Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

In letzter Zeit ist der Himmel grau und nicht blau, genau so wie er für mich sein soll. Trotz allem schien die Sonne für uns alle am vergangenen Wochenende beim L.A. Times Festival of Books, wo ich Blue Skies zum ersten Mal vorgestellt habe (vor der Veröffentlichung sowohl der hiesigen als auch der deutschen Ausgabe Mitte Mai). Es ist immer eine Herausforderung, einen Auszug für die Lesung zu wählen, und in diesem Fall habe ich mich für die Anfangsszenen entschieden, die keiner einführenden Erklärung bedürfen und den Zuhörer sofort mitten ins Geschehen hineinreißen. Der Auszug, der in Kürze auf www.tcboyle.com veröffentlicht wird (und derzeit online auf Narrative erscheint) stellt die Hauptfigur, Catherine (Cat) Cullen, vor, sechsundzwanzig Jahre alt und neu in Florida, die von Kalifornien in den Sunshine State gezogen ist, um dort in einem Strandhaus zu wohnen, das ihr Verlobter nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter geerbt hat. Die beiden anderen Hauptfiguren, ihre Mutter und ihr Bruder, bleiben zurück in einer Küstenstadt, die sehr stark der ähnelt, in der ich jetzt sitze und diese Nachricht an Euch schreibe: Santa Barbara. Dieses Setup zweier konkurrierender Küsten ermöglicht es mir, meteorologische Bedingungen gegenüberzustellen (Dürren und Feuer versus Anstieg des Meeresspiegels und Überschwemmungen), und gleichzeitig zu erforschen, was es bedeutet, mit dem Klimawandel zu leben, der uns jetzt alle betrifft, egal, wo wir leben.
     Das Buch ist ein Gegenstück zu Ein Freund der Erde aus dem Jahr 2000, welches ins Jahr 2026 vorausschaute und uns Dürre, Regen, Tilapia Sushi, zahme Hyänen, eine Epidemie und einige ernsthaft engagierte Umweltaktivisten bescherte. Blue Skies fängt dort an, wo wir heute stehen und blickt voraus in die unmittelbare Zukunft mit Wetterkatastrophen, Insektenapokalypse, Riesensturmfluten und so weiter. Zu Beginn folgen wir Cat, die gelangweilt und ruhelos ist, während ihr Freund sich intensiv mit seinem Auto beschäftigt, und die nach etwas auf der Suche ist, das ihre Aufmerksamkeit fesselt und ihren Tag ins Gleichgewicht bringt. Sie stößt auf einen Laden namens Herps und wird von einer gewaltigen burmesischen Pythonschlange angezogen, die im Schaufenster ausgestellt ist. Ja, sie geht shoppen und betrachtet unsere ophidischen Freunde im Wesentlichen als Mode-Accessoires. Sie kauft eine junge Burma-Schlange in der Absicht, sie um den Hals zu tragen, um sowohl online (sie ist Möchtegern-Influencerin) als auch in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erregen. Eine Schlange in der Handtasche in der Eröffnungsszene eines Romans ist natürlich, wie es ein Journalist beschrieb, so etwas wie eine Pistole auf dem Kaminsims im ersten Akt eines Theaterstücks von Tschechow.
     Ich werde einige öffentliche Auftritte für das Buch absolvieren und lasse es Euch sowohl hier als auch auf Twitter wissen, sobald ein endgültiger Zeitplan vorliegt. Bisher weiß ich, dass ich Mitte Mai in Miami und St. Petersburg (Florida) sein werde, auch in Austin und Santa Barbara, und in der zweiten und dritten Juniwoche in Deutschland und Österreich. Wieder einmal werde ich mich in den nicht ganz so freundlichen Himmel erheben, aber ich werde ganz bestimmt keine Schlangen, ob klein oder groß, mit ins Flugzeug nehmen. Finden das alle okay?


Im Original erschien der Text am 30. April 2023 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.