What’s New? 04/08/2019

Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Alles, was irgendwie mechanisch, mathematisch oder elektronisch ist, erscheint mir seit jeher rätselhaft und frustierend. Auch jetzt, während ich hier an meinem Schreibtisch sitze und diese Mitteilung an Euch schreibe, am zwanzigsten Jahrestag von tcboyle.com, muss ich feststellen, dass sie Euch in den kommenden Tagen nicht erreichen wird, weil unser Internet beschlossen hat, umzufallen und sich tot zu stellen. Warum? Genauso könnte man fragen, warum die Planeten über den Himmel treiben oder warum sich das Leben auf diesem herumtaumelnden Planeten entwickelt hat.
     Jedenfalls, vor zwanzig Jahren wohnte ich gerade mal sechs Jahre in diesem Haus, damals Verfasser von sechs Büchern, von denen die jüngsten Riven Rock von 1998 und T.C. Boyle Stories II waren, und mein Sohn Milo, damals 16, meinte, ich bräuchte einen Internet-Auftritt und schrieb das Programm für diese Seite. Es war einer der frühen Auftritte von Autoren, und er war, viele von Euch werden sich erinnern, ein lebhafter Ort für literarische Diskussionen, Analysen und Kommentaren über meine Arbeit und ebenso über die anderer Autoren. Eine Gemeinschaft begann sich herauszubilden, lange vor dem Aufkommen der sozialen Medien, und die Unterstützung, die ich von dieser Community erfahren habe – ich rede hier von Euch, liebe Leute – hat mich aufrechterhalten, während all der Bücher, die ich seitdem geschrieben habe. Dafür bin Euch zutiefst dankbar. Während wir nun in das einundzwanzigste Jahr gehen, möchte ich mit Euch allen feierlich das Glas erheben, im Gedenken an die, die nicht mehr unter uns weilen: Sandye Utley, DMAC und Rob Kunkel.
     Angefügt ist der allererste Beitrag, den ich hier geschrieben habe (Blog-Eintrag, bevor das Wort »Blog-Eintrag« überhaupt existierte, so viel ich weiß), und ich präsentiere ihn im Geiste einer nostalgischen Dankbarkeit allen gegenüber, die sich hier mitteilen, und für meine Leser da draußen, die mich von Anfang an unterstützt haben. Diesen Anfang markiert die Veröffentlichung von Tod durch Ertrinken, zwanzig Jahre bevor Milo daherkam und uns vor zwanzig Jahren diesen elektronischen Versammlungsort schenkte. Das ist doch eine hübsche Symmetrie, oder?

P.S. Das Foto zeigt den jungen Milo mit Frau B.

 


 

Im Original erschien der Text am 04. August 2019 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Foto: T.C. Boyle.

 

What’s New? 30/05/2010

Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Sabine Anders

 

Als Antwort auf die Frage, die Mr. P. in seiner Nachricht im Diskussionsforum gestellt hat (»Wo ist B.?«), habe ich folgendes zu berichten: Ich war auf Reisen. Nicht zur Buch-Expo, wie Mr. P. vermutete, sondern eher zum Vergnügen, für mich wirklich eine seltene Art zu reisen. Als erstes war ich auf der Hochzeit meines lebenslangen Freundes Maslovat in Chicago, wo ich die architektonische Bootstour auf dem Fluss unternommen und sorgfältig an meinem andauernden Projekt gearbeitet habe, mindestens zweimal in jede Bar in den Vereinigten Staaten zu gehen. Alles ging im Delirium gut, bis Frau Boyle und ich den Flug zurück nach L.A. nahmen und entdeckten, dass wir bis zum Abflug drei Stunden und vierzig Minuten auf der Rollbahn im Flugzeug sitzen sollten. Warum? Weil es der Fluggesellschaft gefiel, uns festzuhalten durch eine Reihe von kleineren, maschinellen Notfällen und dadurch, dass sie das Passagierverzeichnis skrupellos durcheinanderbrachten (wir mussten nicht einmal zum Gate zurück, sondern zweimal), sodass ich es nach einiger Zeit sogar mit Humor nahm, allerdings mit der Art von Humor, die man fühlt, wenn der Zahnarzt mit dem Bohrer abrutscht. Das war eine Fluggesellschaft-Vorführung in der Art, wie man sie von Samuel Beckett Air – oder noch besser, vom Lauren-und-Hardy-Flugunternehmen – erwartet.
     Der zweite Abschnitt meiner Reiseunternehmung vor kurzem führte mich nach Arizona, wo ich meiner Schwester in Kingman einen Besuch abstattete, und dann zu Milo, der letzte Woche in Phönix gearbeitet hat. Daran waren keine Flüge beteiligt. Nur ich und mein rechter Fuß. Die Dattelpalmen blühten, die Wüste zog am Fenster vorbei, Rennkuckucks sprangen auf meinen Befehl umher. Und mir war es vergönnt, einen Tag, einen herrlichen Tag, in einem guten Hotel nur ein paar Schritte entfernt vom Swimming- und Whirl-Pool zu verbringen und nichts tun zu müssen, außer mir erfrischende Getränke einzuverleiben, hin und wieder ins Wasser zu springen und nach Lust und Lause zu lesen, während über mir Bussarde ihre Kreise zogen und das Zwitschern der Sperlinge aus ihren Nischen in den Palmen zu hören war. Jetzt bin ich wieder da. Und dazu bereit, mir weiter Notizen zu machen, womit ich in der ersten Monatshälfte angefangen hatte, in der Absicht, die Gesichtszüge meines nächsten Romans zu entdecken.
     Und das bringt uns zu dem beigefügten Foto. Als ich meinen Anzug für die fantastische Maslovat-Dichtung anzog, langte ich zufällig in die Brusttasche und entdeckte einen zusammengefalteten Briefumschlag. In dem Umschlag waren vier Fotos aus der fernen Vergangenheit und mir fiel ein, dass ich ihn an dem Abend meiner Rückkehr nach Peekskill für die Vierhundertjahr-Feier letzten Herbst in dieser Tasche versteckt hatte. Die Fotos hat mir ein alter Freund gegeben, den ich seit vielen, vielen Jahre nicht mehr gesehen hatte. Er heißt Joel Lynch und teilt sich dieses Foto mit mir. Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Jahr das war, aber die Frisur lässt auf Anfang bis Mitte der 70er Jahre schließen, und der Pullover deutet darauf hin, dass es Winter war. Was die Wohnung angeht, kann ich nur mit Sicherheit sagen, dass sie irgendwo existiert haben muss. Das ist das Wesen der fernen Vergangenheit. Wir waren dort, wir unterhielten uns und hörten Musik, und zweifellos wurden große und wichtige Dinge verbreitet und eine erstaunliche Weisheit nach der anderen geäußert, aber, ach, jetzt ist alles vorbei. Wäre es nicht toll, wenn man solche Szenen nochmal abspielen könnte, und nicht nur als Film, sondern sie im Geiste und auch im Körper nochmal zu durchleben? Aber andererseits, da wir vom Körper reden, nehme ich an, dass es gewisse ausgewählte Szenen gibt, die sich als noch anregender erweisen könnten. Na ja, wenigstens habe ich den Pulli immer noch.

 


 

Im Original erschien der Text am 30. Mai 2010 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Sabine Anders.

 

What’s New? 09/08/2009

Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Sabine Anders

 

Bienvenidos, amigos. Ich fühle mich etwas ertappt hier draußen angesichts der Tatsache, dass ich die letzten fünf Tage geschwänzt habe, während der ganze Rest von Euch das zehnjährige Jubiläum dieser Seite (www.tcboyle.com) gefeiert hat. Ich wollte bei Euch sein, nicht nur um der tiefen Bindungen zu gedenken, die zwischen so vielen regelmäßigen Besuchern dieser Website entstanden sind, sondern auch um ein Glas auf meinen Sohn Milo zu trinken, der als Zehntklässler an der Laguna Blanca Highschool beschlossen hat, dass sein armer alter Papa einen Internetauftritt braucht.
     Sein Vater konnte kaum ahnen, dass er in Ermangelung eines anderen Kandidaten einer der ersten Blogger im Netz werden würde, ungefähr sechs oder sieben Jahre, bevor er den Begriff überhaupt zum ersten Mal hörte. Und er konnte auch kaum ahnen, was für eine Freude dieses Forum so vielen Leuten bereiten würde. Deshalb stoße ich also, mit einiger Verspätung, mit einem Glas Flor de Cana Siete Anos auf Milo und Euch alle, die diese Seite so reichhaltig und tiefsinnig und lohnend gemacht haben, an.
     Ach ja – aber was ist meine Entschuldigung? Was könnte mich nur vom Computer und unserer virtuellen Feier weggezogen haben? Vielleicht gibt der oben erwähnte Rum Aufschluss. Nein, ich war nicht in Nicaragua, woher dieses wundervolle Getränk stammt, sondern in dem kleinen Land gleich südlich davon: Costa Rica.
     Normalerweise geht es mir – magenmäßig gesehen – in den Tropen nicht so gut, und ich hatte ein oder zwei Tage lang einen kleinen Kampf mit aufdringlicher innerer Flora, aber es war die Freude an den Erlebnissen mit den Tieren im Freien, die mich wieder gesund machte. (Glaubt mir, wann immer Ihr an dem erkrankt, was in Mexico Montezumas Rache heißt, schmeißt einfach einen lebenden Skorpion ein, oder zwei – sie sind nicht nur lecker und proteinhaltig, sondern sie vertreiben auch sehr schnell sämtliche inneren Dilemmas, die Ihr haben könntet.) Es war ein Familienausflug, wir fuhren eine Woche lang über Straßen, die WIRKLICH EIN BISSCHEN BESSER SEIN KÖNNTEN UND NÄCHSTES MAL WERDE ICH DIE HANDYNUMMER VOM COSTARICANISCHEN PRÄSIDENT VERLANGEN ODER ICH KOMME EINFACH NICHT, LEUTE, und dann ließen wir uns in einem rustikalen Dschungelhotel nieder, das einem Freund von mir gehört. Das Hotel ist in Cabo Matapalo, an der Spitze der Osa Halbinsel, und es ist ein kleines Wunder. Überall Wildnis, Agoutis, Coatis, die vier Affenarten, Baumfaultiere, Schmetterlinge, Schlangen, Eidechsen und zahllose Vögel, und während keine der Katzen (Margay, Ozelot, Jaguarundi, Puma, Jaguar) sich sehen ließ, waren sie da draußen im Urwald, vermehrten sich, schissen und töteten. Was, für mich zumindest, ein sehr beruhigender Gedanke ist. Hinaus zu gehen (oder sogar nach innen – siehe der oben genannte Skorpion) heißt, zu jeder Tages- und Nachtzeit Lebewesen zu begegnen, ein Wunder in dieser traurigen alten heruntergekommenen Welt.
     Ich werde mir nicht die Mühe machen, detailliert vom Kampf auf Leben und Tod zu erzählen, den wir in tiefster Nacht draußen im Golfo Dulce ausfochten, als der Motor vom Boot meines Freundes ausfiel und wir durch die Unendlichkeit humpelten, ohne Radio- oder Handyempfang, während Dinge in der Größe von Booten um uns herum auftauchten, oder von den angeschwollenen Flüssen, die wir auf der Route 126 nach La Paz mit dem Auto durchwateten, und von seiner arbeitenden Bevölkerung und den matschigen, aufgeblähten Hügeln, die mich an die Unterseite meiner Geschichte La Conchita erinnerten. Nein. Das würde dem Geiste der Unternehmung nicht gerecht. Also was soll’s, wenn ich fünfzig Tode starb und meine mageren Glieder zum Ergötzen von Insekten darbot, die noch nicht einmal entdeckt wurden? So etwas nennt man Abenteuer.
     Und jetzt bin ich wieder da. Meine nächste Reise wird nicht ganz so abenteuerlich werden, dünkt mich. Und höffte mich. Am 16. Oktober werde ich auf dem New Yorker Festival sein und zusammen mit Mary Gaitskill lesen, und am darauffolgenden Abend werde ich im Paramount Theater in meiner Heimatstadt Peekskill meine Show abziehen, wo die ganze Gemeinde World’s End gelesen hat, und danach wird es eine kostenlose Vorführung von Alan Parkers Verfilmung von Willkommen in Wellville geben. Ich habe nicht vor, zumindest während ich dies schreibe noch nicht, auf der Bühne lebende Skorpione zu verspeisen, obwohl ich, wenn ich in der richtigen Stimmung bin, vielleicht ein oder zwei Hühnern den Kopf abbeißen werde.
     Wir sehen uns dann dort, meine Freunde.

 


 

Im Original erschien der Text am 09. August 2009 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Sabine Anders. Foto: T.C. Boyle.

 

What’s New? 06/09/2000

Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

Ab jetzt herrscht Krieg. Vor ein paar Jahren – ich glaube, es war während der Tour für América, vielleicht in der achten Woche – hat irgendjemand irgendwo zu mir gesagt: »Hey, Glückwunsch.« Ich war einigermaßen verblüfft: »Glückwunsch, wofür?« wollte ich wissen. »Dein neues Buch – Glückwunsch!« »Oh«, sagte ich, »ach ja, das.« Ich hatte völlig vergessen, dass das Erscheinen eines Buches ja Grund zur Freude ist – stattdessen wird es für mich immer mehr wie in den Krieg zu ziehen. Und zwar deswegen, weil ich glaube, der Autor (in diesem Fall ich) versucht, etwas unter Kontrolle zu haben, was sich vollkommen der Kontrolle entzieht – nämlich wie sein oder ihr Buch aufgenommen wird. Du kannst das Buch genau so schreiben, wie du es willst, du bist Gott in deinem eigenen Universum, aber wenn das Buch einmal draußen ist, sei auf der Hut (und geh in Deckung).
     Was ich sagen will, ist: Ich komme Euch besuchen. Ja, ich bin sehr gern auf einer Bühne, und ich gebe auch sehr gern Interviews im Radio, im Fernsehen und für Zeitungen, aber immer mehr merke ich, dass der ganze Medienzirkus mich von meiner eigentlichen Arbeit fernhält. Trotzdem kann ich mir ein Leben ohne Tourneen nicht vorstellen, also: da bin ich. Und es wird Spaß machen. Versprochen. Einige frühe Kritiken (vielen, vielen Dank, ihr Mitglieder des Message Boards, dass ihr mich darauf aufmerksam gemacht habt) waren sehr vielversprechend, das macht mir Mut. Die Daten meiner Bühnenauftritte könnt Ihr hier an anderer Stelle erfahren; mein Verlag hat mir gerade einige der Radiosendungen mitgeteilt, an denen ich teilnehme:

  • »Idiot’s Delight«, WNEW Radio, New York, Sonntag, 10.09.; 22:00 – 22:45
  • »The David Brudnoy Show«, WBZ Radio, Dienstag, 12.09.; 21:00 – 22:00 (?)
  • »Public Interest«, WKMU Radio, Washington D.C., Mittwoch, 13.09.; 13:00 – 14:00
  • »City in Exile«, WBAI Radio, New York, 15.09.; 14:00 – 14:30
  • »Mid-Morning Show«, Minnesota Public Radio, Minneapolis; 10:00 – 11:00
  • »The Bill Gallagher Show«, KPAM Radio, Portland, Oregon, Dienstag, 26.09.; 14:00 – 15:00

     Leider kann ich in den nächsten paar Wochen nicht direkt auf Eure Fragen im Message Board antworten, aber Milo wird nach dem Rechten sehen, und natürlich halten Sandye, Jef, Werner und andere Euch dauernd auf dem Laufenden. Und wie versprochen gibt’s auch bald Filmchen (in etwa zwei Wochen, denke ich). Auch sind viele der versprochenen Erzählungen wie angekündigt erschienen, einschließlich Die schwarz-weißen Schwestern im Playboy, Peep Hall in Esquire und Guten Flug im New Yorker. Außerdem habe ich gestern meine Exemplare von Paris Review (Nummer 155) bekommen, mit dem schon lange angekündigten Paris Review Interview (welches ich für ziemlich witzig und auch informativ halte, auch wenn ich einiges von dem erzähle, was schon in meinem Essay This Monkey, my Back steht, aber warum soll man eine Erfolgsmasche nicht beibehalten?)
     Der Erscheinungstermin für Ein Freund der Erde ist der 11. September, aber das Buch wird jetzt wohl in den meisten Läden angekommen sein. Wir werden in den nächsten Wochen unser Bestes geben, es auf die verschiedenen Bestseller-Listen zu bekommen (wohin es gehört, dessen kann ich Euch versichern); das wird jedoch nicht leicht sein, da ja der Schund immer nach oben drängt und besagte Listen verstopft. Ich werde alle Exemplare signieren, einschließlich der alten und zerfledderten, und auch die Neuauflagen meiner älteren Bücher (ich habe heute gerade neu gestaltete Ausgaben von Der Samurai von Savannah und Fleischeslust erhalten). Und damit sage ich gute Nacht, denn ich muss loswackeln und meine Unterwäsche und Zahnbürste einpacken. Wünscht mir alles Gute. Wünscht mir Glück und Frohsinn, ich wünsche Euch das alles auch. Oh, wie macht das Spaß! Ehrlich, gewaltigen Spaß!
     Tschüss!

 


 

Im Original erschien der Text am 06. September 2000 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Foto: T.C. Boyle.

 

What’s New? 17/07/2000

Von T. Coraghessan Boyle

Deutsch von Ulrich Tepelmann

 

So, hier bin ich, zurück von meiner Abenteuerreise nach Alaska. Mein Dank gilt allen Alaskern da draußen – ihr habt unter einem ewigen Winter zu leiden und jetzt auch noch unter meinen blöden spontanen Witzen. Und danke an den Elch, dass ich ohne Sattel auf dir reiten durfte, und an die Grizzlys – besonders an dich, Ginger. Am Tag der Sommersonnenwende befand ich mich nördlich des Polarkreises und habe bis halb zwei Uhr morgens die Sonne betrachtet. Ein paar Tage später habe ich Bergsteigern in Talkeetna zugehört, die die Bezwingung des McKinley planten, habe dazu Guiness getrunken und die Musik von Yukon Ryder ertragen.
     Was die Neuigkeiten betrifft: da gibt’s einiges. Die August-Ausgabe der Zeitschrift Outside ist jetzt erhältlich, mit einem längeren Auszug aus Ein Freund der Erde (gestern hab ich meine Exemplare erhalten). Der Auszug freut mich ganz besonders, denn Elisabeth Hightower von Outside hat alles selbst ausgeschnitten und eingefügt, und sie gibt uns damit einen guten Einblick in das Buch. Das ist viel besser als einfach nur das erste Kapitel abzudrucken, wie es sonst bei Auszügen häufig gemacht wird. Liest sich gut, sieht toll aus, ich bin überglücklich. Das Buch wird wohl irgendwann im nächsten Monat zu haben sein, obwohl der offizielle Erscheinungstermin Anfang September ist. Der Großteil der Tourneedaten steht fest, und Sandye hat sie hier an anderer Stelle gepostet. Ich werde versuchen, Euch eine komplette Liste der Auftritte zu geben, bevor ich Anfang September aufbreche. Was noch bevorsteht: Peep Hall, über die Website eines Voyeurs, wird in der nächsten Ausgabe von Esquire (September?) erscheinen; Guten Flug, über Randale im Flugzeug, kommt wahrscheinlich in der übernächsten Woche im New Yorker; und die sehr skurrile Geschichte Die schwarz-weißen Schwestern ist für den Playboy im September vorgesehen.
     Dank der Arbeit von Sandye, Jeff Tombeur, Werner Richter, Milo und vielen anderen – tatsächlich von Euch allen, die aus dem Message Board so ein lebendiges Forum gemacht haben – ist unsere Website von einer französischen Online-Publikation zur Literaturseite der Woche (letzter Woche?) ernannt worden. Das einzig Negative an unserer Vier-Sterne-Website war, dass sie noch nicht vollständig war (mea culpa). Seitdem habe ich die Abteilung mit Buchauszügen fertiggestellt, da kann man jetzt jedes Buchcover anklicken. Ich hoffe, ich kann bald noch mehr machen, das heißt, Hinweise für Leser von Riven Rock, und die Auflistung (wenn auch nicht die Verlinkung) von herausragenden Rezensionen eines jeden Buches. Und da wir uns dem ersten Jahrestag dieser Website nähern, hoffe ich, dass ich zu Eurer Freude endlich ein paar Videos hochladen kann. In einem Wort: Oh, was für ein Spaß!
     Und nun ins Ausland: Ich hab jetzt erfahren, dass Hanser, mein langjähriger Verlag in Deutschland, im Frühjahr Ein Freund der Erde herausbringt, in der Übersetzung von Werner Richter, und dass das Buch bei Bloomsbury, meinem hochgeschätzten britischen Verlag, diesen Herbst erscheint. (Ich hab mal nachgefragt, ob sie damit rechnen, dass sich mein Buch besser verkaufen wird als dieses Kinderdingens von einer ihrer Autorinnen, einer gewissen Ms. Rowling, aber ehrlich gesagt glauben sie das nicht.)
     Wie viele von Euch mitbekommen haben (im Message Board ging es hoch her, nicht?), bin ich jetzt auch offiziell ein Gartenexperte. Das Interview mit Ketzel Levine, das gestern in der Morning Edition im National Public Radio ausgestrahlt wurde, war eine nette Überraschung. Normalerweise gebe ich ja Interviews, um Werbung für ein Buch zu machen, aber diesmal sind Ketzel und ich einfach nur durch meinen Garten (Dschungel) geschlendert und haben über das Leben und den Tod diskutiert. Das hat Spaß gemacht. Und dann habe ich noch herausgefunden, dass ich auch ein Experte in Sachen Sex bin. Der History Channel war letzte Woche hier, um mit mir zum Thema »Sex im zwanzigsten Jahrhundert« zu sprechen, und ich konnte ihnen mit einem gewissen Grad an Vertraulichkeit verraten, dass ich tatsächlich im zwanzigsten Jahrhundert mindestens ein paarmal Sex hatte, obwohl meine Erinnerung daran doch sehr verschwommen ist. Der Beitrag wird im Februar gesendet, so wurde mir gesagt, und ich hoffe, bis dahin bin ich auch auf einigen anderen Gebieten Experte.
     Gute Nacht und auf Wiedersehen, und Danke an Euch alle, Ihr macht mich so glücklich.

 


 

Im Original erschien der Text am 17. Juli 2000 auf www.tcboyle.com. Veröffentlichung des Textes auf www.tcboyle.de mit freundlicher Genehmigung von T.C. Boyle. Verwendung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Tepelmann. Foto: T.C. Boyle.