Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Sabine Anders

 

Wenn die Tage vorbeifliegen wie in einem der alten Kalender in Kinofilmen, wo die Zahlen sich bewegen und auf der Leinwand tanzen, versuche ich gerade, mit meinem Finger auf einen Tag oder vielleicht eine Woche zu zeigen und alles anzuhalten. Oder wenigstens ein bisschen zu verlangsamen. Was ich damit meine, ist: Ich bin am Ende einer Phase angelangt und stehe genau heute in einer köstlichen Pause zwischen der Fertigstellung einer ganzen Menge Dinge und dem Anfang des nächsten Projekts. Deshalb ist es eine ideale Zeit für mich, hier an meinem Schreibtisch zu sitzen, an diesem wundervoll verhangenen und nebligen Tag an der kalifornischen Küste, und meinen monatlichen Blog auf den neuesten Stand zu bringen, um ein paar Neuigkeiten mit Euch zu teilen.
     Wie dieser unerschrockene Diskussionsteilnehmer James im Forum berichtet hat, hatte ich letztes Wochenende mehrere Auftritte auf der Buchmesse in Los Angeles, einschließlich einer Vorführung meiner neuesten und letzten Geschichte, vor einem vollen und gemütlichen Haus, die ich in dieser nun abgelaufenen Epoche des Kalenderjahres geschrieben habe, ganz zu schweigen vom natürlichen Jahr, nämlich das, nach dem wir alle dazu tanzen, wie sich die Erde stöhnend um ihre abgenutzte, alte Achse dreht. (Die sich, laut National Geographic, einen ganzen Inch verschieben wird wegen der Wassermassen, die sich hinter dem Dreischluchtendamm aufstauen, den die Chinesen gerade bauen.) Die Geschichte, die ich erst letzte Woche zu Ende geschrieben habe, heißt In the Zone und beschäftigt sich mit den Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahre 1986. Das Bemerkenswerteste daran ist, dass die dort heimischen Tiere zurückkehren, die während der Nutzung des Landes durch den Menschen selten geworden oder ganz verschwunden waren. Wie ich zum Publikum gesagt habe, habe ich im Sommer 1987 zufällig im Westen Irlands gewohnt, zu einer Zeit, als meine Kleinen die einheimische Milch nicht trinken konnten, weil das Grass wegen der radioaktiven Wolke verseucht war, die im Jahr zuvor von der Ukraine herüber geweht war. Darüber habe ich sehr lange nachgedacht – und natürlich war ich schon immer von dem Gedanken fasziniert, dass die Natur sich wieder erholt, egal wie angeschlagen oder verseucht sie ist. Und daher: In the Zone. Die Geschichte spielt 1989 und schildert die Rückkehr zweier älterer Leute in ihren Heimatort in der Todeszone. Ich werde sie mit Euch teilen, wenn sie veröffentlicht ist.
     In der Zwischenzeit bleibt uns der Anfang von Wenn das Schlachten vorbei ist (von Viking für den nächsten März vorgesehen) in der aktuellen Ausgabe von McSweeney’s, und die Kurzgeschichte The Silence, in der neuen Ausgabe des Literaturmagazins des Atlantic’s. In Europa, wie uns Holger von tcboyle.de freundlicherweise mitteilte, hat Das wilde Kind, die allein veröffentlichte Erzählung, in Deutschland, der Schweiz und Österreich für viel Wirbel gesorgt. Und während ich mich in der Recherche für den nächsten Roman einrichte – ein Prozess, der morgen anfängt – kann ich Euch Neuigkeiten bieten, was in der Zwischenzeit zwischen diesem, was ich hier schreibe, und der Veröffentlichung von Killing demnächst erscheint: Harper’s wird die vierte Geschichte der neue Sammlung veröffentlichen, What Separates Us From the Animals, und der Playboy wird die fünfte bringen, Good Home, die von dem »Sport« Hundekämpfe inspiriert ist. All das ist in Ordnung und ich bin an diesem Punkt genau dann angekommen, als ich gehofft hatte.
     Und jetzt? Jetzt richte ich mich für eine Runde Lesen und Notizen machen ein und für mindestens eine Fahrt zu dem Schauplatz des nächsten Romans. Und wo könnte das sein? Ich fürchte, ich bin noch nicht ganz bereit, das jetzt schon preiszugeben. In der Zwischenzeit gedeiht bitte und freut Euch und bleibt glücklich. Und bedankt Euch bei Sonya Sones für das Foto anbei, das mich in dem (im wahrsten Sinne des Wortes) grünen Zimmer zeigt, kurz bevor ich letzten Sonntag die Bühne betrat.


Im Original erschien der Text am 27. April 2010 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Foto: Sonya Sones. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Sabine Anders.