Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Wie die unter Euch, die mir auf Twitter folgen, wissen werden, habe ich gerade die zwölfte – und letzte – Kurzgeschichte fertiggestellt, die die neue Sammlung The Relive Box and Other Stories komplettiert. Sie trägt den Titel Der Beauftragte und schildert die Lage eines der vielen Opfer der nigerianischen Scam-Mails. Jetzt ist die Zeit gekommen, ein wenig zu lesen, um das Thema und den Schauplatz des nächsten Romans zu finden, obwohl das Ganze natürlich noch Zukunftsmusik ist. Einstweilen feile ich noch an den Geschichten und bringe sie in die Reihenfolge, in der ich sie euch präsentieren will. Bis jetzt sieht es so aus:

  • Wiedererleben
  • Bombig
  • Diebstahl und andere Sachen
  • Der Fünf-Pfund-Burrito
  • Die argentinische Ameise
  • Ein Tod weniger
  • Surtsey
  • Was Wasser wert ist, weißt du (erst, wenn du keins mehr hast)
  • Der Beauftragte
  • Jesus der Krieger
  • Sind wir nicht Menschen?
  • Der Flüchtling

(Auf Deutsch finden sich die Geschichten in dem Band Sind wir nicht Menschen, neben einigen anderen, die im Original in T.C. Boyle Stories II erschienen sind.)

     Wenn Euch einige dieser Titel unbekannt vorkommen sollten, so ist das ja klar: Nur eine der sieben neuen Geschichten ist bis jetzt im Druck erschienen (Der Flüchtling in der Ausgabe vom 4. Juli von The New Yorker). Aber das alles hat keine Eile, denn das Buch wird höchstwahrscheinlich nicht vor Ablauf von vielleicht anderthalb Jahren herauskommen, wenn man bedenkt, dass Die Terranauten im Oktober erscheint, und das hat zeitlich Vorrang. Übrigens wird die erste Vorabrezension, wie man mir sagt, am 1. August in Booklist zu lesen sein.
     Während ich diese Kurzgeschichten fertigstelle, muss ich sagen, dass ich Anfang des Jahres wirklich verzweifelt war, weil ich nichts auf die Reihe kriegen konnte. Nach dem ganzen Stress im letzten Herbst, um Die Terranauten abzuschließen, habe ich wohl nicht die Energie und die Begeisterung aufbringen können, die für die diversen Wandlungen beim Schreiben von Kurzgeschichten nötig sind, ganz zu schweigen von der geistigen Anstrengung. Langsam und unter Schmerzen kam die erste der neuen Geschichten zum Vorschein (Ein Tod weniger), und erstdann ging es wieder bergauf. Was ich mit dieser Sammlung schaffen wollte, war, zumindst in Teilen, eine Rückkehr zu der Sorte von übermütigen, verrückten Geschichten, die die frühe Phase meiner Tätigkeit beherrschten. Warum? Einfach, damit sich was ändert. Ihr findet hier Realismus und Dramatik (Der Flüchtling; Surtsey; Der Beauftragte), aber auch jede Menge wildes, komisches und surreales Zeug (hier vor allem zu nennen: Sind wir nicht Menschen?, meine Vorstellung davon, wohin uns die CRISPR-Technologie innerhalb von zwanzig Jahren führen wird). Ich werde Euch informieren, wenn diese Geschichten in Zeitschriften erscheinen.
     Hier sind die Tourdaten für die Amerika-Tournee für Die Terranauten, so wie sie mir im Moment vorliegen:

  • 7.10.: Denver, MIPBA (Booksellers‘ Convention)
  • 24.10.: Boston, Brookline Booksmith
  • 25.10.: Washington D.C.: Politics and Prose
  • 26.10.: New York City, New York Public Library
  • 27.10.: Seattle, Town Hall
  • 28.10.: Portland, Powell’s
  • 29.10.. Sacramento
  • 30.10.: San Francisco, Sunday at the Chapel
  • 1.11.: L.A., Public Library
  • 3.11.: Phoenix, Changing Hands Bookstore
  • 4.11.: St. Louis, County Library
  • 5.11.: Austin, Texas Book Fest
  • Daten stehen noch nicht fest: Santa Barbara Art Museum; Miami Book Fair

     Mein Publizist beim Hanser Verlag sagt mir, dass die deutsche Tournee im Februar stattfinden und sich diesmal auf Deutschland beschränken wird, inklusive Berlin und München, und die auch Holgers Heimatstadt Braunschweig einschließt, wo ich bisher noch nie war (glaub‘ ich jedenfalls).
     Und schließlich, wie ich kurz auf Twitter geschrieben habe, hab‘ ich gemischte Gefühle, nun, da ich die neue Kollektion fertig habe. Einerseits bin ich glücklich, dass mein siebenundzwanzigstes Buch in trockenen Tüchern ist und Euch bald präsentiert wird, andererseits bin ich auch niedergeschlagen, weil ich die Aufregung, die im Schreiben liegt, für eine Weile nicht erleben kann. Sicher, die Recherche und auch zu beobachten, wie ein verschwommenes Szenario langsam Form annimmt, begeistert mich ebenfalls, aber es gibt nichts, nichts auf der Welt, das so ist wie der Moment, in dem ich in die Welt der Geschichte selbst eindringe. Die letzten beiden Geschichten – Sind wir nicht Menschen? und Der Beauftragte – entstanden so schnell und flüssig, als ob ich mich in einem Traum befände. Okay. Klar. Nun ist es Zeit aufzuwachen.


Im Original erschien der Text am 27. Juli 2016 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.