Von T. Coraghessan Boyle
Deutsch von Ulrich Tepelmann
Heute arbeite ich, während im Hintergrund die Kettensägen ihre Musik machen. Der Klimawandel macht die Sommer länger und heißer, was bedeutet, dass die Pflanzen jetzt schon vertrocknet sind, und obwohl es keine Möglichkeit gibt, das Feuer aufzuhalten, sollte es sich auf Grund der Launen des Windes entschließen, hierher zu kommen, um uns zu verschlingen, so versuchen wir trotz alledem, mit unseren geringen Mitteln, dem zuvorzukommen. Unser Haus ist von dichtem Wald umgeben. Es ist selbst ganz aus Holz gebaut. Als wir vor vierunddreißig Jahren eingezogen sind, haben wir das Holzdach durch Schindeln aus Verbundstoff ersetzt, die sowohl in Schnitt wie in der Färbung ganz wie das Originalholz aussehen, und wir schneiden die Bäume jedes Jahr zurück, weg vom Haus, aber diesmal fällen wir einige von ihnen, die zu nah am Haus stehen (darunter eine Avocado). Ein Autor, den ich sehr mag, schrieb im Jahr 2000 einen Roman, der in das absurd weit in der Zukunft liegende Jahr 2025 blickte und der das Klima, das zwischen Überschwemmungen und Waldbränden pendelt, zum Thema hatte. Jetzt erleben wir es hautnah. Jedes Mal, wenn ich eine Sirene höre, hoffe ich, dass sie von einem Krankenwagen stammt und nicht von einem Feuerwehrwagen. (Menschen sterben an Herzinfarkten, das ist schlimm genug, aber diese Bäume und dieses Haus sind Stützen für meine Seele.)
Und so singen die Kettensägen, und ich beiße die Zähne zusammen, meine Arbeit kommt ins Stocken und die Äste fallen zu Boden, und ich hoffe auf das Beste. Lest dazu bitte meine Romane América und Ein Freund der Erde, und auch die Kurzgeschichte Aschermontag, um eine genauere Vorstellung von den Auswirkungen des Klimawandels hier im »Golden State« Kalifornien zu bekommen und wünscht mir das Allerbeste in dieser von Zufällen regierten Welt. Wünscht mir Glück. Oder, noch besser, wünscht mir Regen.
Im Original erschien der Text am 31. Juli 2026 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.
