Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Ich habe mir immer gewünscht, ich wäre am 29. Februar geboren worden, denn dann könnte ich mein Alter durch vier teilen und bliebe für immer jugendlich. Wenn das nämlich der Fall wäre, würde ich immer noch Körbe werfen, durch den Ärmelkanal schwimmen und in den Clubs tanzen, bis sie schließen, nicht zu vergessen die Nachtclubs. Ich würde immer noch lange Haare haben, meine Unterwäsche würde nicht klemmen und meine Füße nicht wehtun. Ich würde Bier statt Wein trinken. Ich würde nie schlafen. Ich trüge wie Atlas die Welt auf meinen Schultern. Aber, leider, leider, wurde ich im Dezember geboren und muss mich also wie alle anderen in Richtung Verfall schleppen.
     Weil wir gerade davon sprechen, und da ich nicht mehr so flott mit dem Schöpfeimer unterwegs bin wie früher, machten mich die Wassermassen, die sich über uns gestaut haben, seit ich zuletzt mit Euch kommuniziert habe, für eine Weile ziemlich nervös. Ich spülte das Fallrohr der Regenrinne aus, um das Laub und den Dreck, der sich dort angesammelt hatte, zu entfernen und stellte einen Trog unter den Dachvorsprung, wo sich das überschüssige Wasser anzusammeln pflegt und einen Mini-Niagarafall verursacht, was dann wiederum den Erdboden total durchnässt und dann zu unserem riesengroßen Ärger zu einer Überflutung des Kellers führt. Ob diese Strategie erfolgreich ist oder nicht, kann ich nicht sagen, aber es gab keine größeren Wasserprobleme im Haus mehr, allerdings waren die Regenfälle auch nicht so heftig, dafür aber lang anhaltend. Nichtsdestotrotz fand ich mich mehrere Male auf meinen nassen Knien in nasser Regenjacke auf dem nassen Gehweg wieder und saugte am nassen Ende des nassen Schlauchs, der den Trog entwässert, so dass das Wasser die Einfahrt hinunterfließen konnte. Alles in allem? Es war eine Freude, und wenn ich nun einem weiteren Tag diese blöde Sonne ertragen muss, kann ich nur hoffen, dass der Regen wiederkommt. Aber höflich. Und sanft.
     Was die Neuigkeiten betrifft, so habe ich gerade von meinem langjährigen französischen Verleger Grasset Exemplare von Un Ciel Si Bleu (Blue Skies) erhalten, in der Übersetzung von Bernard Turle, und ich habe erfahren, dass es in diesem Herbst zwei getrennte deutsche Theaterproduktionen von Blue Skies geben wird, wenn der Hanser Verlag I Walk Between the Raindrops in deutscher Übersetzung herausbringen wird. Das nennt man gutes Timing.
     Das Neueste hierzulande ist, wie ich letzten Monat erwähnt habe, dass eine weitere der neuen Erzählungen, The Maneater, bald im Narrative erscheinen wird. Sie ist eine Hommage an das Werk von Kenneth Anderson, des anglo-indischen Autors von Großwild-Jagdgeschichten, die mich als Kind begeistert haben. (Siehe auch den Eintrag vom letzten Monat, wenn Ihr einen Eindruck bekommen wollt.)
     Inzwischen hat sich, während ich diesen Bericht an Euch verfasse, der Himmel wieder zugezogen, und ob nun Feuchtigkeit herunterkommt oder nicht, ich muss sagen, dass sich meine Stimmung sehr verbessert hat. Mein Gang ist leicht und ich trage einen großen Regenschirm.
     Ciao.


Im Original erschien der Text am 29. Februar 2024 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann.