studierte, oder als ich in Tujunga Griff Stevens traf, so dass ich mir mit den Ventilators die Seele aus dem Leib schreien konnte (siehe meine Version von I Put A Spell On You auf tcboyle.com zur Verdeutlichung. Und zu Eurer Freude. So etwas können wir gerade jetzt wirklich gut gebrauchen.)
Optimismus? Nun, ich bleibe bei Georges Borchardts Firma, die jetzt von Georges‘ und Annes Tochter Valerie geleitet wird, und im April kommt ein neuer Roman von mir heraus (No Way Home) und im nächsten Jahr eine neue Sammlung von Kurzgeschichten (The End Is Only A Beginning); außerdem werden wir alle im November zur Wahl gehen und einen ersten Schlag unternehmen, um einen Regierungswechsel herbeizuführen. Der Pflaumenbaum stehen in voller Blüte. Die Hügel sind grün. In etwa einer Woche könnte der Regen kommen.
Im Original erschien der Text am 27. Januar 2026 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.
