Refreshed

September 2020. Es mangelt gegenwärtig nicht an unerfreulichen Neuigkeiten. Umweltkatastrophen, Flüchtlingsdramen, sich spaltende Gesellschaften, Narzissten und Despoten, die an ihren Stühlen kleben, die Corona-Pandemie, Fake News, Verschwörungstheoretiker, soziale Kälte und die dunkle Vorahnung, dass Herbst und Winter die Lage nicht wesentlich verbessern werden.

Was uns bzw. das Anliegen unserer Internetseiten betrifft, sieht es auch nicht ganz so rosig aus. Im Januar 2021 wird im Hanser Verlag der neue Roman von T.C. Boyle, Sprich mit mir, erscheinen, noch vor der Originalausgabe in den USA. Das allein ist natürlich ein Grund zur Freude. Aus nachvollziehbaren Gründen wird T.C. Boyle jedoch nicht – wie sonst üblich – nach Europa reisen (können), um uns sein neuestes Werk vor Ort vorzustellen. Keine Live-Auftritte, keine ausverkauften Säle, kein Interview-Marathon durch die deutschsprachige Medienlandschaft. All das muss dieses Mal remote abgewickelt werden, wie so vieles in diesen Tagen.

Um sich dafür zu wappnen und um die düsteren Zeiten, in denen wir gerade herumirren, ein wenig aufzuhellen, haben wir www.tcboyle.de ein frisches Kleid übergestülpt und damit, so unsere Intention, ein kleines Teelicht aufgestellt. Es bot sich an. Keine Buchmesse. Keine Dienstreisen. Nur noch Home Office. (Ein Schicksal, das wir zurzeit vermutlich mit vielen von Euch teilen.) Da hat man eben Zeit für solche Dinge.

Die Überarbeitung unserer Seiten war aber auch notwendig, weil die zuletzt verwendete Technik wieder mal in die Jahre gekommen ist. Glücklicherweise hatten wir vorgesorgt, sodass dieser (inzwischen vierte) Webrelaunch um ein Vielfaches leichter zu bewältigen war als der vor zehn Jahren. (500 Seiten HTML lassen sich nicht mal eben nach Feierabend in ein Content Management System gießen.) Erforderlich war die Auffrischung aber auch deshalb, weil T.C. Boyle in Bälde selbst einen neuen Internetauftritt präsentieren möchte, voraussichtlich Anfang kommenden Jahres, und dann wollen wir mit unserem Webrelaunch nicht dazwischen funken.

Was hat sich bei uns geändert? Zuallererst viel Unsichtbares, mit dem wir jetzt Updates von WordPress, PHP, MySQL und anderem technischen Gedöns besser handhaben können. Am Layout haben wir ebenfalls ein bisschen gefeilt und dabei unter anderem die Zitate von Boyles Protagonisten wieder eingebunden, die bereits Bestandteil von www.tcboyle.de 1.0 waren (die Älteren werden sich erinnern).

Außerdem ist zu vermelden, dass wir seit kurzem bei Instagram unterwegs sind. Dort präsentieren wir ausgewählte Fotos von Boyles Twitter-Account (von ihm autorisiert), aber auch Perlen aus der eigenen Bilderschatulle. In 17 Jahren hat sich so einiges angesammelt.

Nicht mehr ganz so neu, aber noch nicht kommuniziert, ist die Nachricht, dass unsere Seiten inzwischen in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet sind. Das heißt, wir können jetzt alle beruhigt pleitegehen oder an Covid19 sterben. www.tcboyle.de wird es überleben, sofern nicht einer der eingangs erwähnten Staatenlenker mit Bomben um sich wirft.

Zu verdanken haben wir diese Aufnahme einem Gespräch am Stand der Deutschen Nationalbibliothek auf der Frankfurter Buchmesse 2019 und vermutlich dem Umstand, dass einige von Boyles Texten in deutscher Übersetzung (von Sabine Anders und Ulrich Tepelmann) nur bei uns zu finden sind. Und ganz sicher auch unserer langsam, aber stetig wachsenden Community. Und ja, das seid Ihr! Ohne Euch und Euren Zuspruch, insbesondere in den sozialen Medien, würde es diese Seiten schon längst nicht mehr geben.

Vielleicht ist also doch nicht alles ganz so übel, wie es gerade erscheint. Schauen wir zuversichtlich in die Zukunft und fokussieren wir uns auf das Jahr 2022, wenn T.C. Boyle hoffentlich ein weiteres Mal leicht widerwillig in den Flieger steigt und dennoch gesund und munter über den Atlantik jettet, um nicht nur Sprich mit mir vorzustellen, sondern seinen dann ebenfalls veröffentlichten Kurzgeschichtenband I walk between the Raindrops.

 

Sind wir nicht Menschen – Pressespiegel

Am Montag, den 17. Januar 2020, erschien im Hanser Verlag T.C. Boyles neuer Erzählband Sind wir nicht Menschen. Das Buch enthält alle Geschichten aus dem Originalband The Relive Box sowie die letzten sieben Erzählungen aus dem Sammelband T.C. Boyle Stories II.

Auf dieser Seite sammeln wir wieder die Besprechungen und geben Euch so einen Überblick, wie hierzulande Presse und Buchblogger über Boyles neue Kurzgeschichten-Kollektion denken und urteilen.

 


 

Boyle-Story als Podcast

Am 17. Februar 2020 erscheint im Hanser Verlag T. C. Boyles neuer Kurzgeschichtenband Sind wir nicht Menschen.  Die neuen Short Storys nehmen uns mit auf eine bewegte Reise in unsere unheimliche Zukunft. Eine Zukunft, in der der kirschrot phosphoreszierende Pitbull das klavierspielende Mikroschwein der Nachbarin zerfleischt. In der durch Genmanipulation perfekte Kinder aus dem Katalog gezeugt werden oder man mit der Relive Box in die eigene Vergangenheit reisen kann. Informationen zum neuen Erzählband von T.C. Boyle findet Ihr hier.

Boyles Kurzgeschichte Der Beauftragte – ab 10. Februar 2020 als Podcast

Natürlich werden die neuen Kurzgeschichten auch wieder als Hörbuch erhältlich sein. Es erscheint nur eine Woche später, am 24. Februar, im Münchener Hörverlag. Als Sprecher konnte erneut der bekannte deutsche Schauspieler Florian Lukas gewonnen werden. Außerdem ist T.C. Boyle im Originalton zu hören: Er liest die Titelgeschichte Are We Not Men.

Als Appetitanreger präsentiert der Hörverlag unter dem Label »Hörverlag Serials« die Short Story Der Beauftragte vorab als Podcast. Die insgesamt sieben Episoden erscheinen am

  • 10. Februar: Folge 1
  • 12. Februar: Folge 2
  • 14. Februar: Folge 3
  • 17. Ferbuar: Folge 4
  • 19. Februar: Folge 5
  • 21. Februar: Folge 6
  • 24. Februar: Folge 7

und sind auf allen bekannten Streaming-Portalen wie Audio Now, Spotify und Apple Podcast zu hören. Weitere Infos gibt’s auf www.hoerverlag-serials.de und dem dazugehörigen Instagram-Account.

 

 

What’s New? 20/01/2020

Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Ein Jubeltag für Euren ach so armen und bescheidenen Autor: Heute habe ich letzte Hand angelegt an zwei Bücher und sie an meinen Agenten geschickt, der sie dann wiederum an meinen Verleger schickt. Das erste ist der neue Roman, von dem ich Euch hier im Lauf des letzten Jahres berichtet habe und welchen ich am 12. Januar vollendet und nun fertig durchgesehen habe. Er heißt The Familiar und taucht ein in das Reich des tierischen Bewusstseins, nachdem Das Licht das menschliche Bewusstsein erforscht hat. Er bringt es auf schlanke 255 Seiten, was in dem Eineinhalb-Zeilen-Abstand, in dem ich schreibe, ungefähr dieselbe Anzahl an gedruckten Seiten ausmacht.
     Das zweite Buch ist eine Sammlung von Geschichten, die ich für meinen Verleger Ecco zusammengestellt habe, als Teil seiner Serie mit Kurzgeschichten-Bänden. Sie heißt When I Woke Up This Morning, Everything I Had Was Gone. Apropos schlank: Nach den zwei dicken Kurzgeschichten-Bänden und den neuen Erzählungen in The Relive Box von 2017 (erscheint auf Deutsch am 17. Februar unter dem Titel Sind wir nicht Menschen) enthält dieser Auswahlband lediglich zwölf Geschichten, ausgesucht aus meinen Sammlungen seit 2000. Ist das ein »Das Beste aus…«? Nicht unbedingt. Ein Best-of wäre mindestens zweimal so umfangreich, aber keine Angst, ich habe ein paar meiner Lieblinge hierfür ausgesucht. Was den Roman angeht, so kann ich nicht viel mehr verraten, als ich an dieser Stelle schon getan habe, aber bleibt dran, je mehr das Jahr fortschreitet, desto mehr Neues werdet Ihr über dieses und jenes erfahren.
     Wann soll er erscheinen? Das hängt ganz von meinem Verleger ab. Wir könnten es im Herbst machen, oder eher nächstes Jahr um diese Zeit. Ich hoffe, es wird wenigstens einen Auszug geben, je näher der Termin rückt, und dazu ein paar Kurzgeschichten, weil ich gerade dabei bin, die nächste Sammlung von neuen Geschichten fertigzustellen, benannt nach der Geschichte, die im New Yorker erschienen ist: I Walk Between The Raindrops.
     So. Was mache ich jetzt? Ich werde alle, die mir nahe sind, lieben, und dazu eine Menge Leute, die mir nicht nahe sind, Frau Boyle und meine Kinder umarmen (und meine Tiere), lange Spaziergänge unternehmen, ein paar Bar-Tresen mit meinen Ellenbogen polieren und … wenn die Zeit dafür gekommen ist, schreiben, schreiben, schreiben.

P.S. Der Jubel kommt, der Jubel geht: Ich glaube, ich war ein bisschen vorschnell: mein Agent teilt mir gerade mit, dass es Probleme mit der Sammlung von Geschichten gibt. Wir müssen das wohl fürs Erste zurückstellen. Bleibt dran, bis ich Neues verkünden kann.

 


 

Im Original erschien der Text am 20. Januar 2020 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Foto: T.C. Boyle.

 

What’s New? 24/12/2019

Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Festliche Zeiten. Die Regentonnen laufen über, die im Laden gekauften Kastanien warten auf die Pfanne, die sie hinein in den Backofen befördern soll, die Familie ist in trauter Gemeinschaft. Trotz eines als sehr kontrovers empfundenen vergangenen Jahres und in Erwartung eines kommenden, das uns entweder erlösen wird von dem Bösen oder der amerikanischen Demokratie den Todesstoß versetzen wird, fühle ich doch eine Spur Freude in mir aufkommen (und nein, ich habe den Sekt bisher noch nicht aufgemacht).
     Ich bin Euch hingebungsvollen Lesern und langjährigen Messagistas zutiefst dankbar, dass Ihr mir helft die Kultur lebendig zu halten und, mehr noch, mich selbst am Leben zu erhalten. Zu wissen, dass es Leser gibt, die begierig auf meine Arbeit sind, sorgt für enormen Auftrieb, wenn ich morgens aus meinem Bett springe, um mich an diesen Rechner zu setzen und mich erneut in einen Traum zu stürzen. Der neue Roman, The Familiar, strebt jetzt seiner Vollendung entgegen, und ich hoffe, mich in den nächsten Monaten mit diesem Prozess herumzuplagen.
     Da wir gerade davon sprechen, ich habe neulich im National Public Radio ein Interview mit der neunundachtzigjährigen Edna O’Brien gehört, in dem es um ihren letzten Roman ging. Sie sprach von der unbändigen Freude des Schreibens, aber auch von der Sorge, die unablässig im Hinterkopf eines jeden Romanautors herumgeistert. Was soll das? fragt man sich. Wohin führt das? Ist das glaubwürdig? Ist es das Beste, was ich zu geben in der Lage bin? Selbst jetzt, da ich dieses Schreiben an Euch verfasse, befällt mich die Sorge – sie wird in Kürze Form annehmen, wenn ich mein Tagwerk beginne, aber wenn ich dann fertig bin, freue ich mich darauf, mit meinen Freunden und meiner Familie zu feiern. Es wird ein Kaminfeuer geben, eine Katze, die sich nach Wärme sehnt und einen dankbaren Hund, ebenso wie den schon erwähnten Sekt, und wir lesen Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Keine Sorgen weit und breit. Läutet die Feiertage ein!

 


 

Im Original erschien der Text am 24. Dezember 2019 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Foto: T.C. Boyle.