Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Wenn ich mir mein Geburtsdatum hätte aussuchen können, dann hätte ich dieses gewählt. Der Geburtstag würde sich nur alle vier Jahre blicken lassen, ich wäre immer noch ein Teenager, übersät mit Akne, während mein Adamsapfel wächst und wächst. Von Nachteil wäre es natürlich, dass ich mich gezwungen fühlen würde, wieder einige der fragwürdigen Verhaltensweisen dieser Lebensphase an den Tag zu legen, wie zum Beispiel mörderischen Fahrstil, exzessives Herumexperimentieren mit bewusstseinsverändernden Substanzen, und ich würde mir ständig den Kopf einschlagen an den scharfen Kanten dieser Welt. Der Ich-Erzähler von Greasy Lake drückt es so aus:

»Es gab eine Zeit, da Höflichkeit und eine gewinnende Art aus der Mode kamen, da es gut war, böse zu sein, da man seine Dekadenz wie einen Geschmack kultivierte. Damals waren wir alle gefährliche Burschen. Wir trugen zerrissene Lederjacken, lungerten mit Zahnstochern im Mund herum, schnüffelten Klebstoff und Äther und etwas, wovon jemand behauptete, es sei Kokain. Wenn wir die jaulenden Kombis unserer Eltern auf die Straße jagten, hinterließen wir einen Streifen Gummi von der Länge eines halben Häuserblocks. Wir tranken Gin und Traubensaft, Tango, Thunderbird und Bali Hai. Wir waren neunzehn. Wir waren böse. Wir lasen André Gide und nahmen ausgeklügelte Posen ein, um zu zeigen, dass wir auf alles schissen.« (Deutsch von Ditte und Giovanni Bandini).

Jedenfalls freue ich mich auf den Sadie-Hawkins-Tanz heute Abend (Anm. des Übersetzers: hier laden die Frauen die Männer ein), auch wenn ich noch nicht (offiziell) eingeladen worden bin, obwohl ich gegenüber Frau B. während der vergangenen Woche immer wieder Andeutungen gemacht habe.
     Die mir auf Twitter folgen, werden wissen, dass die Ratten, die unser Grundstück so überreichlich bevölkern, nicht vom Aussterben bedroht sind, und dass ich gerade erst den siebenundneunzigsten Vertreter dieser Spezies in die Santa Ynez Berge verfrachtet habe (aber ich habe nur seit gut zwei Jahren mitgezählt, so dass ihre listigen Vorgänger in ihrem ganzen Herrschaftsgebiet nicht mitgerechnet sind). Ich möchte sie nicht ermutigen – und ich bin auch kein Dave LaJoy, der Retter der Ratten aus Wenn das Schlachten vorbei ist – aber weil Gift verboten ist, da es in der Nahrungskette hochsteigt und verheerenden Schaden in den Populationen der tierischen Jäger, sowohl der geflügelten wie der vierfüßigen, anrichtet, und die Ratten viel zu schlau für die Schnappfallen sind, habe ich hierbei kaum eine andere Wahl. Ich ködere sie in der Havahart-Lebendfalle mit Erdnussbutter und warte auf das Ergebnis. Ach, die Natur!
     Was die Neuigkeiten angeht, die mehr zum eigentlichen Zweck dieser Website passen, so kann ich sagen, dass die letzten paar Wochen eine ganze Menge davon brachten. Erstens, sowohl Ecco in den USA als auch Bloomsbury im U.K. haben Taschenbuch-Ausgaben des Romans vom letzten Herbst, Hart auf hart, herausgebracht, und Grasset wird nächsten Monat Bernard Turles Übersetzung dieses Romans, Les vrai durs, veröffentlichen, zeitgleich mit meiner Reise nach Paris in der dritten Woche des Monats. Davor, am zehnten März um 18:30, werde ich in der Carson Soundstage an der University of Southern California auftreten, zusammen mit Geoff Dyer und einer Gruppe von Chris Sampsons außerordentlich begabter Studentinnen und Studenten von der Thornton School of Music, für einen Abend mit Lesung und Musik, sowohl Rock als auch Jazz. Später im Jahr, im Oktober, bringt Ecco The Terranauts heraus, und der Hanser Verlag in einem ganz neuen Jahr, im Januar, Die Terranauten in Dirk van Gunsterens Übersetzung. (Übrigens: Dirks Neu-Übersetzung von Budding Prospects, Grün ist die Hoffnung, ist als gebundene Ausgabe bei Hanser veröffentlicht worden und lädt zu Vergleichen mit der ursprünglichen Übersetzung von Werner Richter ein.) Ebenfalls für die Tournee hier in den USA ist ein Auftritt in der zweiten Oktoberhälfte in der New York Public Library vorgesehen, Einzelheiten dazu folgen, genau wie die ganzen Details für beide Tourneen, sobald sie dann im Laufe des Jahres verfügbar sind.
     Jetzt erstmal Auf Wiedersehen. Ich habe gerade die dritte der neuen »Nach-Terranauten-Geschichten« fertig, Jesus der Krieger, und ich komme bei einer weiteren gut voran und hoffe auf noch eine Handvoll, die die nächste Sammlung vervollständigen sollen, die The Relive Box and Other Stories heißen wird. Was bedeutet, ich fang jetzt lieber an zu arbeiten.
     Ciao.


Im Original erschien der Text am 29. Februar 2016 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.