Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Beate Walz

 

Ich habe mir gerade überlegt, eine kleine Mittagspause einzulegen und Euch wissen zu lassen, was ist und was war in den letzten Wochen. Also, wie geht’s? Ich glaube, da muss ich sagen: ça va. Es geht so. Nicht schlecht, nicht gut. Morgens aufstehen, abends ins Bett, dazwischen arbeiten. Another day older and deeper in debt/Saint Peter don’t you call me ‚cause I can’t go/I owe my soul to, to, to? (Wieder ein Tag älter und tiefer in Schuld/Heiliger Petrus, ruf mich nicht, denn ich kann nicht folgen/Hab‘ meine Seele verpfändet an, an, an?) Und was war? Nun, wie schon im Message Board berichtet, hatte ich eine Menge Spaß, sowohl in der Universität von Minnesota als auch in der Harper Hochschule, während ich zur gleichen Zeit daran erinnert wurde, was das erste Frühlingserwachen ausmacht. Schlammlawinen, pralle kleine Knospen stecken an den Bäumen, der Dreck des Winters hat sich an ihren Stämmen darunter angesammelt. Doch die Temperaturen waren annehmbar, im Gegensatz zum kleinen Trip in den Mittelwesten über die Osterferien. Dort – o Gott, o Gott – war ich verdammt nahe daran, zu erfrieren. Ja, ich hatte Thermalunterwäsche an, Pullover, Kapuzenhemd und Lederjacke, aber Madison und Chicago können im März wie eine Mini-Arktis erscheinen (8 Grad Celsius tagsüber mit einem Wind, sechstausend Meilen die Stunde; mein Brustkorb gefror zur Konsistenz von Softeis und brachte mich um mein Phlegma für wenigstens drei Wochen).
     »Was hat all das zu bedeuten?«, fragt Ihr Euch vielleicht. »Wo ist die Neuigkeit?« Die Neuigkeit ist, dass ich bisher noch nicht den neuen Roman angefangen habe. Ich wühle mich noch immer durch unentzifferbare Notizen, brütend, raufe meinen Bart, warte auf den günstigen Moment und den Geistesblitz mit dem Strahlenkranz der Eingebung. Eine weitere Neuigkeit ist, dass Dana Halters Wild Child sich in die gerade veröffentlichte 19. Ausgabe von McSweeney’s geschlängelt hat, und dass ich beabsichtige, meinen Verpflichtungen zum L. A. Times Book Festival nächsten Sonntag nachzukommen, am 12. Mai in Santa Fe für die Lannan Stiftung und hier in Santa Barbara am 22. Mai für Speaking of Stories. Ich finde dennoch, dass eine Menge Zeit dazwischen und hernach ist, in welcher ich am neuen Projekt weiterarbeiten kann, selbst wenn sich in dieser Woche die Interviews zu häufen beginnen und die erste Rezensionen von Talk Talk auftauchen wird (im Publisher’s Weekly, nehme ich an. Sie endet so: »Boyle, immer risikobereit, händelt geschickt das Katz-und-Maus-Spiel zwischen der gehörlosen Protagonistin und dem Bösewicht, einem Gourmet-Koch … Während Dana und Bridger ihren Hürdenlauf kreuz quer durch das Land und über alle Berge bewältigen, lässt Boyle Weisheit im Signatur-Stil eintropfen, und die Leser werden ihnen dicht auf den Fersen sein.«) Ich vermute, wenn mein rechter Arm (my scribbling arm, einer der beiden Gliedmaßen, die ich zum Tippen verwende) nicht so schmerzen würde wie eine fortwährende Zahnbehandlung, wäre alles in Ordnung, aber ich musste mir ja unbedingt den Muskel am Ellenbogen zerren (fragt nicht) und in eine aussichtslose Physiotherapie geraten.
     So sieht es also aus. Ein wenig Licht, ein wenig Dunkelheit. Das Einzige, was ich mir eventuell vorstellen könnte, jetzt zu tun, ist, hinaus in den Garten zu gehen und ein paar Löcher zu graben, um sie dann schnellstens wieder zu füllen – nur um den Kopf frei zu bekommen und die Ganglien und Neurotransmitter ein wenig zu straffen. Man sieht sich.


Im Original erschien der Text am 25. April 2006 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Beate Walz.