Von T. Coraghessan Boyle
Deutsch von Ulrich Tepelmann

Das Frühjahr ist da. Die einzige Kaulquappe, die sich letzten Sommer zum Frosch entwickelt hat, behauptet ihre Dominanz im Teich, fängt und verschlingt die kleinen Goldfische, die Agave vor dem Haus steht in voller Blüte und ist voller Pollen, und die Kolibris haben ihr Nest im dichten Laub direkt vor dem Schlafzimmerfenster gebaut. Letztes Jahr wurde ihr Nest vor dem Küchenfenster geplündert und umgeworfen, sie verloren ihre Eier; dieses Jahr haben sie ihr Nest sechs Meter höher gebaut. Wird das die Ratten abschrecken? Ich hoffe es. Gestern bin ich unter einer weitgehend ungetrübten Sonne bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius Kajak gefahren. Fühlte sich an wie im Sommer – sogar heißer als im Sommer – aber ich habe nicht einmal in Erwägung gezogen zu schwimmen. Die Wassertemperatur wird nicht vor Ende Mai oder so (für mich) schwimmbar sein, obwohl die Seehunde damit anscheinend kein Problem haben. Sie ziehen sich hoch auf den Köderkahn im Hafen und rekeln sich auf dem Rücken liegend, um ein wenig Sonne zu tanken, wenn sie nicht gerade unterwegs auf der Suche nach Frühstück, Mittag- oder Abendessen sind. Und die Pelikane? Sie versammeln sich zu Hunderten auf der Sandbank am Ende der Mole – ich liebe es, wenn sie auf der Höhe meines Kajaks fliegen und meinen Weg kreuzen und rücksichtsvoll mit ihrem Stuhlgang warten, bis sie vorbeigeflogen sind. Was will ich damit sagen? Das Frühjahr ist da.
Ich freue mich auf das L.A. Times Book Festival im April, bei dem der neue Roman, No Way Home, hier in Amerika vorgestellt wird. Unmittelbar danach werde ich nach New York reisen, um für das Buch zu werben, meine Verleger und Agenten zu besuchen und an der Gedenkfeier für meinen ältesten und liebsten Freund, Alan Arkaway, teilzunehmen, der am 1. November verstorben ist. Inzwischen habe ich die Korrekturfahnen für die Sammlung The End Is Only A Beginning fürs nächste Jahr an den Verlag zurückgeschickt, und bin schon gut drin im nächsten Roman, von dem ich nur sagen kann, dass ich fünfzig Seiten geschrieben habe und gespannt bin wie ein Flitzebogen.
Hier ist es also Frühling, und wenn ich Ende April in New York bin, wird es dort auch Frühling sein, und wenn ich durch den Fahnestock Park streife, bin ich bereit, die Zecken und die Bremsen zu füttern, und ich werde für Euch festhalten, welche Höhepunkte die Natur bietet. Genießt es. Feiert. Küsst die Sonne.
Jetzt erstmal Ciao.
Im Original erschien der Text am 28. Februar 2028 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.
